Sonntags-Impuls

Impulse unseres Diakons Andreas Webel zur Liturgie am Sonntag

  • 3. Sonntag im Jahreskreis – Beuren – 2021

    1. Lesung:

      Jona 3,1-5. 10
      Das Wort des Herrn erging an Jona:
      Mach dich auf den Weg
         und geh nach Nínive, der großen Stadt,
      und rufe ihr all das zu,
         was ich dir sagen werde!
      Jona machte sich auf den Weg und ging nach Nínive,
         wie der Herr es ihm befohlen hatte.
      Nínive war eine große Stadt vor Gott;
      man brauchte drei Tage, um sie zu durchqueren.
      Jona begann, in die Stadt hineinzugehen;
      er ging einen Tag lang
         und rief: Noch vierzig Tage
         und Nínive ist zerstört!
      Und die Leute von Nínive glaubten Gott.
      Sie riefen ein Fasten aus
      und alle, Groß und Klein,
         zogen Bußgewänder an.
      Und Gott sah ihr Verhalten;
      er sah, dass sie umkehrten
         und sich von ihren bösen Taten abwandten.
      Da reute Gott das Unheil, das er ihnen angedroht hatte,
         und er tat es nicht.

       
    2. Lesung:

      1 Kor 7,29-31
      Ich sage euch, Brüder:
         Die Zeit ist kurz.
      Daher soll, wer eine Frau hat,
         sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine,
      wer weint, als weine er nicht,
      wer sich freut, als freue er sich nicht,
      wer kauft, als würde er nicht Eigentümer,
      wer sich die Welt zunutze macht, als nutze er sie nicht;
      denn die Gestalt dieser Welt vergeht.
       

    Evangelium:


    Mk 1,14-20

    Nachdem Johannes ausgeliefert worden war,
       ging Jesus nach Galiläa;
    er verkündete das Evangelium Gottes
    und sprach: Die Zeit ist erfüllt,
    das Reich Gottes ist nahe.
    Kehrt um
       und glaubt an das Evangelium!
    Als Jesus am See von Galiläa entlangging,
       sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon,
       die auf dem See ihre Netze auswarfen;
    sie waren nämlich Fischer.
    Da sagte er zu ihnen:
       Kommt her, mir nach!
    Ich werde euch zu Menschenfischern machen.
    Und sogleich ließen sie ihre Netze liegen
       und folgten ihm nach.
    Als er ein Stück weiterging,
       sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus,
       und seinen Bruder Johannes;
    sie waren im Boot und richteten ihre Netze her.
    Sogleich rief er sie
    und sie ließen ihren Vater Zebedäus
       mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück
       und folgten Jesus nach.

    Gedanken:
    „Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde.
    Heute wird getan oder auch vertan,
    worauf es ankommt, wenn er kommt.“
    So heißt es in einem Lied. Dieser Kehrvers fiel mir ein, als ich die Texte des heutigen Sonntags las. Denn irgendwie haben alle drei Lesungen mit dem Thema Zeit zu tun.
    „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.“ So sagt Jesus im Evangelium.
    Es ist fast wie eine Zusammenfassung seiner guten Botschaft. Der Evangelist Markus erzählt nicht viel über die Predigt Jesu, aber er erzählt über Jesus selbst, wie er heilt und tröstet, wie er sich den Menschen zuwendet und ihnen in seiner Person die Liebe Gottes vor Augen führt. In dem, was er sagt und tut ist er die Liebe Gottes selbst geworden, eben das Lamm Gottes, ja Gott selbst im Fleisch des Menschen.
    Und diese gute Botschaft vom Reich Gottes, einer Welt nach dem Willen Gottes überwältigt Jesus so sehr, dass sie nicht bei ihm bleiben kann. In Jesus ist dieses Reich gegenwärtig geworden und will sich anderen mitteilen.
    Das sehen wir an der Reaktion der ersten Jünger Jesu im Markusevangelium: Simon, Andreas, Johannes und Jakobus. Sie lassen einfach alles stehen und liegen, um mit Jesus zu gehen, ihm nachzufolgen.
    Sie sind so ergriffen von der Liebe Gottes, die in der guten Botschaft Jesu zum Ausdruck kommt, dass sie fortan alles, ihr ganzes Leben, auf diese eine Karte setzen wollen.
    Es ist ja auch in unserem Leben manchmal so, dass jetzt die Zeit und die Stunde ist zu handeln und nicht erst später. Wenn jemand einen Autounfall hat und hilflos am Straßenrand steht, dann braucht er jetzt unsere Hilfe. Er braucht sie nicht erst dann, wenn unser Terminkalender es zulässt.
    Wenn einer krank ist, dann braucht er unseren Besuch genau jetzt und nicht erst in zwei Wochen, wenn es uns zeitlich besser passt. Dann wird der Augenblick vorüber und die Chance verpasst sein.
    Genau das kommt auch zum Ausdruck, wenn Paulus den Menschen in Korinth schreibt: „Die Zeit ist kurz!“ Und er ruft ihnen ins Gewissen, sich nicht zu sehr an die Dinge dieser Welt zu binden. Er sagt nicht, sich von allem loszusagen und auszusteigen. Aber manchmal verlangt der Einsatz für das Reich Gottes, die Dinge dieser Welt zu relativieren: etwa den Terminkalender und die sogenannten Sachzwänge zu lassen, wenn da jemand ist, der meinen Trost oder Zuspruch gerade jetzt braucht.

    „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“  so ruft Jesus den Menschen zu. „Kehrt um!“ so ruft auch Jona in der Lesung aus dem Alten Testament den Menschen in Ninive zu. Und als die Niniviten tatsächlich umkehren, da geschieht auch etwas mit Gott. Auch er kehrt um und beschließt, das Unheil nicht zu vollziehen. Er wendet sich seinen Geschöpfen neu zu und nimmt sie an.

    Es ist ein großer Bogen, den die heutigen Lesungstexte und das Evangelium schlagen:
    Die Zeit unseres Lebens ist zu kurz und zu entscheidend, um sie im Alltag mit seinen Sachzwängen und Zerstreuungen verkommen zu lassen. Die Umkehr auf den Weg Jesu lässt das Reich Gottes in unserer Welt sichtbar werden und aufbrechen. Die vielen Parolen, vor allem die des Hasses und der Gewalt, werden auf dem Weg Jesu entlarvt und überwunden. Die Liebe Gottes kann so sichtbar werden in unserer Welt. Die Zeit ist da, um die Liebe Gottes in dieser Welt sichtbar werden zu lassen. Trost, Hoffnung und Zuversicht können wachsen – gerade in diesen schwierigen Zeiten ist das notwendig.
    Und Gott? Auch er wendet sich uns immer wieder zu. Er gibt uns nicht auf, sondern hält uns für Wert und würdig, sein Reich in unsere Welt zu tragen und dafür Zeugnis abzulegen.
    In einem Gebet von Peter Boekholt heißt es:
     

    Gott,
    dein Rufen ist nicht laut,
    aber doch unüberhörbar;
    du gibst nicht auf
    du rufst immer wieder
    du lässt keinen aus;
    du rufst mich!
    ….


    Ich höre deinen Ruf genau:

    manchmal rufst du persönlich
    dann wieder durch Boten
    dann wieder durch Texte
    dann wieder durch die innere Stimme

    Dein Ruf betrifft mich!
    Amen.

    Fürbitten

    Jesus Christus traut uns zu, Menschenfischer zu sein,
    er gibt uns Kraft und Zuversicht dazu.
    Im Vertrauen auf seine Hilfe legen wir ihm die Menschen ans Herz,
    die uns besonders wichtig sind.
     

    • Wir denken an alle, die sich um Erkrankte und nur langsam Genesende sorgen,
      die trauern, weil sie geliebte Angehörige oder enge Freunde verloren haben
      und einsam sind.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir denken an die Verantwortlichen im Gesundheitswesen
      und in den sozialen Einrichtungen;
      an die Einsatzkräfte in Impfzentren und Kliniken,
      die sich für die besonders Gefährdeten engagieren und sie schnell versorgen.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir denken an die Regierenden in den Staaten,
      die Atomwaffen geächtet und verboten haben;
      an die politischen und kirchlichen Gruppen,
      die auch in schwierigen Zeiten für Frieden und Gerechtigkeit eintreten;
      und an Politikerinnen und Politiker, die noch zögern, den Verbotsvertrag zu unterzeichnen.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir denken an die Frauen und Männer,
      die Menschenrechte auch in der Weltwirtschaft und im Handel sichern wollen;
      die sich für faire Arbeitsbedingungen und Löhne überall einsetzen.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir denken an die Menschen, die sich für Versöhnung stark machen –
      in den Vereinigten Staaten und bei uns;
      an alle, die statt auf das „zwischen uns“
      lieber auf das schauen, was vor uns liegt.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir sind verbunden mit den Verantwortlichen in unseren Kirchen,
      die nach einer Einigung auf dem Synodalen Weg suchen;
      mit Gläubigen, deren Geduld verbraucht ist und die ihre Kirche verlassen;
      und mit denen, die auf eine gute Zukunft deiner Kirche vertrauen und bleiben.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir denken auch an unsere Toden,
      die ihr Leben im Vertrauen auf dich und deine Liebe gelebt haben
      und die gestorben sind in der Hoffnung auf ein Leben in deinem Reich.
      Christus, höre uns.
       

    Jesus Christus, Freund und Bruder,
    du hast uns gezeigt,
    wie wir mit Wort und Tat Menschen für deine Nachfolge gewinnen können.
    Wir danken dir für dein Vertrauen in unsere Zuversicht und Kraft;
    wir loben deine Stärke – jetzt und bis in deine Ewigkeit. Amen.

  • 2. Sonntag im Jahreskreis – B – 2021

    Evangelium:
     

    Joh 1,35-42

    In jener Zeit
       stand Johannes wieder am Jordan, wo er taufte,
    und zwei seiner Jünger standen bei ihm.
    Als Jesus vorüberging,
       richtete Johannes seinen Blick auf ihn
    und sagte: Seht, das Lamm Gottes!
    Die beiden Jünger hörten, was er sagte,
       und folgten Jesus.
    Jesus aber wandte sich um,
    und als er sah, dass sie ihm folgten,
       sagte er zu ihnen: Was sucht ihr?
    Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister - ,
       wo wohnst du?
    Er sagte zu ihnen: Kommt und seht!
    Da kamen sie mit und sahen, wo er wohnte,
    und blieben jenen Tag bei ihm;
    es war um die zehnte Stunde.
    Andreas, der Bruder des Simon Petrus,
       war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten
       und Jesus gefolgt waren.
    Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon
    und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden -
    das heißt übersetzt: Christus.- der Gesalbte.
    Er führte ihn zu Jesus.
    Jesus blickte ihn an
       und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes,
    du sollst Kephas heißen,
    das bedeutet: Petrus, Fels.

     

    Gedanken

    “Kommt mit und seht …”

    “Wo wohnt eigentlich Gott?” Das ist oft eine Frage von Kindern an ihre Eltern. Unsere Kinder haben sie uns auch gestellt, als sie klein waren. Die einfachste Antwort ist dann: “Er wohnt überall.” Andere Antwortmöglichkeiten sind: “Er wohnt in deinem Herzen.” oder “Er wohnt in der Kirche.” oder “Er wohnt im Himmel.”

    Alle diese Antworten sind richtig. Aber mal ehrlich, keine ist so richtig befriedigend. Jede dieser Antworten ist nicht umfassend. Und eigentlich wollen die Kinder und auch wir Erwachsenen keine Adresse wissen, sondern eher: wie ist Gott eigentlich und was bedeutet er für mich und mein Leben?

    Eben haben wir folgende Worte gehört aus dem ersten Kapitel des Johannes-Evangeliums:

    “36 Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes!

    37 Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. 38 Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, sagte er zu ihnen: Was sucht ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister – wo wohnst du?  39 Er sagte zu ihnen: Kommt und seht! Da kamen sie mit und sahen, wo er wohnte …”

    Die Jünger stellen die gleiche Frage wie die Kinder und hoffentlich auch wir selbst: “Wo wohnst du?” Und Jesus? Er gibt eigentlich keine richtige Antwort. Er sagt einfach: “Kommt und seht!”

    Jesus lädt die Jünger ein, selbst die Erfahrung zu machen. Sie sollen selbst herausfinden, wo er wohnt und vor Allem was das für sie bedeutet.

    Die Jünger gehen mit und machen die Erfahrung, dass Gott in diesem Jesus wohnt, ja, dass dieser Jesus Gottes Sohn ist. In dem, was Jesus tut und sagt, kommt Gott selbst zum Ausdruck.

    Er ist da, wenn sie mit anderen bei einer Hochzeit sind, wie in Kana. Sie erleben ihn, wenn er predigt und von Gott erzählt, sie erfahren, dass er da ist, wenn Kranke heil und Hungrige gespeist werden und Armen eine frohe Botschaft verkündet wird. Und schließlich erleben die Jünger seine Gegenwart im Mahl mit Jesus, wenn er mit ihnen Brot und Wein teilt, seinen Leib und sein Blut. Die Jünger machen die Erfahrung, dass Gott tatsächlich überall gegenwärtig und sichtbar ist, dass er erfahrbar werden kann, wenn Menschen offen sind für seine Gegenwart und in einer lebendigen Beziehung zu Jesus stehen.

    Die Synode hat von den Kirchorten geredet, Orte, an denen Kirche geschieht. Wir grenzen diesen Ort oft auf den Kirchenraum ein, auf die Zeitspanne des Gottesdienstes. Aber, so sagt die Synode, Kirche ist auch anderswo zu finden.

    Gott ist mittendrin, wenn im Altenheim Gottesdienst gefeiert wird oder alte Menschen und Familien sich im Stadtpark zum Picknick im Park treffen. Vor Corona haben wir im Seniorenheim gemeinsam Obstspieße vorbereitet und dann - bei herrlichem Wetter – im Park geteilt. Ältere Menschen, junge Familien und kleine Kinder waren gekommen. Spielgeräte gab es und ein Clown unterhielt Alt und Jung. Verschiedene Generationen haben miteinander ein paar herrliche Stunden im Park verbracht. Vielleicht ist das ja auch so etwas wie ein Kirchort - ein Ort, an dem Kirche geschieht und auch Gott gegenwärtig ist. Oder wenn im Kindergarten in den einzelnen Gruppen von Jesus erzählt wird oder beim Café-International Geflüchtete und Einheimische sich begegnen.

    An Pfingsten jedenfalls haben es die Jünger erfahren dürfen: der Geist Gottes treibt hinaus auf die Straßen, zu den Menschen. Dort muss die frohe Botschaft lebendig werden. Im abgeschlossenen Saal bleiben, das bedeutet Stillstand. Gott ist nicht nur sonntags im Kirchenraum für eine Stunde da - Gott ist immer und überall da. Wir brauchen ihn nur zu entdecken mit all den Menschen zusammen, die das auch möchten.

    Bei diesen Gedanken wird auch deutlich, was die derzeitige Situation für uns bedeutet. Corona, das verbinden wir mit sozialer Distanz, mit Abstand halten und mit der Vermeidung von Kontakten.
    Begegnungen sind in dieser schwierigen Zeit seltener und eingeschränkter und damit scheinbar auch die Orte, an denen wir erfahren können: Gott lebt unter uns. Aber Gott verschwindet nicht einfach aus unserer Mitte. Er bleibt und ist da, wo Menschen sich gegenseitig unterstützen und füreinander da sind. Er ist dabei, wo Menschen kreative Möglichkeiten finden, trotz Distanz und Abstandsregelungen, soziale Wärme und Nähe zu gestalten.

    „Kommt und seht!“ unsere Kirche – also wir – sollten so sein, dass wir diese Einladung Jesu aussprechen können und Menschen bei uns und in unserem Leben erfahren können: „Gott ist lebendig in unserer Mitte!“
    Amen.

     

    Fürbitten

    Jesus Christus fragt: Was sucht ihr.
    In diesen Tagen suchen wir bei Ihm Hoffnung, Trost, Mut und Zuversicht.
     

    • Wir suchen Halt, Herr, und bitten um Kraft
      für alle, die krank sind und leiden,
      für alle, die weiterhin helfen wollen, aber nicht mehr können,
      für alle, die in großer Sorge sind um ihre Angehörigen und Freunde.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir suchen Trost, Herr, und bitten um Deine Zuwendung
      für alle, die trauern,
      für alle Frauen und Männer in der Seelsorge
      und für alle, die die Welt nicht mehr verstehen.
      Christus, höre uns.  
       
    • Wir suchen Hoffnung, Herr und bitten um Deinen Beistand
      für alle, die in Politik und Medizin immer wieder
      schwere Entscheidungen treffen müssen,
      für alle, die zunehmend bedrückt sind von den täglichen Corona-Zahlen,
      für Menschen in ihrer Angst.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir suchen Sicherheiten, Herr, und bitten um Weisheit
      und guten Mut für die ganze Welt,
      für alle, die in den USA oder bei uns in Deutschland und Europa
      um den inneren Frieden ringen,
      für Helferinnen und Helfer in den Krisengebieten der Welt
      und für alle, die sich an Europas Grenzen nach einer neuen Heimat sehnen.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir suchen Heimat, Herr, in deiner Kirche, und bitten um deinen guten Geist,
      für alle, die miteinander im Dialog sind
      und die Einheit der Christen in der Kirche leben,
      für alle, die Missstände benennen und Verantwortung übernehmen,
      für alle, die deiner Einladung folgen möchten,
      zu kommen und zu sehen, wo du wohnst.
      Christus, höre uns. 
       
    • Wir sehnen uns nach einem Leben in Ewigkeit,
      nach deiner Gegenwart und Erlösung von Tod, Leid und Tränen.
      Wir bitten für alle unsere Verstorbenen,
      für die Opfer von Ungerechtigkeit, Gewalt und Krieg.
      Christus, höre uns.

    Lass uns bei Dir bleiben, Herr.
    Bei Dir ist die Quelle des Lebens.
    Dir vertrauen wir uns an, heute und alle Tage, bis in Ewigkeit.

    Amen

     

     

     

  • Taufe Jesu – B – 2021

    Lesung aus dem Buch Jesaja:

    So spricht Gott, der Herr:
    Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze;
    das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.
    Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt,
    er bringt den Nationen das Recht.
    Er schreit nicht und lärmt nicht
       und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen.
    Das geknickte Rohr zerbricht er nicht
       und den glimmenden Docht löscht er nicht aus;
    ja, er bringt wirklich das Recht.
    Er verglimmt nicht und wird nicht geknickt,
       bis er auf der Erde das Recht begründet hat.
    Auf seine Weisung warten die Inseln.
    Ich, der HERR, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen,
    ich fasse dich an der Hand.
    Ich schaffe und mache dich
       zum Bund mit dem Volk,
       zum Licht der Nationen,
    um blinde Augen zu öffnen,
    Gefangene aus dem Kerker zu holen
    und die im Dunkel sitzen, aus der Haft.

     

    Evangelium: Mk 1, 7-11

    In jener Zeit
       trat Johannes in der Wüste auf
    und verkündete:
       Nach mir kommt einer,
       der ist stärker als ich;
    ich bin es nicht wert,
       mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
    Ich habe euch mit Wasser getauft,
       er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
    In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa
       und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.
    Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg,
       sah er, dass der Himmel aufriss
       und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.
    Und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
       Du bist mein geliebter Sohn,
    an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

     

    Gedanken:

    Liebe Schwestern und Brüder,

    In einem Meditationskurs habe ich einmal in einer Fantasiereise die Berufungsworte Gottes an den Propheten Jeremia in die Stille hineingesprochen. Sie klangen so ähnlich, wie die Worte, die im heutigen Evangelium Gott nach seiner Taufe zu Jesus spricht. Fast eine Liebeserklärung Gottes an Jeremia, im Evangelium noch viel intensiver und deutlicher an Jesus: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“

    Als ich nach der Meditation nach Reaktionen und Eindrücken während der Meditation fragte, da fing eine etwa 30-jährige Frau, Mutter von zwei Kindern, spontan an zu weinen. Sie wollte oder konnte nichts zu ihren Eindrücken sagen. Sie konnte nur das überwältigende Gefühl benennen, dass sie innerlich so heftig angerührt hatte: „‘Du bist mein geliebtes Kind.‘ so etwas Schönes hat noch nie jemand zu mir gesagt!“

    Was mich bei diesem Evangelium beeindruckt, ist das Bild vom offenen Himmel und die Worte, die von dort her, von Gott also, zu Jesus gesagt wurden. Für die junge Frau muss während der Meditation tatsächlich einen Moment lang der Himmel offen gestanden haben, muss etwas vom Himmel aufgestrahlt sein. Vielleicht war es für sie die intensive Erfahrung ihrer Sehnsucht, geliebt zu sein, so wie sie war. Und vielleicht war es auch das Aufblitzen der Gewissheit – oder doch wenigstens der Hoffnung –, dass da einer ist, der sie so liebt, wie sie es sich tief im Herzen gewünscht hatte: bedingungslos und vollkommen.

     

    Vergegenwärtigen wir uns doch noch einmal, wie das heutige Evangelium beginnt: Da führt uns der Evangelist Markus mit Jesus an den Jordan, wo Johannes der Täufer die Menschen zur Buße und Umkehr aufruft und zu einer Reinigungstaufe. Und Jesus reiht sich in die Schlange der vielen Menschen ein, die in der Bußtaufe des Johannes von Schuld gereinigt werden wollen. Er reiht sich ein bei denen, die umkehren wollen zu Gott, aus der Gottesferne wieder Gottes Nähe suchen, Menschen, die ihr falsch gelaufenes Leben wieder neu ausrichten wollen. Jesus macht sich gemein mit all den schuldbeladenen Menschen, mit denen, die sich innerlich verbogen und verkrümmt fühlen.  

    In Jesus Christus reiht sich Gott selbst ein in die Schlange der Menschen, die von Johannes getauft werden wollen. Er ist nicht der erste oder der letzte, er ist einfach mittendrin, einer unter Vielen. Aber in der Taufe Jesu verändert sich etwas Entscheidendes: indem Jesus sich durch die Taufe des Johannes ganz auf Gott ausrichtet, richtet sich auch Gott ganz auf ihn hin aus – der Himmel öffnet sich und der Geist Gottes kommt auf Jesus herab. Das heißt doch: in Jesus kommt Gott selbst in unsere Welt. Aus der Gottferne wird Nähe. Jesus wird „geliebter Sohn“ genannt. Er ist sogar nicht mehr der Knecht, wie in der Lesung des Jesaja, sondern er ist geliebter Sohn, der Christus, der Gesalbte Gottes. In ihm wird sichtbar wer Gott für uns sein will: derjenige nämlich, der das geknickte Rohr nicht zerbricht, der Recht schaffen will, der uns an der Hand fassen will und Licht sein möchte für alle, die im Dunkeln sitzen.

    Wir alle sind als Christen getauft, nicht mit der Busstaufe des Johannes, sondern mit der Geisttaufe auf Jesus Christus. Wir sind selbst durch diese Taufe zu Gesalbten geworden, zu Menschen, denen Gott zugesagt hat: Du bist mein geliebtes Kind. Du gefällst mir. Spüren Sie dem einmal nach, welch großartiger Zuspruch in diesen Worten Gottes enthalten ist. Die junge Frau im Meditationskurs hat es gespürt – Gott hat sie mit seinem Zuspruch tief angerührt, mit dem Zuspruch geliebt zu sein, bedingungslos und endgültig.

    Und gibt es etwas Großartigeres, gerade auch in dieser Zeit der reduzierten sozialen Kontakte – neudeutsch: social distancing -, als hineingenommen zu sein in die Nähe Gottes – unwiderruflich, ohne irgendwelche Bedingungen erfüllen zu müssen. Einfach weil wir geliebt sind von ihm.

    Unsere Antwort auf diese Zusage Gottes ist es, diese Liebe weiterzugeben an diejenigen, die noch im Dunkel sind, im Dunkel des Leids, der Armut. Wir dürfen mithelfen, dass auch in unserer Nähe die glimmenden Dochte nicht ausgelöscht werden, sondern das Recht aufgerichtet wird und Licht kommt zu denen, die im Dunkeln sind, ja dass sich der Himmel ein Stück öffnet für die Menschen um uns herum.

    „Mögest du starke Wurzeln haben in den wechselhaften Winden der Zeit.“, so lautet ein irischer Segenswunsch. Die Erfahrung Jesu, die die Evangelisten schildern, muss eine Schlüsselerfahrung für den Menschen Jesus gewesen sein. Sie muss ihm eine Basis für sein Wirken gegeben haben, die durch nichts ins Wanken gebracht werden konnte – nicht einmal durch Verleumdung, Ablehnung und Tod am Kreuz. Jesu Gott war ein naher Gott. Jesus konnte ihn Vater nennen. Dieser Gott war einer, der ihn bedingungslos liebte. Diesem Gott war er ganz nah, wie ein Kind dem Vater. Auf diesen Gott konnte Jesus sein Vertrauen, ja sogar sein ganzes Leben setzen.

    Geliebt zu sein, so wie man ist, geliebt um seiner selbst willen, das ist eine Erfahrung, die uns Menschen stark machen kann, eine Erfahrung, die Mut und Zuversicht schenkt. Welches Vertrauen in die Liebe Gottes muss der Mensch Jesus gehabt haben, welche Zuversicht muss ihm diese Liebe geschenkt haben!

    „Du bist mein geliebtes Kind! An dir habe ich Gefallen!“  Das ist jedem von uns bei der Taufe zugesagt worden. Diese Zusage Gottes steht am Beginn unseres Lebens. Auch uns kann diese Zusage Mut und Selbstvertrauen geben. Wir haben eine Würde, die von Gott her kommt – nicht von uns selbst oder von unserer Lebensleistung. „Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es!“ so steht es im 1. Johannesbrief.

    Diese Würde kann von nichts und niemandem zerstört werden. Von dieser Liebe sollte uns nichts mehr trennen können.

    Diese Liebeszusage Gottes kann auch für uns Basis und Kraftquelle sein, eben „starke Wurzel in den wechselhaften Winden der Zeit.“

    Das Fest der Taufe Jesu steht am Übergang der Weihnachtszeit in die Zeit des Jahreskreises, am Übergang vom Fest zum Alltag. Es will uns an unsere Wurzeln erinnern und an den Grund in dem wir wurzeln: an die Liebe Gottes, die jedem von uns zugesagt und geschenkt ist. Es will uns Mut machen und Hoffnung geben, aus der wir leben können. Dass Sie sich dieser Wurzeln immer wieder bewusst werden und daraus Kraft schöpfen können, das wünsche ich Ihnen von Herzen, gerade in diesen schwierigen Zeiten.

    Amen.

  • Sonntagsimpuls – 2. Sonntag nach Weihnachten – 03.01.2021

    Evangelium:

    Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

    Im Anfang war das Wort
    und das Wort war bei Gott
    und das Wort war Gott.
    Dieses war im Anfang bei Gott.
    Alles ist durch das Wort geworden
       und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
    In ihm war Leben
    und das Leben war das Licht der Menschen.
    Und das Licht leuchtet in der Finsternis
       und die Finsternis hat es nicht erfasst.
    Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt;
    sein Name war Johannes.
    Er kam als Zeuge,
       um Zeugnis abzulegen für das Licht,
       damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
    Er war nicht selbst das Licht,
       er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
    Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet,
       kam in die Welt.
    Er war in der Welt
       und die Welt ist durch ihn geworden,
       aber die Welt erkannte ihn nicht.
    Er kam in sein Eigentum,
       aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. 
    Allen aber, die ihn aufnahmen,
       gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,
    allen, die an seinen Namen glauben,
    die nicht aus dem Blut,
       nicht aus dem Willen des Fleisches,
       nicht aus dem Willen des Mannes,
       sondern aus Gott geboren sind.
    Und das Wort ist Fleisch geworden
       und hat unter uns gewohnt
    und wir haben seine Herrlichkeit geschaut,
    die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
       voll Gnade und Wahrheit.
    Johannes legt Zeugnis für ihn ab
    und ruft:
       Dieser war es, über den ich gesagt habe:
       Er, der nach mir kommt,
    ist mir voraus, weil er vor mir war.
    Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen,
       Gnade über Gnade.
    Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben,
       die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.
    Niemand hat Gott je gesehen.
    Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht,
       er hat Kunde gebracht.

     

    Evangelium unseres Herrn, Jesus Christus.
    Lob sei dir Christus.


    Gedanken:

    Das heutige Evangelium des Johannes, sein Prolog, ist ein faszinierender Text.

    Er wird öfters im Kirchenjahr gelesen, zum Beispiel auch am ersten Weihnachtsfeiertag. Johannes fasst in diesem Prolog das Geheimnis der Menschwerdung, die wir an Weihnachten feiern, auf großartige Weise zusammen.
    Und so abstrakt und trocken der Text auf den ersten Blick erscheint, so treffend und konkret ist er bei genauem Lesen.

    Worte: unsere Sprache, unsere Kommunikation, ist angewiesen auf Worte.
    Durch Worte verständigen wir uns. Dabei unterscheidet die Sprachwissenschaft zwischen verschiedenen Arten von Worten.
    Es gibt Worte, die dienen der Information:
    „Draußen schneit es!“
    „Die Bibel ist ein dickes Buch.“
    „Unser Kind hat blaue Augen und blonde Haare“

    Diese sogenannte informative Rede ist wohl der Hauptbestandteil unserer Kommunikation. Und wie wahr oder falsch diese Worte sind, kann meist einfach nachgeprüft werden. Und ob sie immer wichtig sind, diese Worte, das können wir öfters bezweifeln. Unsere Gesellschaft ist eine Gesellschaft geworden, in der uns diese Art zu sprechen einfach überflutet und oft überfordert. Worte sind oft inflationär.
    So viele Worte sind es oft, dass sie fast bedeutungslos und leer werden.

    Aber es gibt auch eine andere Art der Rede: es sind Worte, die etwas bewirken, wenn sie ausgesprochen werden. Wenn jemand sagt: „Ich liebe dich!“, dann kann die Antwort nicht lauten: „Ich nehme das zur Kenntnis!“

    Vielmehr muss eine Antwort erfolgen. „Ich liebe dich auch!“ Und diese Antwort muss sich im Leben als wahr erweisen.  
    „Ich liebe dich!“ schafft Beziehung und Nähe. Die Aussage ist auch eine Tat.

    Gottes Worte in der Bibel und auch im Prolog des Johannesevangeliums sind solche aktiven Worte. „Gott sprach … und es wurde …“ heißt es am Anfang der Bibel. Was Gott sprach, das geschah tatsächlich. Sein Wort ist Schöpferwort.
    Und auch das Wort, von dem Johannes spricht ist ein echtes Tätigkeitswort: dieses Wort wird Fleisch. Dieses Wort wird Mensch in Jesus Christus – in dem Kind von Betlehem, in dem Mann, der uns die Liebe Gottes nahebringt durch seine Predigt und sein Tun, in diesem Jesus, der Kranke heilt, Gebeugte aufrichtet und Menschen neues Ansehen gibt. Dieses Wort wird Fleisch in Jesus Christus, der noch am Kreuz seinen Gegnern vergibt und der in seiner Auferstehung das ewige Leben für uns bringt. In diesem Wort bringt Gott selbst sich zum Ausdruck und kommt uns unfassbar nahe.
    Dieses Wort Gottes verlangt unsere Antwort. Wir sollen, wie Johannes der Täufer, Zeugen sein für dieses lebendige Wort Gottes.

    „Predige das Evangelium. Falls notwendig, gebrauche Worte“. So lautet eine Aussage, die dem hl. Franz von Assisi zugeschrieben wird.
    Auch unser Zeugnis soll nicht aus leeren Worten bestehen. User Zeugnis soll vor allem durch unser Tun geschehen.
    In unserem Tun, in unserem Leben, kann Jesus immer neu Fleisch werden. In seiner Nachfolge – ganz praktisch – können wir sein Licht leuchten lassen in den Finsternissen dieser Welt.
    Amen.

     

    Fürbitten:

     

    Guter und großer Gott,
    du hast dich der Not und der Dunkelheit der Menschen erbarmt

    Und bist gekommen als Licht in die Finsternisse unserer Welt.
    Wir bitten dich:
     

    • Für unsere Kirche und alle, die in ihr Verantwortung tragen.
      Besonders für unser Bistum auf dem Weg in die Kirche der Zukunft.
      Dass es immer mehr gelingt deine frohe Botschaft zu leben und zu verkünden.
      Guter Vater:
       
    • Für alle Familien: dass sie miteinander in Frieden leben können
      und Sicherheit und Halt sind für alle, die in ihnen leben.
      Guter Vater:
       
    • Für alle Menschen, die nicht vor Gewalt zurückschrecken, um sich durchzusetzen.
      Für alle, die eine Lösung der Probleme nur in der Ausübung von Gewalt und Terror sehen.
      Bringe sie zur Einsicht, dass mit Gewalt niemand gedient ist.
      Guter Vater:
       
    • Für alle Menschen, besonders die Kinder und Jugendlichen, die noch nicht wissen, wie sie ihr Leben gestalten wollen.
      Zeige ihnen Lebensinhalte und Ziele, die ihr Leben hell machen und mit Sinn erfüllen.
      Guter Vater:
       
    • Für alle Menschen, die das Dunkel des Todes eingeholt hat.
      Führe sie zum ewigen Licht und zu ewigem Frieden.
      Guter Vater:
       

    Du bist das verheißene Wort Gottes.
    Dir vertrauen wir heute du alle Zeit. Amen.

     

     

  • 4. Adventssonntag – B – 2020

    Evangelium

     

    Lk 1,26-38

    Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

    In jener Zeit wurde der Engel Gabriel
       von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
       zu einer Jungfrau gesandt.
    Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt,
       der aus dem Haus David stammte.
    Der Name der Jungfrau war Maria.
    Der Engel trat bei ihr ein
    und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete,
       der Herr ist mit dir.
    Sie erschrak über die Anrede
    und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
    Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria;
    denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
    Siehe, du wirst schwanger werden
    und einen Sohn wirst du gebären;
       dem sollst du den Namen Jesus geben.
    Er wird groß sein
    und Sohn des Höchsten genannt werden.
    Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
    Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen
       und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel:
       Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
    Der Engel antwortete ihr:
       Heiliger Geist wird über dich kommen
    und Kraft des Höchsten wird dich überschatten.
    Deshalb wird auch das Kind heilig
       und Sohn Gottes genannt werden.
    Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte,
       hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen;
    obwohl sie als unfruchtbar gilt,
       ist sie schon im sechsten Monat.
    Denn für Gott ist nichts unmöglich.
    Da sagte Maria:
       Siehe, ich bin die Magd des Herrn;
    mir geschehe, wie du es gesagt hast.
    Danach verließ sie der Engel.

     

    Gedanken

    Liebe Schwestern und Brüder,

    Gott beruft Menschen in seinen Dienst. In der Bibel gibt es viele Geschichten davon. Wir hören von Mose, von den Propheten, von David dem kleinen Hirtenjungen, der zum großen Messiaskönig berufen wird. Oft sind das bildgewaltige Ereignisse – fast Filmreif – mit Erscheinungen und Donner und Blitz.

    Und auch im heutigen Evangelium hören wir von einer solchen Berufung. Maria wird gerufen.
    Aber die Atmosphäre ist ganz anders; sie ist still, gelassen, fast besinnlich.
    Die Perikope beginnt ähnlich wie eine Reportage mit den Fakten. „In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt.
    Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.“  

    Die Kunst stellt es meist so dar, dass Maria in ihrer Kammer oder vor dem Haus sitzt, still betend, meditierend. Und in dieser ganz realen Szene geschieht das Unvorstellbare: ein Engel tritt ein in Marias Alltag bringt ihr den Gruß Gottes und eine Verheißung. Es ist eine unerhörte Verheißung. Ein Kind soll sie zur Welt bringen, den Sohn des Höchsten, dem der Thron Davids gegeben wird.
    Und Maria spricht ihr demütiges „Ja!“
    So legen wir es oft dar – Demut, fast blinder Gehorsam. Schließlich ist es Gott, der seine Berufung ausspricht!
    Aber wenn wir die Erzählung bei Lukas aufmerksam lesen, dann kommt Marias „Ja!“ nicht sofort. Zuerst stellt sie Fragen: „Wie kann das geschehen? Ich habe doch noch keinen Mann erkannt!“ Es ist keine Frage, die schon die Ablehnung in sich trägt.

    Maria will es einfach wissen.

    Nicht nur ihr Gefühl, ihre Demut und ihr Gehorsam steuern sie – nein, ihr Verstand und ihr freier Wille ist auch mit dabei.
    Und das Erstaunliche: Gott hält sie einer Antwort für würdig und gibt sie ihr. Und er gibt ihr sogar  noch einen Beleg für die Wahrheit seiner Antwort: „Schau auf Elisabeth. Für Gott war es nicht unmöglich, ihr ein Kind zu schenken, denn für ihn ist nichts unmöglich.“
     

    Jetzt erst sagt Maria ihr „Ja! Mir geschehe, wie du gesagt hast!“ Und dieses „Ja!“ kommt nun aus ganzem Herzen und aus freier Entscheidung. Es ist kein blinder Gehorsam gegenüber einer Autorität. Mit Herz und Verstand sagt Maria ihr „Ja!“  Genau das macht sie für mich zu einem Vorbild des Glaubens.

    Gott möchte keine „Ja-Sager“ oder Mitläufer. Gott möchte Menschen, die mit Herz und Verstand dabei sind, die ihre ganze Person einsetzen, wenn er sie ruft. Nur dann – so die Botschaft dieses Sonntags – kann Gott immer wieder Mensch werden in unserem Alltag.

    Gott tritt ein in unser Leben und ruft uns – immer wieder. Er will uns, so wie wir sind. Und er will uns unsere Freiheit dabei lassen. Wie Maria müssen wir uns dann entscheiden mit Herz und Verstand.
    Und dabei manchmal auch Risiken eingehen.
    Wer schon einmal dem Ruf Gottes gefolgt ist und sich engagiert hat, der weiß, dass es oft Widerspruch gibt und Kritik, manchmal sogar Häme und Spott.

    Der heilige Gregor von Nyssa – ein Bischof des vierten Jahrhunderts - schreibt in einem seiner Werke:

    „Ist dir bewusst, welche Ehre dir dein Schöpfer erweist, indem er dich über alle Geschöpfe erhebt? Weder Himmel, noch Mond, weder die Sonne, noch die Sterne in all ihrer Schönheit, noch irgendein anderer Teil der Schöpfung ist zum Abbild Gottes geworden. Du allein bist das Abbild der unvergänglichen Schönheit. Du allein trägst den Abdruck des wahren Gottes in dir und bist ein Gefäß göttlichen Lebens und Abglanz göttlichen Lichts. …

    Gott zögert nicht, bei dir, so wie du bist, einzutreten. Er sagt: Ich will unter den Menschen wohnen und mit ihnen gehen.“
    Er spricht nicht nur Maria an in diesen Sätzen, sondern jeden von uns. Jeden von uns hält er für wichtig genug und für würdig, bei ihm einzutreten und Wohnung zu nehmen. Für ihn ist jeder Mensch wichtig und wertvoll, so wie das einfache Mädchen aus Nazareth. Gott sagt zu jedem von uns: „Ich will unter den Menschen wohnen und mit ihnen gehen.“ Er will bei uns Mensch werden, bei uns, so wie wir sind.
    Amen.

  • 3. Adventssonntag - B - 2020

    Lesung:

    1 Thess 5,16-24

    Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
       an die Gemeinde in Thessalonich.

    Schwestern und Brüder!
    Freut euch zu jeder Zeit!
    Betet ohne Unterlass!
    Dankt für alles;
    denn das ist der Wille Gottes für euch
       in Christus Jesus.
    Löscht den Geist nicht aus!
    Verachtet prophetisches Reden nicht!
    Prüft alles und behaltet das Gute!
    Meidet das Böse in jeder Gestalt!
    Er selbst, der Gott des Friedens, heilige euch ganz und gar
    und bewahre euren Geist,
       eure Seele und euren Leib unversehrt,
    damit ihr ohne Tadel seid
       bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.
    Gott, der euch beruft, ist treu;
    er wird es tun.


    Wort des lebendigen Gottes.


    Gedanken

    Liebe Schwestern und Brüder.

    Haben sie heute schon einmal so richtig gelacht?
    Weil sie sich von Herzen gefreut haben?

    Über einen guten Witz?
    Über eine komische Situation?
    Vielleicht sogar über sich selbst?
     

    Freude ist ein großes Thema des Paulus in seinen Briefen auch in der heutigen Lesung an die Thessalonicher. Die Lesung beginnt mit dem Aufruf zur Freude.

    400 Mal lachen Kinder pro Tag haben Forscher herausgefunden.

    Wir Erwachsenen bringen es vielleicht gerade mal auf 15 Lacher am Tag.

    Und uns Christen sagt man immer noch nach, dass wir lebensfeindlich seien und das Lachen sowieso ganz klein halten müssen.

    Und dieser heutige Sonntag, der dritte Advent, ist benannt nach dem Beginn der heutigen Lesung: Gaudete – freuet euch!

     

    Aber was meint Paulus, wenn er so oft von der Freude spricht.

    Heißt das, dass wir Christen immer „gut drauf“ sein müssten? – so rufen ja meist die Stars auf der Bühne ins Publikum, um die gute Stimmung beim Konzert anzuheizen.

    Sollen wir immer mit einem Lächeln herumlaufen, wie ein Fernsehmoderator,

    mit einem Lächeln das manchmal angestrengt wirkt, weil es nicht immer echt sein kann.

     

    Und Paulus selbst, ihm wird wohl auch nicht immer zum Luftsprünge machen zumute gewesen sein. So manchen seiner Briefe schrieb er aus dem Gefängnis.

    Und dennoch schreibt er von der Freude. 18 Mal ruft er im Philipperbrief zur Freude auf oder berichtet von seiner Freude.

     

    Im Gegensatz dazu die Bußpredigt des Johannes. Und die Frage der Menschen: was sollen wir tun?
     

    Doch auch Johannes predigt nicht ohne eine positive Perspektive – und es ist die gleiche, die auch Paulus hat: die positive Erwartung dessen, der kommen soll. „Ich bin es nicht und ich bin es nicht einmal wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren.  Aber er wird kommen und euch mit Heiligem Geist und mit Feuer zu taufen.“ Er wird euch die Kraft geben, das zu tun, was ihr alleine nicht schafft.

     

    Freuen können wir uns, weil er kommt, weil er nahe ist. Mit seiner eigenen Freude, die eine tiefe Herzensfreude ist, weil er sich als Sohn in den Händen Gottes – seines Vaters –geborgen und getragen fühlen kann auch noch am Kreuz.
    Mit der Freude, die er denen schenkt, denen er diese Liebe des Vaters verkündet in Wort und Tat – nicht indem er Gags macht und Witze, sondern indem er glaubwürdig von Gottes Liebe redet und sie auch tut.

    Aus dieser Freude schöpft auch Paulus im Gefängnis und kann seinen Freudenbrief an die Philipper schreiben, obwohl ihm sicher gerade nicht nach Lachen zumute ist.

    Ich habe in meiner Arbeit viele Menschen erleben dürfen, die aus einer solchen tiefen Freude auch schlimmste und belastende Situationen überleben und durchleben konnten.
    Selbst schlimmste Erfahrungen konnten ihnen diese positive Haltung nicht ganz nehmen, denn sie wussten sich in allen Lebenssituationen getragen von ihrem Gott und seiner Liebe.
    Sie wussten einfach: Er lässt uns nicht allein, er kommt immer wieder auf uns zu und geht mit.  Und er füllt mit seiner Liebe und seiner Menschenfreundlichkeit auf, was wir nicht können.

    Das ist Weihnachten: Gott der auf uns zukommt, der unser Leben teilt und es mitträgt.
    Und er kommt auch in die dunkelsten Augenblicke unseres Lebens und teilt sie mit uns, in Corona und in die Trauer und die Wut über sinnlose Tode in Trier oder anderswo.
    Daher ist mein Wunsch an Sie für die Zeit des Advent:

    Gaudete – freuet euch.

     

    Fürbitten:

    Auch in unserer Zeit sehnen Arme sich nach der frohen Botschaft,
    leiden Menschen daran, dass ihre Herzen zerbrochen sind,
    hoffen Gefangene auf Befreiung. So bitten wir dich:
     

    • Wir beten für die Menschen, die bei allen Schwierigkeiten
      die Hoffnung nicht verlieren.
      Für alle, die sich trotz allem freuen können und Freude ausstrahlen.
      Für jene, die bei allen Zweifeln fest daran glauben, dass der Herr kommen wird.
      Komm, o Herr, Maranathá. - (A:) Wir bitten dich, erhöre uns.
       
    • Für alle Menschen beten wir, denen die ansteigenden Corona-Zahlen Sorge bereiten.
      Für die Ärzte und Ärztinnen, Pfleger und Pflegerinnen auf den Intensivstationen.
      Für die vielen, die täglich an ihre Grenzen stoßen.
      Komm, o Herr, Maranathá. - (A:) Wir bitten dich, erhöre uns.
       
    • Wir beten für die Politikerinnen und Politiker und alle anderen,
      die mit ihren Entscheidungen die Ausbreitung des Virus‘ zu bremsen versuchen.
      Komm, o Herr, Maranathá. - (A:) Wir bitten dich, erhöre uns.
       
    • Wir denken an die Menschen,
      die unfreiwillig von ihren Familien getrennt worden sind.
      Für Familien, die Krieg oder wirtschaftliche Not auseinandergerissen haben.
      Für Geflüchtete, die hoffen, dass ihre Familie nachkommen kann.
      Und für alle, die ihnen in ihrer Not beistehen.
      Komm, o Herr, Maranathá. - (A:) Wir bitten dich, erhöre uns.
       
    • Wir beten für die Menschen in Äthiopien
      und besonders in der umkämpften Provinz Tigray.
      Für Männer, Frauen und Kinder überall, die vor Unruhe und Gewalt fliehen.
      Für alle, die sich wenigstens für einen Waffenstillstand zwischen Konfliktparteien einsetzen.
      Komm, o Herr, Maranathá. - (A:) Wir bitten dich, erhöre uns.
       
    • Beten wir für alle Menschen,
      die in den Tagen nach der Amokfahrt in Trier vor Ort waren:
      die ihre eigene Trauer ausdrücken wollten oder Betroffenen in ihrer Not beistehen.
      Für die Angehörigen der Todesopfer
      und für die vielen Verletzten, die sich nur langsam erholen.
      Komm, o Herr, Maranathá. - (A:) Wir bitten dich, erhöre uns.
       

    Wie die Erde die Saat wachsen lässt
    und der Garten die Pflanzen hervorbringt,
    so bringst du, Gott, Gerechtigkeit hervor
    und Ruhm vor allen Völkern.
    Darum danken wir und loben dich jetzt und alle Zeit. Amen.

     

    Vater unser

  • 2. Advent – Lesejahr B – 2020

    Lesung:

    Jes 40, 1 – 5

     

    Tröstet, tröstet mein Volk,
       spricht euer Gott. 
    Redet Jerusalem zu Herzen
    und ruft ihr zu,
       dass sie vollendet hat ihren Frondienst,
       dass gesühnt ist ihre Schuld,
    dass sie empfangen hat aus der Hand des HERRN Doppeltes
       für all ihre Sünden!
    Eine Stimme ruft:
       In der Wüste bahnt den Weg des HERRN,
    ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott!
    Jedes Tal soll sich heben,
       jeder Berg und Hügel sich senken.
    Was krumm ist, soll gerade werden,
       und was hüglig ist, werde eben.
    Dann offenbart sich die Herrlichkeit des HERRN,
    alles Fleisch wird sie sehen.
    Ja, der Mund des HERRN hat gesprochen.

     

    Evangelium: Mk 1, 1 - 8

     

    Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, Gottes Sohn.
    Wie geschrieben steht beim Propheten Jesaja -
    Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her,
       der deinen Weg bahnen wird.
    Stimme eines Rufers in der Wüste:
    Bereitet den Weg des Herrn!
    Macht gerade seine Straßen! - ,
    so trat Johannes der Täufer in der Wüste auf
       und verkündete eine Taufe der Umkehr
       zur Vergebung der Sünden.
    Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus;
    sie bekannten ihre Sünden
       und ließen sich im Jordan von ihm taufen.
    Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren
       und einen ledernen Gürtel um seine Hüften
    und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.
    Er verkündete:
       Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich;
    ich bin es nicht wert,
       mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
    Ich habe euch mit Wasser getauft,
       er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.


    Gedanken

    „Tröstet, mein Volk, spricht der Herr.“
    Diese Worte, die der Prophet Jesaja zu Beginn der heutigen Lesung spricht, gehen zu Herzen. Besonders, wenn wir uns die Ereignisse in Trier zu Beginn dieser Woche vor Augen führen. Welchen Trost gibt es überhaupt für die vom Ereignis unmittelbar Betroffenen, die einen lieben Menschen verloren haben? Vielleicht klingen solche Worte sogar zynisch für sie, weil sie nicht verstehen können, warum dieses sinnlose Geschehen gerade sie getroffen hat. Vielleicht sind sogar die Schweigeminuten, die Zeit, in der wir gar nichts sagen, besser als solche Worte wie die der Lesung zu sprechen.

    Die Worte des Jesaja trafen Israel in einer ähnlichen Situation. Sie werden gesprochen zu Menschen, die die Zerstörung Jerusalems miterleben mussten, den Tod und die Deportation vieler tausender Menschen in die babylonische Gefangenschaft. Unsagbares Leid.

    Vielleicht haben auch damals Menschen die Worte des Jesaja als zynisch empfunden, vielleicht bitter darüber gelacht. Und doch waren es für viele auch Worte, die Hoffnung brachten.
    Vor einigen Jahren habe ich einmal eine ältere Dame besucht, die mir von ihrem Schicksal erzählte: Sie hatte geheiratet. Im Laufe der Zeit wurden ihr und ihrem Mann fünf Söhne geboren. Dann kam der zweite Weltkrieg und ihr Mann und die fünf Söhne wurden eingezogen und mussten an die Front. Nacheinander bekam sie die Nachricht vom Tod ihrer fünf Söhne und des Ehemannes – gefallen in der Schlacht. Nach dem Krieg war sie allein.
    Als ich ihr dann sagte: „Und dann können sie noch an einen guten Gott glauben?“ antwortete sie: “Hören sie auf, Herr Webel, ohne den wäre ich verrückt geworden.“

     

    Für diese Frau war Gott derjenige, der da war, als alle anderen fort waren oder nicht mehr helfen konnten. Sie spürte ihn an ihrer Seite, auch wenn sie dadurch keine Antwort erhielt auf die Frage des warum. Sie wusste einfach: er ist da!

     

    Mir fällt die Ikone von Jesus und Mänas ein, die das Titelbild der vorletzten Ausgabe des Pfarrbriefes war: Jesus an der Seite des Mänas, der mit ihm gemeinsam nach vorne schaut, die Hand locker auf seine Schulter gelegt, damit sagend: „Ich bin da! Einfach nur da! Ich werde mit dir gehen, wohin du auch gehst. Ich werde da sein, was immer dir geschieht. Darauf kannst du dich verlassen.“

    Das ist der Trost, den er uns geben kann.
    Deshalb bezeichnet der Evangelist Markus auch sein Werk als Evangelium, als gute Botschaft. Jesus selbst, der, der größer ist als Johannes, wird kommen und da sein. Er wird solidarisch sein mit allen, die ein schweres Joch zu tragen haben, die mühselig und beladen sind. Er wird trösten diejenigen, die den Trost am meisten brauchen. Nicht aufdringlich und anbiedernd, sondern achtsam und mitfühlend, ja mitleidend.
    Auf die Ankunft, die Menschwerdung unseres Gottes bereiten wir uns vor in der Zeit des Advent. Er ist ein Gott, der die Menschen so sehr liebt, dass er ihnen als Mensch nahe sein will, im kleinen Kind in der Krippe von Bethlehem, im Herzen eines jeden Menschen, der sich von ihm berühren lassen möchte.
    Bereiten wir ihm den Weg in unsere Herzen und lassen ihn immer wieder Mensch werden, auch heute.
    Lassen wir uns trösten, weil er da ist und mitgeht.

    Amen.

     

    Fürbitten

    (Gebet aus dem Dekanat Trier - veröffentlicht auf der Dekanats-Homepage - Autor: Dr. Marius Linnenborn, Deutsches Liturgisches Institut/ Bearbeitung: Florian Kunz)
     

    Herr, unser Gott,

    vieles bewegt uns in diesen Stunden.

    Erst nach und nach realisieren wir, was geschehen ist.

    All dies bringen wir vor dich und bitten:

    • Für alle, die bei dem Anschlag in Trier ihr Leben verloren haben.
      Für alle, die mit Verletzungen kämpfen.
      Für alle, die um Verwandte und Freunde trauern.
      Guter Gott:
       
    • Für alle, die in dieser Situation weitreichende Entscheidungen treffen müssen.
      Für alle, die sich in ihrer beruflichen Verantwortung,
      besonders in den Krankenhäusern,
      für die betroffenen Menschen einsetzen.
      Für alle, die in der Aufklärung dieser Tat ermitteln.
      Guter Gott:
       
    • Für alle, die sich auch unter Einsatz ihrer Sicherheit für andere einsetzen.
      Für alle, die in unsicherer Lage ausharren mussten.
      Für alle, die auf Nachrichten ihrer Lieben gewartet haben.
      Guter Gott:
       
    • Für alle, die Angst haben und verunsichert sind.
      Für alle, deren Weltbild aus den Fugen geraten ist.
      Für alle, die ihren Kindern jetzt erklären müssen, was geschehen ist.
      Guter Gott:
       
    • Für alle, die ihr Mitgefühl bekunden und im Gebet miteinander verbunden sind.
      Für alle, die in anderen Ländern unter Terror und Gewalt leiden.
      Für alle, die Gemeinsames über Trennendes stellen
      und Zeichen der Versöhnung und des Friedens setzen.
       
    • Für alle unsere Verstorbenen, die ihr Leben mit dir gelebt haben.
      Für alle, die schwer erkrankt sind und ihr Sterben erwarten.
      Guter Gott:
       

    Höre du, barmherziger und treuer Gott, auf unsere Bitte
    und schenke Trost, Hoffnung und Frieden.
    Jetzt und in Ewigkeit.
    Amen.

     

  • 1. Adventssonntag – 2020

    Das Evangelium:  Mk 13,24-37

    In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
    In jenen Tagen, nach jener Drangsal,
    wird die Sonne verfinstert werden
    und der Mond wird nicht mehr scheinen;
    die Sterne werden vom Himmel fallen
    und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
    Dann wird man den Menschensohn in Wolken kommen sehen,
    mit großer Kraft und Herrlichkeit.
    Und er wird die Engel aussenden
    und die von ihm Auserwählten
       aus allen vier Windrichtungen zusammenführen,
    vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.
    Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum!
    Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben,
    erkennt ihr, dass der Sommer nahe ist.
    So erkennt auch ihr, wenn ihr das geschehen seht,
    dass er nahe vor der Tür ist.
    Amen, ich sage euch:
       Diese Generation wird nicht vergehen,
       bis das alles geschieht.
    Himmel und Erde werden vergehen,
    aber meine Worte werden nicht vergehen.
    Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand,
    auch nicht die Engel im Himmel,
    nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.
    Gebt Acht und bleibt wach!
    Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.
    Es ist wie mit einem Mann,
       der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen:
    Er übertrug die Vollmacht seinen Knechten,
       jedem eine bestimmte Aufgabe;
    dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein.
    Seid also wachsam!
    Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt,
    ob am Abend oder um Mitternacht,
    ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen.
    Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen.
    Was ich aber euch sage, das sage ich allen:
       Seid wachsam!

     

    Gedanken:


    Der Autor Lothar Zenetti hat einmal einen kleinen Text geschrieben, voller Witz und Ironie, aber auch voller Bitterkeit gegenüber der Trägheit von uns Christen: “Finale“ lautet die Überschrift.

    Als erste löste sich eine goldene Zierleiste

    oben vom linken Seitenaltar und fiel,

    kaum hörbar, auf das blasse, mit Spitzen

    besetzte Tuch, darauf Ora pro nobis zu lesen.

    Ein kleines rundes Barockengelchen flog

    erschrocken davon, und nur wenig später

    legte der heilige Aloisius die weiße Lilie

    nieder und wandte sich schweigend zum Gehen.

    Die Blumen begannen zu welken, es löschten

    die Kerzen der Andacht ihr Licht. Besorgt

    zog die Madonna ihr Kind an sich und hob

    die Augen bekümmert über die leeren Bänke.

    Da klappten die vier Evangelisten die Bücher

    zu an der Kanzel. Es hat keinen Zweck mehr,

    sollte das heißen, wer braucht uns denn noch?

    Wir kommen erst wieder, wenn ihr begreift,

    was euch fehlt und Verlangen habt nach dem

    lebendigen Wort! Und der göttlichen Gnade,

    setzte die himmlische Mutter hinzu. Ein Ton

    noch kam von der Orgel. Ein Schatten lief hin

    über das Jüngste Gericht an der Decke. Es

    zuckte noch einmal das Ewige Licht, ehe die

    erste Säule zu wanken begann und das Gewölbe

    krachend hernieder brach in einer Wolke von Staub.

    Davon erwachte das ahnungslose Dorf.

     

    Was soll eigentlich unser Glaube für uns sein? Diese Frage stellt sich den Menschen immer wieder. Früher sagten die Kritiker: Religion ist ein Gebilde der menschlichen Phantasie. Unsere Wünsche und Sehnsüchte haben Religion hervorgebracht. Mit einem wirklich existierenden Gott hat das alles nichts zu tun. Oder Karl Marx hat gesagt: Religion ist Opium für das Volk. Religion – so sagte er – dient dazu, die Menschen einzulullen, sie mit der Hoffnung auf den Lohn ihrer Mühen im Leben im Jenseits ruhig zu halten.

    Die Menschen heute scheinen manchmal die Antwort gegeben zu haben, die aus dem Text von Lothar Zenetti herausklingt. Religion ist etwas, das nicht mehr gebraucht wird für das Leben. In einer Zeit, in der alles gemacht und gemacht werden kann, braucht man keine Religion mehr. In einer Zeit, in der für den Menschen alles machbar scheint, brauchen wir keinen Gott mehr, denn wir selbst können ja scheinbar alles machen. Wir brauchen von Gott nichts mehr erwarten, weil wir ja alles von uns selbst erwarten können.

    Aber wir merken auch immer wieder: wir können nicht alles machen. Wir sind ein gutes Stück weit auch ausgeliefert.
    Die derzeitige Situation der Corona-Pandemie führt es uns deutlich vor Augen. Wir können vorsorgen und manches durch unsere Maßnahmen einschränken und mildern. Und doch bleibt ein Rest an Risiko, den wir nicht beeinflussen können.
    Menschen, die ihr Vermögen in scheinbar sicheren Aktien angelegt hatten, haben buchstäblich über Nacht einen Großteil ihres Vermögens verloren. Menschen, die scheinbar in sicheren Arbeitsverhältnissen standen, werden über Nacht entlassen, stehen mit ihren Familien vor dem Nichts. Menschen fliegen in einen Urlaub nach Frankreich und sterben durch Terroranschläge oder werden als Geiseln genommen. Jeder von uns, wenn er aufmerksam auf das Leben ist, weiß und erlebt, dass wir nicht alles selbst machen können, dass wir im letzten nicht die Kontrolle haben über unser Leben.

    Advent, das heißt Ankunft. Die Zeit des Advents, das ist die Zeit des Wartens auf die Ankunft Gottes in unserer Welt, in unserem Leben in dreifacher Hinsicht: Die Ankunft des Messias, die wir Christen vor 2000 Jahren in Bethlehem geschehen glauben.
    Da ist die Erwartung des Kommens Gottes am Ende der Zeit.
    Da ist aber auch das Rechnen damit, dass Gott auf mich zukommt, immer wieder in meinem täglichen Leben.

     

    Rechnen wir mit dem Kommen Gottes in unserem Leben, hier, heute in der Kirche, zuhause in der Familie, nächste Woche in der Schule oder bei der Arbeit? Spielt er in unserem Leben eine Rolle?

    Ich glaube – und ich beziehe mich da mit ein – uns geht es oft, wie in den Zeilen des Textes von Lothar Zenetti. Es müssen erst die Säulen und Gewölbe mit lautem Krachen einstürzen, bis wir uns aufschrecken lassen, aufmerksam werden darauf, dass Gott doch da ist oder dass wir uns wenigstens wünschten es gäbe ihn.

    Advent, das ist die Zeit, die uns helfen soll, wieder neu aufmerksam zu werden auf Gott in unserem Leben, die uns helfen soll, die Barrieren, die das Kommen Gottes verhindern, wegzuräumen.

    In diesem Sinne wünsche ich ihnen eine besinnliche und wachsame Adventszeit.

     

    Fürbitten:
     

    Guter Gott!
    Wir hoffen auf dich und rufen dich an:

     

    • Für deine Kirche, dass wir in deiner Gegenwart leben und die Erfordernisse unserer Zeit wahrnehmen. Wir beten besonders für unser Bistum Trier, dass die Umsetzung der Synodenbeschlüsse Wege in die Zukunft ermöglicht.
      Guter Gott:
       
    • Für alle Politiker, die sich für Frieden, Stabilität, soziale Gerechtigkeit und Gemeinwohl im eigenen Land und weltweit engagieren. Für den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten, dass ein Neubeginn möglich wird.
      Guter Gott:
       
    • Für Menschen, die in ihrer Zukunftsangst so gefangen sind, dass sie Chancen und Möglichkeiten in ihrem Leben versäumen. Für die Menschen, deren berufliche und private Zukunft durch Corona gefährdet ist.
      Guter Gott:
       
    • Für uns selbst, dass wir uns nicht in den Vorbereitungen auf Weihnachten so verausgaben, dass wir für das eigentliche Fest keine Kraft und Freude mehr aufbringen können.
      Guter Gott:
       
    • Für alle, die ihr Leben gelebt haben und nun auf deine barmherzige Liebe hoffen. Für alle Verstorbenen, die im Glauben an dich gelebt haben.
      Guter Gott:
       

    In Christus hat uns Gott seine Nähe zu uns Menschen gezeigt.
    Auf seine Nähe dürfen wir vertrauen.
    Ihm gilt unser Dank und unser Lob bis in Ewigkeit. - Amen. 

  • Christkönig

    Evangelium:

    Mt 25,31-46


    In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
    Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt
       und alle Engel mit ihm,
       dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.
    Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden
    und er wird sie voneinander scheiden,
       wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.
    Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen,
       die Böcke aber zur Linken.
    Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen:
       Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid,
    empfangt das Reich als Erbe,
       das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist!
    Denn ich war hungrig
       und ihr habt mir zu essen gegeben;
    ich war durstig
       und ihr habt mir zu trinken gegeben;
    ich war fremd
       und ihr habt mich aufgenommen;
    ich war nackt
       und ihr habt mir Kleidung gegeben;
    ich war krank
       und ihr habt mich besucht;
    ich war im Gefängnis
       und ihr seid zu mir gekommen.
    Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen:
    Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen
       und dir zu essen gegeben
    oder durstig
       und dir zu trinken gegeben?
    Und wann haben wir dich fremd gesehen
       und aufgenommen
    oder nackt
       und dir Kleidung gegeben?
    Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen
       und sind zu dir gekommen?
    Darauf wird der König ihnen antworten:
       Amen, ich sage euch:
    Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt,
       das habt ihr mir getan.
    Dann wird er zu denen auf der Linken sagen:
       Geht weg von mir, ihr Verfluchten,
    in das ewige Feuer,
       das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!
    Denn ich war hungrig
       und ihr habt mir nichts zu essen gegeben;
    ich war durstig
       und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben;
    ich war fremd
       und ihr habt mich nicht aufgenommen;
    ich war nackt
       und ihr habt mir keine Kleidung gegeben;
    ich war krank und im Gefängnis
       und ihr habt mich nicht besucht.
    Dann werden auch sie antworten:
    Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig
       oder fremd oder nackt
       oder krank oder im Gefängnis gesehen
       und haben dir nicht geholfen?
    Darauf wird er ihnen antworten:
       Amen, ich sage euch:
    Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt,
       das habt ihr auch mir nicht getan.


    Und diese werden weggehen
       zur ewigen Strafe,
    die Gerechten aber
       zum ewigen Leben.

     

    Gedanken:

    Das Gloria, das älteste Weihnachtslied der Welt, kennen wohl alle, die regelmäßig zum Gottesdienst gehen. Wir singen es immer in der sonntäglichen Eucharistiefeier.

    Aber wir können kaum noch erahnen, wie brisant der Text dieses Liedes war, als er entstand, ja, dass er manchmal sogar lebensgefährlich war.

    „Herr und Gott, König des Himmels und der Erde,

    Gott und Vater, Herrscher über das All.“

     

    Und dann noch:

    „Denn du allein bist der Heilige, du allein der Herr,

    du allein der Höchste, Jesus Christus,

    mit dem Heiligen Geist,

    zur Ehre Gottes des Vaters. Amen.“

     

    Kaum vorstellbar, was es bedeutete, einen solchen Text zu Zeiten eines Kaisers Nero oder Diokletian zu singen oder zu rezitieren. Das Bekenntnis zu Jesus Christus als König und Herrscher des Alls konnte als Angriff auf die Würde und den Rang des Herrschers gedeutet werden – und war manchmal vielleicht auch so gemeint. Es geht dabei um die Frage: Wer ist eigentlich der Herr der Welt? Das Fest Christkönig wurde von Pius XI. 1925 eingeführt, in einer Zeit, als es viele totalitäre und den Menschen und Gott verachtende Systeme gab, deren Vertreter sich selbst an Gottes Stelle setzten. Der I. Weltkrieg war gerade vorüber, mit seinen 10 Mio. Toten.  In Italien erstarkte Mussolinis Faschismus, in Deutschland wuchs die Saat Hitlers heran und gipfelte im totalitären NS-Staat mit all seinen grausigen Folgen.

    Und heute, wo sind heute die Könige?  Wenn Papst Franziskus die leitenden Finanzleute maßregelt und zu Demut und Verantwortung für die Gesellschaft aufruft, dann ruft er dazu auf, nicht der Gier nach Geld und dem Gewinnstreben die Herrschaft zu geben, dem König Geld. Dieser König so sagen sie macht die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer. Gerade Papst Franziskus ruft uns dazu auf, die Armen und Schwachen nicht zu vergessen. Sie müssen das Herz unserer Kirche sein.

     Jesus sagt es genauso im heutigen Evangelium und geht sogar noch weiter: er macht die Schwächsten zum Maßstab eines Christen. In jedem Armen ist er selbst gegenwärtig; wer den Nackten, den Hungrigen, den Kranken, den Dürstenden, den Gefangenen hilft, der hilft Jesus selbst. Ja, unser Verhalten gegenüber den Schwachen entscheidet mit über unser Heil. Wie gehen wir mit Geflüchteten in unserer Pfarrei um? Heißen wir sie willkommen als Menschen, in denen Christus uns begegnet oder weisen wir sie zurück?

     Wie ist das mit den Bedürftigen, die zur Tafel kommen? 

    Sind sie die Looser unserer Gesellschaft, die Bettler, die übrigbleiben oder sind sie unsere Geschwister, in denen uns Jesus selbst anspricht?

     

    Das Gloria singen heißt jedenfalls, all den falschen Königen unserer Zeit die Grenzen aufzuzeigen und in den Schwachen und benachteiligten Jesus Christus, dem König, die Ehre zu geben.

     

    Eine russische Legende kann das deutlich machen:

    Ein reicher Mann dachte auch im Sterben nur an das, woran er sein Leben lang gedacht hatte: an sein Geld. Mit letzter Kraft löste er den Schlüssel vom Band, das er am Hals trug, winkte der Magd, deutete auf die Truhe neben seinem Lager und befahl, ihm den großen Beutel Geld in den Sarg zu legen.

    Im Himmel sah er dann einen langen Tisch, auf dem die feinsten Speisen standen. „Sag, was kostet das Lachsbrot?“ fragte er. „Eine Kopeke“, wurde ihm geantwortet. „Und die Sardine?“ „Gleich viel.“ – „Und diese Pastete?“ „Alles eine Kopeke.“ Er schmunzelte. Billig, dachte er, herrlich billig! Und er wählte sich eine ganze Platte aus. Aber als er mit einem Goldstück bezahlen wollte, nahm der Verkäufer die Münze nicht. „Alter“, sagte er und schüttelte bedauernd den Kopf, „du hast wenig im Leben gelernt!“ „Was soll das?“ murrte der Alte. „Ist mein Geld nicht gut genug?“ Da hörte er die Antwort: „Wir nehmen hier nur das Geld, das einer verschenkt hat.“

    .Hoffnung, dass wir nicht nur den Königen unserer Zeit verehren, machen mir jedenfalls Menschen, die sich im Tafelverein oder in der Migrantenarbeit unserer Pfarreiengemeinschaft engagieren oder diejenigen, die in diesen schwierigen Tagen der Corona-Pandemie nicht zulassen, dass Menschen zurückbleiben und vergessen werden. Menschen, die Zeichen setzen für Solidarität und Geschwisterlichkeit.

    Was ihr dem geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan. Wenn wir Christus als unseren König anrufen und verehren, dann heißt das, dass die Währung, mit der wir Christen umgehen und zahlen, die Liebe sein muss -und zwar gerade die Liebe zu den Geringsten.

    Amen.

     

    Fürbitten:

     

    In Jesus Christus erkennen wir den Hirten und König.

    Zu ihm kommen wir mit all unseren Sorgen und bitten ihn:

     

    • Für alle, die die Welt heute nicht mehr verstehen.
      Für Menschen, die keine Perspektive sehen,
      und für alle, die keine Hoffnung haben.
      Christus, Hirte und König:
       
    • Für alle, die im Alltag barmherzig und solidarisch sind.
      Für Menschen, die anderen Freude schenken und Gutes tun.
      Vor allem beten wir um Kraft für alle, die sich aufreiben
      in ihrem Dienst an Kranken und Bedürftigen.
      Christus, Hirte und König:
       
    • Für Menschen, die sich der Not verweigern
      und unverblümt sich selbst am nächsten sind.
      Für sie bitten wir um Einsicht und Umkehr.
      Christus, Hirte und König:
       
    • Für alle, die Verantwortung tragen in der Politik
      und die in diesen Wochen mehr denn je
      abwägen und schwere Entscheidungen treffen müssen.
      Christus, Hirte und König:
       
    • Für die Kirche, die im Wandel begriffen ist
      und die sich von Dir fragen lassen muss,
      wo sie gut gehandelt  und wo sie versagt hat.
      Für alle Hirten und Verantwortlichen bitten wir um den Mut zur Wahrheit.
      Christus, Hirte und König:
       
    • Für unser Bistum Trier, für unsere Gemeinden und für alle,
      die sich jetzt nochmal auf den Weg machen,
      der Zukunft des Glaubens Gestalt zu geben.
      Für alle, die sich nicht entmutigen lassen
      und für jene, die sich schwertun, einen neuen Anlauf zu wagen.
      Christus, Hirte und König:
       
    • Für alle, die gestorben sind
      und für die Menschen, die um sie trauern.
      Christus, Hirte und König:

     

    Herr Jesus, du bist der König im Reich des Vaters.
    Dir vertrauen wir.
    Dich loben wir.
    Heute und alle Tage,
    Amen.

     

  • 32. Sonntag im Jahreskreis

    Evangelium: Mt 25,1-13

    Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

    In jener Zeit
       erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:
    Mit dem Himmelreich
       wird es sein wie mit zehn Jungfrauen,
       die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen.
    Fünf von ihnen waren töricht
       und fünf waren klug.
    Die törichten nahmen ihre Lampen mit,
       aber kein Öl,
    die klugen aber nahmen mit ihren Lampen
       noch Öl in Krügen mit.
    Als nun der Bräutigam lange nicht kam,
       wurden sie alle müde und schliefen ein.
    Mitten in der Nacht aber erscholl der Ruf:
    Siehe, der Bräutigam!
    Geht ihm entgegen!
    Da standen die Jungfrauen alle auf
       und machten ihre Lampen zurecht.
    Die törichten aber sagten zu den klugen:
       Gebt uns von eurem Öl,
    sonst gehen unsere Lampen aus!
    Die klugen erwiderten ihnen:
       Dann reicht es nicht für uns und für euch;
    geht lieber zu den Händlern
    und kauft es euch!
    Während sie noch unterwegs waren, um es zu kaufen,
       kam der Bräutigam.
    Die Jungfrauen, die bereit waren,
       gingen mit ihm in den Hochzeitssaal
    und die Tür wurde zugeschlossen.
    Später kamen auch die anderen Jungfrauen
    und riefen: Herr, Herr, mach uns auf!
    Er aber antwortete ihnen und sprach: Amen, ich sage euch:
    Ich kenne euch nicht.
    Seid also wachsam!
    Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

     

    Gedanken

    Liebe Brüder und Schwestern,

    an den letzten Sonntagen des Jahreskreises muten uns die Evangelien meist schwere Kost zu. Mit vielen dieser Texte haben wir Probleme, denn sie provozieren meist unsere innere Abwehr oder gar unseren Widerspruch.
    So ist das auch heute mit dem Evangelium von den klugen und den törichten Jungfrauen.
    Die Aufgabe der Jungfrauen bei einer jüdischen Hochzeit war es, dem Bräutigam entgegenzugehen, ihn zu empfangen und mit ihm in den Hochzeitssaal einzuziehen.
    Und dazu ausgewählt zu werden, das war eine Ehre.

    Fünf von ihnen waren klug, sie hatten sich gut vorbereitet: neben den Lampen nahmen sie auch noch einen Öl-Vorrat mit, falls es länger dauern sollte bis zur Ankunft des Bräutigams. Die anderen fünf waren töricht. Sie nahmen nur ihre Lampen mit sich. Sie verließen sich darauf, dass es schon gut gehen wird.
    Doch dann dauert es doch länger mit der Ankunft des Bräutigams und das Öl der törichten Frauen ist verbraucht.
    Ihre Bitte an die Klugen, das Öl zu teilen, wird abgelehnt und am Ende stehen sie vor verschlossenem Hochzeitssaal. Ja, der Bräutigam sagt sogar noch: „Ich kenne euch nicht!“

    Manchmal frage ich mich: hätten die klugen Frauen nicht barmherzig sein und das Öl teilen können? Dann hätte es zumindest eine Chance für alle gegeben. Oder auch der Bräutigam: Warum reagiert er so schroff? Warum ist seine Reaktion so ablehnend? Und wo bleibt in diesem Gleichnis die von Jesus so vielgepriesene und oft genannte Barmherzigkeit Gottes?

    Oder ist Gott letztendlich doch der Richter, der am Ende alles zusammenrechnet und dann verurteilt?

    Wenn wir genau hinschauen, dann geht es in diesem Gleichnis Jesu nicht so sehr um Gott und wie er zu uns ist. Es geht eher um uns Christen und wie ernst wir es mit dem Ruf Gottes nehmen und was er für eine Rolle in unserem Leben spielt.

    Auch im  täglichen Leben gibt es die berühmten verpassten Chancen.
    In der Liebe ist es ja manchmal auch so: Ich sehe jemanden, der gefällt mir. Ich würde ihn oder sie gerne kennenlernen. “Morgen gehe ich hin und spreche ihn/sie an!“ Aus morgen wird übermorgen aus übermorgen wird irgendwann. Und dann ist der Moment verpasst.

    Ich wollte einen Kranken eigentlich noch besuchen. Aber ich habe es aufgeschoben – egal aus welchen Gründen – und nun ist der Moment verpasst, denn der Kranke ist gestorben.
     

    Ich wollte eigentlich hingehen und helfen, aber ich hatte keine Zeit – und nun ist die Hilfe nicht mehr möglich.
     

    Eigentlich wollten wir unser Klima schützen, denn die Welt soll doch auch für unsere Kinder und Enkel noch lebenswert sein. Aber irgendwann wird der Augenblick vorüber sein und nichts kann mehr getan werden.


    Eigentlich wollte ich mich noch versöhnen, aber nun geht es nicht mehr, weil der, mit dem die Versöhnung nötig gewesen wäre nicht mehr da ist.

    Das Leben ist manchmal so hart!

     

    Gerade existentielle Dinge müssen einfach getan werden – gerade auf diese Dinge muss ich mich vorbereiten und einstellen – sonst sind die Konsequenzen unausweichlich.
    Und das liegt nicht an Gott oder an den Mitmenschen. Es liegt allein an mir selbst und wie wichtig diese Dinge mir sind.
    So ist das, glaube ich, auch mit Gottes Verheißung und unserer Antwort darauf.
    Gott verspricht uns seine Liebe und die Teilnahme an seinem Reich. An uns liegt es, diesen Anruf zu hören und ihn ernst zu nehmen. An uns liegt es, diesen Anruf so ernst zu nehmen, dass wir uns auch in unserem Tun darauf einrichten und einstellen.

    Das ist es, was Jesus in den Perikopen des ausgehenden Kirchenjahres immer wieder sagen und deutlich machen will:  Gott will das Heil der Menschen. Er liebt jeden von uns. An uns liegt es, auf sein Angebot, auf seinen Ruf zu antworten und ihn ernst zu nehmen. Gottes Angebot ist ein gutes Angebot – es ist ein Angebot, das uns nicht weniger als das Heil und das Leben in Fülle verspricht. Dafür lohnt es, sich einzusetzen.

    Und ich bin auch überzeugt: Gott ist nicht so hat wie der Bräutigam im Gleichnis – er ist barmherzig und hat unendliche Geduld mit uns.
    Aber das sollte uns nicht sorglos und achtlos machen. Es ist eben auch wichtig, was wir selbst tun und dass wir es rechtzeitig tun.
    In einem Gedicht von Gertrud Wimmer stehen die Zeilen:

    „Klug sind, sagt Jesus,
    die mit dem Einbruch der Nacht rechnen,
    die Knechte und Mägde:
    mit der Nacht in der Liebe,
    der Nacht im Glauben,
    der Nacht im Leben.“

    Amen.

     

    Fürbitten

    Gott möchte uns mit Trost und Heilung begegnen.
    So kommen wir mit unseren Anliegen zu ihm:

     

    • Wir beten für alle, die Angst davor haben,
      sich oder andere mit Covid-19 zu infizieren.
      Für die Frauen und Männer, die in Krankenhäusern, Arztpraxen und Gesundheitsämtern oft am Limit arbeiten.
      Für alle Erkrankten
      und für diejenigen, die kein Verständnis für die gesellschaftlichen Einschränkungen haben.
      Gott, Retter der Welt:

       
    • Wir beten für alle in den USA und überall,
      die in der Politik für demokratische und liberale Werte eintreten.
      Für diejenigen, die tiefe Spaltung sehen und sogar Gewalt befürchten.
      Und für alle, die sich um Gleichberechtigung, Versöhnung und Einigkeit mühen.
      Gott, Retter der Welt:

       
    • Wir beten für die Toten und Verletzten in Wien
      und für alle, die durch das Attentat einen Schock erlitten haben.
      Für alle, die Angst, Hass und Fremdenhass schüren.
      Und für diejenigen, die für Frieden und Toleranz eintreten.
      Gott, Retter der Welt:

       
    • Wir beten für die Millionen Opfer von Krieg, Gewalt und Verfolgung
      in Europa und überall in der Welt.
      Für alle, die mit Mut und Weite das Gespräch zwischen den Religionen führen,
      um die Wahrheit zu suchen und zu leben.
      Gott, Retter der Welt:

       
    • Wir beten für die vielen, die das Erbe des geeinten Deutschland bewahren
      und für gleiche Menschenwürde und gleichberechtige Lebensverhältnisse kämpfen.
      Gott, Retter der Welt:

       
    • Wir denken an unsere Toten und beten
      für alle, die einen lieben Menschen vermissen.
      Für diejenigen, an die niemand mehr denkt –
      und für alle, deren Lebensspuren lange sichtbar und wirksam sind.
      Gott, Retter der Welt:

     

     

    Wir warten auf dein Kommen, Gott
    und vertrauen unsere Welt und uns selbst dir an.
    Wir danken dir für jede Zuversicht und Hoffnung
    heute und morgen und in deine Ewigkeit. Amen

     

  • Allerheiligen

    Evangelium

    Mt 5,1-12a

    Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:
    In jener Zeit,
    als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten,
       stieg er auf den Berg.
    Er setzte sich
       und seine Jünger traten zu ihm.
    Und er öffnete seinen Mund,
       er lehrte sie und sprach:
    Selig, die arm sind vor Gott;
       denn ihnen gehört das Himmelreich.
    Selig die Trauernden;
       denn sie werden getröstet werden.
    Selig die Sanftmütigen;
       denn sie werden das Land erben.
    Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit;
       denn sie werden gesättigt werden.
    Selig die Barmherzigen;
       denn sie werden Erbarmen finden.
    Selig, die rein sind im Herzen;
       denn sie werden Gott schauen.
    Selig, die Frieden stiften;
       denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.
    Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen;
       denn ihnen gehört das Himmelreich.
    Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt
       und alles Böse über euch redet um meinetwillen.
    Freut euch und jubelt:
    Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.

     

    Gedanken

    … wer an mich glaubt wird nicht sterben

    Wenn wir vom Tod sprechen, dann sind wir oft hilflos.  In früheren Zeiten sprach man oft von den so genannten „letzten Dingen“. In älteren theologischen Büchern war es der Ausdruck für das, was nach dem Tod kommen sollte. Aber alles, was je darüber gesagt wurde, sind Deutungen, Vermutungen und Bilder. Auch die Bibel selbst drückt diese letzten Dinge in der Sprache von Bildern und Vergleichen aus.

    Viele Künstler haben ihre ganze Vorstellungskraft und Energie angestrengt, diesen „letzten Dingen“ einen bleibenden Ausdruck zu geben. Denken sie nur an Michelangelos Darstellung des jüngsten Gerichtes in der Sixtinischen Kapelle. Die Darstellungen des Jüngsten Gerichtes zieren viele Kirchenportale und Kirchenwände.

    Aber wir sind heute vorsichtig geworden mit der Darstellung dessen, was nach dem Tod auf uns warten könnte. Ja, manchmal vermeiden oder verdrängen wir es auch, uns mit den „letzten Dingen“ zu beschäftigen, versuchen Gedanken an den Tod ganz in unserer Lebenswelt zu vermeiden.

    Aber sie holen uns immer wieder ein, diese „Letzten Dinge“. Da stehen wir oft ratlos, ohnmächtig, manchmal verzweifelt, wenn ein lieber Mensch stirbt, plötzlich nicht mehr da ist. Der Tod, der uns dann ganz nah betrifft führt uns ganz von selbst an die drei großen Fragen der Menschheit: „Wo komme ich her?“, „Wo gehe ich hin?“ und „Was ist der Sinn von all dem?“

    Ich möchte einmal der Fährte folgen, die dieser Begriff „die letzten Dinge“ für mich legt. Es sind zunächst allerdings Gedanken an konkrete Erfahrungen diesseits der Grenze des Lebens. Vielleicht können sie uns aber helfen, über diese Grenze hinaus zu denken.

    • Wer einen sterbenden Menschen schon einmal begleitet hat, der hat etwas von der ganz konkreten Form letzter Dinge erlebt:  was waren die letzten Dinge, die dem Verstorbenen noch wichtig waren? Mit was hat er oder sie sich am Ende des Lebens noch intensiv beschäftigt? Da waren letzte Gesten oder letzte Worte, vielleicht ein wichtiger Gegenstand. Dies alles haftet als wertvoller und kostbarer Schatz in unserer Erinnerung. Ein Schatz, der das Leben in unseren Herzen lebendig hält.
    • Aber es gibt auch die letzten Dinge, die trauernde Angehörige im Herzen tragen: eine Hilfe, die auf dem letzten Weg des geliebten Menschen gegeben werden konnte – eine Versöhnung – ein Trost – ein Zeichen der Nähe und Verbundenheit. Die Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens mit dem Verstorbenen gehört ebenso zu diesen „letzten Dingen“. Aber auch der Schmerz und die Trauer über den Tod und den endgültigen Abschied.
    • Aber ein drittes ist, so meine ich, das Wesentliche der letzten Dinge: es ist die Liebe, die uns mit einem Menschen verbindet. Die Liebe ist es, die auch die Grenze des Todes überwinden kann. Diese Liebe zu einem Verstorbenen ist wie ein letztes großes Gut, welches wir in unseren Herzen tragen. Sie lässt uns wünschen und hoffen, dass auch nach dem irdischen Leben nicht alles aus ist, sondern dass für den Verstorbenen noch eine neue, eine erfüllte Zukunft möglich ist, ein Leben in Fülle. Lieben heißt, dem Anderen zu wünschen und selbst zu hoffen, dass das Leben ewig währt.

    Diese Hoffnung, ja dieses Wissen der Liebe, dass nach dem Tod nicht alles aus ist, verkündet uns, Jesus im heutigen Evangelium: Besonders an die Armen, die er selig preist, ist diese Zusage gerichtet: „Freut euch und jubelt. Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.“ Dieses feste Vertrauen Jesu in die Lebensmacht Gottes gründet in seiner Liebe zum Vater und der Liebe des Vaters zu ihm. Und es ist gleichzeitig die Liebe Jesu und die Liebe Gottes, aus der diese Worte kommen: Gott lässt niemanden im Stich, der sich auf ihn verlässt und seiner Liebe vertraut. Gottes Liebe überwindet alle Grenzen, auch die Grenze des Todes. Sie ist das eigentlich „letzte, ja das allerletzte Ding“, das uns in ein Leben ohne Ende hinein verwandelt.

     

    Der Autor des Ersten Johannesbriefes schreibt in der heutigen Lesung:

    „Schwestern und Brüder!
    Seht, welche Liebe uns der Vater geschenkt hat:
    Wir heißen Kinder Gottes
       und wir sind es.
    Deshalb erkennt die Welt uns nicht,
       weil sie ihn nicht erkannt hat.
    Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes.
    Doch ist noch nicht offenbar geworden,
       was wir sein werden.
    Wir wissen,
       dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird;
    denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
    Jeder, der diese Hoffnung auf ihn setzt,
       heiligt sich,
       so wie er heilig ist.“

     

    Die Feste Allerheiligen und Allerseelen, die wir an den ersten beiden Novembertagen feiern, sind die Feste, die von dieser Liebe Gottes erzählen, die Leben spendet auch über den Tod hinaus. Und das tut es auch, obwohl wir in diesem Jahr wegen der aktuellen Situation der Pandemie nicht in gewohnter Form die Gräber segnen können.

    Dass wir dieses Vertrauen in die Leben spendende Liebe Gottes nie verlieren, wünsche ich uns allen.

     

    Fürbitten

    Jesus Christus preist die selig,
    die Gottes Reich annehmen und es leben.
    Seine Zusage gilt heute auch uns;
    darauf vertrauen wir und beten für alle Menschen,
    die unter Gewalt, Verfolgung und Krieg leiden, und für die Friedensstifter.

    Bitten:

     

    • Wir beten für die Heiligen unserer Tage,
      für die Unbekannten, die ihrem Gewissen folgen
      und gegen den Strom der Zeit schwimmen;
      für alle, die ungerechte Fesseln lösen und Frieden stiften.
      Du Gott des Lebens:
    • Wir beten für alle Menschen,
      die im kommenden Corona-Lockdown ihren Beruf nicht ausüben können
      und um ihre Existenz fürchten;
      und für alle, denen es schwerfällt,
      die Einschränkungen ihrer Freiheit zu akzeptieren.
      Du Gott des Lebens:
    • Wir beten für unsere Nachbarn in Frankreich,
      die Opfer von terroristischen Attentaten wurden und bedroht sind;
      für alle Menschen überall,
      die wegen ihres Glaubens und ihrer Überzeugungen verfolgt werden.
      Du Gott des Lebens:
    • Für die Bürgerinnen und Bürger in den USA,
      die mit Spannung und Sorge auf das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen warten;
      für alle, die die gesellschaftliche Spaltung dort überwinden wollen
      und nach Wegen der Versöhnung suchen.
      Du Gott des Lebens:
    • Wir beten für die Menschen in Südostasien im Taifun Molawe
      und in den USA im Hurrikan Zeta;
      und für alle Menschen, deren Leben vom Klimawandel bedroht ist.
      Du Gott des Lebens:
    • Wir beten für unsere Verstorbenen,
      an die wir in diesen Tagen besonders denken;
      für die große Gemeinschaft der Menschen,
      die die Vollendung schon erreicht haben, die uns allen zugesagt ist.  
      Du Gott des Lebens:

       

    Dankbar nehmen wir deine Heils-Zusage an für die vielen,
    die ihre Hoffnung auf dich setzen, unseren Bruder und Herrn;
    dir vertrauen wir – in guten wie in schweren Tagen und bis in deine Ewigkeit. Amen.

  • 28. Sonntag im Jahreskreis - A

    Evangelium:  Mt 22, 1 - 10

     

    Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

    In jener Zeit
    erzählte Jesus den Hohepriestern
       und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis:
    Mit dem Himmelreich
       ist es wie mit einem König,
       der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.
    Er schickte seine Diener,
       um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen.
    Sie aber wollten nicht kommen.
    Da schickte er noch einmal Diener
    und trug ihnen auf:
       Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl ist fertig,
    meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet,
    alles ist bereit.
    Kommt zur Hochzeit!
    Sie aber kümmerten sich nicht darum,
    sondern der eine ging auf seinen Acker,
       der andere in seinen Laden,
    wieder andere fielen über seine Diener her,
       misshandelten sie
       und brachten sie um.
    Da wurde der König zornig;
    er schickte sein Heer,
    ließ die Mörder töten
       und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.
    Dann sagte er zu seinen Dienern:
       Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet,
       aber die Gäste waren nicht würdig.
    Geht also an die Kreuzungen der Straßen
    und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!
    Die Diener gingen auf die Straßen hinaus
       und holten alle zusammen, die sie trafen,
    Böse und Gute,
    und der Festsaal füllte sich mit Gästen.

     

     

    Gedanken:

     

    Hand aufs Herz! Uns geht es auch oft so wie den Eingeladenen im Evangelium.
    Ein Einladungsschreiben liegt im Briefkasten oder eine Einladung wird mündlich ausgesprochen. Und dann wird der Terminkalender aufgeschlagen. Kann ich da überhaupt? Und oft kommen dann die Gedanken: Das passt mir jetzt gerade überhaupt nicht. Da möchte ich nicht hingehen, denn ich habe Wichtigeres zu tun.
    Es gibt tausend Gründe, die ich anführen könnte, eine Einladung nicht anzunehmen. Und manche kann man sich ja auch ausdenken.

    Eine Einladung nicht anzunehmen drückt etwas aus über meine Beziehung zu dem, der einlädt. Wie wichtig ist mir der Einladende überhaupt und wie wichtig ist für mich der Einladungsgrund?

    Es gibt Einladungen, die muss ich nicht unbedingt annehmen.

    Da darf ich auch sagen, dass sie für mich nicht wichtig ist.
    Aber es gibt Einladungen die sind wichtig, weil sie in einer Beziehung ihren Grund haben. Und wenn ich nicht daran teilnehme, dann ist der Moment vorüber und die Beziehung ist gestört oder sogar zerstört.
    Wenn ein guter Freund zum Geburtstag einlädt, vielleicht sogar zu einem runden Geburtstag, dann ist es selbstverständlich, dass ich hingehe. Das bin ich dem Freund schuldig.

    Im Evangelium, da lädt ein König ein zur Hochzeit seines Sohnes. Die eingeladenen Gäste aber wollen nicht kommen. Sie haben etwas anderes vor. Das ist ein Affront gegen den König.
    Der König im Gleichnis steht natürlich für Gott. Der Sohn ist Jesus. Und eingeladen wird ins Himmelreich, das Reich Gottes. Und auch Jesus erlebt, dass gerade die religiösen Führer seine Einladung ablehnen. Diejenigen, die eigentlich berufen sind, die wollen nicht, ja sie lehnen Jesus sogar ab und töten ihn am Ende.
    Aber die Hochzeit ist ausgerichtet und sie soll stattfinden – das Reich Gottes soll kommen, denn Gott will es so. Und so geht Jesus zu denen am Straßenrand, zu den Bettlern und denen, die am Rande stehen. Und sie kommen, denn sie erwarten etwas von Gott und sind bereit, sich auf den Weg zu machen.

    Gott lädt auch uns ein, mitzumachen beim Reich Gottes, eine Ahnung des Himmels in unserem Leben aufstrahlen zu lassen in der Nachfolge Jesu.

    „Unser Leben sei ein Fest!“ singen wir in einem Lied. Auf dieses Fest muss ich mich einlassen. „Jesu Geist in unserer Mitte, Jesu Werk in unseren Händen.“
    Das braucht meine konkrete Antwort, mein Engagement.

     

    Das Gleichnis Jesus macht deutlich: Das Fest wird stattfinden, auf jeden Fall! Gott hat dazu eingeladen. Eingeladen zu werden heißt ja auch, dass der Einladende mich wertschätzt, mich für würdig erachtet, am Fest teilzunehmen. Gott lädt uns ein in sein Reich, weil er uns liebt. Er möchte, dass wir zum Leben in Fülle finden.
    Sollten wir uns diese Chance entgehen lassen?

     

    Fürbitten

    Gott hat uns das Leben geschenkt.
    Er hat in uns auch all das angelegt,
    was wir brauchen, um aus unserem Leben ein Fest zu machen

    und unser Lebensziel zu verwirklichen.
    Ihn lasst uns bitten:

     

    • Für eine Kirche, die die Chance zur Verkündigung deiner Botschaft
      in den uns heute gegebenen Lebensumständen nicht verpasst.

       
    • Für das große Anliegen der Einheit der christlichen Kirchen,
      die sich auch in der Sehnsucht nach eucharistischer Mahlgemeinschaft ausdrückt.

       
    • Für eine Gesellschaft, die sich im Bewusstsein
      der uns in unserem Land geschenkten demokratischen Werte
      für das Wohl der Gemeinschaft entscheidet.

       
    • Für alle, die unter den Lebensumständen und Folgen dieser Pandemie
      leiden und sich nach unbeschwerter sozialer Nähe sehnen.

       
    • Für unsere Verstorbenen,
      die in der Hoffnung auf das himmlische Hochzeitsmahl gelebt haben.


       

    Denn der Glaube an dich, den dreieinen Gott,
    eröffnet einen Horizont,
    der rein menschlich unvorstellbar und unmöglich erscheint.
    Gerade darin liegt seine Kraft.
    Dafür rühmen wir deine Herrlichkeit und danken dir für alles,
    was du uns schenkst, heute und allezeit. - Amen.