Sonntags-Impuls

Impulse unseres Diakons Andreas Webel zur Liturgie am Sonntag

  • 2 Sonntag der Osterzeit

    Bleiben trotz Zweifeln

     

    In den Lesungen der Osterzeit bis Pfingsten hören wir immer wieder, dass die Jünger sich am ersten Tag der Woche treffen, einander ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit Jesus erzählen und das Brot miteinander brechen. So hatte es ihnen Jesus am Gründonnerstag schließlich aufgetragen: zu meinem Gedächtnis tut es, immer wieder, damit ihre nicht vergesst, wer ich für euch bin und was ich für euch getan habe.

    Und auch damals schon gab es Menschen, die ihre Schwierigkeiten damit hatten. „Ich kann nicht glauben, dass Jesus wirklich auferstanden ist.“, sagt Thomas, der Zweifler, im Evangelium des zweiten Ostersonntags, „ehe ich nicht die Hände in seine Wunden gelegt habe.“
     

    Ich glaube, der Zweifel ist wichtig!

    Glaube ist nicht nur eine Sache des Herzens. Zum Glauben gehört auch der Verstand und die Einsicht. Selbst die Bibel ist voll von Zweiflern: Thomas im heutigen Evangelium, David in den Psalmen, Petrus, der den Herrn sogar verrät sind nur einige Beispiele. Und selbst Maria fragt den Engel: „Wie kann das geschehen?“ und Jesus ruft am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum, hast du mich verlassen.“

    Für sie alle ist der Zweifel ein Ringen mit Gott und den eigenen Erfahrungen und ein Tor zu einer neuen und intensiveren Begegnung mit ihrem Gott.

     

    Wie machen es heute viele Menschen in einer solchen Situation?

    Sie sagen: „Ich kann das nicht mehr glauben, darum kann ich doch genauso gut wegbleiben. Es bringt mir nichts, deshalb gehe ich da nicht mehr hin. Es ist doch ehrlicher, wenn ich nur dann das alles mitmache, wenn ich das Bedürfnis danach habe.“

    Thomas im heutigen Evangelium dagegen macht es anders: er kehrt der Gemeinschaft nicht den Rücken, er bleibt dabei – trotz seiner erheblichen Zweifel. Er feiert weiter mit der kleinen gefährdeten Gemeinschaft und darf erleben, dass ihm die Mitte, die er nach Jesu Tod verloren hatte, neu geschenkt wird. Seine Beziehung zu Jesus, dem Auferstandenen, wird tiefer, persönlicher, weil er nicht fortgeht, sondern dabeibleibt.

    Vielleicht kann so ein Thomas mit all seinen Zweifeln und Fragen uns sogar ein Vorbild sein: nicht immer nur dem spontanen Bedürfnis, der Lust, manchmal auch der Bequemlichkeit zu folgen. Vielmehr auszuhalten und dabeizubleiben, auch wenn uns unsere Feste manchmal wie Folklore vorkommen und wir sagen müssen: „Ich verstehe zurzeit nicht was das soll und kann das nicht glauben.“

    Gerade Eltern heute könnten ihren Kindern das vermitteln, indem sie mit ihnen zusammen die angebotenen Haltepunkte, die Feste im Jahreskreis begehen, die Sonntage so feiern, dass sie uns erleben lassen, was Freiheit der Kinder Gottes wirklich bedeutet: Die Woche beginnt mit dem freien Tag, nicht mit der Arbeit. Längst bevor wir etwas leisten, leben wir schon (Beinahe der Werbespruch eines großen Möbelkonzerns). Das Wichtigste im Leben können wir nicht selbst machen oder verdienen, es ist uns geschenkt. Das Leben selbst ist uns geschenkt. Wir verdanken uns Gott, wir sind von ihm bejaht. Dafür steht Jesus Christus. Er verbürgt uns Leben über den Tod hinaus. Der Sonntag ist der Tag seiner und unserer Auferstehung.onntage, die Feiertage uns Christen heilig sein. Sie sind nicht irgendwelche freien Tage, die man nach Belieben in der Woche herumschieben oder sogar streichen könnte. Sie sind ein Geschenk Gottes, das unserem Leben Richtung gibt und Freiheit: Im Zeichen der Auferstehung geht der Weg vom Tod zum Leben.

    Und das hat durchaus etwas mit der aktuellen Wertediskussion zu tun. Menschen, die ihre Mitte nicht verloren haben, die eine geistige, eine geistliche Heimat haben, wissen wohin sie gehören und für was sie mit ihrem Leben stehen. Solche Menschen haben zwangsläufig Werte und leben sie auch. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass sie die Feste im Jahreskreis immer wieder neu entdecken und feiern können und jeden Sonntag, jede Woche a

  • Osternacht

    Wer rollt den Stein weg?

     

    Einem alten Brauch folgend, möchte ich diesen Osterimpuls mit einem Witz beginnen:

     

    Ein Mann verließ die schneebedeckten Straßen von Chicago, um in Florida ein wenig Urlaub zu nehmen.

    Seine Frau war auf einer Geschäftsreise und plante, ihn am nächsten Tag dort zu treffen.

    Als der Mann in seinem Hotel ankam, sendete er seiner Frau eine kurze Mail.

    Leider fand er den kleinen Zettel nicht, auf den er die Mail-Adresse geschrieben hatte. Also versuchte er sein Bestes und schrieb die Adresse aus dem Kopf.

    Leider vergaß er aber einen Buchstaben, so dass seine Nachricht stattdessen an eine ältere Pastorenfrau geschickt wurde, deren Ehemann gerade am Tag zuvor gestorben war.

    Als die trauernde Witwe ihre neuen Mails las, blickte sie auf den Monitor, schrie einmal laut auf und sank dann tot zu Boden.

    Diese Nachricht war auf dem Bildschirm zu lesen:

    "Liebste Ehefrau, Ich habe gerade eingecheckt. Alles ist für Deine Ankunft morgen vorbereitet. Dein Dich unendlich liebender Ehemann.

    P.S. Es ist wahnsinnig heiß hier..."

     

    Mal ehrlich, wenn wir eine solche Mail bekämen, … würden wir nicht direkt an einen Scherz denken, wenn auch einen schlechten? Würden wir es für wahrscheinlich halten, dass ein Verstorbener uns aus dem Jenseits überhaupt schreiben könnte?

    „Jesus Christos nikat!“ So rufen in der Osternacht die orthodoxen Christen aus. “Christus ist auferstanden, er lebt!“ rufen wir an Ostern oft in Gebeten und Gesängen.  Aber können wir wirklich daran glauben? Ein Toter, der wieder lebendig wird. Das ist eine unglaubliche, ja erschreckende Behauptung. Auch die Frauen, die zum Grab kommen sind sehr erschrocken, können es einfach nicht fassen.

    Irgendwie ist es für viele Menschen klar, dass es nach dem Tod irgendwie weitergehen muss mit dem Leben. Aber es gibt eben keine schlüssige Antwort auf die Frage nach dem Jenseits, weil niemand mit dem Leben nach dem Tod eine konkrete Erfahrung verbinden kann.

    Sprichwörtlich ist die Antwort: „Niemand ist bisher zurückgekehrt und hat uns davon erzählt.“

    Aber vielleicht kann die Auferstehungsgeschichte des Markus einen Hinweis geben. Mir fällt eine Kleinigkeit besonders auf, die Markus für wichtig genug hält, um sie in seinem Evangelium weiter zu geben. Bevor die Frauen zum Grab kommen, da fragen sie einander, wie sie wohl den Stein vom Grab wegwälzen sollten. Der Stein war zu schwer für sie und der Evangelist betont eigens noch einmal, dass der Stein sehr groß war.

    Steine gibt es viele in der Welt und in unserem Leben, die uns belasten, die wir als zu schwer empfinden, die uns mutlos machen. Und oft sind sie es, die Leben behindern, es manchmal sogar auf ihre Art und Weise abtöten.

    • Wie kann ich ohne Arbeit und damit ohne Geld, noch für meine Familie sorgen?
    • Wie kann ich es schaffen, in einem Land, dessen Sprache ich nicht kenne, Fuß zu fassen und nach langer, traumatisierender Flucht für mich selbst und meine Familie eine neue Heimat finden.
    • Wie kann ich es schaffen, nach einer niederschmetternden Diagnose noch Perspektiven für mein Leben zu entdecken, das unweigerlich auf das Sterben zugeht?
    • Die Pandemie und ihre Folgen sind ebenfalls solch ein belastender Stein für viele Menschen, denn manchmal ist die Existenz sogar bedroht.

     

    Und dann gibt es immer wieder Menschen, die sehen diese Steine, die wie Grabsteine sind, und lassen sich nicht abschrecken zu den Gräbern hinzugehen. Etwas in ihnen sagt ihnen, es könnte ja doch gelingen und wenn ich es nicht versuche, dann geschieht nichts. Und mit all ihrem Engagement, ihrer Hoffnung, ihrer Liebe zum Nächsten gelingt es immer wieder, dass sich Gräber öffnen und neues Leben ermöglicht wird – eine Ahnung von Auferstehung:
    Menschen, die sich solidarisch zeigen und neue Hoffnung und Mut geben zum Leben. Menschen, die durch ihre helfenden Hände neues Leben möglich machen, Menschen, die aus Liebe die Hoffnung nicht aufgeben und zu Protestleuten gegen den Tod werden. Ein Theologe hat einmal diesen Begriff geprägt: Christen sind Protestleute gegen den Tod, weil sie neues Leben ermöglichen, sich nicht mit den kleinen und großen Toden dieser Welt abfinden. Christen sind Menschen, die gegen die Hoffnungslosigkeit der Welt ihre Hoffnung und ihr Vertrauen in Gott setzen und von Gott noch etwas erwarten, wo nach menschlichen Maßstäben schon nichts mehr zu erwarten ist. Und so kann Ostern ein Hoffnungsfest der Menschen sein gegen die Karfreitage dieser Welt. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein gesegnetes Fest der Auferstehung, immer wieder im Alltag und dann, so glauben wir – am Ende unseres Lebens.

    Frohe Ostern Ihnen allen!

    Ihr

    Andreas Webel

     

  • Palmsonntag – B – 2021

    Lesung:  Phil 2, 6 - 11

    Christus Jesus war Gott gleich,
    hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein,
    sondern er entäußerte sich
       und wurde wie ein Sklave
       und den Menschen gleich.
    Sein Leben war das eines Menschen;
    er erniedrigte sich
       und war gehorsam bis zum Tod,
    bis zum Tod am Kreuz.
    Darum hat ihn Gott über alle erhöht
    und ihm den Namen verliehen,
       der größer ist als alle Namen,
    damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde
       ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu
    und jeder Mund bekennt:
       "Jesus Christus ist der Herr" -
    zur Ehre Gottes, des Vaters.
     

    Gedanken:

    Liebe Leserinnen und Leser,
    Vor genau einem Jahr hat es angefangen mit der Pandemie. An Palmsonntag 2020 ist der erste Gottesdienst für die Öffentlichkeit ausgefallen. Eine lange Zeit – ein ganzes Jahr – der Pandemie liegt hinter uns. Wir könnten uns eigentlich schon daran gewöhnt haben. Reduzierte Kontakte, kaum öffentliche Veranstaltungen, kaum Kultur im öffentlichen Raum, reduzierte Gottesdienste, Familientreffen und -feiern, die abgesagt werden. Vielleicht haben wir ein wenig gelernt, mit Corona zu leben. Aber daran gewöhnt haben wir uns nicht – Gott sei Dank!
    Aber Corona hat uns bewusst gemacht, was wichtig ist im Leben. Es sind die Beziehungen, in denen wir leben. Wenn wir die nicht haben, dann verlieren wir uns selbst. Der Mensch ist ein soziales Wesen und angewiesen auf andere Menschen, auf deren Achtsamkeit, deren Solidarität, deren Liebe.

    In der heutigen Lesung aus dem Philipperbrief wird uns Jesus vorgestellt. Er erscheint uns in diesen Worten des Apostels Paulus als das Urbild des Menschen, wie ihn Gott gewollt und geschaffen hat.
    Jesus bleibt nicht bei sich selbst, er entäußert sich und macht sich dem Menschen gleich, steigt auf seine Stufe herab. In Jesus erdet sich Gott selbst. Im Evangelium vom Einzug nach Jerusalem reitet er auf einem jungen Esel, nicht auf einem Schlachtross mit Schwert, Fanfaren und Soldaten. Er kommt als einer, der bereit ist für seine gute Botschaft in den Tod zu gehen. Auch davon hören wir am heutigen Sonntag in der Leidensgeschichte.
    Solidarität, Vergebung, Demut und Liebe – das ist Jesus, das ist die Vision Gottes vom Menschen, seinem Geschöpf.
    Und dann sehen wir im Fernsehen die Bilder aus dem Jemen, von Kindern, die nichts mehr zu Essen haben, deren Kindheit und Jugend zerstört ist, weil Menschen um die Macht des Stärkeren kämpfen. Wir sehen Politik und Wirtschaft, wie sich Menschen am Leiden anderer bereichern und ihre eigenen Interessen vor alles andere stellen. Und wir sehen in der Pandemie, wie es politischen Streit um Impfstoffe gibt und arme Länder im Stich gelassen werden, weil es heißt: „Wir, die Reichen, zuerst!“

    Und in unserer Kirche erleben wir ihn auch, den Kampf um Einfluss und Macht, den Missbrauch Schutzbefohlener und die Missachtung der Menschlichkeit und des Liebesgebotes.
    Wenn ich die Worte der heutigen liturgischen Texte lese, dann macht es mich betroffen, wie weit wir uns in unserer Gesellschaft (sie nennt sich manchmal immer noch „christliches Abendland“) und leider zuweilen auch in unserer Kirche  von diesem Jesus entfernt haben.

    Eines der religiösen Lieder aus meiner Jugendzeit geht so:
     

    Eines Tages kam einer,
    der hatte einen Zauber in seiner Stimme,
    eine Wärme in seinen Worten,
    einen Charme in seiner Botschaft.

    Eines Tages kam einer,
    der hatte eine Freude in seinen Augen,
    eine Freiheit in seinem Handeln,
    eine Zukunft in seinen Zeichen.

    Eines Tages kam einer,
    der hatte eine Hoffnung in seinen Wundern,
    eine Kraft in seinem Wesen,
    eine Offenheit in seinem Herzen.

    Eines Tages kam einer,
    der hatte einen Vater in den Gebeten,
    einen Helfer in seinen Ängsten,
    einen Gott in seinen Schreien.

    Eines Tages kam einer,
    der hatte einen Geist in seinen Taten,
    eine Treue in seinen Leiden,
    einen Sinn in seinem Sterben.

    Eines Tages kam einer,
    der hatte einen Schatz in seinem Himmel,
    ein Leben in seinem Tode,
    eine Auferstehung in seinem Grabe.

    (Text: Alois Albrecht)

     

    Lassen wir uns in der Kar- und Osterwoche von diesem Menschen inspirieren, der uns das Bild Gottes in seiner Person nahebringt, der mit seinem ganzen Leben der menschgewordene Gott selbst ist, der in seinem Geist einen jeden von uns ergreifen und verändern möchte. Schenken wir ihm immer wieder neu unser Vertrauen und öffnen wir uns für seine gute Botschaft – damit auch wir erleben können: Auferstehung ist möglich!

    Amen!

     

    Fürbitten

    Beim Einzug in Jerusalem
    haben die Leute ihre Kleider vor Jesus ausgebreitet.
    Wir legen ihm unsere Welt zu Füßen
    und bitten um Heilung, wo Menschen verwundet und belastet sind.

    • Wir sind dankbar, dass wir Gottesdienst feiern dürfen –
      heute und an Ostern, hier in der Kirche versammelt, draußen oder mehr virtuell.
      Wir beten für alle, mit denen wir verbunden sind
      im Gedächtnis an Jesu Leiden, Tod und Auferstehung.
      Jesus Christus, menschgewordener Gott:
       
    • Wir sind dankbar, dass die Impfungen das Corona-Virus hoffentlich bald beherrschbar machen.
      Wir beten für alle, die ungeduldig warten;
      für Wissenschaft und Wirtschaft und Politik,
      die für eine gerechte Verteilung der „Dosen“ sorgen
      und für gleiche Chancen für alle, auch für die armen Länder.
      Jesus Christus, menschgewordener Gott:
       
    • Wir sind dankbar, dass auch führende Menschen zur Umkehr und zur Bitte um Vergebung bereit sind. Wir beten für alle, die an falschen Beschlüssen und Meinungen festhalten;
      für die vielen, die darunter leiden.
      Jesus Christus, menschgewordener Gott:
       
    • Wir sind dankbar, dass es uns und vielen Menschen ziemlich gut geht.
      Wir beten für alle, die zu leiden haben unter Krankheit und Angst,
      unter Hunger und Krieg, unter Gewalt und Verachtung.
      Jesus Christus, menschgewordener Gott:
       
    • Wir sind dankbar für viele Fortschritte, die der weltweite Handel auch uns ermöglicht.
      Wir beten für die Seeleute, die im Suezkanal festsitzen;
      für alle, deren Versorgung durch den Stau gefährdet ist.
      Und für die vielen, die vor Ort suchen und finden, was sie brauchen.
      Jesus Christus, menschgewordener Gott:
       
    • Dankbar für neue Wege, die unsere Kirche suchen und finden darf,
      beten wir für alle, die für Gottes Volk Verantwortung tragen –
      in unserem Bistum, in unserem Land und in der Weltkirche.
      Jesus Christus, menschgewordener Gott:
       
    • Wir sind dankbar, dass du uns die Hoffnung auf Auferstehung geschenkt hast:
      wir beten für unsere Verstorbenen, dass ihre Hoffnung auf dich Erfüllung findet und sie leben dürfen in deiner Gegenwart.
      Jesus Christus, menschgewordener Gott:
       

    Jesus Christus,
    du gehst den Weg der Menschen durch Leid und Tod hindurch;
    du schenkst uns die Hoffnung auf wirkliches neues Leben mit Gott.
    Wir singen Hosanna und preisen dich mit dem Vater im Heiligen Geist
    heute und morgen und in Ewigkeit. Amen

     

  • 5. Fastensonntag B 2021

    Evangelium: Joh 12, 20 - 33

     

    In jener Zeit
    gab es auch einige Griechen unter den Pilgern,
       die beim Pas-chafest in Jerusalem Gott anbeten wollten.
    Diese traten an Philíppus heran,
       der aus Betsáida in Galiläa stammte,
    und baten ihn: Herr, wir möchten Jesus sehen.
    Philíppus ging und sagte es Andreas;
    Andreas und Philíppus gingen und sagten es Jesus.
    Jesus aber antwortete ihnen:
    Die Stunde ist gekommen,
       dass der Menschensohn verherrlicht wird.
    Amen, amen, ich sage euch:
    Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt,
       bleibt es allein;
    wenn es aber stirbt,
       bringt es reiche Frucht.
    Wer sein Leben liebt,
       verliert es;
    wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet,
       wird es bewahren bis ins ewige Leben.
    Wenn einer mir dienen will,
       folge er mir nach;
    und wo ich bin,
       dort wird auch mein Diener sein.
    Wenn einer mir dient,
       wird der Vater ihn ehren.
    Jetzt ist meine Seele erschüttert.
    Was soll ich sagen:
    Vater, rette mich aus dieser Stunde?
    Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen.
    Vater, verherrliche deinen Namen!
    Da kam eine Stimme vom Himmel:
    Ich habe ihn schon verherrlicht
    und werde ihn wieder verherrlichen.
    Die Menge, die dabeistand und das hörte,
       sagte: Es hat gedonnert.
    Andere sagten: Ein Engel hat zu ihm geredet.
    Jesus antwortete
    und sagte: Nicht mir galt diese Stimme,
       sondern euch.
    Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt;
    jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden.
    Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin,
       werde alle zu mir ziehen.
    Das sagte er,
       um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.  

    Gedanken

    „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ Diese Aussage Jesu aus dem Johannesevangelium ist eine der bekanntesten Aussprüche Jesu und gleichzeitig einer der schwierigsten.
    Und gleichzeitig ist es eine der ältesten Erfahrungen, die Menschen immer wieder machen: Damit Neues entstehen kann, muss Altes erst einmal vergehen.

    Das Motto des heutigen Misereor-Sonntags heißt: „Anders! Es geht.“ Bolivien, das Partnerland unseres Bistums steht im Mittelpunkt dieses Sonntags. An dieser Partnerschaft wird ganz deutlich, was diese Aussage Jesu bedeutet.

    Ursprünglich entstand die Partnerschaft mit der Kirche in Bolivien vor nunmehr 50 Jahren aus der alten Vorstellung von Entwicklungshilfe: Wir, der Westen, sind entwickelt. Wir haben den Fortschritt und die in der sogenannten „Dritten Welt“ müssen so werden, wie wir es schon sind. Unsere Lebenswelt, unsere Standards sind besser und müssen übertragen werden.
    Mittlerweile gibt es auch bei uns, in der sogenannten „Ersten Welt“, Zweifel, ob unser Weg tatsächlich immer der bessere ist. Unsere Ausbeutung und Zerstörung der Umwelt, der drohende Klimakollaps, wenn wir so weiter machen, unsere Erfahrung mit der Gesellschaft und den neuen Techniken, lassen viele von uns daran zweifeln.
    Gleichzeitig zeigen uns Initiativen in Bolivien und anderen Entwicklungsländern, dass es durchaus andere Wege gibt, achtsam in und mit der Schöpfung zu leben, als Gemeinschaft miteinander solidarisch umzugehen. Die Frage stellt sich uns immer deutlicher: kann es so weitergehen oder müssen nicht viele von unseren alten Vorstellungen und Ideen, muss nicht vieles von unserer Art zu leben und mit der Schöpfung und unseren Mitmenschen umzugehen, sterben, damit neues entstehen kann.
    Die Menschen in Bolivien haben irgendwann gesagt: Wir sind nicht nur Empfänger eurer Gaben. Wir müssen auch eigene Wege finden und sie gehen. Es geht nicht darum euren Lebensstil, eure Lebensweise zu übernehmen, sondern mit unserer eigenen Phantasie und unseren eigenen Talenten unsere Lebenswelt zu gestalten. Viele neue Projekte sind so entstanden, die den Menschen schließlich besser geholfen haben, sich selbst zu helfen und ihr Leben weiterzubringen. Dazu mussten aber unsere Vorstellungen von Entwicklungshilfe erst einmal sterben und neue Herangehensweisen wachsen.
    Ich glaube, das ist in vielen Lebensbereichen so, auch in unseren Gemeinden und in der Kirche insgesamt. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Unsere Kirche war über Jahrhunderte eine Institution, die den Anspruch erhob, den Menschen zu belehren, ihm zu sagen, wie er zu leben hat. Dabei ist oft in den Hintergrund getreten, dass sie eigentlich eine Gemeinschaft ist, in der die Liebe und Barmherzigkeit, die Jesus uns vorgelebt hat, gelebt werden muss.  

    Auch in unserer Kirche, in unserem Bistum Trier und in unserer Gemeinde St. Franziskus, muss Manches sterben, damit neues Lebens wachsen kann. Die Synode und der Versuch ihrer Umsetzung war die Suche nach Wegen, wie neues Leben in unserer Kirche entstehen und wachsen kann und Kirche in die Zukunft gehen kann.
    Wir haben dabei aber auch erleben müssen, wie schwer dieser Weg oft fällt. Sterben lassen bedeutet auch Verlust von Liebgewonnenem. Sterben lassen bedeutet die Unsicherheit und Ungewissheit neuer Wege zu riskieren. Sterben lassen bedeutet Schmerz und Trauer. Die Fleischtöpfe Ägyptens haben eben auch ihr Gutes gehabt. Sie haben trotz allem Negativen auch satt gemacht und Sicherheit gegeben.

    Und dennoch: damit Leben erneuert weitergehen kann, damit neues entsteht, muss Gewohntes auch manchmal sterben.
    Es ist gut, dass wir von Jesus auch die Zusage erhalten haben: „wenn das Weizenkorn aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ An Jesus selbst konnten es die Apostel erleben. Auf den Karfreitag folgte Ostern. Neues und grenzenloses Leben wurde Jesus geschenkt und ebenso denen, die ihm nachfolgten. Die Natur mit ihrem Vergehen und neu Werden ist ein sprechendes Symbol dafür. Die Erfahrungen in der Bolivienpartnerschaft unseres Bistums machen das ebenso deutlich: Neues entsteht nur, wenn alte Vorstellungen und Einstellungen sterben und neuen Ideen und Entwicklungen Platz machen. Das bedeutet nicht, dass das Alte immer schlechter war und das Neue immer besser.

    Das Alte war zu seiner Zeit meist gut und notwendig. Aber wenn das Leben und seine Umstände sich weiter entwickeln und ändern, muss das Alte manchmal Neuem Platz machen, damit Leben gedeihen kann.

    „Anders! Es geht.“

    Amen.

     

    Fürbitten

    Gott hat einen Bund mit uns Menschen geschlossen,
    er wirkt in uns und durch uns – in guten und in schlechten Tagen.
    Gott weiß, was uns und die Welt bewegt.
    Im Vertrauen auf seine Hilfe bringen wir die Anliegen unserer Zeit vor Gott:

    • Wir schauen auf Familien und Lebensgemeinschaften,
      in denen Menschen einander finden, lieben und bewegen.
      Lasst uns beten für alle Menschen in liebevollen Beziehungen,
      für alle, die um Gottes Segen bitten für sich und ihre Familie;
      und für die vielen, die das römische Schreiben enttäuscht und verletzt hat.
      Guter Gott:

       
    • Wir denken an Menschen weltweit, besonders in Bolivien,
      die mutig ihre Zukunft gestalten und auf unsere Solidarität vertrauen.
      Lasst uns beten für alle Frauen und Männer,
      die andere Menschen unterstützen und stark machen,
         ihr Leben nachhaltig zum Guten zu verändern;
      für alle, deren Lebensgrundlagen verloren gehen
         durch die Ausbeutung der Natur und den Klimawandel.
      Guter Gott:

       
    • Wir erinnern an alte und junge Menschen,
      die besonders gefährdet sind, an Covid19 zu erkranken.
      Lasst uns beten für alle, die auf den Impfschutz gegen Covid19 hoffen;
      für die vielen, die nun länger warten müssen und verunsichert sind;
      für alle, die die Lockerungen mit Sorge betrachten
         und sich vor der dritten Infektionswelle fürchten.
      Guter Gott:

       
    • Wir leben in kirchlichen Gemeinschaften, die sich im Glauben verbunden fühlen;
      viele suchen eine gute Balance zwischen Bewahrung und Erneuerung.
      Lasst uns beten für Frauen und Männer, die Verbindungen schaffen und Identität stiften
      mit wachem Blick auf die Erwartungen der Menschen und auf die Zeichen der Zeit;
      für alle, denen Traditionen und Rituale unwichtig sind –
      und für so viele, die sich von der Kirche abgewendet haben.
      Guter Gott:

       
    • Wir denken an die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft,
         denen das Wohl der Menschen und der Welt anvertraut ist.
      Lasst uns beten für alle Menschen, die die Schöpfung
         als Gottes Geschenk verstehen und sie weltweit pflegen und bewahren;
      für alle, die eigene Interessen dem Wohl der Gemeinschaft unterordnen –
      bei uns, in Bolivien und weltweit.
      Guter Gott:

       
    • Viele Menschen sind nach zehn Jahren Krieg in Syrien
      noch immer auf der Suche nach einer neuen Heimat.
      Lasst uns beten für die Familien in den Flüchtlingslagern,
         die auf Veränderung und Hilfe hoffen;
      für die Frauen und Männer, die ihnen Hilfe bringen
         und Zeichen des friedlichen Miteinanders geben.
      Guter Gott:

       
    • Kinder und Jugendliche haben auch in der Kirche sexualisierte Gewalt erlitten;
      viele leiden lebenslang daran.
      Lasst uns beten für die vielen, die von ihrem Leid berichten können
         und wirkliche Aufklärung fordern.
      Und für alle, die sie dabei begleiten und unterstützen.
      Guter Gott:

       
    • Unsere Verstorbenen wissen wir in deiner Gegenwart geborgen;
      Lasst uns beten für alle, die ihre Hoffnung auf dich gesetzt haben,
      für alle, die es schwer hatten, an dich zu glauben,
      dass sie alle geborgen sind in deiner Hand.

      Guter Gott:

       

    Jesus Christus, du bist den Weg auf Leiden und Tod zu gegangen,
    du hast uns gezeigt, dass Gott niemanden vergisst.
    Das  gibt uns Kraft, den Weg der Gerechtigkeit weiterzugehen.
    Wir preisen deine Stärke – jetzt und bis in deine Ewigkeit. Amen.

     

  • 4. Fastensonntag B 2021

    Evangelium:  Joh 3, 14-21

    In jener Zeit sprach Jesus zu Nikodémus:
    Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat,
       so muss der Menschensohn erhöht werden,
    damit jeder, der glaubt,
       in ihm ewiges Leben hat.
    Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt,
       dass er seinen einzigen Sohn hingab,
    damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht,
       sondern ewiges Leben hat.
    Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt,
       damit er die Welt richtet,
    sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
    Wer an ihn glaubt,
       wird nicht gerichtet;
    wer nicht glaubt, ist schon gerichtet,
       weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes
       geglaubt hat.
    Denn darin besteht das Gericht:
    Das Licht kam in die Welt,
       doch die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht;
    denn ihre Taten waren böse.
    Jeder, der Böses tut,
       hasst das Licht
    und kommt nicht zum Licht,
       damit seine Taten nicht aufgedeckt werden.
    Wer aber die Wahrheit tut,
       kommt zum Licht,
    damit offenbar wird,
       dass seine Taten in Gott vollbracht sind.


    Gericht oder Gnade

    Im Internet gibt es eine ganze Menge von Foren, auf denen die Nutzer Fragen stellen können zu allen möglichen Themenbereichen. Eine Web-Site heißt „gutefrage.net“. Ich fand dort folgende Frage:
    „Stimmt es, dass alle in den Himmel kommen? Oder nur die Christen?“

    Die Antworten darauf waren unterschiedlichster Art – meist oberflächlich und ablehnend der Thematik gegenüber.

    „Wir kommen alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind“ das Zitat eines Nutzers aus dem Karnevalslied sollte zeigen, wie lächerlich schon die Frage ist.

    „Alle dummen Leute glauben da dran.“ war eine weitere Antwort.

    Und es gab natürlich auch die Antworten, die unsere Welt einteilten in die Guten und die Bösen. Die Guten in den Himmel und die Bösen in die Hölle.

     

    Wer wird gerettet, das ist auch eine der Fragen, die Nikodemus, der Pharisäer, Jesus im heutigen Evangelium stellt. Wer wird im Gericht bestehen?

    Und seien wir ehrlich: viele von uns haben sich diese Frage auch gestellt. Sie ist eine wichtige Frage, denn sie ist die Frage nach dem Sinn unseres Lebens. Welches Leben ist gut in den Augen Gottes, welches nicht? Welches Leben hat Bestand und welches nicht? Im Bild gesprochen: wer kommt in den Himmel und wer nicht?

    Im Evangelium spricht Jesus vom Gericht.

    Mit dem Gericht verbinden wir die Abwägung zwischen gut und schlecht, zwischen schuldig und unschuldig. Einer, der etwas Böses getan hat oder einer bösen Tat verdächtig ist, wird angeklagt. Seine Schuld oder Unschuld muss sich dann vor Gericht herausstellen. Ist der Angeklagte schuldig, wird er bestraft, je nach der Schwere seines Vergehens.

    Ähnliche Vorstellungen haben wir oft auch, wenn in der Bibel vom Gericht die Rede ist. Gott sitzt auf dem Richterstuhl und wägt ab zwischen den guten und schlechten Taten. Und je nachdem, wie die Waage sich neigt, ergeht dann das Urteil.

    Leider hat in der Geschichte der Kirche diese Vorstellung vom Gericht über lange Strecken eine vorherrschende Rolle gespielt. Ein weit verbreitetes Gottesbild ist das des Richtergottes. Viele Menschen ängstigt diese Vorstellung von Gott als strengem Richter, der die Sünder streng bestraft.

    „Ein Auge ist‘s, das alles sieht, auch wenn’s in finsterer Nacht geschieht.“ Diese Vorstellung von Gott macht vielen Menschen immer noch Angst.

    Dabei wurde oft abgetrennt oder vergessen, was in der Bibel die Rede vom Gericht bedeutet: Das hebräische Wort für „Gericht“ hat etwas zu tun mit „ganz machen“, „wieder herrichten“, „vollenden“ oder „gut machen“. Das Ziel Gottes ist nicht die Verurteilung, sondern das Heil der Menschen. Gott will, dass alles gut wird für die Menschen. Gott will unsere Erlösung.

    Jesus selbst hat noch ein anderes Bild von Gott. Für ihn ist Gott der Vater, der seine Kinder liebt und sie annimmt, so wie sie sind, mit all ihren Schwächen und Fehlern.

    So heißt es auch im heutigen Evangelium in der Antwort Jesu auf die Frage des Nikodemus: Gott hat seinen Sohn nicht gesandt, um zu richten, sondern um zu retten, das heißt, um gut zu machen, was unvollkommen und unvollendet ist. Im Epheserbrief schreibt der Apostel Paulus von der Gnade Gottes. Er macht uns wieder lebendig, unverdient und aus seiner großen Liebe heraus. „Er hat uns mit Christus auferweckt“, heißt es dort „und uns zusammen mit ihm, einen Platz im Himmel gegeben.“ (Eph 2)

    Jesus hat seinem Gott und dessen Liebesangebot vertraut, so sehr, dass er sogar den Weg ans Kreuz beschreiten konnte, ja so sehr, dass er in Kreuz und Auferstehung zur letzten Garantie für Gottes Liebesangebot an uns wurde. Jesus steht für einen Gott, der alles „richten“, das heißt gut machen wird, der sogar neues Leben schenkt, wenn unser irdisches Leben endet.

     

    Aber auch, wenn alles Heil Geschenk und Gnade ist, dann heißt das nicht, das alles beliebig ist, dass ich alles tun und lassen kann, wie ich es will und wie es für mich gut erscheint. Es ist wichtig, dass wir immer wieder auf den erhöhten Christus schauen, uns in unserem Leben immer wieder an seiner Hingabe, an seiner Liebe orientieren. Die Wahrheit tun und so zum Licht kommen, das bedeutet, dass ich mein Leben immer wieder an Jesus Christus, der Ikone Gottes ausrichte, mir seine Liebe und Hingabe, sein Vertrauen in die Liebe Gottes immer mehr zu eigen mache. „Seine Geschöpfe sind wir,“ sagt Paulus, - wir können auch sagen seine Kinder – „in Christus Jesus geschaffen, in unserem Leben die guten Werke zu tun, die Gott für uns im Voraus bestimmt hat.“ Gott lieben, ihm vertrauen, mit ganzem Herzen und ganzer Seele und den Nächsten wie sich selbst – das nach unseren Möglichkeiten zu leben, das bedeutet es, auf den erhöhten Christus zu schauen, ihm nachzufolgen. Seine Liebe, Gottes Liebe, als Antrieb zu nehmen, selbst die Liebe Gottes sichtbar zu machen.

    Wenn uns das gelingt, so gut wir es eben können, dann wird das Gericht Gottes nicht die Aburteilung all unserer Fehler und Missgeschicke sein. Dann wird das Gericht darin bestehen, auch das Unvollkommene unseres Lebens anzunehmen und es gut und vollkommen zu machen.

    Amen.

     


    Fürbitten:

    Gott hat seinen Sohn in unsere Welt gesandt,
    um Licht in unsere Dunkelheiten zu bringen.
    So bitten wir:

    • Wir vertrauen dir die Erkrankten an und die Gefährdeten,
      die besorgten Menschen und alle, die andere umsorgen.
      Guter Vater:
       
    • Wir verbinden uns mit allen,
      die sich durch die Beschränkungen bedrückt fühlen
      und seelisch verletzt;
      wir denken an alle, deren Sorgen wachsen,
      und besonders die Kinder und Jugendlichen.
      Guter Vater:
       
    • Wir bitten dich für alle,
      die in Politik und Gesellschaft Verantwortung tragen,
      die ein Mandat oder ein Amt übernehmen wollen.
      Guter Vater:
       
    • Für alle, die glaubwürdig und engagiert ihr Bestes geben,
      und für alle, die sich um Transparenz bemühen
      und alle, die sich beteiligen – in Politik und Gesellschaft, in Kirche und Wirtschaft.
      Guter Vater:
    • Wir vertrauen dir alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
      in kirchlichen und sozialen Einrichtungen an,
      die an ihrem Ort den Glauben leben und bezeugen;
      und alle, die über Tarife und gerechte Löhne für alle mitbestimmen.
      Guter Vater:
       
    • Wir bitten dich für alle, die allein sterben müssen;
      wir bitten für alle Opfer von Gewalt und von Katastrophen
      und alle, die das Unheil mitverschuldet haben.
       

    Lebendiger Gott, du hast deinen Sohn gesandt, um die Welt zu retten.
    Wir danken für deine Liebe und preisen dich im Heiligen Geist. Amen

  • 3. Fastensonntag - B

    Evangelium Joh 2,13-25

    Das Paschafest der Juden war nahe
    und Jesus zog nach Jerusalem hinauf.
    Im Tempel
    fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben
    und die Geldwechsler, die dort saßen.
    Er machte eine Geißel aus Stricken
    und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus
    samt den Schafen und Rindern;
    das Geld der Wechsler schüttete er aus,
    ihre Tische stieß er um
    und zu den Taubenhändlern sagte er:
    Schafft das hier weg,
    macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!
    Seine Jünger erinnerten sich, dass geschrieben steht:
    Der Eifer für dein Haus wird mich verzehren.
    Da ergriffen die Juden das Wort und sagten zu ihm:
    Welches Zeichen lässt du uns sehen,
    dass du dies tun darfst?
    Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder
    und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.
    Da sagten die Juden:
    Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut
    und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten?
    Er aber meinte den Tempel seines Leibes.
    Als er von den Toten auferweckt war,
    erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte,
    und sie glaubten der Schrift
    und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.
    Während er zum Paschafest in Jerusalem war,
    kamen viele zum Glauben an seinen Namen,
    da sie die Zeichen sahen, die er tat.
    Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an,
    denn er kannte sie alle
    und brauchte von keinem ein Zeugnis über den Menschen;
    denn er wusste, was im Menschen war.

     

    Alles zu seiner Zeit und an seinem Ort


    Im heutigen Evangelium begegnet uns ein Jesus, der nicht in das übliche Jesusbild hineinpasst. Es ist ein Jesus, der in Zorn gerät, der sich einen Strick bindet und dreinschlägt. Den kennen wir normalerweise nicht und finden ihn vielleicht auch nicht so sympathisch.

    Eher den Jesus, der als guter Hirte die verlorenen Schafe sucht, einen, der heilt und tröstet, den guten Jesus, den lieben Heiland. Der Jesus des heutigen Evangeliums dagegen ist anders, fordert zum Widerspruch heraus, ist anstößig.

    Als er mit seinen Jüngern zum Paschafest nach Jerusalem kommt, gerät Jesus in Zorn über die Verkäufer und Geldwechsler im Tempelvorhof. Wir erleben einen Jesus, wie er in keinem anderen Evangelium auftritt, zornig und wütend. Er legt selbst Hand an, schmeißt Tische um und treibt die Händler hinaus.

    Was macht Jesus so zornig?

    Jesus verurteilt nicht die Händler und Geldwechsler und ihre Tätigkeit an sich. Er will sie nur nicht im Haus seines Vaters sehen. Jesus stellt durch seine Reaktion unmissverständlich klar, dass es für alle Dinge einen Ort und eine Zeit gibt. Es gibt eine Zeit und einen Ort, an dem Geschäfte getätigt werden können, und es gibt eine Zeit für den Got­tesdienst und einen Ort, an dem Gottesdienst gefeiert wird. Diese Dinge zu vermischen, bringt Jesus in Rage und weckt seinen heiligen Eifer, besonders wenn dabei Gott in den Hintergrund gedrängt wird. Der Tempel aber ist der Ort Gottes und nicht Ort des Geschäftes.

    Wie kann Jesus so etwas sagen? Welches Recht hat er, so aufzutreten? Jesus selbst ist die Legitimation für sein Tun. Er selbst ist der Tempel Gottes. Er ist der Tempel, der zerstört und in drei Tagen neu errichtet wird. In Jesus, in seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferstehung können wir Gott begegnen. In ihm kommt Gott uns Menschen nah. In Jesus kommt Gott uns Menschen so nah, dass wir selbst zum Tempel Gottes werden.

    Aber wie steht es mit diesem Tempel, mit uns selbst?

    Ist nicht auch in uns Vieles vermischt? Gibt es da nicht auch die vielen "Geschäfte" unseres Alltags, die Gott oft genug in den Hintergrund drängen? Wie gehen wir mit dem Tempel Gottes, mit unserem Leib um?

    Eine Teilnehmerin an einer Fastenwoche bewertete im Anschluss an die Zeit des Fastens die abendlichen Stunden in der Gruppe sehr positiv. "Die Ruhe, die Meditationen, die Gedankenanregungen haben mir gutgetan. Ich bin mir selbst und Gott ein wenig nähergekommen. Die Fastenwoche hat mir bewusst gemacht, dass ich mich im Alltag mit vielen Dingen nur belaste und zerstreue."

    Das ist aber doch bei uns allen so! Wir tun viele Dinge, wollen und erstreben noch mehr, statt zu überlegen, was für uns wirklich gut und notwendig ist. Wir suchen Abwechslung und Zerstreuung, statt uns Zeit zu nehmen zur Besinnung auf uns selbst und auf Gott. In unserem Inneren ist so viel marktschreierischer Lärm, soviel Unruhe und Hektik, dass oft kein Platz mehr bleibt für uns selbst und Gott. Wie gehen wir mit dem Tempel Gottes, mit uns selbst um?

    Wir stehen mitten in der Fastenzeit und bereiten uns auf Ostern vor. Vielleicht kann uns das heutige Evangelium einen Hinweis geben, wie wir die noch verbleibende Fastenzeit nutzen können.

    Wir könnten ja ver­suchen den Tempel Gottes, uns selbst, zu reinigen, indem wir so viel als möglich von dem lauten Marktschreierischen in uns selbst zum Schweigen bringen. Wir könnten versuchen, uns Zeiten der Besinnung auf uns selbst und auf Gott zu gönnen. Wir könnten versuchen, den Tempel Gottes, uns selbst, zu erneuern.

    Alles hat seine Zeit und alles hat seinen Ort. Es gibt eine Zeit für die Geschäfte, für das Getriebe und es gibt eine Zeit und einen Ort, wo Gott wichtig ist. Die Vermischung zu Lasten Gottes hat Jesus in Rage gebracht.

    Die Fastenzeit aber ist eine Zeit, in der Gott und sein Tempel, wir selbst, wichtig sind.

    Amen.

     

    Fürbitten:

    Gott wendet sich allen Menschen zu
    und weist uns immer wieder neu den Weg der Freiheit und des Lebens.
    Zu ihm dürfen wir mit unseren Anliegen kommen.

    • Gott wendet sich allen in der Corona-Pandemie zu. So beten wir:
      Für alle, die sich in Medizin und Forschung um wirksame Medikamente mühen.
      Für diejenigen, die kein Verständnis für die vielen Einschränkungen haben
      oder deren wirtschaftliche Existenz auf dem Spiel steht.
      Lebendiger Gott:
       
    • Gott wendet sich allen Leidenden zu. So beten wir:
      Für die Menschen in Neuseeland und Griechenland nach den schweren Erdbeben.
      Für diejenigen, die von der brutalen Gewalt in Myanmar betroffen sind.
      Lebendiger Gott:
       
    • Gott wendet sich den Menschen in und außerhalb der Kirche zu. So beten wir:
      Für alle, die als Christen und Christinnen leben
      und ihrem Glauben in Wort und Tat Ausdruck geben.
      Für die Menschen, die sich verletzt oder enttäuscht von der Kirche zurückziehen.
      Lebendiger Gott:
       
    • Gott wendet sich allen zu, die neue Wege suchen.
      Wir beten für alle, die mit Mut, Phantasie und mancher Unsicherheit
      neue Schritte in die Zukunft der Trierer Kirche wagen.
      Lebendiger Gott:
       
    • Gott wendet sich den Menschen auf ihren Wegen zu. So beten wir:
      Für alle, die sich für gleiche Rechte von Frauen und Männern
      und aller Menschen stark machen und sich da einsetzen, wo Frauen besonders bedroht sind.
      Lebendiger Gott:
       
    • Gott wendet sich den Menschen zu, die Frieden zwischen den Religionen suchen.
      Wir beten für Papst Franziskus, der im Irak unterwegs ist;
      für die Christinnen und Christen und für alle Menschen dort,
      die an Gott glauben und sich engagieren für Frieden und Gerechtigkeit.
      Lebendiger Gott:
       
    • Gott wendet sich den Verstorbenen zu. So beten wir:
      Für alle, die am Ende ihres irdischen Lebens angekommen sind,
      Für alle Schwerkranken und Sterbenden
      und für alle, die verstorben sind und in Gottes Gegenwart leben.
      Lebendiger Gott:
       

    Du bist ein Gott des Lebens.
    Du schenkst uns deine heilsame Gegenwart.
    Dafür danken wir dir und loben dich
    durch Jesus Christus, deinen Sohn, der in der Einheit des Heiligen Geistes
    mit dir lebt und wirkt in Zeit und in Ewigkeit. Amen.

  • 2. Sonntag der Fastenzeit B 2021

    Evangelium: Mk 9, 2 – 10

    In jener Zeit
    nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite
    und führte sie auf einen hohen Berg,
    aber nur sie allein.
    Und er wurde vor ihnen verwandelt;
    seine Kleider wurden strahlend weiß,
    so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann.
    Da erschien ihnen Elíja und mit ihm Mose
    und sie redeten mit Jesus.
    Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind.
    Wir wollen drei Hütten bauen,
    eine für dich, eine für Mose und eine für Elíja.
    Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte;
    denn sie waren vor Furcht ganz benommen.
    Da kam eine Wolke und überschattete sie
    und es erscholl eine Stimme aus der Wolke:
       Dieser ist mein geliebter Sohn;
    auf ihn sollt ihr hören.
    Als sie dann um sich blickten,
       sahen sie auf einmal niemanden mehr bei sich außer Jesus.
    Während sie den Berg hinabstiegen,
       gebot er ihnen,
       niemandem zu erzählen, was sie gesehen hatten,
       bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei.
    Dieses Wort beschäftigte sie
    und sie fragten einander, was das sei:
       von den Toten auferstehen.

     

    Gedanken

    Wenn sie schon einmal eine Bergwanderung unternommen haben, dann haben Sie die Erfahrung wohl schon gemacht. Nach einem beschwerlichen und mühevollen Aufstieg ist es großartig und erhebend, wenn sich der Blick plötzlich weitet und über eine weite Landschaft geht. Der Raum wird plötzlich weit und scheinbar grenzenlos. Der Blick wird frei und umfassend. Wir haben im wahrsten Sinn des Wortes Überblick Das was im Tal ist, ist zwar sichtbar, aber winzig klein und fern, fast wie in Reinhard May’s Lied „Über den Wolken“ – „Alle Ängste, alle Sorgen werden nichtig und klein.“
    Die Perspektive verschiebt sich. Solche Augenblicke festhalten zu können wäre schön, aber mit dem Abstieg bleibt das Gipfelerlebnis nur noch in unserer Erinnerung und in unserem Herzen.

    Ähnliches haben wohl auch die Jünger Jesu erlebt, die mit ihm auf den Berg Tabor gestiegen sind. Ihnen wurde ein ganz besonderes Erlebnis geschenkt. Gewissermaßen ein Zielfoto des Weges Jesu. Sie konnten einen kurzen Blick auf die Herrlichkeit Jesu werfen und die Stimme Gottes vernehmen: „Dieser ist mein geliebter Sohn. Auf ihn sollt ihr hören.“ Diese Stimme, das weiße Gewand, das Licht, die beiden alttestamentlichen Gestalten – das alles sind Hinweise auf Jesu Ziel, das Leben in der Herrlichkeit Gottes, wir sagen in unseren menschlichen Worten: den Himmel.

    In den Evangelien können wir oft erleben, welch große Schwierigkeiten die Jünger mit dem Weg Jesu hatten. In der Fastenzeit, wenn wir vom Leiden Jesu hören, wird der Weg Jesu auch für uns nur noch schwer nachvollziehbar.
    Wie in der betroffen machenden Lesung aus dem Buch Genesis kommt es uns manchmal vor. Wie kann Gott diesen Weg von Abraham verlangen, seinen eigenen Sohn zu opfern (auch, wenn er das Opfer am Ende verhindert und ablehnt)? Wie kann Gott von Jesus und in der Nachfolge von den Aposteln den Weg ans Kreuz verlangen?

     Der Weg auf den Berg Tabor verschiebt die Perspektive für die Jünger: Sie erleben einen Hinweis darauf, warum Jesus diesen Weg gehen will. Sie bekommen eine Ahnung davon, warum sich dieser Weg Jesu lohnen wird. Sie erleben das Ziel Jesu, die Herrlichkeit beim Vater und das unzerstörbare Vertrauen auf die Liebe des Vaters der zu ihm stehen wird über den Tod hinaus. Sie erleben Jesus ganz im Licht dieser Verheißung.

    Sie erleben eine Antwort auf die existenzielle Frage: „Wenn du das Liebste in deinem Leben hergeben musst, vielleicht sogar das eigene Leben, wem kannst du dann vertrauen?“

    In Trauergesprächen höre ich immer wieder vom Vertrauen der Sterbenden in die Kraft des Lebens und in die Zusage Gottes: „Ich weiß es: Gott ist da! Er lässt mich nicht allein!“ Viele Hinterbliebene tröstet diese Erkenntnis. Es ist so etwas wie das Taborerlebnis der Apostel. Es ist so etwas wie eine Ahnung vom Ziel unseres Lebens. Der Himmel kommt nahe in solchen Momenten.
    Und die Kraft selbst weiterzugehen kommt aus dieser Erfahrung: Mit Gott kann ich weitergehen – auch über Grenzen hinaus. Mit ihm an der Seite ist mein Ziel der Himmel.
    Dieses Vertrauen in den Gott, der Leben ist wünsche ich uns allen.
    Amen.

     

    Fürbitten

    Jesus weckt in uns die Sehnsucht nach Gott.
    Gerne und voll Vertrauen wenden wir uns an ihn
    mit den Sorgen und Nöten unserer Tage.

    • Weil wir im Glauben an dich Zuspruch und Sicherheit suchen,
      bitten wir dich, Gott:
      Wecke in uns und allen Menschen immer neu die Sehnsucht nach dir.
      Gott, unser Vater:
       
    • Weil wir in der Ebene des Alltags leben,
      mit all den Schwierigkeiten dieser Zeit,
      bitten wir dich, Gott:
      Schenke immer wieder auch Momente des Glücks und der Freude,
      von denen die Menschen zehren können.
      Gott, unser Vater:
       
    • Weil die Corona-Pandemie das Leben der Menschen
      schon ein Jahr lang weltweit beeinträchtigt,
      bitten wir dich Gott:
      stärke die Solidarität der Menschen in unserem Land und in Europa –
      und hilf, dass auch der „Rest der Welt“ im Blick bleibt.
      Gott, unser Vater:
       
    • Weil wir als Gemeinde vor Ort
      mit und an unserer konkreten Kirche leiden,
      bitten wir dich, Gott:
      für alle, die Missstände benennen und Verantwortung übernehmen;
      für alle von sexualisierter oder anderer Gewalt Betroffenen,
      die sich nach Heilung und innerem Frieden sehnen.
      Gott, unser Vater:
       
    • Weil wir in Sorge sind um die Kranken, die Notleidenden und Trauernden,
      bitten wir dich Gott:
      stärke alle, die Hoffnung und Lebensmut suchen.
      Sei spürbar an der Seite der Menschen, die am Sinn ihres Lebens zweifeln.
      Gott, unser Vater:
       
    • Weil wir die Verstorbenen in deiner Ewigkeit glauben,
      bitten wir dich:
      Lass alle, deren Leben hier zu Ende ist, im Licht deiner Herrlichkeit zu Hause sein.
      Gott, unser Vater:
       

    „Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?“
    Wir vertrauen, dass Du, Gott, an unserer Seite stehst
    und mit uns durch das Leben gehst.
    Dafür danken wir Dir. Heute und in alle Ewigkeit. Amen.

     

  • 1. Fastensonntag – B – 2021

    Evangelium: Mk 1, 12 – 15

    In jener Zeit
    trieb der Geist Jesus in die Wüste.
    Jesus blieb vierzig Tage in der Wüste
    und wurde vom Satan in Versuchung geführt.
    Er lebte bei den wilden Tieren
    und die Engel dienten ihm.
    Nachdem Johannes ausgeliefert worden war,
       ging Jesus nach Galiläa;
    er verkündete das Evangelium Gottes
    und sprach: Die Zeit ist erfüllt,
    das Reich Gottes ist nahe.
    Kehrt um
       und glaubt an das Evangelium!
     

    Gedanken:
    In einer Kinderkatechese habe ich mit einem Kind, vielleicht acht oder neun Jahre alt, ein Experiment gemacht.
    Das Kind kam nach vorne zu mir. Ich drückte ihm einen Gegenstand in die Hand. Es sollte ihn festhalten. Dann gab ich ihm einen weiteren Gegenstand und noch einen und immer mehr. Schließlich waren die Hände so voll, dass einige von den Gegenständen herunterfielen. Das Kind konnte keine neuen Gegenstände festhalten.
    Im Gespräch fanden wir dann heraus, dass es unmöglich ist, immer mehr Neues in die Hand zu nehmen und festzuhalten, bevor wir nicht Altes losgelassen und aus der Hand gegeben haben.

    Es war ein Bild für die Erfahrung, die Jesus in der Wüste gemacht hat, die Erfahrung, die jeder von uns in der Fastenzeit macht.
    In der Wüste hat Jesus seinen Alltag loslassen müssen. Das, was seinen Alltag bestimmt und geprägt hatte, konnte in der Wüste nicht mehr sein. Jesus musste loslassen. Diese Erfahrung machen fastende Menschen immer wieder: Fasten, das fühlt sich zuerst einmal an wie Wüste, wie darben und erleiden. In der Wüste haben dann auch schon mal die Versuchungen ihren Raum. Fragen und Zweifel tauchen auf: „Was tue ich denn da eigentlich?“ „Hat das überhaupt einen Sinn?“ „Sollte ich nicht besser zum Alltag zurückkehren?“
    Wüste beinhaltet eben auch die Erfahrung der Leere. Und diese Erfahrung ist nicht immer angenehm.

    Wer aber lange genug durchhält, der kann auch zur Erfahrung Jesu kommen.
    Die Leere füllt sich allmählich wieder. Der Ballast, der gewissermaßen entrümpelt wurde, der macht Platz für Neues – vielleicht Wesentliches. Es kann sein, dass ich feststelle, wie Vieles von dem, was ich habe, was mich besetzt, ich eigentlich gar nicht brauche. Vielleicht komme ich mir dann selbst näher. Vielleicht entdecke ich, was ich wirklich will und brauche für mein Leben.

    Die Erfahrung der Wüste kann mich mir selbst näher bringen und dem, was mein Leben im Letzten trägt und hält. Und damit kann ich auch Gott in meinem Leben entdecken, denn er hat in der Leere plötzlich auch mehr Raum in meinem Herzen.
    Die Leere, die in der Wüste entsteht, kann so plötzlich zur neuen Fülle werden, zu mehr Leben.

    Für Jesus ist die Wüste wohl zur Erfahrung neuer Fülle geworden. Die Wüstenzeit wurde zur Erfahrung der Gottesbegegnung und zu einer Klärung seines weiteren Lebensweges. Im zweiten Teil des heutigen Evangeliums hören wir davon. Es ist gleichsam eine Zusammenfassung der frohen Botschaft Jesu: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“
    Umkehren und der Botschaft Jesu Raum in unserem Leben, in unseren Herzen geben, das geschieht aber nur, wenn wir bewusst Altes lassen und aus unseren Herzen und Händen geben. Es geschieht nur, wenn wir immer mal wieder entrümpeln, aussortieren und Raum schaffen. Deshalb ist es sinnvoll, jedes Jahr bewusst und aktiv Wüstenzeiten einzulegen, Fastenzeiten zu begehen.   
     

    Fürbitten

    Jesus Christus sucht die Einsamkeit der Wüste,
    bevor er seinen Weg zu den Menschen beginnt.
    In seiner Nachfolge suchen viele Christen in der österlichen Bußzeit
    nach einem Neuanfang und neuen Wegen mit Gott und miteinander.
    Wir sind verbunden mit den Menschen, die auf unsere Fürsprache bei Gott vertrauen:

    • Wir schauen auf die Menschen, denen es immer schwerer wird,
      den langen Lockdown durchzuhalten;
      und auf diejenigen, die sich vor einer zu frühen „Normalität“ fürchten.
      Christus, unsere Zuversicht.
       
    • Wir schauen auf die Kinder und Jugendlichen,
      denen Freunde und Erzieherinnen und Lehrer fehlen,
      und die das Lernen und das alltägliche Miteinander vermissen;
      und auf die Erwachsenen, die für die nächsten Generationen Entscheidungen treffen.
      Christus, unsere Zuversicht.
       
    • Wir schauen auf die besonders Gefährdeten,
      die ihre Hoffnung auf baldige Impfung setzen;
      auf alle, die schon jetzt mit Sorge darauf blicken,
      dass das Virus auf Dauer bleiben wird.
      Christus, unsere Zuversicht.
       
    • Wir schauen auf die Menschen in Afghanistan,
      die einen Abzug der NATO-Truppen aus ihrem Land befürchten;
      auf die Politikerinnen und Politiker,
      die zwischen Kampfeinsätzen und humanitärer Unterstützung abwägen müssen.
      Christus, unsere Zuversicht.
       
    • Wir schauen auf die Menschen in Myanmar,
      die sich um Frieden und Menschenrechte in ihrem Land sorgen
      und für ihre Forderungen friedlich demonstrieren;
      und auf alle Völker, bei denen Menschenrechte und Demokratie in Gefahr sind oder unerreichbar scheinen.
      Christus, unsere Zuversicht.
       
    • Wir schauen auf die Verantwortlichen in Europa und der Welt,
      die das Wohl aller Menschen im Blick haben
      und eigene Interessen dem auch einmal unterordnen;
      auf Frauen und Männer, die den Armen und Machtlosen eine Stimme geben.
      Christus, unsere Zuversicht.
       
    • Wir schauen auf alle, die uns persönlich nahe sind
      und auf unseren Beistand hoffen,
      auf Kranke und Sterbende, auf Trauernde, Einsame und Hoffnungslose.
      Christus, unsere Zuversicht.
       
    • Wir schauen auf die Christinnen und Christen,
      die in den Karnevals-Tagen auch in ihrer Kirche
      Freude und Hoffnung gespürt und weitergegeben haben;
      auf alle Verantwortlichen auf dem Synodalen Weg,
      die das Gute in unseren Kirchen und Gemeinden erhalten
      und neue gemeinsame Wege des Glaubens finden wollen.
      Christus, unsere Zuversicht.
       

    Jesus Christus,
    du bist den Weg durch die Wüste gegangen,
    du hast Hoffnung und Zuversicht zu den Menschen getragen.
    Wir danken dir für dein Wort und für dein Vorbild;
    wir loben deine Kraft und Stärke – jetzt und bis in deine Ewigkeit. Amen

     

  • 6. Sonntag im Jahreskreis – B – 2021

    Evangelium

    Mk 1,40-45


    In jener Zeit
       kam ein Aussätziger kam zu Jesus
       und bat ihn um Hilfe;
    er fiel vor ihm auf die Knie
    und sagte: Wenn du willst,
       kannst du mich rein machen.
    Jesus hatte Mitleid mit ihm;
    er streckte die Hand aus,
    berührte ihn
    und sagte: Ich will - werde rein!
    Sogleich verschwand der Aussatz
    und der Mann war rein.
    Jesus schickte ihn weg,
    wies ihn streng an
       und sagte zu ihm:
       Sieh, dass du niemandem etwas sagst,
    sondern geh, zeig dich dem Priester
       und bring für deine Reinigung dar,
       was Mose festgesetzt hat - ihnen zum Zeugnis.
    Der Mann aber ging weg
       und verkündete bei jeder Gelegenheit,
       was geschehen war;
    er verbreitete die Geschichte,
       sodass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte;
    er hielt sich nur noch an einsamen Orten auf.
    Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.  

     

    Gedanken

    Die Schlagworte dieser Tage lauten: Abstand, Verringerung der sozialen Kontakte und Lockdown. Die Corona Pandemie zwingt uns dazu.
    Das heutige Evangelium erinnert mich an unsere eigene derzeitige Situation.
    Im Evangelium begegnet Jesus einem Aussätzigen. Das Wort „Aussatz“ heißt ganz konkret: einer, der im wörtlichen Sinne ausgesetzt ist. Aussatz zur Zeit Jesu bedeutete für den Betroffenen die totale Ausgrenzung aus der menschlichen Gesellschaft. Es bedeutete den totalen Lockdown für den Betroffenen - in wirklich jeder Beziehung.  Er wurde gewissermaßen aus der Gesellschaft entfernt, um eine Ansteckung zu verhindern, wir würden heute sagen absolute Isolation und Quarantäne. Betroffene wurden aus den Dorfgemeinschaften ausgeschlossen, mussten in abgegrenzten Bereichen leben. Berührung und Kontakt mit ihnen war tabu. Aussätzige mussten sich zu erkennen geben durch zerrissene Kleidung. Er musste immer wieder den Anderen zurufen: „Unrein! Unrein!“ Betroffene von Covid 19 heute können das vielleicht nachfühlen. Auch die von Aids Betroffenen in den 80-er und 90-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts haben diese Erfahrung gemacht. Auf vielfältige Weise ist es die Erfahrung aller Menschen, die gesellschaftlich ausgegrenzt werden. Erfahrungen der Isolation,  der Ausgegrenztheit, machen einsam. Sie machen krank.
    Im Fall des Aussätzigen im Evangelium kommt aber noch etwas hinzu: Er war nicht nur von der Gesellschaft isoliert und vom normalen Leben ausgeschlossen, er war auch religiös ausgeschlossen und geächtet. Seine Krankheit wurde als Folge von Sünde gesehen und ein solcher Mensch war auch von Gott getrennt. Er war kultisch unrein und sogar von Gott isoliert. Aussatz zu haben war gleichbedeutend mit einem sozialen und religiösen Tod bei lebendigem Leibe. Ähnliches haben auch die Aidskranken erleben müssen, wenn ihre Krankheit als Strafe Gottes angesehen wurde.
    Formen des „Aussatzes“ gab es zu allen Zeiten und es gibt sie noch heute: Mobbing, Rassistische Ideologien, religiös motivierter Hass, Ausgrenzung durch Armut ...
    Jesus aber verhält sich anders, als es den üblichen Gepflogenheiten entsprechen würde.
    Er wendet sich dem Aussätzigen zu, berührt ihn sogar – ein Skandal, der ihn eigentlich selbst unrein machen würde.

    Jesus aber nimmt dadurch den Aussätzigen aus seiner Isolation heraus. Er nimmt Beziehung auf und schenkt die Erfahrung von Nähe und Zuwendung.

    In dieser Zuwendung Jesu scheint die Liebe Gottes auf, die keine Schranken und Ausgrenzungen kennt. Diese Liebe ist offen für jeden, der sie braucht. Jesus zeigt in den Evangelien immer wieder: Gerade die Ausgegrenzten aller Art brauchen diese Liebe am meisten und haben sogar ein Anrecht darauf.

    Das heutige Evangelium macht ganz besonders darauf aufmerksam, wie achtsam wir sein müssen, damit Ausgrenzung keine Chance hat, damit Menschen in besonderen Situationen und Lebenslagen nicht vereinsamen oder aus ihren Beziehungen und sozialen Netzen herausfallen.

    Gerade in der jetzigen Situation, die durch Abstand und verminderte soziale Kontakte geprägt ist, kann uns das heutige Evangelium deutlich machen, dass Gott nicht den Tod will, auch nicht den durch Ausgrenzung. Gott will die gegenseitige Zuwendung und die Liebe.
    Daher finde ich alle Initiativen wichtig und im Sinne Jesu, die Menschen trotz Abstand und Hygienevorschriften zeigen: „Du bist gewollt und wichtig! Du bist nicht allein und gehörst dazu!“
    In diesem Sinne muss unsere Kirche – auch unsere Gemeinde – eine diakonische Kirche sein, die eintritt gegen jede Art von Ausgrenzung und soziale Kälte und Lieblosigkeit. Eine solche Kirche wird in aller Munde sein. Vielleicht geschieht dann unserer Kirche das, was im Evangelium geschrieben steht: „Die Leute kommen von überall her zu ihr.“
    Amen.

     

    Fürbitten
    Jesus macht Menschen gesund,
    die als unheilbar gelten und ausgeschlossen sind.
    Wir bringen unsere Welt zu ihm
    und bitten um Beistand und Heilung...

     

    • … für die Menschen, die mit Covid19 um ihr Leben kämpfen;
      für die vielen, die nach der Krankheit noch lange an den Folgen leiden.
      Und für alle, die sich um die Kranken und die Nicht-mehr-Kranken sorgen.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir bitten um Beistand und Heilung
      für alle, die an anderen Krankheiten leiden oder an der Schwäche des Alters.
      Und für ihre Familien
      und für die ärztlichen und pflegerischen Kräfte an ihrer Seite.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir bitten um Beistand und Heilung für alle,
      die in glücklichen Beziehungen und Partnerschaften leben.
      Für die Paare, deren Ehe und Familie schwierig oder in Gefahr ist;
      und für alle, die sich an einem neuen Glück freuen.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir bitten um Trost und neue Freude für alle,
      die in diesen Tagen gern Fasching / Fastnacht / Karneval… feiern würden.
      Besonders denken wir an die kreativen Leute, die trotz der Corona-Einschränkungen
      anderen Menschen und sich selbst eine Freude bereiten.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir bitten um Heilung und Beistand
      für die Kirche in unserem Land und in der Welt,
      die an Verletzungen und menschlichen Schwächen leidet;
      für alle, die synodal nach neuen Wegen für den Glauben suchen.
      Und für die vielen, die sich von der Kirche verabschieden wollen.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir bitten um Beistand und Heilung für alle Menschen,
      die unter Krieg und Hunger leiden,
      unter dem Missbrauch von Macht, unter Übergriffen und Gewalt.
      Und für die vielen Menschen auf der Flucht, in Lagern oder auf dem Meer.

     

    Jesus Christus,
    wenn du willst, kannst du diese Welt gesund machen.
    Wir danken dir für deine Nähe und deinen Beistand
    und loben dich mit dem Vater und dem Heiligen Geist
    heute und morgen und in Ewigkeit. Amen

     

  • 5. Sonntag im Jahreskreis – B

    Evangelium: Mk 1,29-39


    Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.

    In jener Zeit
       ging Jesus zusammen mit Jakobus und Johannes
       in das Haus des Simon und Andreas.
    Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett.
    Sie sprachen sogleich mit Jesus über sie
    und er ging zu ihr,
       fasste sie an der Hand und richtete sie auf.
    Da wich das Fieber von ihr und sie diente ihnen.
    Am Abend, als die Sonne untergegangen war,
       brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus.
    Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt
    und er heilte viele,
       die an allen möglichen Krankheiten litten,
    und trieb viele Dämonen aus.
    Und er verbot den Dämonen zu sagen,
    dass sie wussten, wer er war.
    In aller Frühe, als es noch dunkel war,
       stand er auf und ging an einen einsamen Ort,
       um zu beten.
    Simon und seine Begleiter eilten ihm nach,
    und als sie ihn fanden,
       sagten sie zu ihm: Alle suchen dich.
    Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen,
    in die benachbarten Dörfer,
       damit ich auch dort verkünde;
    denn dazu bin ich gekommen.
    Und er zog durch ganz Galiläa,
    verkündete in ihren Synagogen
    und trieb die Dämonen aus.  



    Gedanken:

    Was uns das heutige Evangelium vor Augen führt, ist gewissermaßen ein Arbeitstag Jesu. Jesus heilt. Zunächst die Schwiegermutter des Petrus, die an einem Fieber erkrankt war. Und dann, bis spät in die Nacht, all die vielen Kranken, die man zu ihm bringt. „Die ganze Stadt war vor dem Haus versammelt.“ heißt es da.
    „Am nächsten Morgen, als es noch dunkel war“, erzählt Markus beginnt der nächste Arbeitstag. Jesus will ins nächste Dorf, um seine Botschaft auch dort zu verkünden. Er wirkt wie ein Getriebener. Seine Jünger kommen ihm kaum nach, wollen ihn zurückhalten.
    Mir fallen dabei die Bilder der Krankenstationen ein, wo die Pflegerinnen und Pfleger und die Ärzte sich regelrecht abhetzen müssen, um allen die Versorgung zu geben, die sie brauchen. Die Mitarbeitenden in den Altenheimen, die ihrer Arbeit der Pflege und Versorgung kaum nachkommen.
    Und mir fallen gerade in diesen Zeiten die Eltern ein, die ihre Kinder zuhause beschäftigen und im sogenannten Homeschooling betreuen müssen und gleichzeitig den Anforderungen von Haushalt und Beruf nachkommen müssen. Viele fühlen sich gehetzt und überfordert.
    Auch in den beiden Lesungen hören wir von Menschen, die getrieben sind. Da ist Paulus, der betont, dass er verkünden muss. Er kann gar nicht anders; es ist wie ein Zwang. Ein treffendes Bild für dieses Getriebensein hat Ijob: „Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage, sie gehen zu Ende, ohne Hoffnung. Denk daran, dass mein Leben nur ein Hauch ist!“
    Ich glaube gerade in diesen schwierigen Zeiten kommen wir uns manchmal so ähnlich vor.
    Was aber gibt uns immer wieder die Kraft, weiter zu machen, so wie Jesus, so wie Paulus und so wie Ijob?
    Ein kleiner Satz im Evangelium gibt darüber Auskunft: „In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er, Jesus, auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.“
    In aller Getriebenheit, in allem Engagement nimmt er sich eine kleine Auszeit, sucht die Stille und die Abgeschiedenheit und die Verbindung zu Gott, seinem Vater im Himmel. Diese Zeit mit Gott ist für ihn Kraftquelle und Tankstelle. In diesen Unterbrechungen des Alltags kann er sich neu besinnen, Gott vorlegen, was ihn beschäftigt, belastet oder freut. Hier kann er neu das Ganze in den Blick nehmen, damit er sein Ziel – die Verkündigung des Reiches Gottes – nicht aus den Augen verliert. Und auch Paulus versucht das Ganze im Blick zu behalten: die Verkündigung des Evangeliums.
    Vielleicht ist das auch für uns ein Hinweis, ein Ratschlag: In all unserer Getriebenheit und in all unseren Aufgaben und Verpflichtungen nicht das Ganze aus dem Blick zu verlieren, das, worum es wirklich geht in unserem Leben.
    Ich glaube jedenfalls, dass es Vielen in den Pflegeberufen, vielen Eltern mit doppelten und dreifachen Belastungen so geht: Sie können weiterarbeiten, weil sie immer noch wissen, warum sie es tun und dass ihre Anstrengung getragen ist von einem Sinn.
    Auszeiten, in denen wir unsere Mühen, unsere Erschöpfung und unser Kämpfen, aber auch unsere Erfolge und Freuden immer wieder vor Gott hinstellen und ihm anvertrauen können helfen, diesen Blick aufs Ganze nicht zu verlieren.
    Und diese Augenblicke des Gespräches mit Gott können uns bewusst machen, dass wir nicht allein sind mit allem, was wir erleben, erleiden und erdulden. Wir haben einen, der das mit uns teilt und uns trägt, wenn wir uns ihm nur vertrauensvoll anvertrauen.
    Wir sollten es tun wie Jesus: wenigstens einmal am Tag eine Auszeit nehmen, den Alltag unterbrechen und ein Gespräch, einen Austausch mit Gott wagen. Gerade von ihm brauchen wir keinen Abstand zu halten. Ihm dürfen wir uns immer wieder nah fühlen. Ich habe es selbst erfahren und weiß es von anderen Menschen: viele Lasten werden dadurch tragbarer, manche werden sogar von mir genommen und Freude und Glück können tiefer werden. Ich darf mich in aller Getriebenheit und Belastung durch den Alltag getragen und aufgehoben fühlen.
    Amen.
     

    Fürbitten

    Jesus Christus ist Heiland und Retter
    für alle, die bei Gott Hilfe suchen.
    Ihn bitten wir für die Menschen unserer Zeit.
     

    • Wir bitten für alle, die sich um andere sorgen,
      für alle, die Angehörige pflegen,
      und für alle, die auf Notlagen und gesellschaftliche Missstände aufmerksam machen.
      Christus, Heiland und Erlöser.
       
    • Wir bitten für alle, die sich anderen Menschen zuwenden,
      die Zeit und Aufmerksamkeit schenken.
      Für alle einsamen Menschen
      und für alle, die helfen in bedrückenden Zeiten.
      Christus, Heiland und Erlöser.
       
    • Wir bitten für alle, die auf Heilung hoffen,
      für alle, die über die Entwicklung in der Pandemie
      und über die notwendigen Maßnahmen beraten und beschließen.
      Und auch für die vielen Menschen,
      die mit einer Krankheit leben müssen ohne Hoffnung auf Heilung.
      Christus, Heiland und Erlöser.
       
    • Wir bitten für alle, die ihre Beziehung zu Gott pflegen;
      für alle, die ihre Kraftquellen kennen,
      und alle, die nach solchen Quellen suchen.
      Christus, Heiland und Erlöser.
       
    • Wir bitten für unsere Kirche, die nach Wegen sucht,
      den Glauben und die Nachfolge heute zu leben;
      für die Beratungen des Synodalen Weges.
      Und für alle, denen Christinnen und Christen ein glaubwürdiges Zeugnis schulden.
      Christus, Heiland und Erlöser.
       
    • Wir bitten für alle, die gefangen sind in schwierigen Beziehungen und Strukturen,
      und für alle, die um ihre Rechte und um Anerkennung kämpfen müssen.
      Für alle, in deren Leben die Dämonen übergroß geworden sind,
      für seelisch erkrankte und suizid-gefährdete Menschen.
      Christus, Heiland und Erlöser.
       
    • Wir bitten für alle, die ihr Leben vollendet haben und gestorben sind.
      Nimm sie auf in dein Reich und tröste die Trauernden.
      Christus, Heiland und Erlöser.

      Jesus Christus, Herr und Bruder,
      du zeigst uns Gottes Liebe.
      Lass uns aus dieser Liebe leben und Gott die Ehre geben in Ewigkeit. Amen

     

  • 4. Darstellung des Herrn – B – 2021

    Lesung:  Lk 2,22-40


    Als sich für die Eltern Jesu
       die Tage der vom Gesetz des Mose
       vorgeschriebenen Reinigung erfüllt hatten,
    brachten sie das Kind nach Jerusalem hinauf,
       um es dem Herrn darzustellen,
    wie im Gesetz des Herrn geschrieben ist:
       Jede männliche Erstgeburt
       soll dem Herrn heilig genannt werden.
    Auch wollten sie ihr Opfer darbringen,
       wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt:
    ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.
    Und siehe, in Jerusalem lebte ein Mann namens Símeon.
    Dieser Mann war gerecht und fromm
       und wartete auf den Trost Israels
    und der Heilige Geist ruhte auf ihm.
    Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden,
       er werde den Tod nicht schauen,
       ehe er den Christus des Herrn gesehen habe.
    Er wurde vom Geist in den Tempel geführt;
    und als die Eltern das Kind Jesus hereinbrachten,
       um mit ihm zu tun, was nach dem Gesetz üblich war,
    nahm Símeon das Kind in seine Arme
    und pries Gott mit den Worten:
    Nun lässt du, Herr,
       deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
    Denn meine Augen haben das Heil gesehen,
    das du vor allen Völkern bereitet hast,
    ein Licht, das die Heiden erleuchtet,
       und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
    Sein Vater und seine Mutter
       staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden.
    Und Símeon segnete sie
    und sagte zu Maria, der Mutter Jesu:
       Siehe, dieser ist dazu bestimmt,
       dass in Israel viele zu Fall kommen
       und aufgerichtet werden,
    und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird, –
    und deine Seele wird ein Schwert durchdringen.
    So sollen die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.
    Damals lebte auch Hanna, eine Prophetin,
    eine Tochter Pénuëls, aus dem Stamm Ascher.
    Sie war schon hochbetagt.
    Als junges Mädchen hatte sie geheiratet
       und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt;
    nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren.
    Sie hielt sich ständig im Tempel auf
       und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.
    Zu derselben Stunde trat sie hinzu,
    pries Gott
    und sprach über das Kind
       zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.
    Als seine Eltern alles getan hatten,
       was das Gesetz des Herrn vorschreibt,
       kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.
    Das Kind wuchs heran und wurde stark,
    erfüllt mit Weisheit,
    und Gottes Gnade ruhte auf ihm.

    Gedanken

    Wir feiern das Fest Darstellung des Herrn oder wie es weithin auch genannt wird: Mariä Lichtmess. Mit diesem Fest am 2. Februar, endete früher die Weihnachtszeit. Um diesen Tag herum wurde der Weihnachtsschmuck und die Tannenbäume aus den Wohnungen herausgeholt. Manch einer macht das noch heute so. Lichtmess ist gewissermaßen ein kleines Weihnachtsfest, das noch einmal die Lichtsymbolik von Weihnachten aufgreift, und das mitten im Alltag des liturgischen Jahreskreises.

    Ich habe vor einiger Zeit in einem Kindergarten mit einigen Kindern eine kleine Gestaltung zur Geschichte des heutigen Evangeliums gemacht. Simeon der alte Mann, der lange auf den Retter gewartet hat, spricht in seinem Gebet, dem Nunc dimittis, vom Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit ist für sein Volk Israel. Die Kerze, die dann in die Mitte des Stuhlkreises gestellt wurde, war so faszinierend, dass die Kinder nicht auf den Stühlen sitzenbleiben konnten. Alle legten sich bäuchlings auf den Boden und blickten fasziniert auf das Licht der Kerze. Kerzenlicht ist faszinierend, es schafft Wärme und eine gute, eine wohltuende Atmosphäre. Menschen versammeln sich um das Licht einer Kerze, Kerzenlicht in einem dunklen Raum gibt Orientierung und Sicherheit.

    Papst Franziskus formuliert in seinem Schreiben „Evangelii gaudium“, dass wir Christen berufen sind, Licht und Leben zu vermitteln, eben die Freude am Licht Jesus Christus weiter zu geben und sie selbst zu leben.

     

    Vor einigen Jahren haben die Messdiener in Hermeskeil eine Krippe in der Kirche gestaltet, die anders war als die übliche Krippe.

    Jesus, das Kind in der Krippe, es lag nicht mehr am gewohnten Ort, nicht mehr in der traditionellen Krippendarstellung, sondern in einem Raum, der als Aufnahmestätte für Flüchtlinge gestaltet war. Wir hätten dem Kind auch andere Umgebungen geben können: das Krankenzimmer, in dem ein Mensch leidet, vielleicht auf den Tod wartet. Die Sozialwohnung, in der eine Rentnerin ihren Lebensabend in Armut und Einsamkeit verbringen muss, weil die winzige Rente hinten und vorne nicht reicht. Es hätte das Zeltlager für Flüchtlinge in Idlib oder Moria sein können oder das Lager in Auschwitz oder Hinzert.

    „Tragt in die Welt nun ein Licht“ singen die Kinder und manchmal singen es auch Erwachsene gerne, weil dieses Lied ein wesentliches Merkmal unseres Christseins besingt. Das Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Herrlichkeit des Volkes Israel darf nicht eingeschlossen bleiben im Tempel oder in den Kirchen. Es muss hinausgetragen werden in die Welt. Die Faszination, die Wärme, die Helligkeit dieses Lichtes, das Jesus Christus für uns ist, es muss ausstrahlen in die Welt, in die Umgebung, in der wir leben. Dieses Licht, Jesus Christus und seine Botschaft, ist nicht eines, dass wir auf einen Sockel stellen sollten, sondern eines, dass wir in die Hand nehmen oder noch besser: ins Herz aufnehmen sollten, um es zu den Menschen zu bringen.
    Christen sollten das tun, damit auch die Menschen heute dasselbe sehen oder wenigstens erahnen können, was der Greise Simeon in seinem Gebet ausdrückt: „Meine Augen haben das Heil gesehen, dass du vor allen Völkern bereitet hast. Ein Licht, das die Heiden – oder sagen wir besser: die Welt erleuchtet.“

     

    Im Hebräerbrief wird dieses Licht vorgestellt als eines, das auch uns selbst zum Licht macht. Es ist das Licht das heiligt und wir sind die Geheiligten. Und er, Christus, und in ihm und durch ihn Gott selbst, scheut sich nicht uns Brüder und Schwestern zu nennen.

     

    Daher ist es ein schöner Brauch, auch die Kerzen zu segnen, die im Jahresverlauf in der Kirche oder in den Häusern brennen sollen. Etwas von dem Licht Jesu soll mitgehen in den Alltag unseres Lebens, damit auch in unserer Lebenswelt die Botschaft von Weihnachten wahr werden kann: Jesus Christus, das Licht der Welt, ja Gott selbst ist Mensch geworden und wird es immer wieder neu durch uns und unser Leben.

     

    Das ist das, was Papst Franziskus als Evangelisierung bezeichnet: das Licht und die Freude des Evangeliums weitergeben durch unser Leben, durch unsere Tat oder wie er es selbstkritisch und ironisch auf den Punkt bringt, ausnahmsweise, wenn es nötig ist, auch mal durch Worte.

     

    „Aus diesen Gründen erlaube ich mir,“ sagt der Papst, „darauf zu beharren: Lassen wir uns die Freude der Evangelisierung nicht nehmen! Tragen wir das Licht von Jesus in die Welt zu den Armen, den Kranken, den Traurigen. Aber auch zu den Frohen und Glücklichen, denn das Licht Jesu kann auch die Freude noch heller und tiefer machen.“
    Amen

    Fürbitten

     

    Guter Vater,
    Der alte Simeon singt ein Lied voller Hoffnung und Vertrauen.
    Nun kann er in Frieden gehen.
    Er hat den Trost Israels, das Licht der Völker gesehen.
    Heute, an diesem Tag der Darstellung unseres Herrn, beten wir:

     

    • manche älteren Menschen sehen verbittert und enttäuscht auf ihr Leben zurück.
      Sie hadern mit sich und anderen Menschen.
      Schenke ihnen einen liebevollen Blick auf ihr Leben.
      Guter Vater:
       
    • Eltern sind glücklich, wenn sie ein Neugeborenes empfangen haben.
      Sie sind Tag und Nacht ganz Ohr, ganz Auge.
      Viele Großeltern können zurzeit ihre Enkelkinder nicht so oft sehen
      und in die Arme schließen, wie sie es gerne möchten.
      Guter Vater:
       
    • An vielen Stellen dieser Welt werden Kinder in Lagern oder auf der Flucht geboren.
      Ihre Eltern sind arm und selbst den Unbilden harter Lebensumstände ausgeliefert.
      Im Dschungel der Nachrichten sind sie nur ein Thema unter vielen anderen.
      Guter Vater
       
    • Um Impfstoffe ist ein Kampf entbrannt.
      Die reichen Länder haben sich den Großteil der Mengen gesichert.
      Weltweit haben viele Menschen keine Chancen.
      Guter Vater:
       
    • Die Corona-Maßnahmen spannen Nerven zum Zerreißen.
      Menschen demonstrieren, Aggressionen entladen sich.
      Freiheit wird ins Feld geführt und geht verloren.
      Guter Vater:
       
    • Nimm die Verstorbenen auf in deine Herrlichkeit
      und lass sie ewig leben in deiner Gegenwart.
      Wir denken besonders an die Opfer der Corona Pandemie
      überall in der Welt
      aber auch in unserer Gemeinde.
      Guter Vater:
       

    Hilf uns, dich zu sehen, Herr,
    als Licht der Völker,
    als Herrlichkeit deines Volkes Israel,
    als unsere Hoffnung und unsere Freude.
    Du stellst dich uns dar
    in der Liebe, jetzt und in Ewigkeit. –

  • 3. Sonntag im Jahreskreis – Beuren – 2021

    1. Lesung:

      Jona 3,1-5. 10
      Das Wort des Herrn erging an Jona:
      Mach dich auf den Weg
         und geh nach Nínive, der großen Stadt,
      und rufe ihr all das zu,
         was ich dir sagen werde!
      Jona machte sich auf den Weg und ging nach Nínive,
         wie der Herr es ihm befohlen hatte.
      Nínive war eine große Stadt vor Gott;
      man brauchte drei Tage, um sie zu durchqueren.
      Jona begann, in die Stadt hineinzugehen;
      er ging einen Tag lang
         und rief: Noch vierzig Tage
         und Nínive ist zerstört!
      Und die Leute von Nínive glaubten Gott.
      Sie riefen ein Fasten aus
      und alle, Groß und Klein,
         zogen Bußgewänder an.
      Und Gott sah ihr Verhalten;
      er sah, dass sie umkehrten
         und sich von ihren bösen Taten abwandten.
      Da reute Gott das Unheil, das er ihnen angedroht hatte,
         und er tat es nicht.

       
    2. Lesung:

      1 Kor 7,29-31
      Ich sage euch, Brüder:
         Die Zeit ist kurz.
      Daher soll, wer eine Frau hat,
         sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine,
      wer weint, als weine er nicht,
      wer sich freut, als freue er sich nicht,
      wer kauft, als würde er nicht Eigentümer,
      wer sich die Welt zunutze macht, als nutze er sie nicht;
      denn die Gestalt dieser Welt vergeht.
       

    Evangelium:


    Mk 1,14-20

    Nachdem Johannes ausgeliefert worden war,
       ging Jesus nach Galiläa;
    er verkündete das Evangelium Gottes
    und sprach: Die Zeit ist erfüllt,
    das Reich Gottes ist nahe.
    Kehrt um
       und glaubt an das Evangelium!
    Als Jesus am See von Galiläa entlangging,
       sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon,
       die auf dem See ihre Netze auswarfen;
    sie waren nämlich Fischer.
    Da sagte er zu ihnen:
       Kommt her, mir nach!
    Ich werde euch zu Menschenfischern machen.
    Und sogleich ließen sie ihre Netze liegen
       und folgten ihm nach.
    Als er ein Stück weiterging,
       sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus,
       und seinen Bruder Johannes;
    sie waren im Boot und richteten ihre Netze her.
    Sogleich rief er sie
    und sie ließen ihren Vater Zebedäus
       mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück
       und folgten Jesus nach.

    Gedanken:
    „Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde.
    Heute wird getan oder auch vertan,
    worauf es ankommt, wenn er kommt.“
    So heißt es in einem Lied. Dieser Kehrvers fiel mir ein, als ich die Texte des heutigen Sonntags las. Denn irgendwie haben alle drei Lesungen mit dem Thema Zeit zu tun.
    „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.“ So sagt Jesus im Evangelium.
    Es ist fast wie eine Zusammenfassung seiner guten Botschaft. Der Evangelist Markus erzählt nicht viel über die Predigt Jesu, aber er erzählt über Jesus selbst, wie er heilt und tröstet, wie er sich den Menschen zuwendet und ihnen in seiner Person die Liebe Gottes vor Augen führt. In dem, was er sagt und tut ist er die Liebe Gottes selbst geworden, eben das Lamm Gottes, ja Gott selbst im Fleisch des Menschen.
    Und diese gute Botschaft vom Reich Gottes, einer Welt nach dem Willen Gottes überwältigt Jesus so sehr, dass sie nicht bei ihm bleiben kann. In Jesus ist dieses Reich gegenwärtig geworden und will sich anderen mitteilen.
    Das sehen wir an der Reaktion der ersten Jünger Jesu im Markusevangelium: Simon, Andreas, Johannes und Jakobus. Sie lassen einfach alles stehen und liegen, um mit Jesus zu gehen, ihm nachzufolgen.
    Sie sind so ergriffen von der Liebe Gottes, die in der guten Botschaft Jesu zum Ausdruck kommt, dass sie fortan alles, ihr ganzes Leben, auf diese eine Karte setzen wollen.
    Es ist ja auch in unserem Leben manchmal so, dass jetzt die Zeit und die Stunde ist zu handeln und nicht erst später. Wenn jemand einen Autounfall hat und hilflos am Straßenrand steht, dann braucht er jetzt unsere Hilfe. Er braucht sie nicht erst dann, wenn unser Terminkalender es zulässt.
    Wenn einer krank ist, dann braucht er unseren Besuch genau jetzt und nicht erst in zwei Wochen, wenn es uns zeitlich besser passt. Dann wird der Augenblick vorüber und die Chance verpasst sein.
    Genau das kommt auch zum Ausdruck, wenn Paulus den Menschen in Korinth schreibt: „Die Zeit ist kurz!“ Und er ruft ihnen ins Gewissen, sich nicht zu sehr an die Dinge dieser Welt zu binden. Er sagt nicht, sich von allem loszusagen und auszusteigen. Aber manchmal verlangt der Einsatz für das Reich Gottes, die Dinge dieser Welt zu relativieren: etwa den Terminkalender und die sogenannten Sachzwänge zu lassen, wenn da jemand ist, der meinen Trost oder Zuspruch gerade jetzt braucht.

    „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“  so ruft Jesus den Menschen zu. „Kehrt um!“ so ruft auch Jona in der Lesung aus dem Alten Testament den Menschen in Ninive zu. Und als die Niniviten tatsächlich umkehren, da geschieht auch etwas mit Gott. Auch er kehrt um und beschließt, das Unheil nicht zu vollziehen. Er wendet sich seinen Geschöpfen neu zu und nimmt sie an.

    Es ist ein großer Bogen, den die heutigen Lesungstexte und das Evangelium schlagen:
    Die Zeit unseres Lebens ist zu kurz und zu entscheidend, um sie im Alltag mit seinen Sachzwängen und Zerstreuungen verkommen zu lassen. Die Umkehr auf den Weg Jesu lässt das Reich Gottes in unserer Welt sichtbar werden und aufbrechen. Die vielen Parolen, vor allem die des Hasses und der Gewalt, werden auf dem Weg Jesu entlarvt und überwunden. Die Liebe Gottes kann so sichtbar werden in unserer Welt. Die Zeit ist da, um die Liebe Gottes in dieser Welt sichtbar werden zu lassen. Trost, Hoffnung und Zuversicht können wachsen – gerade in diesen schwierigen Zeiten ist das notwendig.
    Und Gott? Auch er wendet sich uns immer wieder zu. Er gibt uns nicht auf, sondern hält uns für Wert und würdig, sein Reich in unsere Welt zu tragen und dafür Zeugnis abzulegen.
    In einem Gebet von Peter Boekholt heißt es:
     

    Gott,
    dein Rufen ist nicht laut,
    aber doch unüberhörbar;
    du gibst nicht auf
    du rufst immer wieder
    du lässt keinen aus;
    du rufst mich!
    ….


    Ich höre deinen Ruf genau:

    manchmal rufst du persönlich
    dann wieder durch Boten
    dann wieder durch Texte
    dann wieder durch die innere Stimme

    Dein Ruf betrifft mich!
    Amen.

    Fürbitten

    Jesus Christus traut uns zu, Menschenfischer zu sein,
    er gibt uns Kraft und Zuversicht dazu.
    Im Vertrauen auf seine Hilfe legen wir ihm die Menschen ans Herz,
    die uns besonders wichtig sind.
     

    • Wir denken an alle, die sich um Erkrankte und nur langsam Genesende sorgen,
      die trauern, weil sie geliebte Angehörige oder enge Freunde verloren haben
      und einsam sind.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir denken an die Verantwortlichen im Gesundheitswesen
      und in den sozialen Einrichtungen;
      an die Einsatzkräfte in Impfzentren und Kliniken,
      die sich für die besonders Gefährdeten engagieren und sie schnell versorgen.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir denken an die Regierenden in den Staaten,
      die Atomwaffen geächtet und verboten haben;
      an die politischen und kirchlichen Gruppen,
      die auch in schwierigen Zeiten für Frieden und Gerechtigkeit eintreten;
      und an Politikerinnen und Politiker, die noch zögern, den Verbotsvertrag zu unterzeichnen.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir denken an die Frauen und Männer,
      die Menschenrechte auch in der Weltwirtschaft und im Handel sichern wollen;
      die sich für faire Arbeitsbedingungen und Löhne überall einsetzen.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir denken an die Menschen, die sich für Versöhnung stark machen –
      in den Vereinigten Staaten und bei uns;
      an alle, die statt auf das „zwischen uns“
      lieber auf das schauen, was vor uns liegt.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir sind verbunden mit den Verantwortlichen in unseren Kirchen,
      die nach einer Einigung auf dem Synodalen Weg suchen;
      mit Gläubigen, deren Geduld verbraucht ist und die ihre Kirche verlassen;
      und mit denen, die auf eine gute Zukunft deiner Kirche vertrauen und bleiben.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir denken auch an unsere Toden,
      die ihr Leben im Vertrauen auf dich und deine Liebe gelebt haben
      und die gestorben sind in der Hoffnung auf ein Leben in deinem Reich.
      Christus, höre uns.
       

    Jesus Christus, Freund und Bruder,
    du hast uns gezeigt,
    wie wir mit Wort und Tat Menschen für deine Nachfolge gewinnen können.
    Wir danken dir für dein Vertrauen in unsere Zuversicht und Kraft;
    wir loben deine Stärke – jetzt und bis in deine Ewigkeit. Amen.

  • 2. Sonntag im Jahreskreis – B – 2021

    Evangelium:
     

    Joh 1,35-42

    In jener Zeit
       stand Johannes wieder am Jordan, wo er taufte,
    und zwei seiner Jünger standen bei ihm.
    Als Jesus vorüberging,
       richtete Johannes seinen Blick auf ihn
    und sagte: Seht, das Lamm Gottes!
    Die beiden Jünger hörten, was er sagte,
       und folgten Jesus.
    Jesus aber wandte sich um,
    und als er sah, dass sie ihm folgten,
       sagte er zu ihnen: Was sucht ihr?
    Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister - ,
       wo wohnst du?
    Er sagte zu ihnen: Kommt und seht!
    Da kamen sie mit und sahen, wo er wohnte,
    und blieben jenen Tag bei ihm;
    es war um die zehnte Stunde.
    Andreas, der Bruder des Simon Petrus,
       war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten
       und Jesus gefolgt waren.
    Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon
    und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden -
    das heißt übersetzt: Christus.- der Gesalbte.
    Er führte ihn zu Jesus.
    Jesus blickte ihn an
       und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes,
    du sollst Kephas heißen,
    das bedeutet: Petrus, Fels.

     

    Gedanken

    “Kommt mit und seht …”

    “Wo wohnt eigentlich Gott?” Das ist oft eine Frage von Kindern an ihre Eltern. Unsere Kinder haben sie uns auch gestellt, als sie klein waren. Die einfachste Antwort ist dann: “Er wohnt überall.” Andere Antwortmöglichkeiten sind: “Er wohnt in deinem Herzen.” oder “Er wohnt in der Kirche.” oder “Er wohnt im Himmel.”

    Alle diese Antworten sind richtig. Aber mal ehrlich, keine ist so richtig befriedigend. Jede dieser Antworten ist nicht umfassend. Und eigentlich wollen die Kinder und auch wir Erwachsenen keine Adresse wissen, sondern eher: wie ist Gott eigentlich und was bedeutet er für mich und mein Leben?

    Eben haben wir folgende Worte gehört aus dem ersten Kapitel des Johannes-Evangeliums:

    “36 Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes!

    37 Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. 38 Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, sagte er zu ihnen: Was sucht ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister – wo wohnst du?  39 Er sagte zu ihnen: Kommt und seht! Da kamen sie mit und sahen, wo er wohnte …”

    Die Jünger stellen die gleiche Frage wie die Kinder und hoffentlich auch wir selbst: “Wo wohnst du?” Und Jesus? Er gibt eigentlich keine richtige Antwort. Er sagt einfach: “Kommt und seht!”

    Jesus lädt die Jünger ein, selbst die Erfahrung zu machen. Sie sollen selbst herausfinden, wo er wohnt und vor Allem was das für sie bedeutet.

    Die Jünger gehen mit und machen die Erfahrung, dass Gott in diesem Jesus wohnt, ja, dass dieser Jesus Gottes Sohn ist. In dem, was Jesus tut und sagt, kommt Gott selbst zum Ausdruck.

    Er ist da, wenn sie mit anderen bei einer Hochzeit sind, wie in Kana. Sie erleben ihn, wenn er predigt und von Gott erzählt, sie erfahren, dass er da ist, wenn Kranke heil und Hungrige gespeist werden und Armen eine frohe Botschaft verkündet wird. Und schließlich erleben die Jünger seine Gegenwart im Mahl mit Jesus, wenn er mit ihnen Brot und Wein teilt, seinen Leib und sein Blut. Die Jünger machen die Erfahrung, dass Gott tatsächlich überall gegenwärtig und sichtbar ist, dass er erfahrbar werden kann, wenn Menschen offen sind für seine Gegenwart und in einer lebendigen Beziehung zu Jesus stehen.

    Die Synode hat von den Kirchorten geredet, Orte, an denen Kirche geschieht. Wir grenzen diesen Ort oft auf den Kirchenraum ein, auf die Zeitspanne des Gottesdienstes. Aber, so sagt die Synode, Kirche ist auch anderswo zu finden.

    Gott ist mittendrin, wenn im Altenheim Gottesdienst gefeiert wird oder alte Menschen und Familien sich im Stadtpark zum Picknick im Park treffen. Vor Corona haben wir im Seniorenheim gemeinsam Obstspieße vorbereitet und dann - bei herrlichem Wetter – im Park geteilt. Ältere Menschen, junge Familien und kleine Kinder waren gekommen. Spielgeräte gab es und ein Clown unterhielt Alt und Jung. Verschiedene Generationen haben miteinander ein paar herrliche Stunden im Park verbracht. Vielleicht ist das ja auch so etwas wie ein Kirchort - ein Ort, an dem Kirche geschieht und auch Gott gegenwärtig ist. Oder wenn im Kindergarten in den einzelnen Gruppen von Jesus erzählt wird oder beim Café-International Geflüchtete und Einheimische sich begegnen.

    An Pfingsten jedenfalls haben es die Jünger erfahren dürfen: der Geist Gottes treibt hinaus auf die Straßen, zu den Menschen. Dort muss die frohe Botschaft lebendig werden. Im abgeschlossenen Saal bleiben, das bedeutet Stillstand. Gott ist nicht nur sonntags im Kirchenraum für eine Stunde da - Gott ist immer und überall da. Wir brauchen ihn nur zu entdecken mit all den Menschen zusammen, die das auch möchten.

    Bei diesen Gedanken wird auch deutlich, was die derzeitige Situation für uns bedeutet. Corona, das verbinden wir mit sozialer Distanz, mit Abstand halten und mit der Vermeidung von Kontakten.
    Begegnungen sind in dieser schwierigen Zeit seltener und eingeschränkter und damit scheinbar auch die Orte, an denen wir erfahren können: Gott lebt unter uns. Aber Gott verschwindet nicht einfach aus unserer Mitte. Er bleibt und ist da, wo Menschen sich gegenseitig unterstützen und füreinander da sind. Er ist dabei, wo Menschen kreative Möglichkeiten finden, trotz Distanz und Abstandsregelungen, soziale Wärme und Nähe zu gestalten.

    „Kommt und seht!“ unsere Kirche – also wir – sollten so sein, dass wir diese Einladung Jesu aussprechen können und Menschen bei uns und in unserem Leben erfahren können: „Gott ist lebendig in unserer Mitte!“
    Amen.

     

    Fürbitten

    Jesus Christus fragt: Was sucht ihr.
    In diesen Tagen suchen wir bei Ihm Hoffnung, Trost, Mut und Zuversicht.
     

    • Wir suchen Halt, Herr, und bitten um Kraft
      für alle, die krank sind und leiden,
      für alle, die weiterhin helfen wollen, aber nicht mehr können,
      für alle, die in großer Sorge sind um ihre Angehörigen und Freunde.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir suchen Trost, Herr, und bitten um Deine Zuwendung
      für alle, die trauern,
      für alle Frauen und Männer in der Seelsorge
      und für alle, die die Welt nicht mehr verstehen.
      Christus, höre uns.  
       
    • Wir suchen Hoffnung, Herr und bitten um Deinen Beistand
      für alle, die in Politik und Medizin immer wieder
      schwere Entscheidungen treffen müssen,
      für alle, die zunehmend bedrückt sind von den täglichen Corona-Zahlen,
      für Menschen in ihrer Angst.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir suchen Sicherheiten, Herr, und bitten um Weisheit
      und guten Mut für die ganze Welt,
      für alle, die in den USA oder bei uns in Deutschland und Europa
      um den inneren Frieden ringen,
      für Helferinnen und Helfer in den Krisengebieten der Welt
      und für alle, die sich an Europas Grenzen nach einer neuen Heimat sehnen.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir suchen Heimat, Herr, in deiner Kirche, und bitten um deinen guten Geist,
      für alle, die miteinander im Dialog sind
      und die Einheit der Christen in der Kirche leben,
      für alle, die Missstände benennen und Verantwortung übernehmen,
      für alle, die deiner Einladung folgen möchten,
      zu kommen und zu sehen, wo du wohnst.
      Christus, höre uns. 
       
    • Wir sehnen uns nach einem Leben in Ewigkeit,
      nach deiner Gegenwart und Erlösung von Tod, Leid und Tränen.
      Wir bitten für alle unsere Verstorbenen,
      für die Opfer von Ungerechtigkeit, Gewalt und Krieg.
      Christus, höre uns.

    Lass uns bei Dir bleiben, Herr.
    Bei Dir ist die Quelle des Lebens.
    Dir vertrauen wir uns an, heute und alle Tage, bis in Ewigkeit.

    Amen

     

     

     

  • Taufe Jesu – B – 2021

    Lesung aus dem Buch Jesaja:

    So spricht Gott, der Herr:
    Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze;
    das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.
    Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt,
    er bringt den Nationen das Recht.
    Er schreit nicht und lärmt nicht
       und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen.
    Das geknickte Rohr zerbricht er nicht
       und den glimmenden Docht löscht er nicht aus;
    ja, er bringt wirklich das Recht.
    Er verglimmt nicht und wird nicht geknickt,
       bis er auf der Erde das Recht begründet hat.
    Auf seine Weisung warten die Inseln.
    Ich, der HERR, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen,
    ich fasse dich an der Hand.
    Ich schaffe und mache dich
       zum Bund mit dem Volk,
       zum Licht der Nationen,
    um blinde Augen zu öffnen,
    Gefangene aus dem Kerker zu holen
    und die im Dunkel sitzen, aus der Haft.

     

    Evangelium: Mk 1, 7-11

    In jener Zeit
       trat Johannes in der Wüste auf
    und verkündete:
       Nach mir kommt einer,
       der ist stärker als ich;
    ich bin es nicht wert,
       mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
    Ich habe euch mit Wasser getauft,
       er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
    In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa
       und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.
    Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg,
       sah er, dass der Himmel aufriss
       und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.
    Und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
       Du bist mein geliebter Sohn,
    an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

     

    Gedanken:

    Liebe Schwestern und Brüder,

    In einem Meditationskurs habe ich einmal in einer Fantasiereise die Berufungsworte Gottes an den Propheten Jeremia in die Stille hineingesprochen. Sie klangen so ähnlich, wie die Worte, die im heutigen Evangelium Gott nach seiner Taufe zu Jesus spricht. Fast eine Liebeserklärung Gottes an Jeremia, im Evangelium noch viel intensiver und deutlicher an Jesus: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“

    Als ich nach der Meditation nach Reaktionen und Eindrücken während der Meditation fragte, da fing eine etwa 30-jährige Frau, Mutter von zwei Kindern, spontan an zu weinen. Sie wollte oder konnte nichts zu ihren Eindrücken sagen. Sie konnte nur das überwältigende Gefühl benennen, dass sie innerlich so heftig angerührt hatte: „‘Du bist mein geliebtes Kind.‘ so etwas Schönes hat noch nie jemand zu mir gesagt!“

    Was mich bei diesem Evangelium beeindruckt, ist das Bild vom offenen Himmel und die Worte, die von dort her, von Gott also, zu Jesus gesagt wurden. Für die junge Frau muss während der Meditation tatsächlich einen Moment lang der Himmel offen gestanden haben, muss etwas vom Himmel aufgestrahlt sein. Vielleicht war es für sie die intensive Erfahrung ihrer Sehnsucht, geliebt zu sein, so wie sie war. Und vielleicht war es auch das Aufblitzen der Gewissheit – oder doch wenigstens der Hoffnung –, dass da einer ist, der sie so liebt, wie sie es sich tief im Herzen gewünscht hatte: bedingungslos und vollkommen.

     

    Vergegenwärtigen wir uns doch noch einmal, wie das heutige Evangelium beginnt: Da führt uns der Evangelist Markus mit Jesus an den Jordan, wo Johannes der Täufer die Menschen zur Buße und Umkehr aufruft und zu einer Reinigungstaufe. Und Jesus reiht sich in die Schlange der vielen Menschen ein, die in der Bußtaufe des Johannes von Schuld gereinigt werden wollen. Er reiht sich ein bei denen, die umkehren wollen zu Gott, aus der Gottesferne wieder Gottes Nähe suchen, Menschen, die ihr falsch gelaufenes Leben wieder neu ausrichten wollen. Jesus macht sich gemein mit all den schuldbeladenen Menschen, mit denen, die sich innerlich verbogen und verkrümmt fühlen.  

    In Jesus Christus reiht sich Gott selbst ein in die Schlange der Menschen, die von Johannes getauft werden wollen. Er ist nicht der erste oder der letzte, er ist einfach mittendrin, einer unter Vielen. Aber in der Taufe Jesu verändert sich etwas Entscheidendes: indem Jesus sich durch die Taufe des Johannes ganz auf Gott ausrichtet, richtet sich auch Gott ganz auf ihn hin aus – der Himmel öffnet sich und der Geist Gottes kommt auf Jesus herab. Das heißt doch: in Jesus kommt Gott selbst in unsere Welt. Aus der Gottferne wird Nähe. Jesus wird „geliebter Sohn“ genannt. Er ist sogar nicht mehr der Knecht, wie in der Lesung des Jesaja, sondern er ist geliebter Sohn, der Christus, der Gesalbte Gottes. In ihm wird sichtbar wer Gott für uns sein will: derjenige nämlich, der das geknickte Rohr nicht zerbricht, der Recht schaffen will, der uns an der Hand fassen will und Licht sein möchte für alle, die im Dunkeln sitzen.

    Wir alle sind als Christen getauft, nicht mit der Busstaufe des Johannes, sondern mit der Geisttaufe auf Jesus Christus. Wir sind selbst durch diese Taufe zu Gesalbten geworden, zu Menschen, denen Gott zugesagt hat: Du bist mein geliebtes Kind. Du gefällst mir. Spüren Sie dem einmal nach, welch großartiger Zuspruch in diesen Worten Gottes enthalten ist. Die junge Frau im Meditationskurs hat es gespürt – Gott hat sie mit seinem Zuspruch tief angerührt, mit dem Zuspruch geliebt zu sein, bedingungslos und endgültig.

    Und gibt es etwas Großartigeres, gerade auch in dieser Zeit der reduzierten sozialen Kontakte – neudeutsch: social distancing -, als hineingenommen zu sein in die Nähe Gottes – unwiderruflich, ohne irgendwelche Bedingungen erfüllen zu müssen. Einfach weil wir geliebt sind von ihm.

    Unsere Antwort auf diese Zusage Gottes ist es, diese Liebe weiterzugeben an diejenigen, die noch im Dunkel sind, im Dunkel des Leids, der Armut. Wir dürfen mithelfen, dass auch in unserer Nähe die glimmenden Dochte nicht ausgelöscht werden, sondern das Recht aufgerichtet wird und Licht kommt zu denen, die im Dunkeln sind, ja dass sich der Himmel ein Stück öffnet für die Menschen um uns herum.

    „Mögest du starke Wurzeln haben in den wechselhaften Winden der Zeit.“, so lautet ein irischer Segenswunsch. Die Erfahrung Jesu, die die Evangelisten schildern, muss eine Schlüsselerfahrung für den Menschen Jesus gewesen sein. Sie muss ihm eine Basis für sein Wirken gegeben haben, die durch nichts ins Wanken gebracht werden konnte – nicht einmal durch Verleumdung, Ablehnung und Tod am Kreuz. Jesu Gott war ein naher Gott. Jesus konnte ihn Vater nennen. Dieser Gott war einer, der ihn bedingungslos liebte. Diesem Gott war er ganz nah, wie ein Kind dem Vater. Auf diesen Gott konnte Jesus sein Vertrauen, ja sogar sein ganzes Leben setzen.

    Geliebt zu sein, so wie man ist, geliebt um seiner selbst willen, das ist eine Erfahrung, die uns Menschen stark machen kann, eine Erfahrung, die Mut und Zuversicht schenkt. Welches Vertrauen in die Liebe Gottes muss der Mensch Jesus gehabt haben, welche Zuversicht muss ihm diese Liebe geschenkt haben!

    „Du bist mein geliebtes Kind! An dir habe ich Gefallen!“  Das ist jedem von uns bei der Taufe zugesagt worden. Diese Zusage Gottes steht am Beginn unseres Lebens. Auch uns kann diese Zusage Mut und Selbstvertrauen geben. Wir haben eine Würde, die von Gott her kommt – nicht von uns selbst oder von unserer Lebensleistung. „Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es!“ so steht es im 1. Johannesbrief.

    Diese Würde kann von nichts und niemandem zerstört werden. Von dieser Liebe sollte uns nichts mehr trennen können.

    Diese Liebeszusage Gottes kann auch für uns Basis und Kraftquelle sein, eben „starke Wurzel in den wechselhaften Winden der Zeit.“

    Das Fest der Taufe Jesu steht am Übergang der Weihnachtszeit in die Zeit des Jahreskreises, am Übergang vom Fest zum Alltag. Es will uns an unsere Wurzeln erinnern und an den Grund in dem wir wurzeln: an die Liebe Gottes, die jedem von uns zugesagt und geschenkt ist. Es will uns Mut machen und Hoffnung geben, aus der wir leben können. Dass Sie sich dieser Wurzeln immer wieder bewusst werden und daraus Kraft schöpfen können, das wünsche ich Ihnen von Herzen, gerade in diesen schwierigen Zeiten.

    Amen.

  • Sonntagsimpuls – 2. Sonntag nach Weihnachten – 03.01.2021

    Evangelium:

    Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

    Im Anfang war das Wort
    und das Wort war bei Gott
    und das Wort war Gott.
    Dieses war im Anfang bei Gott.
    Alles ist durch das Wort geworden
       und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
    In ihm war Leben
    und das Leben war das Licht der Menschen.
    Und das Licht leuchtet in der Finsternis
       und die Finsternis hat es nicht erfasst.
    Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt;
    sein Name war Johannes.
    Er kam als Zeuge,
       um Zeugnis abzulegen für das Licht,
       damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
    Er war nicht selbst das Licht,
       er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
    Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet,
       kam in die Welt.
    Er war in der Welt
       und die Welt ist durch ihn geworden,
       aber die Welt erkannte ihn nicht.
    Er kam in sein Eigentum,
       aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. 
    Allen aber, die ihn aufnahmen,
       gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,
    allen, die an seinen Namen glauben,
    die nicht aus dem Blut,
       nicht aus dem Willen des Fleisches,
       nicht aus dem Willen des Mannes,
       sondern aus Gott geboren sind.
    Und das Wort ist Fleisch geworden
       und hat unter uns gewohnt
    und wir haben seine Herrlichkeit geschaut,
    die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
       voll Gnade und Wahrheit.
    Johannes legt Zeugnis für ihn ab
    und ruft:
       Dieser war es, über den ich gesagt habe:
       Er, der nach mir kommt,
    ist mir voraus, weil er vor mir war.
    Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen,
       Gnade über Gnade.
    Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben,
       die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.
    Niemand hat Gott je gesehen.
    Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht,
       er hat Kunde gebracht.

     

    Evangelium unseres Herrn, Jesus Christus.
    Lob sei dir Christus.


    Gedanken:

    Das heutige Evangelium des Johannes, sein Prolog, ist ein faszinierender Text.

    Er wird öfters im Kirchenjahr gelesen, zum Beispiel auch am ersten Weihnachtsfeiertag. Johannes fasst in diesem Prolog das Geheimnis der Menschwerdung, die wir an Weihnachten feiern, auf großartige Weise zusammen.
    Und so abstrakt und trocken der Text auf den ersten Blick erscheint, so treffend und konkret ist er bei genauem Lesen.

    Worte: unsere Sprache, unsere Kommunikation, ist angewiesen auf Worte.
    Durch Worte verständigen wir uns. Dabei unterscheidet die Sprachwissenschaft zwischen verschiedenen Arten von Worten.
    Es gibt Worte, die dienen der Information:
    „Draußen schneit es!“
    „Die Bibel ist ein dickes Buch.“
    „Unser Kind hat blaue Augen und blonde Haare“

    Diese sogenannte informative Rede ist wohl der Hauptbestandteil unserer Kommunikation. Und wie wahr oder falsch diese Worte sind, kann meist einfach nachgeprüft werden. Und ob sie immer wichtig sind, diese Worte, das können wir öfters bezweifeln. Unsere Gesellschaft ist eine Gesellschaft geworden, in der uns diese Art zu sprechen einfach überflutet und oft überfordert. Worte sind oft inflationär.
    So viele Worte sind es oft, dass sie fast bedeutungslos und leer werden.

    Aber es gibt auch eine andere Art der Rede: es sind Worte, die etwas bewirken, wenn sie ausgesprochen werden. Wenn jemand sagt: „Ich liebe dich!“, dann kann die Antwort nicht lauten: „Ich nehme das zur Kenntnis!“

    Vielmehr muss eine Antwort erfolgen. „Ich liebe dich auch!“ Und diese Antwort muss sich im Leben als wahr erweisen.  
    „Ich liebe dich!“ schafft Beziehung und Nähe. Die Aussage ist auch eine Tat.

    Gottes Worte in der Bibel und auch im Prolog des Johannesevangeliums sind solche aktiven Worte. „Gott sprach … und es wurde …“ heißt es am Anfang der Bibel. Was Gott sprach, das geschah tatsächlich. Sein Wort ist Schöpferwort.
    Und auch das Wort, von dem Johannes spricht ist ein echtes Tätigkeitswort: dieses Wort wird Fleisch. Dieses Wort wird Mensch in Jesus Christus – in dem Kind von Betlehem, in dem Mann, der uns die Liebe Gottes nahebringt durch seine Predigt und sein Tun, in diesem Jesus, der Kranke heilt, Gebeugte aufrichtet und Menschen neues Ansehen gibt. Dieses Wort wird Fleisch in Jesus Christus, der noch am Kreuz seinen Gegnern vergibt und der in seiner Auferstehung das ewige Leben für uns bringt. In diesem Wort bringt Gott selbst sich zum Ausdruck und kommt uns unfassbar nahe.
    Dieses Wort Gottes verlangt unsere Antwort. Wir sollen, wie Johannes der Täufer, Zeugen sein für dieses lebendige Wort Gottes.

    „Predige das Evangelium. Falls notwendig, gebrauche Worte“. So lautet eine Aussage, die dem hl. Franz von Assisi zugeschrieben wird.
    Auch unser Zeugnis soll nicht aus leeren Worten bestehen. User Zeugnis soll vor allem durch unser Tun geschehen.
    In unserem Tun, in unserem Leben, kann Jesus immer neu Fleisch werden. In seiner Nachfolge – ganz praktisch – können wir sein Licht leuchten lassen in den Finsternissen dieser Welt.
    Amen.

     

    Fürbitten:

     

    Guter und großer Gott,
    du hast dich der Not und der Dunkelheit der Menschen erbarmt

    Und bist gekommen als Licht in die Finsternisse unserer Welt.
    Wir bitten dich:
     

    • Für unsere Kirche und alle, die in ihr Verantwortung tragen.
      Besonders für unser Bistum auf dem Weg in die Kirche der Zukunft.
      Dass es immer mehr gelingt deine frohe Botschaft zu leben und zu verkünden.
      Guter Vater:
       
    • Für alle Familien: dass sie miteinander in Frieden leben können
      und Sicherheit und Halt sind für alle, die in ihnen leben.
      Guter Vater:
       
    • Für alle Menschen, die nicht vor Gewalt zurückschrecken, um sich durchzusetzen.
      Für alle, die eine Lösung der Probleme nur in der Ausübung von Gewalt und Terror sehen.
      Bringe sie zur Einsicht, dass mit Gewalt niemand gedient ist.
      Guter Vater:
       
    • Für alle Menschen, besonders die Kinder und Jugendlichen, die noch nicht wissen, wie sie ihr Leben gestalten wollen.
      Zeige ihnen Lebensinhalte und Ziele, die ihr Leben hell machen und mit Sinn erfüllen.
      Guter Vater:
       
    • Für alle Menschen, die das Dunkel des Todes eingeholt hat.
      Führe sie zum ewigen Licht und zu ewigem Frieden.
      Guter Vater:
       

    Du bist das verheißene Wort Gottes.
    Dir vertrauen wir heute du alle Zeit. Amen.

     

     

  • 4. Adventssonntag – B – 2020

    Evangelium

     

    Lk 1,26-38

    Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

    In jener Zeit wurde der Engel Gabriel
       von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
       zu einer Jungfrau gesandt.
    Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt,
       der aus dem Haus David stammte.
    Der Name der Jungfrau war Maria.
    Der Engel trat bei ihr ein
    und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete,
       der Herr ist mit dir.
    Sie erschrak über die Anrede
    und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
    Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria;
    denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
    Siehe, du wirst schwanger werden
    und einen Sohn wirst du gebären;
       dem sollst du den Namen Jesus geben.
    Er wird groß sein
    und Sohn des Höchsten genannt werden.
    Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
    Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen
       und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel:
       Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
    Der Engel antwortete ihr:
       Heiliger Geist wird über dich kommen
    und Kraft des Höchsten wird dich überschatten.
    Deshalb wird auch das Kind heilig
       und Sohn Gottes genannt werden.
    Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte,
       hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen;
    obwohl sie als unfruchtbar gilt,
       ist sie schon im sechsten Monat.
    Denn für Gott ist nichts unmöglich.
    Da sagte Maria:
       Siehe, ich bin die Magd des Herrn;
    mir geschehe, wie du es gesagt hast.
    Danach verließ sie der Engel.

     

    Gedanken

    Liebe Schwestern und Brüder,

    Gott beruft Menschen in seinen Dienst. In der Bibel gibt es viele Geschichten davon. Wir hören von Mose, von den Propheten, von David dem kleinen Hirtenjungen, der zum großen Messiaskönig berufen wird. Oft sind das bildgewaltige Ereignisse – fast Filmreif – mit Erscheinungen und Donner und Blitz.

    Und auch im heutigen Evangelium hören wir von einer solchen Berufung. Maria wird gerufen.
    Aber die Atmosphäre ist ganz anders; sie ist still, gelassen, fast besinnlich.
    Die Perikope beginnt ähnlich wie eine Reportage mit den Fakten. „In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt.
    Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.“  

    Die Kunst stellt es meist so dar, dass Maria in ihrer Kammer oder vor dem Haus sitzt, still betend, meditierend. Und in dieser ganz realen Szene geschieht das Unvorstellbare: ein Engel tritt ein in Marias Alltag bringt ihr den Gruß Gottes und eine Verheißung. Es ist eine unerhörte Verheißung. Ein Kind soll sie zur Welt bringen, den Sohn des Höchsten, dem der Thron Davids gegeben wird.
    Und Maria spricht ihr demütiges „Ja!“
    So legen wir es oft dar – Demut, fast blinder Gehorsam. Schließlich ist es Gott, der seine Berufung ausspricht!
    Aber wenn wir die Erzählung bei Lukas aufmerksam lesen, dann kommt Marias „Ja!“ nicht sofort. Zuerst stellt sie Fragen: „Wie kann das geschehen? Ich habe doch noch keinen Mann erkannt!“ Es ist keine Frage, die schon die Ablehnung in sich trägt.

    Maria will es einfach wissen.

    Nicht nur ihr Gefühl, ihre Demut und ihr Gehorsam steuern sie – nein, ihr Verstand und ihr freier Wille ist auch mit dabei.
    Und das Erstaunliche: Gott hält sie einer Antwort für würdig und gibt sie ihr. Und er gibt ihr sogar  noch einen Beleg für die Wahrheit seiner Antwort: „Schau auf Elisabeth. Für Gott war es nicht unmöglich, ihr ein Kind zu schenken, denn für ihn ist nichts unmöglich.“
     

    Jetzt erst sagt Maria ihr „Ja! Mir geschehe, wie du gesagt hast!“ Und dieses „Ja!“ kommt nun aus ganzem Herzen und aus freier Entscheidung. Es ist kein blinder Gehorsam gegenüber einer Autorität. Mit Herz und Verstand sagt Maria ihr „Ja!“  Genau das macht sie für mich zu einem Vorbild des Glaubens.

    Gott möchte keine „Ja-Sager“ oder Mitläufer. Gott möchte Menschen, die mit Herz und Verstand dabei sind, die ihre ganze Person einsetzen, wenn er sie ruft. Nur dann – so die Botschaft dieses Sonntags – kann Gott immer wieder Mensch werden in unserem Alltag.

    Gott tritt ein in unser Leben und ruft uns – immer wieder. Er will uns, so wie wir sind. Und er will uns unsere Freiheit dabei lassen. Wie Maria müssen wir uns dann entscheiden mit Herz und Verstand.
    Und dabei manchmal auch Risiken eingehen.
    Wer schon einmal dem Ruf Gottes gefolgt ist und sich engagiert hat, der weiß, dass es oft Widerspruch gibt und Kritik, manchmal sogar Häme und Spott.

    Der heilige Gregor von Nyssa – ein Bischof des vierten Jahrhunderts - schreibt in einem seiner Werke:

    „Ist dir bewusst, welche Ehre dir dein Schöpfer erweist, indem er dich über alle Geschöpfe erhebt? Weder Himmel, noch Mond, weder die Sonne, noch die Sterne in all ihrer Schönheit, noch irgendein anderer Teil der Schöpfung ist zum Abbild Gottes geworden. Du allein bist das Abbild der unvergänglichen Schönheit. Du allein trägst den Abdruck des wahren Gottes in dir und bist ein Gefäß göttlichen Lebens und Abglanz göttlichen Lichts. …

    Gott zögert nicht, bei dir, so wie du bist, einzutreten. Er sagt: Ich will unter den Menschen wohnen und mit ihnen gehen.“
    Er spricht nicht nur Maria an in diesen Sätzen, sondern jeden von uns. Jeden von uns hält er für wichtig genug und für würdig, bei ihm einzutreten und Wohnung zu nehmen. Für ihn ist jeder Mensch wichtig und wertvoll, so wie das einfache Mädchen aus Nazareth. Gott sagt zu jedem von uns: „Ich will unter den Menschen wohnen und mit ihnen gehen.“ Er will bei uns Mensch werden, bei uns, so wie wir sind.
    Amen.

  • 3. Adventssonntag - B - 2020

    Lesung:

    1 Thess 5,16-24

    Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
       an die Gemeinde in Thessalonich.

    Schwestern und Brüder!
    Freut euch zu jeder Zeit!
    Betet ohne Unterlass!
    Dankt für alles;
    denn das ist der Wille Gottes für euch
       in Christus Jesus.
    Löscht den Geist nicht aus!
    Verachtet prophetisches Reden nicht!
    Prüft alles und behaltet das Gute!
    Meidet das Böse in jeder Gestalt!
    Er selbst, der Gott des Friedens, heilige euch ganz und gar
    und bewahre euren Geist,
       eure Seele und euren Leib unversehrt,
    damit ihr ohne Tadel seid
       bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.
    Gott, der euch beruft, ist treu;
    er wird es tun.


    Wort des lebendigen Gottes.


    Gedanken

    Liebe Schwestern und Brüder.

    Haben sie heute schon einmal so richtig gelacht?
    Weil sie sich von Herzen gefreut haben?

    Über einen guten Witz?
    Über eine komische Situation?
    Vielleicht sogar über sich selbst?
     

    Freude ist ein großes Thema des Paulus in seinen Briefen auch in der heutigen Lesung an die Thessalonicher. Die Lesung beginnt mit dem Aufruf zur Freude.

    400 Mal lachen Kinder pro Tag haben Forscher herausgefunden.

    Wir Erwachsenen bringen es vielleicht gerade mal auf 15 Lacher am Tag.

    Und uns Christen sagt man immer noch nach, dass wir lebensfeindlich seien und das Lachen sowieso ganz klein halten müssen.

    Und dieser heutige Sonntag, der dritte Advent, ist benannt nach dem Beginn der heutigen Lesung: Gaudete – freuet euch!

     

    Aber was meint Paulus, wenn er so oft von der Freude spricht.

    Heißt das, dass wir Christen immer „gut drauf“ sein müssten? – so rufen ja meist die Stars auf der Bühne ins Publikum, um die gute Stimmung beim Konzert anzuheizen.

    Sollen wir immer mit einem Lächeln herumlaufen, wie ein Fernsehmoderator,

    mit einem Lächeln das manchmal angestrengt wirkt, weil es nicht immer echt sein kann.

     

    Und Paulus selbst, ihm wird wohl auch nicht immer zum Luftsprünge machen zumute gewesen sein. So manchen seiner Briefe schrieb er aus dem Gefängnis.

    Und dennoch schreibt er von der Freude. 18 Mal ruft er im Philipperbrief zur Freude auf oder berichtet von seiner Freude.

     

    Im Gegensatz dazu die Bußpredigt des Johannes. Und die Frage der Menschen: was sollen wir tun?
     

    Doch auch Johannes predigt nicht ohne eine positive Perspektive – und es ist die gleiche, die auch Paulus hat: die positive Erwartung dessen, der kommen soll. „Ich bin es nicht und ich bin es nicht einmal wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren.  Aber er wird kommen und euch mit Heiligem Geist und mit Feuer zu taufen.“ Er wird euch die Kraft geben, das zu tun, was ihr alleine nicht schafft.

     

    Freuen können wir uns, weil er kommt, weil er nahe ist. Mit seiner eigenen Freude, die eine tiefe Herzensfreude ist, weil er sich als Sohn in den Händen Gottes – seines Vaters –geborgen und getragen fühlen kann auch noch am Kreuz.
    Mit der Freude, die er denen schenkt, denen er diese Liebe des Vaters verkündet in Wort und Tat – nicht indem er Gags macht und Witze, sondern indem er glaubwürdig von Gottes Liebe redet und sie auch tut.

    Aus dieser Freude schöpft auch Paulus im Gefängnis und kann seinen Freudenbrief an die Philipper schreiben, obwohl ihm sicher gerade nicht nach Lachen zumute ist.

    Ich habe in meiner Arbeit viele Menschen erleben dürfen, die aus einer solchen tiefen Freude auch schlimmste und belastende Situationen überleben und durchleben konnten.
    Selbst schlimmste Erfahrungen konnten ihnen diese positive Haltung nicht ganz nehmen, denn sie wussten sich in allen Lebenssituationen getragen von ihrem Gott und seiner Liebe.
    Sie wussten einfach: Er lässt uns nicht allein, er kommt immer wieder auf uns zu und geht mit.  Und er füllt mit seiner Liebe und seiner Menschenfreundlichkeit auf, was wir nicht können.

    Das ist Weihnachten: Gott der auf uns zukommt, der unser Leben teilt und es mitträgt.
    Und er kommt auch in die dunkelsten Augenblicke unseres Lebens und teilt sie mit uns, in Corona und in die Trauer und die Wut über sinnlose Tode in Trier oder anderswo.
    Daher ist mein Wunsch an Sie für die Zeit des Advent:

    Gaudete – freuet euch.

     

    Fürbitten:

    Auch in unserer Zeit sehnen Arme sich nach der frohen Botschaft,
    leiden Menschen daran, dass ihre Herzen zerbrochen sind,
    hoffen Gefangene auf Befreiung. So bitten wir dich:
     

    • Wir beten für die Menschen, die bei allen Schwierigkeiten
      die Hoffnung nicht verlieren.
      Für alle, die sich trotz allem freuen können und Freude ausstrahlen.
      Für jene, die bei allen Zweifeln fest daran glauben, dass der Herr kommen wird.
      Komm, o Herr, Maranathá. - (A:) Wir bitten dich, erhöre uns.
       
    • Für alle Menschen beten wir, denen die ansteigenden Corona-Zahlen Sorge bereiten.
      Für die Ärzte und Ärztinnen, Pfleger und Pflegerinnen auf den Intensivstationen.
      Für die vielen, die täglich an ihre Grenzen stoßen.
      Komm, o Herr, Maranathá. - (A:) Wir bitten dich, erhöre uns.
       
    • Wir beten für die Politikerinnen und Politiker und alle anderen,
      die mit ihren Entscheidungen die Ausbreitung des Virus‘ zu bremsen versuchen.
      Komm, o Herr, Maranathá. - (A:) Wir bitten dich, erhöre uns.
       
    • Wir denken an die Menschen,
      die unfreiwillig von ihren Familien getrennt worden sind.
      Für Familien, die Krieg oder wirtschaftliche Not auseinandergerissen haben.
      Für Geflüchtete, die hoffen, dass ihre Familie nachkommen kann.
      Und für alle, die ihnen in ihrer Not beistehen.
      Komm, o Herr, Maranathá. - (A:) Wir bitten dich, erhöre uns.
       
    • Wir beten für die Menschen in Äthiopien
      und besonders in der umkämpften Provinz Tigray.
      Für Männer, Frauen und Kinder überall, die vor Unruhe und Gewalt fliehen.
      Für alle, die sich wenigstens für einen Waffenstillstand zwischen Konfliktparteien einsetzen.
      Komm, o Herr, Maranathá. - (A:) Wir bitten dich, erhöre uns.
       
    • Beten wir für alle Menschen,
      die in den Tagen nach der Amokfahrt in Trier vor Ort waren:
      die ihre eigene Trauer ausdrücken wollten oder Betroffenen in ihrer Not beistehen.
      Für die Angehörigen der Todesopfer
      und für die vielen Verletzten, die sich nur langsam erholen.
      Komm, o Herr, Maranathá. - (A:) Wir bitten dich, erhöre uns.
       

    Wie die Erde die Saat wachsen lässt
    und der Garten die Pflanzen hervorbringt,
    so bringst du, Gott, Gerechtigkeit hervor
    und Ruhm vor allen Völkern.
    Darum danken wir und loben dich jetzt und alle Zeit. Amen.

     

    Vater unser

  • 2. Advent – Lesejahr B – 2020

    Lesung:

    Jes 40, 1 – 5

     

    Tröstet, tröstet mein Volk,
       spricht euer Gott. 
    Redet Jerusalem zu Herzen
    und ruft ihr zu,
       dass sie vollendet hat ihren Frondienst,
       dass gesühnt ist ihre Schuld,
    dass sie empfangen hat aus der Hand des HERRN Doppeltes
       für all ihre Sünden!
    Eine Stimme ruft:
       In der Wüste bahnt den Weg des HERRN,
    ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott!
    Jedes Tal soll sich heben,
       jeder Berg und Hügel sich senken.
    Was krumm ist, soll gerade werden,
       und was hüglig ist, werde eben.
    Dann offenbart sich die Herrlichkeit des HERRN,
    alles Fleisch wird sie sehen.
    Ja, der Mund des HERRN hat gesprochen.

     

    Evangelium: Mk 1, 1 - 8

     

    Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, Gottes Sohn.
    Wie geschrieben steht beim Propheten Jesaja -
    Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her,
       der deinen Weg bahnen wird.
    Stimme eines Rufers in der Wüste:
    Bereitet den Weg des Herrn!
    Macht gerade seine Straßen! - ,
    so trat Johannes der Täufer in der Wüste auf
       und verkündete eine Taufe der Umkehr
       zur Vergebung der Sünden.
    Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus;
    sie bekannten ihre Sünden
       und ließen sich im Jordan von ihm taufen.
    Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren
       und einen ledernen Gürtel um seine Hüften
    und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.
    Er verkündete:
       Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich;
    ich bin es nicht wert,
       mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
    Ich habe euch mit Wasser getauft,
       er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.


    Gedanken

    „Tröstet, mein Volk, spricht der Herr.“
    Diese Worte, die der Prophet Jesaja zu Beginn der heutigen Lesung spricht, gehen zu Herzen. Besonders, wenn wir uns die Ereignisse in Trier zu Beginn dieser Woche vor Augen führen. Welchen Trost gibt es überhaupt für die vom Ereignis unmittelbar Betroffenen, die einen lieben Menschen verloren haben? Vielleicht klingen solche Worte sogar zynisch für sie, weil sie nicht verstehen können, warum dieses sinnlose Geschehen gerade sie getroffen hat. Vielleicht sind sogar die Schweigeminuten, die Zeit, in der wir gar nichts sagen, besser als solche Worte wie die der Lesung zu sprechen.

    Die Worte des Jesaja trafen Israel in einer ähnlichen Situation. Sie werden gesprochen zu Menschen, die die Zerstörung Jerusalems miterleben mussten, den Tod und die Deportation vieler tausender Menschen in die babylonische Gefangenschaft. Unsagbares Leid.

    Vielleicht haben auch damals Menschen die Worte des Jesaja als zynisch empfunden, vielleicht bitter darüber gelacht. Und doch waren es für viele auch Worte, die Hoffnung brachten.
    Vor einigen Jahren habe ich einmal eine ältere Dame besucht, die mir von ihrem Schicksal erzählte: Sie hatte geheiratet. Im Laufe der Zeit wurden ihr und ihrem Mann fünf Söhne geboren. Dann kam der zweite Weltkrieg und ihr Mann und die fünf Söhne wurden eingezogen und mussten an die Front. Nacheinander bekam sie die Nachricht vom Tod ihrer fünf Söhne und des Ehemannes – gefallen in der Schlacht. Nach dem Krieg war sie allein.
    Als ich ihr dann sagte: „Und dann können sie noch an einen guten Gott glauben?“ antwortete sie: “Hören sie auf, Herr Webel, ohne den wäre ich verrückt geworden.“

     

    Für diese Frau war Gott derjenige, der da war, als alle anderen fort waren oder nicht mehr helfen konnten. Sie spürte ihn an ihrer Seite, auch wenn sie dadurch keine Antwort erhielt auf die Frage des warum. Sie wusste einfach: er ist da!

     

    Mir fällt die Ikone von Jesus und Mänas ein, die das Titelbild der vorletzten Ausgabe des Pfarrbriefes war: Jesus an der Seite des Mänas, der mit ihm gemeinsam nach vorne schaut, die Hand locker auf seine Schulter gelegt, damit sagend: „Ich bin da! Einfach nur da! Ich werde mit dir gehen, wohin du auch gehst. Ich werde da sein, was immer dir geschieht. Darauf kannst du dich verlassen.“

    Das ist der Trost, den er uns geben kann.
    Deshalb bezeichnet der Evangelist Markus auch sein Werk als Evangelium, als gute Botschaft. Jesus selbst, der, der größer ist als Johannes, wird kommen und da sein. Er wird solidarisch sein mit allen, die ein schweres Joch zu tragen haben, die mühselig und beladen sind. Er wird trösten diejenigen, die den Trost am meisten brauchen. Nicht aufdringlich und anbiedernd, sondern achtsam und mitfühlend, ja mitleidend.
    Auf die Ankunft, die Menschwerdung unseres Gottes bereiten wir uns vor in der Zeit des Advent. Er ist ein Gott, der die Menschen so sehr liebt, dass er ihnen als Mensch nahe sein will, im kleinen Kind in der Krippe von Bethlehem, im Herzen eines jeden Menschen, der sich von ihm berühren lassen möchte.
    Bereiten wir ihm den Weg in unsere Herzen und lassen ihn immer wieder Mensch werden, auch heute.
    Lassen wir uns trösten, weil er da ist und mitgeht.

    Amen.

     

    Fürbitten

    (Gebet aus dem Dekanat Trier - veröffentlicht auf der Dekanats-Homepage - Autor: Dr. Marius Linnenborn, Deutsches Liturgisches Institut/ Bearbeitung: Florian Kunz)
     

    Herr, unser Gott,

    vieles bewegt uns in diesen Stunden.

    Erst nach und nach realisieren wir, was geschehen ist.

    All dies bringen wir vor dich und bitten:

    • Für alle, die bei dem Anschlag in Trier ihr Leben verloren haben.
      Für alle, die mit Verletzungen kämpfen.
      Für alle, die um Verwandte und Freunde trauern.
      Guter Gott:
       
    • Für alle, die in dieser Situation weitreichende Entscheidungen treffen müssen.
      Für alle, die sich in ihrer beruflichen Verantwortung,
      besonders in den Krankenhäusern,
      für die betroffenen Menschen einsetzen.
      Für alle, die in der Aufklärung dieser Tat ermitteln.
      Guter Gott:
       
    • Für alle, die sich auch unter Einsatz ihrer Sicherheit für andere einsetzen.
      Für alle, die in unsicherer Lage ausharren mussten.
      Für alle, die auf Nachrichten ihrer Lieben gewartet haben.
      Guter Gott:
       
    • Für alle, die Angst haben und verunsichert sind.
      Für alle, deren Weltbild aus den Fugen geraten ist.
      Für alle, die ihren Kindern jetzt erklären müssen, was geschehen ist.
      Guter Gott:
       
    • Für alle, die ihr Mitgefühl bekunden und im Gebet miteinander verbunden sind.
      Für alle, die in anderen Ländern unter Terror und Gewalt leiden.
      Für alle, die Gemeinsames über Trennendes stellen
      und Zeichen der Versöhnung und des Friedens setzen.
       
    • Für alle unsere Verstorbenen, die ihr Leben mit dir gelebt haben.
      Für alle, die schwer erkrankt sind und ihr Sterben erwarten.
      Guter Gott:
       

    Höre du, barmherziger und treuer Gott, auf unsere Bitte
    und schenke Trost, Hoffnung und Frieden.
    Jetzt und in Ewigkeit.
    Amen.

     

  • 1. Adventssonntag – 2020

    Das Evangelium:  Mk 13,24-37

    In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
    In jenen Tagen, nach jener Drangsal,
    wird die Sonne verfinstert werden
    und der Mond wird nicht mehr scheinen;
    die Sterne werden vom Himmel fallen
    und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
    Dann wird man den Menschensohn in Wolken kommen sehen,
    mit großer Kraft und Herrlichkeit.
    Und er wird die Engel aussenden
    und die von ihm Auserwählten
       aus allen vier Windrichtungen zusammenführen,
    vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.
    Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum!
    Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben,
    erkennt ihr, dass der Sommer nahe ist.
    So erkennt auch ihr, wenn ihr das geschehen seht,
    dass er nahe vor der Tür ist.
    Amen, ich sage euch:
       Diese Generation wird nicht vergehen,
       bis das alles geschieht.
    Himmel und Erde werden vergehen,
    aber meine Worte werden nicht vergehen.
    Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand,
    auch nicht die Engel im Himmel,
    nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.
    Gebt Acht und bleibt wach!
    Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.
    Es ist wie mit einem Mann,
       der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen:
    Er übertrug die Vollmacht seinen Knechten,
       jedem eine bestimmte Aufgabe;
    dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein.
    Seid also wachsam!
    Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt,
    ob am Abend oder um Mitternacht,
    ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen.
    Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen.
    Was ich aber euch sage, das sage ich allen:
       Seid wachsam!

     

    Gedanken:


    Der Autor Lothar Zenetti hat einmal einen kleinen Text geschrieben, voller Witz und Ironie, aber auch voller Bitterkeit gegenüber der Trägheit von uns Christen: “Finale“ lautet die Überschrift.

    Als erste löste sich eine goldene Zierleiste

    oben vom linken Seitenaltar und fiel,

    kaum hörbar, auf das blasse, mit Spitzen

    besetzte Tuch, darauf Ora pro nobis zu lesen.

    Ein kleines rundes Barockengelchen flog

    erschrocken davon, und nur wenig später

    legte der heilige Aloisius die weiße Lilie

    nieder und wandte sich schweigend zum Gehen.

    Die Blumen begannen zu welken, es löschten

    die Kerzen der Andacht ihr Licht. Besorgt

    zog die Madonna ihr Kind an sich und hob

    die Augen bekümmert über die leeren Bänke.

    Da klappten die vier Evangelisten die Bücher

    zu an der Kanzel. Es hat keinen Zweck mehr,

    sollte das heißen, wer braucht uns denn noch?

    Wir kommen erst wieder, wenn ihr begreift,

    was euch fehlt und Verlangen habt nach dem

    lebendigen Wort! Und der göttlichen Gnade,

    setzte die himmlische Mutter hinzu. Ein Ton

    noch kam von der Orgel. Ein Schatten lief hin

    über das Jüngste Gericht an der Decke. Es

    zuckte noch einmal das Ewige Licht, ehe die

    erste Säule zu wanken begann und das Gewölbe

    krachend hernieder brach in einer Wolke von Staub.

    Davon erwachte das ahnungslose Dorf.

     

    Was soll eigentlich unser Glaube für uns sein? Diese Frage stellt sich den Menschen immer wieder. Früher sagten die Kritiker: Religion ist ein Gebilde der menschlichen Phantasie. Unsere Wünsche und Sehnsüchte haben Religion hervorgebracht. Mit einem wirklich existierenden Gott hat das alles nichts zu tun. Oder Karl Marx hat gesagt: Religion ist Opium für das Volk. Religion – so sagte er – dient dazu, die Menschen einzulullen, sie mit der Hoffnung auf den Lohn ihrer Mühen im Leben im Jenseits ruhig zu halten.

    Die Menschen heute scheinen manchmal die Antwort gegeben zu haben, die aus dem Text von Lothar Zenetti herausklingt. Religion ist etwas, das nicht mehr gebraucht wird für das Leben. In einer Zeit, in der alles gemacht und gemacht werden kann, braucht man keine Religion mehr. In einer Zeit, in der für den Menschen alles machbar scheint, brauchen wir keinen Gott mehr, denn wir selbst können ja scheinbar alles machen. Wir brauchen von Gott nichts mehr erwarten, weil wir ja alles von uns selbst erwarten können.

    Aber wir merken auch immer wieder: wir können nicht alles machen. Wir sind ein gutes Stück weit auch ausgeliefert.
    Die derzeitige Situation der Corona-Pandemie führt es uns deutlich vor Augen. Wir können vorsorgen und manches durch unsere Maßnahmen einschränken und mildern. Und doch bleibt ein Rest an Risiko, den wir nicht beeinflussen können.
    Menschen, die ihr Vermögen in scheinbar sicheren Aktien angelegt hatten, haben buchstäblich über Nacht einen Großteil ihres Vermögens verloren. Menschen, die scheinbar in sicheren Arbeitsverhältnissen standen, werden über Nacht entlassen, stehen mit ihren Familien vor dem Nichts. Menschen fliegen in einen Urlaub nach Frankreich und sterben durch Terroranschläge oder werden als Geiseln genommen. Jeder von uns, wenn er aufmerksam auf das Leben ist, weiß und erlebt, dass wir nicht alles selbst machen können, dass wir im letzten nicht die Kontrolle haben über unser Leben.

    Advent, das heißt Ankunft. Die Zeit des Advents, das ist die Zeit des Wartens auf die Ankunft Gottes in unserer Welt, in unserem Leben in dreifacher Hinsicht: Die Ankunft des Messias, die wir Christen vor 2000 Jahren in Bethlehem geschehen glauben.
    Da ist die Erwartung des Kommens Gottes am Ende der Zeit.
    Da ist aber auch das Rechnen damit, dass Gott auf mich zukommt, immer wieder in meinem täglichen Leben.

     

    Rechnen wir mit dem Kommen Gottes in unserem Leben, hier, heute in der Kirche, zuhause in der Familie, nächste Woche in der Schule oder bei der Arbeit? Spielt er in unserem Leben eine Rolle?

    Ich glaube – und ich beziehe mich da mit ein – uns geht es oft, wie in den Zeilen des Textes von Lothar Zenetti. Es müssen erst die Säulen und Gewölbe mit lautem Krachen einstürzen, bis wir uns aufschrecken lassen, aufmerksam werden darauf, dass Gott doch da ist oder dass wir uns wenigstens wünschten es gäbe ihn.

    Advent, das ist die Zeit, die uns helfen soll, wieder neu aufmerksam zu werden auf Gott in unserem Leben, die uns helfen soll, die Barrieren, die das Kommen Gottes verhindern, wegzuräumen.

    In diesem Sinne wünsche ich ihnen eine besinnliche und wachsame Adventszeit.

     

    Fürbitten:
     

    Guter Gott!
    Wir hoffen auf dich und rufen dich an:

     

    • Für deine Kirche, dass wir in deiner Gegenwart leben und die Erfordernisse unserer Zeit wahrnehmen. Wir beten besonders für unser Bistum Trier, dass die Umsetzung der Synodenbeschlüsse Wege in die Zukunft ermöglicht.
      Guter Gott:
       
    • Für alle Politiker, die sich für Frieden, Stabilität, soziale Gerechtigkeit und Gemeinwohl im eigenen Land und weltweit engagieren. Für den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten, dass ein Neubeginn möglich wird.
      Guter Gott:
       
    • Für Menschen, die in ihrer Zukunftsangst so gefangen sind, dass sie Chancen und Möglichkeiten in ihrem Leben versäumen. Für die Menschen, deren berufliche und private Zukunft durch Corona gefährdet ist.
      Guter Gott:
       
    • Für uns selbst, dass wir uns nicht in den Vorbereitungen auf Weihnachten so verausgaben, dass wir für das eigentliche Fest keine Kraft und Freude mehr aufbringen können.
      Guter Gott:
       
    • Für alle, die ihr Leben gelebt haben und nun auf deine barmherzige Liebe hoffen. Für alle Verstorbenen, die im Glauben an dich gelebt haben.
      Guter Gott:
       

    In Christus hat uns Gott seine Nähe zu uns Menschen gezeigt.
    Auf seine Nähe dürfen wir vertrauen.
    Ihm gilt unser Dank und unser Lob bis in Ewigkeit. - Amen. 

  • Christkönig

    Evangelium:

    Mt 25,31-46


    In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
    Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt
       und alle Engel mit ihm,
       dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.
    Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden
    und er wird sie voneinander scheiden,
       wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.
    Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen,
       die Böcke aber zur Linken.
    Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen:
       Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid,
    empfangt das Reich als Erbe,
       das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist!
    Denn ich war hungrig
       und ihr habt mir zu essen gegeben;
    ich war durstig
       und ihr habt mir zu trinken gegeben;
    ich war fremd
       und ihr habt mich aufgenommen;
    ich war nackt
       und ihr habt mir Kleidung gegeben;
    ich war krank
       und ihr habt mich besucht;
    ich war im Gefängnis
       und ihr seid zu mir gekommen.
    Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen:
    Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen
       und dir zu essen gegeben
    oder durstig
       und dir zu trinken gegeben?
    Und wann haben wir dich fremd gesehen
       und aufgenommen
    oder nackt
       und dir Kleidung gegeben?
    Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen
       und sind zu dir gekommen?
    Darauf wird der König ihnen antworten:
       Amen, ich sage euch:
    Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt,
       das habt ihr mir getan.
    Dann wird er zu denen auf der Linken sagen:
       Geht weg von mir, ihr Verfluchten,
    in das ewige Feuer,
       das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!
    Denn ich war hungrig
       und ihr habt mir nichts zu essen gegeben;
    ich war durstig
       und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben;
    ich war fremd
       und ihr habt mich nicht aufgenommen;
    ich war nackt
       und ihr habt mir keine Kleidung gegeben;
    ich war krank und im Gefängnis
       und ihr habt mich nicht besucht.
    Dann werden auch sie antworten:
    Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig
       oder fremd oder nackt
       oder krank oder im Gefängnis gesehen
       und haben dir nicht geholfen?
    Darauf wird er ihnen antworten:
       Amen, ich sage euch:
    Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt,
       das habt ihr auch mir nicht getan.


    Und diese werden weggehen
       zur ewigen Strafe,
    die Gerechten aber
       zum ewigen Leben.

     

    Gedanken:

    Das Gloria, das älteste Weihnachtslied der Welt, kennen wohl alle, die regelmäßig zum Gottesdienst gehen. Wir singen es immer in der sonntäglichen Eucharistiefeier.

    Aber wir können kaum noch erahnen, wie brisant der Text dieses Liedes war, als er entstand, ja, dass er manchmal sogar lebensgefährlich war.

    „Herr und Gott, König des Himmels und der Erde,

    Gott und Vater, Herrscher über das All.“

     

    Und dann noch:

    „Denn du allein bist der Heilige, du allein der Herr,

    du allein der Höchste, Jesus Christus,

    mit dem Heiligen Geist,

    zur Ehre Gottes des Vaters. Amen.“

     

    Kaum vorstellbar, was es bedeutete, einen solchen Text zu Zeiten eines Kaisers Nero oder Diokletian zu singen oder zu rezitieren. Das Bekenntnis zu Jesus Christus als König und Herrscher des Alls konnte als Angriff auf die Würde und den Rang des Herrschers gedeutet werden – und war manchmal vielleicht auch so gemeint. Es geht dabei um die Frage: Wer ist eigentlich der Herr der Welt? Das Fest Christkönig wurde von Pius XI. 1925 eingeführt, in einer Zeit, als es viele totalitäre und den Menschen und Gott verachtende Systeme gab, deren Vertreter sich selbst an Gottes Stelle setzten. Der I. Weltkrieg war gerade vorüber, mit seinen 10 Mio. Toten.  In Italien erstarkte Mussolinis Faschismus, in Deutschland wuchs die Saat Hitlers heran und gipfelte im totalitären NS-Staat mit all seinen grausigen Folgen.

    Und heute, wo sind heute die Könige?  Wenn Papst Franziskus die leitenden Finanzleute maßregelt und zu Demut und Verantwortung für die Gesellschaft aufruft, dann ruft er dazu auf, nicht der Gier nach Geld und dem Gewinnstreben die Herrschaft zu geben, dem König Geld. Dieser König so sagen sie macht die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer. Gerade Papst Franziskus ruft uns dazu auf, die Armen und Schwachen nicht zu vergessen. Sie müssen das Herz unserer Kirche sein.

     Jesus sagt es genauso im heutigen Evangelium und geht sogar noch weiter: er macht die Schwächsten zum Maßstab eines Christen. In jedem Armen ist er selbst gegenwärtig; wer den Nackten, den Hungrigen, den Kranken, den Dürstenden, den Gefangenen hilft, der hilft Jesus selbst. Ja, unser Verhalten gegenüber den Schwachen entscheidet mit über unser Heil. Wie gehen wir mit Geflüchteten in unserer Pfarrei um? Heißen wir sie willkommen als Menschen, in denen Christus uns begegnet oder weisen wir sie zurück?

     Wie ist das mit den Bedürftigen, die zur Tafel kommen? 

    Sind sie die Looser unserer Gesellschaft, die Bettler, die übrigbleiben oder sind sie unsere Geschwister, in denen uns Jesus selbst anspricht?

     

    Das Gloria singen heißt jedenfalls, all den falschen Königen unserer Zeit die Grenzen aufzuzeigen und in den Schwachen und benachteiligten Jesus Christus, dem König, die Ehre zu geben.

     

    Eine russische Legende kann das deutlich machen:

    Ein reicher Mann dachte auch im Sterben nur an das, woran er sein Leben lang gedacht hatte: an sein Geld. Mit letzter Kraft löste er den Schlüssel vom Band, das er am Hals trug, winkte der Magd, deutete auf die Truhe neben seinem Lager und befahl, ihm den großen Beutel Geld in den Sarg zu legen.

    Im Himmel sah er dann einen langen Tisch, auf dem die feinsten Speisen standen. „Sag, was kostet das Lachsbrot?“ fragte er. „Eine Kopeke“, wurde ihm geantwortet. „Und die Sardine?“ „Gleich viel.“ – „Und diese Pastete?“ „Alles eine Kopeke.“ Er schmunzelte. Billig, dachte er, herrlich billig! Und er wählte sich eine ganze Platte aus. Aber als er mit einem Goldstück bezahlen wollte, nahm der Verkäufer die Münze nicht. „Alter“, sagte er und schüttelte bedauernd den Kopf, „du hast wenig im Leben gelernt!“ „Was soll das?“ murrte der Alte. „Ist mein Geld nicht gut genug?“ Da hörte er die Antwort: „Wir nehmen hier nur das Geld, das einer verschenkt hat.“

    .Hoffnung, dass wir nicht nur den Königen unserer Zeit verehren, machen mir jedenfalls Menschen, die sich im Tafelverein oder in der Migrantenarbeit unserer Pfarreiengemeinschaft engagieren oder diejenigen, die in diesen schwierigen Tagen der Corona-Pandemie nicht zulassen, dass Menschen zurückbleiben und vergessen werden. Menschen, die Zeichen setzen für Solidarität und Geschwisterlichkeit.

    Was ihr dem geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan. Wenn wir Christus als unseren König anrufen und verehren, dann heißt das, dass die Währung, mit der wir Christen umgehen und zahlen, die Liebe sein muss -und zwar gerade die Liebe zu den Geringsten.

    Amen.

     

    Fürbitten:

     

    In Jesus Christus erkennen wir den Hirten und König.

    Zu ihm kommen wir mit all unseren Sorgen und bitten ihn:

     

    • Für alle, die die Welt heute nicht mehr verstehen.
      Für Menschen, die keine Perspektive sehen,
      und für alle, die keine Hoffnung haben.
      Christus, Hirte und König:
       
    • Für alle, die im Alltag barmherzig und solidarisch sind.
      Für Menschen, die anderen Freude schenken und Gutes tun.
      Vor allem beten wir um Kraft für alle, die sich aufreiben
      in ihrem Dienst an Kranken und Bedürftigen.
      Christus, Hirte und König:
       
    • Für Menschen, die sich der Not verweigern
      und unverblümt sich selbst am nächsten sind.
      Für sie bitten wir um Einsicht und Umkehr.
      Christus, Hirte und König:
       
    • Für alle, die Verantwortung tragen in der Politik
      und die in diesen Wochen mehr denn je
      abwägen und schwere Entscheidungen treffen müssen.
      Christus, Hirte und König:
       
    • Für die Kirche, die im Wandel begriffen ist
      und die sich von Dir fragen lassen muss,
      wo sie gut gehandelt  und wo sie versagt hat.
      Für alle Hirten und Verantwortlichen bitten wir um den Mut zur Wahrheit.
      Christus, Hirte und König:
       
    • Für unser Bistum Trier, für unsere Gemeinden und für alle,
      die sich jetzt nochmal auf den Weg machen,
      der Zukunft des Glaubens Gestalt zu geben.
      Für alle, die sich nicht entmutigen lassen
      und für jene, die sich schwertun, einen neuen Anlauf zu wagen.
      Christus, Hirte und König:
       
    • Für alle, die gestorben sind
      und für die Menschen, die um sie trauern.
      Christus, Hirte und König:

     

    Herr Jesus, du bist der König im Reich des Vaters.
    Dir vertrauen wir.
    Dich loben wir.
    Heute und alle Tage,
    Amen.

     

  • 32. Sonntag im Jahreskreis

    Evangelium: Mt 25,1-13

    Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

    In jener Zeit
       erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:
    Mit dem Himmelreich
       wird es sein wie mit zehn Jungfrauen,
       die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen.
    Fünf von ihnen waren töricht
       und fünf waren klug.
    Die törichten nahmen ihre Lampen mit,
       aber kein Öl,
    die klugen aber nahmen mit ihren Lampen
       noch Öl in Krügen mit.
    Als nun der Bräutigam lange nicht kam,
       wurden sie alle müde und schliefen ein.
    Mitten in der Nacht aber erscholl der Ruf:
    Siehe, der Bräutigam!
    Geht ihm entgegen!
    Da standen die Jungfrauen alle auf
       und machten ihre Lampen zurecht.
    Die törichten aber sagten zu den klugen:
       Gebt uns von eurem Öl,
    sonst gehen unsere Lampen aus!
    Die klugen erwiderten ihnen:
       Dann reicht es nicht für uns und für euch;
    geht lieber zu den Händlern
    und kauft es euch!
    Während sie noch unterwegs waren, um es zu kaufen,
       kam der Bräutigam.
    Die Jungfrauen, die bereit waren,
       gingen mit ihm in den Hochzeitssaal
    und die Tür wurde zugeschlossen.
    Später kamen auch die anderen Jungfrauen
    und riefen: Herr, Herr, mach uns auf!
    Er aber antwortete ihnen und sprach: Amen, ich sage euch:
    Ich kenne euch nicht.
    Seid also wachsam!
    Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

     

    Gedanken

    Liebe Brüder und Schwestern,

    an den letzten Sonntagen des Jahreskreises muten uns die Evangelien meist schwere Kost zu. Mit vielen dieser Texte haben wir Probleme, denn sie provozieren meist unsere innere Abwehr oder gar unseren Widerspruch.
    So ist das auch heute mit dem Evangelium von den klugen und den törichten Jungfrauen.
    Die Aufgabe der Jungfrauen bei einer jüdischen Hochzeit war es, dem Bräutigam entgegenzugehen, ihn zu empfangen und mit ihm in den Hochzeitssaal einzuziehen.
    Und dazu ausgewählt zu werden, das war eine Ehre.

    Fünf von ihnen waren klug, sie hatten sich gut vorbereitet: neben den Lampen nahmen sie auch noch einen Öl-Vorrat mit, falls es länger dauern sollte bis zur Ankunft des Bräutigams. Die anderen fünf waren töricht. Sie nahmen nur ihre Lampen mit sich. Sie verließen sich darauf, dass es schon gut gehen wird.
    Doch dann dauert es doch länger mit der Ankunft des Bräutigams und das Öl der törichten Frauen ist verbraucht.
    Ihre Bitte an die Klugen, das Öl zu teilen, wird abgelehnt und am Ende stehen sie vor verschlossenem Hochzeitssaal. Ja, der Bräutigam sagt sogar noch: „Ich kenne euch nicht!“

    Manchmal frage ich mich: hätten die klugen Frauen nicht barmherzig sein und das Öl teilen können? Dann hätte es zumindest eine Chance für alle gegeben. Oder auch der Bräutigam: Warum reagiert er so schroff? Warum ist seine Reaktion so ablehnend? Und wo bleibt in diesem Gleichnis die von Jesus so vielgepriesene und oft genannte Barmherzigkeit Gottes?

    Oder ist Gott letztendlich doch der Richter, der am Ende alles zusammenrechnet und dann verurteilt?

    Wenn wir genau hinschauen, dann geht es in diesem Gleichnis Jesu nicht so sehr um Gott und wie er zu uns ist. Es geht eher um uns Christen und wie ernst wir es mit dem Ruf Gottes nehmen und was er für eine Rolle in unserem Leben spielt.

    Auch im  täglichen Leben gibt es die berühmten verpassten Chancen.
    In der Liebe ist es ja manchmal auch so: Ich sehe jemanden, der gefällt mir. Ich würde ihn oder sie gerne kennenlernen. “Morgen gehe ich hin und spreche ihn/sie an!“ Aus morgen wird übermorgen aus übermorgen wird irgendwann. Und dann ist der Moment verpasst.

    Ich wollte einen Kranken eigentlich noch besuchen. Aber ich habe es aufgeschoben – egal aus welchen Gründen – und nun ist der Moment verpasst, denn der Kranke ist gestorben.
     

    Ich wollte eigentlich hingehen und helfen, aber ich hatte keine Zeit – und nun ist die Hilfe nicht mehr möglich.
     

    Eigentlich wollten wir unser Klima schützen, denn die Welt soll doch auch für unsere Kinder und Enkel noch lebenswert sein. Aber irgendwann wird der Augenblick vorüber sein und nichts kann mehr getan werden.


    Eigentlich wollte ich mich noch versöhnen, aber nun geht es nicht mehr, weil der, mit dem die Versöhnung nötig gewesen wäre nicht mehr da ist.

    Das Leben ist manchmal so hart!

     

    Gerade existentielle Dinge müssen einfach getan werden – gerade auf diese Dinge muss ich mich vorbereiten und einstellen – sonst sind die Konsequenzen unausweichlich.
    Und das liegt nicht an Gott oder an den Mitmenschen. Es liegt allein an mir selbst und wie wichtig diese Dinge mir sind.
    So ist das, glaube ich, auch mit Gottes Verheißung und unserer Antwort darauf.
    Gott verspricht uns seine Liebe und die Teilnahme an seinem Reich. An uns liegt es, diesen Anruf zu hören und ihn ernst zu nehmen. An uns liegt es, diesen Anruf so ernst zu nehmen, dass wir uns auch in unserem Tun darauf einrichten und einstellen.

    Das ist es, was Jesus in den Perikopen des ausgehenden Kirchenjahres immer wieder sagen und deutlich machen will:  Gott will das Heil der Menschen. Er liebt jeden von uns. An uns liegt es, auf sein Angebot, auf seinen Ruf zu antworten und ihn ernst zu nehmen. Gottes Angebot ist ein gutes Angebot – es ist ein Angebot, das uns nicht weniger als das Heil und das Leben in Fülle verspricht. Dafür lohnt es, sich einzusetzen.

    Und ich bin auch überzeugt: Gott ist nicht so hat wie der Bräutigam im Gleichnis – er ist barmherzig und hat unendliche Geduld mit uns.
    Aber das sollte uns nicht sorglos und achtlos machen. Es ist eben auch wichtig, was wir selbst tun und dass wir es rechtzeitig tun.
    In einem Gedicht von Gertrud Wimmer stehen die Zeilen:

    „Klug sind, sagt Jesus,
    die mit dem Einbruch der Nacht rechnen,
    die Knechte und Mägde:
    mit der Nacht in der Liebe,
    der Nacht im Glauben,
    der Nacht im Leben.“

    Amen.

     

    Fürbitten

    Gott möchte uns mit Trost und Heilung begegnen.
    So kommen wir mit unseren Anliegen zu ihm:

     

    • Wir beten für alle, die Angst davor haben,
      sich oder andere mit Covid-19 zu infizieren.
      Für die Frauen und Männer, die in Krankenhäusern, Arztpraxen und Gesundheitsämtern oft am Limit arbeiten.
      Für alle Erkrankten
      und für diejenigen, die kein Verständnis für die gesellschaftlichen Einschränkungen haben.
      Gott, Retter der Welt:

       
    • Wir beten für alle in den USA und überall,
      die in der Politik für demokratische und liberale Werte eintreten.
      Für diejenigen, die tiefe Spaltung sehen und sogar Gewalt befürchten.
      Und für alle, die sich um Gleichberechtigung, Versöhnung und Einigkeit mühen.
      Gott, Retter der Welt:

       
    • Wir beten für die Toten und Verletzten in Wien
      und für alle, die durch das Attentat einen Schock erlitten haben.
      Für alle, die Angst, Hass und Fremdenhass schüren.
      Und für diejenigen, die für Frieden und Toleranz eintreten.
      Gott, Retter der Welt:

       
    • Wir beten für die Millionen Opfer von Krieg, Gewalt und Verfolgung
      in Europa und überall in der Welt.
      Für alle, die mit Mut und Weite das Gespräch zwischen den Religionen führen,
      um die Wahrheit zu suchen und zu leben.
      Gott, Retter der Welt:

       
    • Wir beten für die vielen, die das Erbe des geeinten Deutschland bewahren
      und für gleiche Menschenwürde und gleichberechtige Lebensverhältnisse kämpfen.
      Gott, Retter der Welt:

       
    • Wir denken an unsere Toten und beten
      für alle, die einen lieben Menschen vermissen.
      Für diejenigen, an die niemand mehr denkt –
      und für alle, deren Lebensspuren lange sichtbar und wirksam sind.
      Gott, Retter der Welt:

     

     

    Wir warten auf dein Kommen, Gott
    und vertrauen unsere Welt und uns selbst dir an.
    Wir danken dir für jede Zuversicht und Hoffnung
    heute und morgen und in deine Ewigkeit. Amen

     

  • Allerheiligen

    Evangelium

    Mt 5,1-12a

    Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:
    In jener Zeit,
    als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten,
       stieg er auf den Berg.
    Er setzte sich
       und seine Jünger traten zu ihm.
    Und er öffnete seinen Mund,
       er lehrte sie und sprach:
    Selig, die arm sind vor Gott;
       denn ihnen gehört das Himmelreich.
    Selig die Trauernden;
       denn sie werden getröstet werden.
    Selig die Sanftmütigen;
       denn sie werden das Land erben.
    Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit;
       denn sie werden gesättigt werden.
    Selig die Barmherzigen;
       denn sie werden Erbarmen finden.
    Selig, die rein sind im Herzen;
       denn sie werden Gott schauen.
    Selig, die Frieden stiften;
       denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.
    Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen;
       denn ihnen gehört das Himmelreich.
    Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt
       und alles Böse über euch redet um meinetwillen.
    Freut euch und jubelt:
    Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.

     

    Gedanken

    … wer an mich glaubt wird nicht sterben

    Wenn wir vom Tod sprechen, dann sind wir oft hilflos.  In früheren Zeiten sprach man oft von den so genannten „letzten Dingen“. In älteren theologischen Büchern war es der Ausdruck für das, was nach dem Tod kommen sollte. Aber alles, was je darüber gesagt wurde, sind Deutungen, Vermutungen und Bilder. Auch die Bibel selbst drückt diese letzten Dinge in der Sprache von Bildern und Vergleichen aus.

    Viele Künstler haben ihre ganze Vorstellungskraft und Energie angestrengt, diesen „letzten Dingen“ einen bleibenden Ausdruck zu geben. Denken sie nur an Michelangelos Darstellung des jüngsten Gerichtes in der Sixtinischen Kapelle. Die Darstellungen des Jüngsten Gerichtes zieren viele Kirchenportale und Kirchenwände.

    Aber wir sind heute vorsichtig geworden mit der Darstellung dessen, was nach dem Tod auf uns warten könnte. Ja, manchmal vermeiden oder verdrängen wir es auch, uns mit den „letzten Dingen“ zu beschäftigen, versuchen Gedanken an den Tod ganz in unserer Lebenswelt zu vermeiden.

    Aber sie holen uns immer wieder ein, diese „Letzten Dinge“. Da stehen wir oft ratlos, ohnmächtig, manchmal verzweifelt, wenn ein lieber Mensch stirbt, plötzlich nicht mehr da ist. Der Tod, der uns dann ganz nah betrifft führt uns ganz von selbst an die drei großen Fragen der Menschheit: „Wo komme ich her?“, „Wo gehe ich hin?“ und „Was ist der Sinn von all dem?“

    Ich möchte einmal der Fährte folgen, die dieser Begriff „die letzten Dinge“ für mich legt. Es sind zunächst allerdings Gedanken an konkrete Erfahrungen diesseits der Grenze des Lebens. Vielleicht können sie uns aber helfen, über diese Grenze hinaus zu denken.

    • Wer einen sterbenden Menschen schon einmal begleitet hat, der hat etwas von der ganz konkreten Form letzter Dinge erlebt:  was waren die letzten Dinge, die dem Verstorbenen noch wichtig waren? Mit was hat er oder sie sich am Ende des Lebens noch intensiv beschäftigt? Da waren letzte Gesten oder letzte Worte, vielleicht ein wichtiger Gegenstand. Dies alles haftet als wertvoller und kostbarer Schatz in unserer Erinnerung. Ein Schatz, der das Leben in unseren Herzen lebendig hält.
    • Aber es gibt auch die letzten Dinge, die trauernde Angehörige im Herzen tragen: eine Hilfe, die auf dem letzten Weg des geliebten Menschen gegeben werden konnte – eine Versöhnung – ein Trost – ein Zeichen der Nähe und Verbundenheit. Die Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens mit dem Verstorbenen gehört ebenso zu diesen „letzten Dingen“. Aber auch der Schmerz und die Trauer über den Tod und den endgültigen Abschied.
    • Aber ein drittes ist, so meine ich, das Wesentliche der letzten Dinge: es ist die Liebe, die uns mit einem Menschen verbindet. Die Liebe ist es, die auch die Grenze des Todes überwinden kann. Diese Liebe zu einem Verstorbenen ist wie ein letztes großes Gut, welches wir in unseren Herzen tragen. Sie lässt uns wünschen und hoffen, dass auch nach dem irdischen Leben nicht alles aus ist, sondern dass für den Verstorbenen noch eine neue, eine erfüllte Zukunft möglich ist, ein Leben in Fülle. Lieben heißt, dem Anderen zu wünschen und selbst zu hoffen, dass das Leben ewig währt.

    Diese Hoffnung, ja dieses Wissen der Liebe, dass nach dem Tod nicht alles aus ist, verkündet uns, Jesus im heutigen Evangelium: Besonders an die Armen, die er selig preist, ist diese Zusage gerichtet: „Freut euch und jubelt. Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.“ Dieses feste Vertrauen Jesu in die Lebensmacht Gottes gründet in seiner Liebe zum Vater und der Liebe des Vaters zu ihm. Und es ist gleichzeitig die Liebe Jesu und die Liebe Gottes, aus der diese Worte kommen: Gott lässt niemanden im Stich, der sich auf ihn verlässt und seiner Liebe vertraut. Gottes Liebe überwindet alle Grenzen, auch die Grenze des Todes. Sie ist das eigentlich „letzte, ja das allerletzte Ding“, das uns in ein Leben ohne Ende hinein verwandelt.

     

    Der Autor des Ersten Johannesbriefes schreibt in der heutigen Lesung:

    „Schwestern und Brüder!
    Seht, welche Liebe uns der Vater geschenkt hat:
    Wir heißen Kinder Gottes
       und wir sind es.
    Deshalb erkennt die Welt uns nicht,
       weil sie ihn nicht erkannt hat.
    Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes.
    Doch ist noch nicht offenbar geworden,
       was wir sein werden.
    Wir wissen,
       dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird;
    denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
    Jeder, der diese Hoffnung auf ihn setzt,
       heiligt sich,
       so wie er heilig ist.“

     

    Die Feste Allerheiligen und Allerseelen, die wir an den ersten beiden Novembertagen feiern, sind die Feste, die von dieser Liebe Gottes erzählen, die Leben spendet auch über den Tod hinaus. Und das tut es auch, obwohl wir in diesem Jahr wegen der aktuellen Situation der Pandemie nicht in gewohnter Form die Gräber segnen können.

    Dass wir dieses Vertrauen in die Leben spendende Liebe Gottes nie verlieren, wünsche ich uns allen.

     

    Fürbitten

    Jesus Christus preist die selig,
    die Gottes Reich annehmen und es leben.
    Seine Zusage gilt heute auch uns;
    darauf vertrauen wir und beten für alle Menschen,
    die unter Gewalt, Verfolgung und Krieg leiden, und für die Friedensstifter.

    Bitten:

     

    • Wir beten für die Heiligen unserer Tage,
      für die Unbekannten, die ihrem Gewissen folgen
      und gegen den Strom der Zeit schwimmen;
      für alle, die ungerechte Fesseln lösen und Frieden stiften.
      Du Gott des Lebens:
    • Wir beten für alle Menschen,
      die im kommenden Corona-Lockdown ihren Beruf nicht ausüben können
      und um ihre Existenz fürchten;
      und für alle, denen es schwerfällt,
      die Einschränkungen ihrer Freiheit zu akzeptieren.
      Du Gott des Lebens:
    • Wir beten für unsere Nachbarn in Frankreich,
      die Opfer von terroristischen Attentaten wurden und bedroht sind;
      für alle Menschen überall,
      die wegen ihres Glaubens und ihrer Überzeugungen verfolgt werden.
      Du Gott des Lebens:
    • Für die Bürgerinnen und Bürger in den USA,
      die mit Spannung und Sorge auf das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen warten;
      für alle, die die gesellschaftliche Spaltung dort überwinden wollen
      und nach Wegen der Versöhnung suchen.
      Du Gott des Lebens:
    • Wir beten für die Menschen in Südostasien im Taifun Molawe
      und in den USA im Hurrikan Zeta;
      und für alle Menschen, deren Leben vom Klimawandel bedroht ist.
      Du Gott des Lebens:
    • Wir beten für unsere Verstorbenen,
      an die wir in diesen Tagen besonders denken;
      für die große Gemeinschaft der Menschen,
      die die Vollendung schon erreicht haben, die uns allen zugesagt ist.  
      Du Gott des Lebens:

       

    Dankbar nehmen wir deine Heils-Zusage an für die vielen,
    die ihre Hoffnung auf dich setzen, unseren Bruder und Herrn;
    dir vertrauen wir – in guten wie in schweren Tagen und bis in deine Ewigkeit. Amen.

  • 28. Sonntag im Jahreskreis - A

    Evangelium:  Mt 22, 1 - 10

     

    Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

    In jener Zeit
    erzählte Jesus den Hohepriestern
       und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis:
    Mit dem Himmelreich
       ist es wie mit einem König,
       der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.
    Er schickte seine Diener,
       um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen.
    Sie aber wollten nicht kommen.
    Da schickte er noch einmal Diener
    und trug ihnen auf:
       Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl ist fertig,
    meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet,
    alles ist bereit.
    Kommt zur Hochzeit!
    Sie aber kümmerten sich nicht darum,
    sondern der eine ging auf seinen Acker,
       der andere in seinen Laden,
    wieder andere fielen über seine Diener her,
       misshandelten sie
       und brachten sie um.
    Da wurde der König zornig;
    er schickte sein Heer,
    ließ die Mörder töten
       und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.
    Dann sagte er zu seinen Dienern:
       Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet,
       aber die Gäste waren nicht würdig.
    Geht also an die Kreuzungen der Straßen
    und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!
    Die Diener gingen auf die Straßen hinaus
       und holten alle zusammen, die sie trafen,
    Böse und Gute,
    und der Festsaal füllte sich mit Gästen.

     

     

    Gedanken:

     

    Hand aufs Herz! Uns geht es auch oft so wie den Eingeladenen im Evangelium.
    Ein Einladungsschreiben liegt im Briefkasten oder eine Einladung wird mündlich ausgesprochen. Und dann wird der Terminkalender aufgeschlagen. Kann ich da überhaupt? Und oft kommen dann die Gedanken: Das passt mir jetzt gerade überhaupt nicht. Da möchte ich nicht hingehen, denn ich habe Wichtigeres zu tun.
    Es gibt tausend Gründe, die ich anführen könnte, eine Einladung nicht anzunehmen. Und manche kann man sich ja auch ausdenken.

    Eine Einladung nicht anzunehmen drückt etwas aus über meine Beziehung zu dem, der einlädt. Wie wichtig ist mir der Einladende überhaupt und wie wichtig ist für mich der Einladungsgrund?

    Es gibt Einladungen, die muss ich nicht unbedingt annehmen.

    Da darf ich auch sagen, dass sie für mich nicht wichtig ist.
    Aber es gibt Einladungen die sind wichtig, weil sie in einer Beziehung ihren Grund haben. Und wenn ich nicht daran teilnehme, dann ist der Moment vorüber und die Beziehung ist gestört oder sogar zerstört.
    Wenn ein guter Freund zum Geburtstag einlädt, vielleicht sogar zu einem runden Geburtstag, dann ist es selbstverständlich, dass ich hingehe. Das bin ich dem Freund schuldig.

    Im Evangelium, da lädt ein König ein zur Hochzeit seines Sohnes. Die eingeladenen Gäste aber wollen nicht kommen. Sie haben etwas anderes vor. Das ist ein Affront gegen den König.
    Der König im Gleichnis steht natürlich für Gott. Der Sohn ist Jesus. Und eingeladen wird ins Himmelreich, das Reich Gottes. Und auch Jesus erlebt, dass gerade die religiösen Führer seine Einladung ablehnen. Diejenigen, die eigentlich berufen sind, die wollen nicht, ja sie lehnen Jesus sogar ab und töten ihn am Ende.
    Aber die Hochzeit ist ausgerichtet und sie soll stattfinden – das Reich Gottes soll kommen, denn Gott will es so. Und so geht Jesus zu denen am Straßenrand, zu den Bettlern und denen, die am Rande stehen. Und sie kommen, denn sie erwarten etwas von Gott und sind bereit, sich auf den Weg zu machen.

    Gott lädt auch uns ein, mitzumachen beim Reich Gottes, eine Ahnung des Himmels in unserem Leben aufstrahlen zu lassen in der Nachfolge Jesu.

    „Unser Leben sei ein Fest!“ singen wir in einem Lied. Auf dieses Fest muss ich mich einlassen. „Jesu Geist in unserer Mitte, Jesu Werk in unseren Händen.“
    Das braucht meine konkrete Antwort, mein Engagement.

     

    Das Gleichnis Jesus macht deutlich: Das Fest wird stattfinden, auf jeden Fall! Gott hat dazu eingeladen. Eingeladen zu werden heißt ja auch, dass der Einladende mich wertschätzt, mich für würdig erachtet, am Fest teilzunehmen. Gott lädt uns ein in sein Reich, weil er uns liebt. Er möchte, dass wir zum Leben in Fülle finden.
    Sollten wir uns diese Chance entgehen lassen?

     

    Fürbitten

    Gott hat uns das Leben geschenkt.
    Er hat in uns auch all das angelegt,
    was wir brauchen, um aus unserem Leben ein Fest zu machen

    und unser Lebensziel zu verwirklichen.
    Ihn lasst uns bitten:

     

    • Für eine Kirche, die die Chance zur Verkündigung deiner Botschaft
      in den uns heute gegebenen Lebensumständen nicht verpasst.

       
    • Für das große Anliegen der Einheit der christlichen Kirchen,
      die sich auch in der Sehnsucht nach eucharistischer Mahlgemeinschaft ausdrückt.

       
    • Für eine Gesellschaft, die sich im Bewusstsein
      der uns in unserem Land geschenkten demokratischen Werte
      für das Wohl der Gemeinschaft entscheidet.

       
    • Für alle, die unter den Lebensumständen und Folgen dieser Pandemie
      leiden und sich nach unbeschwerter sozialer Nähe sehnen.

       
    • Für unsere Verstorbenen,
      die in der Hoffnung auf das himmlische Hochzeitsmahl gelebt haben.


       

    Denn der Glaube an dich, den dreieinen Gott,
    eröffnet einen Horizont,
    der rein menschlich unvorstellbar und unmöglich erscheint.
    Gerade darin liegt seine Kraft.
    Dafür rühmen wir deine Herrlichkeit und danken dir für alles,
    was du uns schenkst, heute und allezeit. - Amen.