Sonntags-Impuls

Impulse unseres Diakons Andreas Webel zur Liturgie am Sonntag

  • 26. Sonntag im Jahreskreis-B-2021

    Evangelium: Mk 9,38-48

    In jener Zeit
    sagte Johannes, einer der Zwölf, zu Jesus:
    Meister, wir haben gesehen,
       wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb;
    und wir versuchten, ihn daran zu hindern,
       weil er uns nicht nachfolgt.
    Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht!
    Keiner, der in meinem Namen eine Machttat vollbringt,
       kann so leicht schlecht von mir reden.
    Denn wer nicht gegen uns ist,
       der ist für uns.
    Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt,
       weil ihr zu Christus gehört –
       Amen, ich sage euch:
       Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.
    Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben,
       Ärgernis gibt,
       für den wäre es besser,
       wenn er mit einem Mühlstein um den Hals
       ins Meer geworfen würde.
    Wenn dir deine Hand Ärgernis gibt,
       dann hau sie ab;
    es ist besser für dich,
       verstümmelt in das Leben zu gelangen,
       als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen,
       in das nie erlöschende Feuer.
    Und wenn dir dein Fuß Ärgernis gibt,
       dann hau ihn ab;
    es ist besser für dich, lahm in das Leben zu gelangen,
       als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden.
    Und wenn dir dein Auge Ärgernis gibt,
       dann reiß es aus;
    es ist besser für dich,
       einäugig in das Reich Gottes zu kommen,
       als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden,
    wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.

    Gedanken

    Vielleicht kennen sie so ähnliche Situationen, wie ich sie in meiner Arbeit als Seelsorger schon einige Male erlebt habe.

    Da erzählt mir jemand von einer Bekannten, die ganz niedergeschlagen und deprimiert ist. Schlimmes ist in ihrem Leben passiert und sie hat sich daraufhin ganz in sich und ihre Trauer zurückgezogen. Niemand, nicht einmal die besten Freunde und Freundinnen erreichen sie noch mit Trost und Nähe. Ich möchte doch die Bekannte einmal besuchen und gewissermaßen als Profi versuchen, sie aus ihrem Loch herauszuholen. Klar, dass ich das tue, aber das Ergebnis ist niederschmetternd. Trotz meiner Ausbildung in Gesprächsführung und einigen Jahren an Erfahrung gelingt es mir nicht, den Panzer aufzubrechen, den die Trauernde um sich herum errichtet hat.

    Einige Zeit später begegne ich der Freundin und sie erzählt mir, wie sich das Blatt gewendet hat und wie es der Bekannten nun so gut gehe. Als ich sie nach dem Grund frage, erhalte ich zur Antwort: „Es war eigentlich ganz einfach und doch wunderbar: ins Nachbarhaus ist eine junge Frau eingezogen. Die ist gleich am zweiten Tag hingegangen, um sich vorzustellen. Sie hat einen Kuchen mitgebracht und mit ihrer frischen und entwaffnenden Art das Eis gebrochen. Es ist wie ein Wunder.“

    Solche Erfahrungen können einem dann schon einen Stich versetzen. Trotz aller Ausbildung, trotz Auftrages der Kirche hatte ich nichts ausrichten können und dann kommt jemand, ganz ohne jede Ausbildung und ohne Auftrag und das Wunder geschieht.

    Die Jünger erleben im heutigen Evangelium etwas Ähnliches. Da treibt einer Dämonen aus ohne von Jesus beauftragt zu sein und dann auch noch in seinem Namen. Sie sind verletzt und verärgert und sie beschweren sich bei ihrem Meister. Wahrscheinlich erwarten sie, dass er nun die Grenze zieht, den fremden Wundertäter in seine Schranken weist oder sich zumindest von ihm distanziert. Die Beauftragten sind doch schließlich sie, die Apostel und niemand sonst.

    Doch Jesus er reagiert ganz anders, erfrischend anders.

    „Wer nicht gegen mich ist, ist für mich. Hindert ihn nicht daran.“ Das Heil, das von Gott kommen soll, ist so wichtig, dass es nicht nur an äußere Legitimationen gebunden ist. Der Geist Gottes weht wo er will und eben nicht nur da, wo wir es wollen. Das heutige Evangelium ist ein Beispiel für die große Freiheit des Geistes, mit der Jesus seine Botschaft zu den Menschen bringt. Beauftragung und Legitimation sind wichtig, denn die Botschaft soll ja auch Bestand und Dauer haben. Aber wenn das Heil sich ereignet und die Dämonen der Trauer, des Missmutes, des Streites und der Verzweiflung vertrieben werden – sogar im Namen Jesu – dann zählt das Ergebnis und nicht so sehr die äußere Form.

    Haben Sie sich eigentlich schon einmal gefragt, was der Begriff katholisch eigentlich bedeutet? Wir kennen ihn heute oft als einen Begriff der Abgrenzung nach außen und auch nach innen. Traditionalisten reklamieren für sich katholisch zu sein, alles Moderne in unserer Kirche sei nicht mehr wirklich katholisch, manchmal sogar der Papst nicht. In der Reformation und Gegenreformation wurde katholisch sein zur Abgrenzung von den Kirchen der Reformation, mit dramatischen und manchmal grausamen Folgen, bis hin zum Glaubenskrieg.

    Der Begriff katholisch ist aber weit älter, als all die Streitigkeiten und Auseinandersetzungen des 16. Jahrhunderts. Ursprünglich bezeichnet das Wort katholisch alle Christen auf dem Weltkreis. Der Katholikos war der Bereich des Christentums auf dem ganzen Weltenkreis und bezog alle Christen mit ein, die im Namen Jesu auftraten und nach seiner Botschaft lebten und sie verkündeten. Und was unter diesem Namen alles seinen Platz hatte, das ist schier unglaublich. Wir brauchen nur auf die Schar der Heiligen zu schauen. Neben den großen Gestalten wie Benedikt von Nursia oder Ignatius von Loyola gab es auch die Sonderlinge, wie den Heiligen Philip Neri, der mit Witz und Humor das Reich Gottes unter den verwahrlosten Jugendlichen Roms lebte, den Heiligen Franz von Assisi, der als Bettler leben wollte oder den Pfarrer von Ars, einen einfachen Menschen ohne große Bildung, der aber durch seine einfache und überzeugende Art zu leben Christus verkündigte.

    Das heutige Evangelium ruft uns dazu auf, die Augen, die Ohren und die Herzen aufzumachen, um zu entdecken, dass Gottes Heil sich immer wieder ereignet, auch abseits von Beauftragung und Weihe. Der Geist Gottes ist eine Gabe, in der sich Gott verschenkt wann und wo er will. Nehmen sie Gestalten wie Mahatma Ghandi oder Martin Luther King: sie haben auf ihre Weise die Welt von Dämonen befreit und sich dabei auch auf Jesus berufen. Auch durch sie ist das Heil Gottes in die Welt gekommen.

    Kirche ist bunt – und sie muss bunt sein, weil sie sonst den Geist – und damit Gott selbst – einengt und festlegt auf die eigenen Vorstellungen. Buntheit auszuhalten ist aber manchmal auch schwer, denn sie verlangt ein weites Herz mit ganz viel Offenheit. Vielleicht ist das aber auch eine Anregung, wenn wir in ein paar Monaten beginnen, den neuen pastoralen Raum zu gestalten, offen zu sein für Neues und Anderes, Experimente zulassen und Neue Wege zu versuchen.

    „Hindert ihn nicht!“ sagt Jesus zu den Jüngern. Das Heil Gottes ist so wesentlich und wichtig, dass es nicht nur an einen Auftrag oder eine Legitimation gebunden ist. „Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört – Amen, ich sage euch: Er wird nicht um seinen Lohn kommen. Die Taten sind wichtig.

    Jesus ruft uns auch heute dazu auf, hellhörig zu werden auf das Wehen des Geistes in unserer Welt, auf das Wunder das sich auch außerhalb von Beauftragungen und Legitimationen ereignen kann, weil Gott das Heil aller Menschen will. Das II. Vatikanische Konzil hat von den Menschen guten Willens gesprochen, die uns manchmal sogar ein Beispiel gelebten Christseins geben können, ohne selbst Christen zu sein. Der Theologe Karl Rahner hat von den anonymen Christen gesprochen, die nach der Wahrheit suchen und sie zu leben versuchen, ohne selbst zu unserer Kirche zu gehören. Sie können für uns, die Christen, Ansporn sein, immer mehr und überzeugender im Namen Jesu und in seiner Nachfolge zu leben.

    Wo Heil sich ereignet, wo die Dämonen des Leids, der Trauer und des Hasses vertrieben werden, da ist Gott und sein Heiliger Geist selbst gegenwärtig. Gott ist groß in seiner Liebe, größer als alle unsere Vorstellungen von ihm.

    Amen.

  • 25. Sonntag im Jahreskreis-B-2021

    Evangelium: Mk 9,30-37

    In jener Zeit
    zogen Jesus und seine Jünger durch Galiläa.
    Jesus wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr;
    denn er belehrte seine Jünger
    und sagte zu ihnen:
       Der Menschensohn
       wird in die Hände von Menschen ausgeliefert
       und sie werden ihn töten;
    doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen.
    Aber sie verstanden das Wort nicht,
    fürchteten sich jedoch, ihn zu fragen.
    Sie kamen nach Kafárnaum.
    Als er dann im Haus war,
       fragte er sie:
       Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen?
    Sie schwiegen,
       denn sie hatten auf dem Weg miteinander darüber gesprochen,
       wer der Größte sei.
    Da setzte er sich,
    rief die Zwölf
    und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will,
       soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.
    Und er stellte ein Kind in ihre Mitte,
    nahm es in seine Arme
    und sagte zu ihnen:
    Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt,
       der nimmt mich auf;
    und wer mich aufnimmt,
       der nimmt nicht nur mich auf,
       sondern den, der mich gesandt hat.

    Gedanken

    Die Großen fressen eben die Kleinen. Wir erleben es in der Natur, wie das Starke das Schwache verdrängt – Darwin hat es als Kampf ums Dasein bezeichnet, den nur der Stärkere gewinnen kann.

    Wir erleben es in der Wirtschaft – auch da fressen die Großen die Kleinen.

    Wir erleben aber auch – um es gleich zu sagen – dass diejenigen, die zu groß werden wollen auch daran zerbrechen und untergehen können.

    Und unter uns Menschen ist es auch oft so.


    Goethe hat dies in die schönen aber bedenklichen Verse gefasst:
     

        Geh! gehorche meinen Winken,
        Nutze deine jungen Tage,
        Lerne zeitig klüger sein:

        Du musst steigen oder sinken,
        Du musst herrschen und gewinnen
        Oder dienen und verlieren,
        Leiden oder triumphieren,
        Amboss oder Hammer sein.

    Ja, das ist es: "Amboss oder Hammer sein". Amboss, der geschlagen wird oder Hammer, der schlägt. Wer möchte nicht der Hammer sein, d.h. der, der anzuschaffen, der zu befehlen hat, der Obere, der Erste. "Wo es aber Erste gibt, muss es zwangsläufig auch Zweite, Dritte... und Letzte geben. Aufstieg geschieht fast immer auf Kosten anderer. Man muss die anderen verdrängen, um selber hochzukommen. Ein großer Teil der Konflikte unter Menschen rührt aus diesem ewigen Kampf um Ansehen, Erfolg, Macht, Einfluss, Geltung und Autorität."

    Wir erleben es in den Krisenherden unserer Welt immer wieder, derzeit in Afghanistan.

    Wir erleben es in der Firma unter Arbeitskolleg*innen oder auch in Schulen, wenn gemobbt und intrigiert wird.

    Auch unter den Jüngern Jesu gab es diesen Geist der Konkurrenz, wie wir im heutigen Evangelium gehört haben: "Sie hatten unterwegs miteinander darüber gestritten, wer von ihnen der Größte sei. In seiner Antwort scheint Jesus den üblichen Umgang unter Menschen völlig auf den Kopf zu stellen: " Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein." Das Dienen ist seine neue Lebensordnung. Nach dieser "Spielregel " geht es im Reich Gottes zu. Nur wer sich klein macht wie ein Kind, nur wer "Demut", das heißt den "Mut zum Dienen", aufbringt, passt dort hinein."

    Will denn Jesus die Gesetze der Schöpfung auf den Kopf stellen? Ist sein Anspruch nicht fern jeglicher Realität, eine Vorstellung, nach der niemand leben kann ohne zu Grunde zu gehen? Aber sehen wir uns die Worte Jesu genauer an.

    Zunächst sagt Jesus nicht: »Unter euch darf es keinen Ersten geben.« Jesus stimmt durchaus den Gegebenheiten unserer Welt zu, dass es Über- und Unterordnung geben muss, Befehlende und Gehorchende. Es gibt eben verschiedene Aufgaben und Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Gaben.
    Die Menschen sind zwar in ihrer Würde gleich, aber nicht in ihren Fähigkeiten, Leistungen, und Begabungen. So hat Jesus ja auch unter den vielen Jüngern zwölf als Apostel ausgewählt, also Erste, und unter diesen wieder den Petrus zum Allerersten bestimmt.

    Daneben stellt aber nun Jesus das entscheidend Andere: Wenn einer schon ein Erster ist, oben steht, dann soll er sich nicht als "Herr" aufspielen, dem die anderen unterwürfig zu dienen haben, als Herr, der denen besonders gewogen ist, die sich am tiefsten vor ihm verneigen. Nein, er muss der erste Diener sein, er soll zuerst Verantwortung übernehmen, er muss sich als Erster den Schwierigkeiten stellen. Christus selbst hat das beste Beispiel gegeben. Er hat nicht die Jünger ans Kreuz geschickt, sondern er ist zuerst den Kreuzweg gegangen.

    "Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein." Das ist nicht nur ein Wort für den Dienst am Evangelium, sondern auch für den weltlichen Bereich. Fast jeder von uns ist irgendwo ein Erster oder wird es einmal werden, einer, der zu befehlen hat: Schon in der Schule gibt es Erste unter den Schulkameraden, danach in der »Clique«, dann in der Familie, im Beruf, in einem Verein, der Gemeinde usw. Wer etwas zu sagen hat, soll sich aber nicht groß vorkommen und überheblich tun, sondern muss sich klar sein, dass seine Aufgabe ein Dienst an den ihm anvertrauten Menschen ist.

    Das ist nicht nur eine christliche Direktive, sondern das ganz Besondere des Menschen, womit er sich von der Natur unterscheidet. Für den Menschen ist es entscheidend anders. Für ihn gelten nicht einfach die blinden Gesetze der Natur, nicht das Recht des Stärkeren, sondern es gilt das Gesetz der Freiheit, die Fähigkeit der Einsicht, die ihn lehrt das Gute zu erwählen und das Böse zu verwerfen.
    Friede auf der Welt kommt zustande, wenn wir zu leben versuchen, wie Jesus es uns vorgelebt hat oder wie es im Jakobusbrief geschrieben steht: "Wo Eifersucht und Ehrgeiz herrschen, da gibt es Unordnung und böse Taten jeder Art. Doch die Weisheit von oben ist erstens heilig, friedlich, freundlich voll Erbarmen, sie ist unparteiisch und heuchelt nicht. Wo Frieden herrscht, wird von Gott für die Menschen, die Frieden stiften, die Saat der Gerechtigkeit ausgestreut."

  • 24. Sonntag im Jahreskreis-B-2021

    Evangelium: Mk 8,27-35


    In jener Zeit
    ging Jesus mit seinen Jüngern
       in die Dörfer bei Cäsaréa Philíppi.
    Auf dem Weg fragte er die Jünger:
       Für wen halten mich die Menschen?
    Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elíja,
    wieder andere für sonst einen von den Propheten.
    Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?
    Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Christus!
    Doch er gebot ihnen, niemandem etwas über ihn zu sagen.
    Dann begann er, sie darüber zu belehren:
       Der Menschensohn muss vieles erleiden
    und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden;
    er muss getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.
    Und er redete mit Freimut darüber.
    Da nahm ihn Petrus beiseite
       und begann, ihn zurechtzuweisen.
    Jesus aber wandte sich um, sah seine Jünger an
    und wies Petrus mit den Worten zurecht:
       Tritt hinter mich, du Satan!
    Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will,
       sondern was die Menschen wollen.
    Er rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich
    und sagte: Wenn einer hinter mir hergehen will,
       verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
    Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren;
    wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert,
       wird es retten.

     

    Gedanken


    Haben sie sich schon einmal gefragt, was das eigentlich ist, unser Glaube? Warum einige von ihnen regelmäßig hierher zum Gottesdienst kommen, einige vielleicht nur ab und zu – aber doch dann hier sein wollen? Warum der Gedanke an Gott, an Jesus Christus immer wieder auftaucht und wichtig ist für ihr Leben?


    Glaube ist ja für viele Menschen fragwürdig geworden in einer Welt, in der wir alles erklären und beweisen wollen, in der nur die harten Fakten zählen. Glaube ist für viele Menschen schwierig geworden, weil die Lehrsätze der Kirche fragwürdig geworden sind, sie scheinbar keine Verbindung mehr haben zu unserem Leben.


    Das heutige Evangelium gibt uns – meine ich – einen Hinweis darauf, was das eigentlich ist: Glauben.


    Jesus stellt den Aposteln eine Frage, die menschlich gesehen normal ist, die wir in Bezug auf uns selbst auch oft stellen: Für wen halten mich die Leute? Was denken die Leute von mir? Und die Antworten sprudeln nur so heraus aus den Jüngern: Einige halten dich für Johannes den Täufer, die anderen für Elija oder einen der Propheten. Das können sie gut sagen, denn sie sehen ja, wie die Leute auf Jesus reagieren. Dann aber kommt eine Frage – so höre ich es zwischen den Zeilen – die ist nicht so einfach zu beantworten. Die Frage lautet: Für wen haltet ihr mich? Wer bin ich für euch, die ihr mir nachfolgt und mit mir geht?


    Und hinter dieser Frage steckt mehr als nur die Frage danach, wie die Jünger Jesus wohl wahrnehmen. Jesus stellt die Frage nach der Beziehung zu ihm selbst: wer bin ich für euch, was bedeute ich euch, welchen Stellenwert habe ich in eurem Leben?

     

    Die Begebenheit im Evangelium sagt mir: bei Nachfolge und Glauben geht es nicht einfach um lernbare Lehrsätze. Die sind wichtig, weil sie helfen und stützen können – aber manchmal auch eingrenzen und fesseln. Glaube und Nachfolge, das ist eine Beziehung – eine ganz persönliche Beziehung zu Jesus und zu Gott selbst. Petrus drückt es in seinem Bekenntnis aus, wer Jesus für ihn ist: Jesus ist der Gesalbte Gottes, der Retter, der Erlöser, der, auf den ich meine ganze Existenz setze, dessen Liebesangebot ich vertraue. Wenn ich Menschen nach ihren Erfahrungen mit der Kirche frage, dann kommen auf der negativen Seite Erfahrungen mit der Institution Kirche. Werden aber die positiven Erfahrungen benannt, dann haben sie oft mit bestimmten Menschen und mit Beziehungen zu tun.
     

    • Der Pastor, dem konnte man gut zuhören, der war einer, der hatte Verständnis.
    • Da habe ich ganz konkret Hilfe erfahren in meiner Not,
    • eine tolle Jugendgruppe mit gutem Zusammenhalt, wir hatten Spaß in der Gemeinschaft.


    Gute Erfahrungen mit Glauben und Kirche haben meist mit gelungenen Beziehungen zu tun.

    Aber das Evangelium macht auch deutlich, wie gefährdet und wie brüchig Glaube in Beziehung sein kann. Kaum hat Petrus sein persönliches Bekenntnis abgelegt, da hat er auch schon Probleme damit.

    Petrus kann es nicht aushalten, nicht annehmen, dass Jesus so offen vom Tod redet. So weit geht sein Vertrauen dann doch nicht.

    Gerade an der Person des Petrus wird deutlich, wie unser Glaube – unsere Beziehung zu Gott, zu Jesus, geprägt ist von Aufs und Abs unseres Lebens. Aber es wird auch deutlich, wie sehr Glaube eine Beziehung ist. Er ist nichts, das man entdecken kann, wenn man bloß darüber diskutiert und redet. Wirklichen Glauben kann man auch nicht lernen über die Lehrsätze eines Katechismus.

    Wirklichen Glauben, den können wir nur entdecken, wenn wir uns tatsächlich auf die Beziehung zu Gott einlassen, wenn wir bekennen: du bist für mich der Messias, der der mich errettet, dem ich bedingungslos vertraue.

    In einem Buch mit dem Titel: „Der Duft des Himmels - von einem, der auszog, den Glauben zu lernen.“ Da sagt eine junge Frau zur Hauptfigur, einem Journalisten, der seiner sterbenden Mutter den Beweis bringen soll, dass Gott tatsächlich existiert: „Ich traue dem, der den Duft des Himmels riechen kann mehr als dem, der ihn  mir erklären möchte.“ Wer eine eigene Beziehung zu Gott hat, der kann davon weitererzählen, der ist glaubwürdiger und überzeugender, als einer, der nur Gelerntes davon erzählt.

     

    In dem genannten Buch da fragt der Journalist eine junge Frau, wie denn der Himmel rieche? Sie sagt darauf: „Der Himmel duftet nach „Ja, genauso soll es sein.“ Nach „Ich bin gewollt, ich bin geliebt.“ Und „Mir wird vergeben. „ „Einer ist da, der hat alles in der Hand.“ „Ich kann vertrauen, kann glauben, hoffen und lieben. Diese Aussagen machen mir Hoffnung, denn ich höre sie oft bei Tauf-, Trau- oder Trauergesprächen. Die Beziehung zu Gott ist, wenn auch oft verschüttet und flüchtig, immer noch da!

  • 23. Sonntag im Jahreskreis-B-2021

    Evangelium: Mk 7,31-37


    In jener Zeit
       verließ Jesus das Gebiet von Tyrus wieder
    und kam über Sidon an den See von Galiläa,
    mitten in das Gebiet der Dekapolis.
    Da brachten sie zu ihm einen, der taub war und stammelte,
       und baten ihn, er möge ihm die Hand auflegen.
    Er nahm ihn beiseite,
    von der Menge weg,
    legte ihm die Finger in die Ohren
    und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel;
    danach blickte er zum Himmel auf,
    seufzte
    und sagte zu ihm: Effata!,
    das heißt: Öffne dich!
    Sogleich öffneten sich seine Ohren,
    seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit
    und er konnte richtig reden.
    Jesus verbot ihnen, jemandem davon zu erzählen.
    Doch je mehr er es ihnen verbot,
       desto mehr verkündeten sie es.
    Sie staunten über alle Maßen
       und sagten: Er hat alles gut gemacht;
    er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.

     

    Gedanken:

    Vieles, was heute geschieht, macht mich sprachlos.

    Wenn ich sehe, was in Afghanistan geschieht, dann machen mich Trauer, Wut und Enttäuschung sprachlos. Was tun Menschen anderen Menschen an? Wie verachtend gehen sie mit ihresgleichen um? Es ist einfach unbegreiflich und man möchte gar nicht hinschauen.
    Wenn ich von unseren Geflüchteten in Hermeskeil zaghafte Berichte höre von ihrer Flucht und was sie erlebt haben, erleben mussten, dann fehlen mir die Worte.

    Und wenn  ich mir die Bilder aus den Katastrophengebieten ansehe, vor kurzem ganz in unserer Nähe, dann fühle ich mich ohnmächtig und hilflos.

    Vieles ist es, was mir die Sprache raubt, mir den Mund verschließt, weil es zu schrecklich ist, auch in unserer Kirche.

    „Effata!“ – dieses aramäische Wort – aus der Muttersprache Jesu – ist das wichtigste Wort des heutigen Evangeliums. So wichtig ist es, dass es Eingang gefunden hat in unseren Taufritus. „Effata!“ – „Öffne dich!“ nur ein kleines Wort, das aber über jeden, der Christ werden will, gesprochen wird. Und im Zusammenhang mit der heutigen Lesung gewinnt es eine grundlegende Bedeutung für uns als Christen und für unsere Kirche.  Für wen oder für was sollen wir uns öffnen? Im Taufritus geht es um das Wort und die Botschaft Gottes, die aufgenommen werden sollen, für die sich der Christ öffnen und für die er auch den Mund öffnen soll.

    Was das bedeuten kann, davon spricht die Lesung aus dem Jakobusbrief.

    „Haltet den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus frei von jedem Ansehen der Person. – Hat Gott nicht die Armen auserwählt, um sie zu Erben seines Königreiches zu machen?“

    Vergegenwärtigen wir uns dazu einmal die Bilder aus den Medien anlässlich der Finanzkrise, die uns vor einigen Jahren belastet hat: Chefs der Banken und Großunternehmen werden im Kanzleramt vorstellig. Sie fahren vor mit Chauffeur und großem Wagen. Eine Bürgschaft von 500 Milliarden Euro wird zugesagt, dazu 80 Milliarden Soforthilfe. In Amerika kamen die Bittsteller in ihren Privatjets zu den Politikern.

    Das Kindergeld dagegen wird um 10 Euro erhöht, bei Harz-IV Empfängern aber wieder abgezogen.
     

    Ähnliche Bilder auch bei Großereignissen der Kirchen – etwa beim Weltjugendtag: auf dem Altarberg in Köln alles schön hierarchisch geordnet: Ganz oben der Papstthron. Darum herum die Kardinäle und Bischöfe, weiter unten die Priester, die Ehrengäste und dann die Jugendlichen. Auch wenn es oft organisatorisch nicht anders geht – der Papst muss erhöht stehen, weil ihn sonst niemand sieht – die Frage bleibt, ob dieses Bild der Botschaft der heutigen Lesung entspricht. „Wenn in eure Versammlung ein Mann mit goldenen Ringen und prächtiger Kleidung kommt, und zugleich kommt ein Armer mit schmutziger Kleidung – macht ihr dann untereinander Unterschiede und fällt Urteile aufgrund verwerflicher Überlegungen?“


    Sicher: es gibt auch die Gegenbilder. Da sind die Caritassammlungen, die Tafeln – auch in unserer Gemeinde – Menschen, die sich in Besuchsdiensten engagieren oder einfach wie selbstverständlich Nachbarschaftshilfe leisten. Viele Menschen setzen ihre Zeit und ihre Kraft und auch ihr Vermögen für diese Aufgaben ein. Eine ganze Reihe tun dies aus ihrer christlichen Verantwortung heraus und leben den Auftrag Jesu so auf ihre Weise und mit ihren Möglichkeiten.  Sie öffnen ihre Augen und ihr Herz für diejenigen, die auf die Hilfe anderer angewiesen sind, sie schauen auf die Bedürftigen, die Benachteiligten und geben ihnen dadurch Ansehen und Wertschätzung. Auch Jesus konnte sein Effata nur sprechen, weil er selbst offene Augen und Ohren - und vor allem ein offenes Herz hatte für die Armen und um Hilfe Schreienden. Ich sehe noch die vielen Gäste vor mir die zu den Festessen der Tafel kamen, wenn unsere Tafelkunden eingeladen waren. Nach dem Fest kam eine ältere Frau auf mich zu und bedankte sich unter Tränen für diesen herrlichen Nachmittag. „Es war so schön hier zu sein.“


    Diese Frau konnte sich selbst öffnen, weil sie erfahren hat: Menschen haben sich für sie geöffnet, waren offen für sie. Menschen haben ihr, so wie Jesus dem Taubstummen, Ansehen gegeben, Wertschätzung und Zuwendung.


    Lesung und Evangelium des heutigen Sonntags mahnen und klagen an, auch uns heute. Aber sie bieten uns auch eine Vision, die dem heutigen Zeitgeist entgegensteht: eine Gemeinschaft von Menschen sollte die Kirche sein, die für die Würde eines jeden Menschen einsteht, die offene Ohren und Herzen hat für die Not der Menschen und ihrem Schreien Stimme verleiht. Eine Kirche, die nicht ausgrenzt, indem sie Menschen ihren Platz unten oder oben zuweist, sondern Menschen integriert in eine große Gemeinschaft, in der jeder seine Würde hat, weil er ein Kind Gottes ist. Eine solche Gemeinschaft ist möglich sagen uns Lesung und Evangelium des heutigen Tages. Lassen wir das „Effata“ Jesu auf uns wirken, das bei der Taufe über einen jeden von uns ausgerufen wurde. Öffnen wir unsere Ohren, um zu hören und unseren Mund, um dieser Botschaft Jesu Stimme zu geben.

    Vielleicht kann das dann ein Vorbild sein für unsere Welt, ein Vorbild, das sich der Welt, die sprachlos und stumm macht, entgegenstellt. Ein Effata-Ruf der eine Alternative aufzeigt.

     

    Fürbitten:

    Jesus berührt die Menschen in Not
    und lässt sie und uns
    sehen und hören, sprechen und handeln.
    Die Not in unserer Welt berührt auch uns;
    wir dürfen sie Gottes Liebe anvertrauen in unseren Bitten:

    • Wir sehen heftige Stürme und gewaltige Wasserfluten
      und beten für die Menschen, deren Leben davon zerstört ist
          und die alles verloren haben.
      Und für die vielen, die ihnen zu Hilfe eilen –
      jetzt, zeitnah und so lange wie nötig.
      Jesus, unser Bruder:
       
    • Wir hören von den Menschen in Afghanistan,
          die Angst haben müssen vor dem neuen Regime.
      Wir beten für alle, die getötet oder verletzt worden sind;
      für die vielen, die noch auf Rettung warten und das Land verlassen wollen.
      Und für die Nachbarländer und die anderen, die jetzt Menschen in Not aufnehmen.
      Jesus, unser Bruder:
       
    • Wir schauen auf die letzten Wochen vor den Wahlen
      und hoffen, dass möglichst viele verantwortlich entscheiden und wählen werden.
      Wir beten für alle, die für Mandate und Ämter kandidieren
          und den Zusammenhalt stärken wollen durch Achtsamkeit, Solidarität und Gerechtigkeit.
      Jesus, unser Bruder:
       
    • Voller Hoffnung gehen in diesen Wochen Kinder und Jugendliche wieder zur Schule
          oder starten in eine Ausbildung.
      Wir beten für sie und für alle, die noch keinen Platz gefunden haben;
      und für die Erwachsenen, die ihnen helfen, gesund zu bleiben und zuversichtlich
          und einen guten Weg für’s Leben zu finden.
      Jesus, unser Bruder:
       
    • Menschen sterben in der Hoffnung,
      dass das Leben weiter geht nach ihrem Tod.
      Manche hoffen auf das ewige Leben in deiner Gegenwart.
      Andere können nicht an ein Weiterleben glauben:
      Für all diese Menschen bitten wir,
      dass du sie aufnimmst in deine liebende Gegenwart.
      Jesus, unser Bruder:
       

    Jesus Christus, du hast alles gut gemacht
    und bist die Hoffnung auch für unsere Zeit.
    Wir danken dir und loben dich mit dem Vater
    im Heiligen Geist – heute und morgen und bis in deine Ewigkeit. Amen

     

  • 22. Sonntag im Jahreskreis-B-2021

    Evangelium:  Mk 7,1-8. 14-15. 21-23

    In jener Zeit
    versammelten sich die Pharisäer
       und einige Schriftgelehrte,
       die aus Jerusalem gekommen waren,
       bei Jesus.
    Sie sahen, dass einige seiner Jünger ihr Brot
       mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen Händen aßen.
    Die Pharisäer essen nämlich wie alle Juden nur,
       wenn sie vorher mit einer Handvoll Wasser
       die Hände gewaschen haben;
    so halten sie an der Überlieferung der Alten fest.
    Auch wenn sie vom Markt kommen,
       essen sie nicht, ohne sich vorher zu waschen.
    Noch viele andere überlieferte Vorschriften halten sie ein,
       wie das Abspülen von Bechern, Krügen und Kesseln.
    Die Pharisäer und die Schriftgelehrten fragten ihn also:
       Warum halten sich deine Jünger
       nicht an die Überlieferung der Alten,
    sondern essen ihr Brot mit unreinen Händen?
    Er antwortete ihnen: Der Prophet Jesája hatte Recht
       mit dem, was er über euch Heuchler sagte,
    wie geschrieben steht:
       Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen,
    sein Herz aber ist weit weg von mir.
    Vergeblich verehren sie mich;
    was sie lehren, sind Satzungen von Menschen.
    Ihr gebt Gottes Gebot preis
       und haltet euch an die Überlieferung der Menschen.

    Dann rief Jesus die Leute wieder zu sich
    und sagte: Hört mir alle zu
    und begreift, was ich sage!
    Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt,
       kann ihn unrein machen,
    sondern was aus dem Menschen herauskommt,
       das macht ihn unrein.

    Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen,
       kommen die bösen Gedanken,
    Unzucht, Diebstahl, Mord,
    Ehebruch, Habgier, Bosheit,
    Hinterlist, Ausschweifung,
    Neid, Lästerung, Hochmut und Unvernunft.
    All dieses Böse kommt von innen
       und macht den Menschen unrein.

     

    Hygiene und Hygieneregeln spielen in der gegenwärtigen Zeit eine große Rolle. Da ist die A-H-A Regel: Atemschutz – Hygiene – Abstand halten.
    Wir werden ständig daran erinnert – nicht nur am Eingang der Arztpraxen, sondern am Eingang eines jeden Supermarktes, beim Betreten öffentlicher Gebäude und sogar beim Betreten der Kirche. Handdesinfektion am Eingang, Abstandsregeln und vieles mehr. A-H-A ist uns nach 1 ½ Jahren der Einübung in Fleisch und Blut übergegangen. Und ich glaube, es ist den meisten Menschen inzwischen klar, dass diese Regeln wichtig sind, denn sie schützen tatsächlich vor der Gefahr einer Covid-Infektion und verringern das Risiko. Nebenbei: auch andere Infektionen haben sich verringert. Hygieneregeln sind also sinnvoll, das wissen wir gerade nach Covid alle.


    Deshalb könnten wir auch Verständnis haben für die Priester und Schriftgelehrten, die Jesus wegen des Verhaltens der Jünger tadeln. Diese pflücken Feldfrüchte ab und essen sie, ohne sich vorher die Hände zu waschen. Auch das Brot verzehren sie mit ungewaschenen Händen. Und wir müssten eigentlich Jesus widersprechen, der die Schriftgelehrten tadelt.

    Aber was meint Jesus eigentlich, wenn er die Schriftgelehrten rügt. Jesus ist nicht gegen Hygiene und Reinlichkeit. Aber Reinheit bei den meisten der Schriftgelehrten hatte einen religiösen Hintergrund. Und diese Reinheit wurde oft nur noch rein äußerlich verstanden. Unreinheit bedeutete auch kultisch unrein zu sein, dh. Getrennt von der Gottesdienstgemeinschaft. Das Übergießen der Hände mit Wasser wurde zum Kriterium, ob jemand Gott nahekommen durfte oder nicht.
    Jesus dagegen entgegnet den Schriftgelehrten: nicht was von außen an den Menschen herankommt macht ihn Unrein, sondern das, was in seinem Herzen ist, kann ihn von Gott trennen. Und Jesus nennt einige dieser Haltungen beim Namen:  
    „die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit,
    Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Lästerung, Hochmut und Unvernunft.“

     

    Es kommt auf das Herz an, nicht nur auf äußere Rituale. Es kommt darauf an, dass die Rituale, die ich vollziehe, gerade die religiösen, etwas mit meiner Haltung, mit meinem Herzen zu tun haben. Einen Hinweis darauf gibt auch das Ritual der Handwaschung im Anschluss an die Gabenbereitung. Es kommt nicht nur darauf an, dass wir uns die Hände waschen, um hygienisch sauber zu sein. Das tun wir in Zeiten von Covid 19 zusätzlich.
    Bei der Handwaschung betet der Priester: „Herr, wasche ab meine Schuld, von meinen Sünden mache mich rein.“
    Im Jakobusbrief, den wir eben gehört haben, heißt es:
    „Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott, dem Vater, ist der:
    die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen und sich selbst von der Welt unbefleckt halten.“
    Es geht um das Herz, das sich bereiten möchte für die Feier der Eucharistie.
    Innen und Außen – mein Leben und mein Herz müssen übereinstimmen und wo sie es nicht tun, müssen wir Gott demütig bitten, uns zu vergeben.
    Äußere Formen sind wichtig, aber sie ersetzen nicht die innere Haltung.
    Aber auch: niemand von uns ist vollkommen. Es bleibt also die Demut, die in der Liturgie zum Ausdruck kommt wenn der Priester spricht: „Betet, Brüder und Schwestern, dass mein und euer Opfer dem allmächtigen Vater gefalle.“ Und alle antworten: „Der Herr nehme das Opfer an aus deinen Händen zum Lob und Ruhm seines Namens, zum Segen für uns und seine ganze heilige Kirche.“
    Amen.

     

    Fürbitten:
     

    Wir haben Gottes Wort gehört.
    Es wirkt in uns und lässt uns wahrnehmen, was in diesen Tagen geschieht.  
    Wir sehen die Nöte von Menschen und die Anliegen unserer Welt
    und bringen sie vor Gott:

     

    • Wir bringen vor dich die militärisch und politisch Verantwortlichen:
      ihre Rettungsaktionen, spät, überstürzt und gefahrvoll;
      ihre Fehleinschätzungen und den mutigen Einsatz von so vielen.
      Auch die Frauen und Männer in humanitären Einsätzen weltweit,
      in Entwicklungshilfeprojekten und Friedensdiensten bringen wir vor dich.
      Du guter Gott:
       
    • Wir bringen vor dich die Menschen in unserem Land,
      die sich um ein politisches Mandat bewerben;
      die vielen Ehrenamtlichen in Vereinen und Gemeinden;
      und alle, die sich in Initiativen und Verbänden und zu Hause engagieren
      für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung.
      Du guter Gott:
       
    • Wir bringen vor dich die Kinder und Jugendlichen,
      die Lehrerinnen und Lehrer, die jetzt unter Pandemie-Bedingungen wieder in die Schulen gehen;
      und die Menschen in pflegerischen und medizinischen Berufen,
      in Beratung und Therapie.
      Du guter Gott:
       
    • Wir bringen vor dich Männer und Frauen,
      die bei den Paralympics im fairen Wettstreit stehen;
      alle, die immer wieder die eigenen Grenzen überwinden;
      alle, die ein gutes Miteinander leben und zu fairer Auseinandersetzung bereit sind.
      Du guter Gott:
       
    • Wir bringen die Menschen vor dich, die Gottes Wort hören
      und ihren Glauben leben wollen;
      auch die Menschen, die sich von der verfassten Kirche abgewandt haben –
      enttäuscht, entfremdet oder im Protest.
      Du guter Gott:
       
    • Wir bringen vor dich die Frauen und Männer,
      die der Bischof neu zum pastoralen Dienst im Bistum Trier beauftragt hat;
      und auch die Gemeinden und die Menschen, mit denen sie unterwegs sind
      an vielen „Orten von Kirche“.
      Du guter Gott:
       
    • Wir bringen vor dich, Dr. Oko.
      Beschütze ihn auf seiner Reise nach Nigeria;
      lass ihn gut in seinem Heimatland ankommen.
      Wir bringen vor dich auch seine Familie und alle Menschen in Nigeria.
      Du guter Gott:

     

    Du unser Gott, steh du uns allen bei
    und hilf uns, dich in Wort und Tat zu lieben;
    denn wir leben aus deiner Liebe
    und jeder guten Gabe, die von Dir, Gott, kommt heute und immer und in Ewigkeit. Amen

     

     

     

  • 21. Sonntag im Jahreskreis-B-2021

    Evangelium  Joh 6, 60 – 69

    In jener Zeit
       sagten viele seiner Jünger, die ihm zuhörten:
       Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören?
    Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten,
    und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß?
    Was werdet ihr sagen,
       wenn ihr den Menschensohn aufsteigen seht,
       dorthin, wo er vorher war?
    Der Geist ist es, der lebendig macht;
    das Fleisch nützt nichts.
    Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe,
       sind Geist und sind Leben.
    Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben.
    Jesus wusste nämlich von Anfang an,
       welche es waren, die nicht glaubten,
       und wer ihn ausliefern würde.
    Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt:
       Niemand kann zu mir kommen,
       wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.
    Daraufhin zogen sich viele seiner Jünger zurück
       und gingen nicht mehr mit ihm umher.
    Da fragte Jesus die Zwölf:
       Wollt auch ihr weggehen?
    Simon Petrus antwortete ihm:
    Herr, zu wem sollen wir gehen?
    Du hast Worte des ewigen Lebens.
    Wir sind zum Glauben gekommen
       und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

     

    Gedanken:

    Was ist das eigentlich – unser Glaube?
    Glaube ist eine Entscheidung.
    Glaube ist die Entscheidung, Gott in meinem Leben einen Platz zu geben – und zwar einen entscheidenden, einen zentralen Platz. Es ist die Entscheidung, diesem Gott zu vertrauen und mein Leben ganz und gar leiten zu lassen von seinem Willen. Diese Entscheidung wird mit der Taufe getroffen. Bei kleinen Kindern von den Eltern, wenn sie selbst diesem Gott in ihrem Leben einen Platz gegeben haben. Oder vom Täufling selbst, wenn er schon die Fähigkeit hat, sich zu entscheiden. Oft sind es Worte der Bibel, die zur Entscheidung führen, besonders die Worte Jesu und sein Leben wie sie in den Evangelien bezeugt werden. Genauso oft oder öfter sind es aber auch die Lebenszeugnisse glaubwürdiger Christen, die ich erfahre – oft sogar in meiner unmittelbaren Lebenswelt.

    Aber was ist dann nach der Taufe? Oft haben wir zwar die Entscheidung getroffen, aber unser Alltag, die Lebensumstände und das, was uns Tag für Tag abverlangt wird führen dazu, dass diese Entscheidung immer undeutlicher wird. Wir erleben Vieles, was diese Entscheidung in Frage stellt oder sie einfach überlagert. Das war zu allen Zeiten in der Kirche so. Zweifel entstehen und manchmal taucht die Frage auf, ob der Glaube überhaupt noch einen Sinn hat. Manchmal sind das persönliche und belastende Erfahrungen, schlimme Ereignisse im Weltgeschehen, wie die Hungerkatastrophen, Kriege mit all ihren Folgen, die Flutkatastrophe ganz in unserer Nähe. Manchmal sind es auch Ereignisse in der Kirche selbst, die sich unserem Glauben entgegenstellen: die vielen Missbrauchserfahrungen oder andere negativen Erfahrungen mit „Gottes Bodenpersonal“.

    All das kann das Vertrauen und den Glauben an Gott schwer belasten. Viele Menschen ziehen auch die Konsequenz und wenden sich ab von unserer Kirche, indem sie ihren Austritt erklären. In unserer Gemeinde waren das in diesem Jahr bereits 80 Menschen.

    Das heutige Evangelium stellt uns heute eine ähnliche Situation vor Augen. Die Menschen haben die Brotvermehrung erlebt – ein großartiges Wunder Jesu. Das ist ihre Erwartung an den Messias: er wird all unsere Probleme lösen, gerade auch die materiellen. Er wird satt machen und Brot geben.
    Als aber Jesus ein viel tiefergehendes Vertrauen einfordert, ein Vertrauen, das ihn selbst als das Brot des Lebens annimmt, wenden sich viele Menschen , die vorher gefolgt sind ab. „Deine Rede ist hart!“ sagen sie und gehen weg.
    Ich kann mich gut in Jesus einfühlen, in seine Enttäuschung, als viele Menschen sich abwenden.
    Er fragt die Zwölf: “Wollt auch ihr gehen?“
     

    Martin Luther hat einmal gesagt, man solle jeden Tag neu in die Taufe hineinkriechen, damit man frisch belebt wieder daraus hervorkommt. Eine kraftvolle Aussage, die deutlich macht: Taufe ist kein einmaliger Zeitpunkt in unserem Leben, ein Ritus, der einmal getan für immer unser Leben prägt. Für Gott selbst ist das so; aber für uns unvollkommene Menschen gilt es, sich die Taufe immer wieder neu bewusst zu machen, in sich den Glauben jeden Tag immer wieder neu zu beleben.
     

    Und das ist wichtig, weil Jesus tatsächlich unser Leben reich machen kann. Im Vertrauen auf ihn kann ich Richtung und Halt finden für mein Leben. „Wohin sollten wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens.“ Sagen die Apostel.
    Jeder von uns hat bestimmt schon einmal in der Vergangenheit Gottes Güte erfahren. Seine Worte haben uns früher mal zum Leben geführt. Versuchen Sie sich einmal an solche Momente zu erinnern. Die Erinnerung an vergangene Gnadenerweise gibt uns den Mut, weiterzugehen, Vertrauen zu leben, selbst, wenn keine Wunder passieren – nicht einmal dann, wenn wir sie dringend bräuchten...

    Amen.


    Fürbitten:

    Gott ist das ewige Leben.
    Er hilft, wenn alles aussichtslos erscheint. Ihn dürfen wir bitten:

     

    • Beten wir für die Menschen in Afghanistan,
         die leiden und voller Furcht sind, was kommen mag.
      Für die „Ortskräfte“ und ihre Familien, die um ihr Leben bangen.
      Und für alle, die jetzt noch für ihre Rettung arbeiten.
      Guter Gott:
       
    • Für die Frauen und Mädchen in Afghanistan, die ihre Freiheit und Entwicklung in  Gefahr sehen. Für alle, die sich auf den  gefahrvollen Weg der Flucht begeben. Guter Gott:
       
    • Für alle Herrschenden, die dem  Wohl der Menschen dienen
          statt Machtinteressen und Profit zu verfolgen.
      Für Politikerinnen und Politiker, denen der Schutz von Menschen vor Tod, Flucht und Vertreibung wichtiger ist als der Wahlkampf.
      Guter Gott:
       
    • Beten wir für die Menschen in Haiti nach dem Erdbeben;
      und für alle in der ganzen Welt, die unter den Folgen des Klimawandels, unter Bränden und Unwettern leiden müssen.
      Für alle, die  ihr Leben, ihre Heimat und ihre Existenz bedroht sehen
      Guter Gott:
       
    • Beten wir für alle von Corona Betroffenen:
      Für die von Krankheit oder Existenznot Bedrohten.
      Für alle, die sich vor der Impfung fürchten.
      Für alle, die sich von den Schutzregeln eingeschränkt und  verunsichert fühlen.
      Guter Gott:
       
    • Beten wir inmitten großer Veränderungen um Führung durch Gottes ewigen Geist:
      für Menschen, die inmitten von Hass die Liebe vorleben;
      für alle, die nicht verurteilen, sondern Gott in allem sehen.
      Für die jungen Menschen und alle, die Gottes Schöpfung schützen und bewahren wollen.
      Guter Gott:
       
    • Beten wir auch für unsere ganz persönlichen Anliegen
         und für unsere Nächsten
      und für alle, die aus diesem Leben geschieden sind.
      Guter Gott:
       

    Guter Gott, du hast Worte ewigen Lebens.
    Erfülle damit unser Denken und Fühlen,
    damit wir handeln in deinem Geist. Amen.

     

  • 17. Sonntag im Jahreskreis-B-2021

    Evangelium  Joh 6, 1 – 15

    In jener Zeit
       ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa,
       der auch See von Tiberias heißt.
    Eine große Menschenmenge folgte ihm,
       weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.
    Jesus stieg auf den Berg
       und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder.
    Das Pas-cha, das Fest der Juden, war nahe.
    Als Jesus aufblickte
       und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen,
       fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen,
       damit diese Leute zu essen haben?
    Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen;
    denn er selbst wusste, was er tun wollte.
    Philippus antwortete ihm:
       Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus,
       wenn jeder von ihnen
       auch nur ein kleines Stück bekommen soll.
    Einer seiner Jünger,
       Andreas, der Bruder des Simon Petrus,
       sagte zu ihm:
    Hier ist ein kleiner Junge,
    der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische;
    doch was ist das für so viele?
    Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen!
    Es gab dort nämlich viel Gras.
    Da setzten sie sich;
    es waren etwa fünftausend Männer.
    Dann nahm Jesus die Brote,
    sprach das Dankgebet
    und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten;
    ebenso machte er es mit den Fischen.
    Als die Menge satt geworden war,
       sagte er zu seinen Jüngern:
       Sammelt die übrig gebliebenen Brocken,
       damit nichts verdirbt!
    Sie sammelten 
       und füllten zwölf Körbe mit den Brocken,
       die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.
    Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte,
       sagten sie: Das ist wirklich der Prophet,
       der in die Welt kommen soll.
    Da erkannte Jesus,
       dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen
       und zum König zu machen.
    Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück,
    er allein.

     

    Gedanken

     

    Liebe Schwestern und Brüder,

    Ein tolles Wunder, das wir da vom Evangelisten Johannes erzählt bekommen. Mehr als 5000 Menschen werden von Jesus satt gemacht. Ein mächtiges Zeichen, das Jesus da tut. Viele Menschen hat Jesus satt gemacht durch sein Wunder und sogar 12 Körbe sind übriggeblieben. Welch ein Überfluss!

    Manchmal denke ich mir: „Wäre das nicht die Lösung für allen Hunger der Welt. Wir bräuchten keinen Gen-Mais. Wir müssten den Regenwald nicht roden und die Trockenheit in manchen Gebieten der Erde würde uns nicht mehr so beschäftigen.“

    Wir könnten uns fragen, warum Jesus seinen Jüngern nicht genau gezeigt hat, wie es funktioniert mit der Vermehrung von Brot. Die Jünger und in ihrer Nachfolge auch wir könnten damit so viel Gutes tun.

    Wenn wir das auch könnten, dann wäre die Welt doch gerettet! Dann könnten wir auch heute den Hunger in aller Welt besiegen! Dann bräuchte niemand mehr Not leiden! Das ist doch eine tolle Vorstellung, nicht wahr?

    Sicher, das ist eine tolle Vorstellung, aber doch auch zu kurz gedacht.

    Es geht im heutigen Evangelium nicht nur darum, dass Menschen, die hungrig sind, satt gemacht werden.

    Ein kleines Detail, scheint dem Evangelisten Johannes so wichtig, dass er es in sein Evangelium aufgenommen hat. Ich meine den Jungen mit den fünf Broten und den zwei Fischen, auf den der Apostel Andreas Jesus aufmerksam macht. Es ist nur weniges, was der Junge beitragen kann – fünf Brote und zwei Fische – wirklich nicht viel für mehr als 5000 Menschen. Und doch, so will der Evangelist vielleicht sagen, und doch geht es ohne das Zutun des Jungen nicht.

    Vielleicht haben sie sie auch gesehen, die großen Schilder, die vor einiger Zeit an den Autobahnen an der Grenze zum Saarland aufgestellt wurden: „Aus Kleinem entsteht Großes!“, steht darauf zu lesen. Sie gehören zu einer Imagekampagne des Saarlandes. Der Slogan drück! etwas von dem aus, was Johannes mit seinem Evangelium sagen will: aus Kleinem kann tatsächlich Großes entstehen, wenn wir bereit sind – wie der kleine Junge im Evangelium, unseren Teil zur Verfügung zu stellen. Und wenn wir bereit sind auch Gott mittun zu lassen, indem wir ihn hineinnehmen in unser Tun. Er wird dann dazugeben, was fehlt und alle werden im Überfluss haben.

    Wenn ich an die Unwetterkatastrophe in der Eifel und in Nordrheinwestfalen denke, mit den vielen Todesopfern, den Zerstörungen und der akuten Not der Betroffenen, dann kommen mir auf der einen Seite die Bilder und Berichte von Zerstörung und Leid in den Sinn. Dann aber auch die Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität. Geld- und Sachspenden, die die größte Not lindern sollen, aktive Mithilfe bei den Aufräumarbeiten, tröstende Worte und Zeichen der Anteilnahme. Manchmal wird daraus ein echtes Wunder für alle Betroffenen.

    So ist das übrigens oft im Leben: Wenn in Rascheid an diesem Sonntag die Annakirmes gefeiert wird, dann geht das nicht, ohne das Menschen aus Rascheid ihren Teil dazu beitragen – ihre Fähigkeiten und Talente für die Gemeinschaft einsetzen. Ein Fest können wir nur miteinander und füreinander feiern.

    Und auch unsere Pfarrgemeinde wird nicht lebendig werden, wenn nicht Menschen ihre Gaben und Talente einbringen für die Gemeinschaft. Im Herbst ist das wieder wichtig, wenn unsere Gemeindemitglieder zur Wahl des Pfarrgemeinderates aufgerufen werden. Es ist wichtig, dass Menschen sich engagieren wollen und ihre Talente einbringen. Deshalb überlegen Sie es Sich wohlwollend, wenn sie zur Kandidatur vorgeschlagen werden oder sich selbst einbringen möchten.

    Gottes Wunder kann immer dann geschehen, wenn wir uns einbringen mit dem Kleinen was wir selbst haben oder können. Und es geht dabei nicht darum, möglichst viel zu leisten oder zu geben. Jeder so, wie er kann, aber das von Herzen.

    Wie gesagt: fünf Brote und zwei Fische können genug sein, wenn wir Gott mit hinein nehmen in unser Leben und Tun.

    Gott aber, so erzählt das heutige Evangelium wird aus seinem Überfluss dazu geben, was fehlt, damit alle in Fülle haben. Gottes Großzügigkeit wird auffüllen, was uns fehlt. Ich wünsche allen Rascheidern, dass die Anna-Kirmes, die heute gefeiert wird, solch ein wunderbares Erlebnis wird. Dass nämlich da, wo Menschen ihren Beitrag mit hineingeben in das Tun Gottes, etwas von der Fülle erfahrbar wird, die Gott uns schenken will. Und das auch dann, wenn der eigene Beitrag nur sehr bescheiden ist.

    Amen.

     

    Fürbitten

     

    Jesus Christus teilt Brot und Fisch an die Menschen aus,
    und alle werden satt.
    Not und Verzweiflung übersteigen gerade
    unsere eigenen Möglichkeiten des Trostes und der Hilfe;
    so vertrauen wir auf seinen Beistand.

     

    • Wir denken an die Menschen,
      die von der überwältigenden Flutkatastrophe betroffen sind:
      an die Verstorbenen,
      an alle, die um sie trauern,
      an die Menschen, die noch immer vermisst werden.
      Jesus, unser Bruder.
       
    • Lasst uns beten für alle,
      die ihr Lebenswerk und ihre Existenzgrundlage und viele Erinnerungen
      in den Fluten verloren haben,
      für alle, die um ihre Häuser und Wohnungen noch bangen
      und nicht in die zerstörten Dörfer und Städte zurückkehren können.
      Jesus, unser Bruder.
       
    • Wir denken an die vielen Helferinnen und Helfer,
      die mit seit Tagen Schlamm und Schutt wegräumen
      und den Lebensraum wieder bewohnbar machen wollen.
      Lasst uns beten für alle, die mit tatkräftiger Hilfe,
      mit Geräten und mit Spenden den Schmerz der Menschen über ihre Verluste mildern können.
      Jesus, unser Bruder,
       
    • Wir schauen mit Sorge auf die wieder ansteigenden Corona-Infektions-Zahlen,
      auf die Menschen, die endlich eine frohe Urlaubszeit genießen möchten.
      Jesus, unser Bruder.
       
    • Lasst uns beten für alle, die in Krankenhäusern, Arztpraxen und Impfzentren
      an der Eindämmung der Pandemie arbeiten;
      für die vielen, die sich noch für die Impfung entscheiden können.
      und für alle, die weiter vorsichtig sind und sich selbst und andere schützen.
       
    • Wir denken an die jungen Menschen,
      die vor fünf und vor zehn Jahren in München und in Norwegen
      Opfer von Gewalttaten wurden.
      Lasst uns beten für alle, die in unserem Land und weltweit
      die Erinnerung an die Opfer wachhalten
      und sich einsetzen gegen Hass und Gewalt.
      Jesus, unser Bruder.
       
    • Lasst uns beten für die Politikerinnen und Politiker,
      die den Wahlkampf für die Bundestagswahl begonnen haben;
      für alle, denen es gelingt, den Menschen offen und verständnisvoll zuzuhören
      und die ihre politischen Ziele an Gerechtigkeit, Frieden
      und der Bewahrung der Schöpfung auszurichten.
      Jesus, unser Bruder.
       
    • Wir schauen auf die Sportlerinnen und Sportler, die um olympische Medaillen kämpfen.
      Lasst uns beten für alle, die faires Miteinander suchen,
      die Freude an der eigenen Leistung in den Wettkämpfen spüren,
      und die sportlichen Werte weltweit übertragen.
      Jesus, unser Bruder.

     

    Jesus Christus, wenn in großem Leid jeder Trost versagt,
    sind wir dankbar für dein Beispiel:
    du stärkst die Menschen mit deinem Brot und deinem Wort.
    Dabei wollen wir dir folgen.
    Auf deine Nähe vertrauen wir –
    jetzt und bis in deine Ewigkeit. Amen.

     

  • 16. Sonntag im Jahreskreis-B-2021

    Evangelium - Mk 6,30-34


    In jener Zeit
       versammelten sich die Apostel, die Jesus ausgesandt hatte,
       wieder bei ihm
    und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten.
    Da sagte er zu ihnen:
       Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind,
    und ruht ein wenig aus!
    Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen,
    so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen.
    Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend,
       um allein zu sein.
    Aber man sah sie abfahren
    und viele erfuhren davon;
    sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin
       und kamen noch vor ihnen an.
    Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen
       und hatte Mitleid mit ihnen;
    denn sie waren wie Schafe,
       die keinen Hirten haben.
    Und er lehrte sie lange.

    Gedanken

    Vom Heiligen Franz von Sales wird der Satz kolportiert: „Eine halbe Stunde Meditation ist absolut notwendig, außer, wenn man sehr beschäftigt ist, dann braucht man eine ganze Stunde.“ In Managerfortbildungen wird sinngemäß ebenso geraten: „Sollten sie vor lauter Arbeit keine Zeit mehr haben, nicht einmal zum Essen, und nicht mehr wissen, ob sie dies oder jenes zuerst tun sollen, dann machen sie am besten ein paar Tage Urlaub.“ 
    Das ist bestimmt ein guter Ratschlag, aber manchmal ist es auch schwierig, ihn anzuwenden.
    Das ist bei Jesus und den Aposteln im heutigen Evangelium ähnlich gewesen. Sie finden einfach keine Ruhe.
    Und doch ist die Aufforderung Jesu wichtig: „Kommt mit an einen anderen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“

    Eine Uhr, die immer nur aufgezogen ist, wird irgendwann kaputt gehen, weil die Feder bricht. Ein Motor, der ständig auf hohen Touren läuft, wird schneller verschleißen, als einer, der auch langsamere Phasen hat.

    Bei uns Menschen ist das ebenso. Auch wir können nicht ständig im Hochleistungsmodus laufen. Irgendwann brechen wir zusammen.
    Da ist es gut, wenn es wenigstens einmal im Jahr eine etwas längere Auszeit gibt, den Urlaub. Eine Zeit zum Entspannen und Erholen. Das, was ausgelaugt und leer ist, darf sich wieder füllen. Das was überanstrengt ist, darf sich entspannen.
    Die Menschen in den Klöstern wussten das schon in der Antike: Es braucht den Rhythmus zwischen Spannung und Entspannung, zwischen Aktion und Kontemplation. „Ora et labora“ nennen die Benediktiner diese Lebensweise noch heute. Eine Tagesstruktur, die dem Tag einen Lebensrhythmus verleiht, der Leib und Seele gut tut.
    Vielleicht nehmen deshalb viele Manager ihre Auszeiten in Klöstern.
    Entschleunigen heißt das in heutiger Sprache.
    Auf der anderen Seite gibt es heute auch die Rede vom Urlaubsstress. Möglichst viel Aktion in die zwei oder drei Urlaubswochen hineingepresst, möglichst viele Ausflugsziele abarbeiten, möglichst weit reisen.
    Der Sinn der Ferien bleibt dabei auf der Strecke.

    Im vergangenen Jahr, als Auslandsreisen wegen der Pandemie nicht möglich waren, viele kommerzielle Ausflugsziele geschlossen waren, haben viele Menschen die Erfahrung gemacht, wie erholsam Ruhe und Langsamkeit sein können.
    Ich wünsche Ihnen, dass Sie in den Ferien den Rat des Heiligen Franz von Sales annehmen und ihn sogar umsetzen können. Ich wünsche Ihnen, dass es gelingt, dem Ruf Jesu zu folgen: „Kommt mit an einen anderen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“ Ich glaube, nur so können wir neue Kraft sammeln für den Alltag und die Mühe nach den Ferien.
    Vielleicht ist solche Auszeit auch eine gute Schule für ein bewussteres und achtsameres Leben.
    Ein Abendgebet, das ebenfalls vom Hl. Franz von Sales überliefert ist legt davon Zeugnis ab. Ich möchte es hier zum Schluss zitieren:

    „Herr, ich danke dir für diesen Tag. Verzeih mir, wenn ich ihn nicht ganz in deinem Geiste gelebt habe, so nimm wenigstens meinen zaghaften Versuch, mein Bemühen.
    Ich danke dir, dass ich gesund geblieben bin und dass mir nichts passiert ist. Entschuldige, wenn ich Unrecht getan habe.
    Ich danke dir für die Aufgaben, die dieser Tag von mir forderte und an denen ich meine Kräfte und meine Ausdauer erproben konnte. Entschuldige, wenn ich nicht alles so getan habe, wie es hätte sein müssen.
    Ich danke dir für meine Mitmenschen in der Familie und überall: für ihr Lächeln, ihre freundlichen Worte, ihr Zuhören und dafür, dass sie mich ertragen haben. Entschuldige, wenn ich rücksichtslos und lieblos gegen sie war.
    Ich danke dir für die Freude an allem Guten, das mit heute begegnet ist. Entschuldige, wenn ich durch mein Verhalten die Freude anderer verdorben habe.
    Ich danke dir für die Hoffnung nach jeder Niederlage. Entschuldige, wenn ich anderen eine Enttäuschung bereitet habe.
    Ich danke dir für den Trost in allem Schönen, an dem mein Leben trotz aller Mühseligkeiten und Widersprüche so reich ist. Lass auch die anderen diesen Trost finden.
    Gott, ich danke dir für diesen Tag: Für das Gute, dass ich mit deiner Hilfe getan habe.
    Ich bitte um Verzeihung: für die Schuld, die ich auf mich geladen habe.
    Lass mich in dir geborgen sein.“

    Fürbitten

    Gott begleitet unser Leben in guten und in schweren Zeiten.
    In großer Sorge, aber auch voller Hoffnung bringen wir unsere Bitten vor Gott:

    • Für alle, die von dem extremen Wetter betroffen sind,
      für jene, die im Hochwasser Haus, Hab und Gut verloren haben
      und nicht wissen, wie es weitergehen soll.
      Du Gott mit uns:
       
    • Für die vielen Menschen, die durch die Fluten ums Leben gekommen sind
      und für alle, die mit ihrer Trauer um sie hilflos zurückbleiben.
      Für die vielen Vermissten und alle, die nach ihnen suchen.
      Du Gott mit uns:
       
    • Für die Helfer der Rettungsdienste und alle,
      die im unermüdlichen Einsatz den betroffenen Menschen beistehen,
      für alle, die bei der Hilfe bis an ihre Grenzen gehen
      und für die, die im Einsatz verletzt wurden oder gestorben sind.
      Du Gott mit uns:
       
    • Für die Politiker und Politikerinnen,
      die Europa in eine klimafreundliche Zukunft führen wollen;
      für alle, denen die geplanten Maßnahmen nicht weit genug gehen,
      und für die, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben
      oder Preissteigerungen fürchten.
      Du Gott mit uns:
       
    • Wir beten für die Menschen im Süden von Afrika,
      die von Gewaltausbrüchen bedroht sind;
      für die, die wegen der anhaltenden Dürre vor einer Hungersnot stehen;
      und für alle, die sich für eine gerechte Verteilung aller Güter einsetzen.
      Du Gott mit uns:
       
    • Wir beten für alle, die sich nach einer Pause vom Arbeits- und Schul-Alltag sehnen, um ein wenig auszuruhen;
      für alle, die es auch in ihrer Freizeit schwer haben, sich zu entspannen
      und für die Menschen, die zu Hause bleiben, statt eine Urlaubsreisezu machen.
      Du Gott mit uns:
       
    • Wir beten für alle Verstorbenen, besonders für diejenigen, die uns am Herzen liegen.
      Nimm sie auf in dein Reich und beschenke sie mit der ewigen Freude.
      Du Gott mit uns:
       

    Unsere Bitten, unsere und der Menschen Nöte und Ängste

    bringen wir vor dich, du Gott-mit-uns.
    Stärke uns, wo unsere Kraft nicht ausreicht
    und lass uns spüren, dass du uns trägst und hältst,
    jetzt und in Ewigkeit. Amen

  • 15. Sonntag im Jahreskreis - 2021

    Evangelium:  Mk 6,7-13

     


    In jener Zeit
       rief Jesus die Zwölf zu sich
       und sandte sie aus,
    jeweils zwei zusammen.
    Er gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister
    und er gebot ihnen,
       außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen,
    kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel,
    kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen.
    Und er sagte zu ihnen:
       Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt,
       bis ihr den Ort wieder verlasst!
    Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt
       und euch nicht hören will,
       dann geht weiter
    und schüttelt den Staub von euren Füßen,
       ihnen zum Zeugnis.
    Und sie zogen aus
       und verkündeten die Umkehr.
    Sie trieben viele Dämonen aus
    und salbten viele Kranke mit Öl
       und heilten sie.


    Gedanken:
    So, wie ich bin, ... aber niemals allein

    Sie kennen vielleicht noch den Werbespot eines bekannten Geldinstitutes:

    Zwei ehemalige Klassenkameraden treffen sich in einem Kaffee.
    „Lange nicht gesehen.“
    „Du siehst gut aus.“ „Was machst du denn so und wie geht es dir?“
    Nach diesem üblichen Vorgeplänkel zieht der eine der bei­den Fotografien seiner Luxusgüter aus seiner Brieftasche und legt sie selbstbewusst vor dem anderen auf den Tisch. „Mein Haus, mein Swim­mingpool, meine Yacht!" Der Klassenkamerad kontert mit noch größeren Luxusgütern: „Mein Haus, mein Swimmingpool, meine Yacht!"

    Wer bin ich eigentlich und wie muss ich mich präsentieren, um von mei­nen Mitmenschen ernst genommen zu werden? Machen Kleider wirklich Leute und das größere Haus, der Luxuspool und die eigene Yacht mich zu einem wertvolleren Menschen?

    Im heutigen Evangelium hören wir, wie Jesus seine Jünger aussendet, um Dämonen auszutreiben und Kranke zu heilen. Wir hören auch, wie er ih­nen Regeln für ihre Mission mit auf den Weg gibt. Ohne Brot, Vorräte und Geld, nur mit einem Wanderstab, einem einzigen Kleid und Sandalen an den Füßen sollen sie zu den Menschen gehen. Sie sollen sich gerade nicht an den äußeren Schein ihres Besitzes binden, sondern so gehen, wie sie eben sind.

    Diese Regeln Jesu für die Mission der Jünger bilden einen starken Kon­trast zum Verhalten der beiden Klassenkameraden im Werbespot. Für die­se sind die äußeren, möglichst prachtvollen, Fassaden wichtiger. Sie müs­sen sich mit ihren Besitztümern voreinander beweisen; am besten da­durch, dass sie sich gegenseitig übertrumpfen. Hand aufs Herz - geht es nicht jedem von uns manchmal so?

    Letztendlich verbergen wir damit aber unser eigentliches Ich, verstecken es hinter Fassaden. Menschliche Beziehung entsteht nicht bei einer solchen Begegnung, es entsteht eher eine gegenseitige Abgrenzung.

    Eine kleine Geschichte aus der jüdischen Glaubenswelt versucht deutlich zu machen, wie gefährlich es sein kann, Besitz und Güter zu sehr in den Vordergrund zu stellen:

    Ein gläubiger Jude kommt zum Vorsteher seiner Gemeinde, dem Rabbi. „Rabbi“, fragt er, „ich verstehe das nicht. Kommt man zu einem Armen, der ist freundlich und hilft, wo er kann. Kommt man aber zu einem Rei­chen, der sieht einen nicht einmal. Was ist das bloß mit dem Besitz?“ Da antwortete der Rabbi: „Tritt ans Fenster! Was siehst du?“ Der Gläubige tritt ans Fenster, schaut hinaus und antwortet: „Ich sehe eine Frau mit ei­nem Kind. Und einen Wagen, der zum Markt fährt und einen Bettler, der an der Ecke sitzt.“ „Gut“, stellt der Rabbi fest. „Und nun tritt vor den Spiegel. Was siehst du?“ „Nun, was werde ich schon sehen? Mich selbst sehe ich natürlich“, entgegnet der Frager. „Nun, siehst du: das Fenster ist aus Glas gemacht und der Spiegel auch. Aber du brauchst nur etwas Sil­ber dahinter zu legen, schon siehst du nur noch dich selbst.“


    Jesus sendet die Apostel so aus, wie sie sind. Ohne Behin­derung und Verstellung durch Äußerlichkeiten sollen sie zu den Men­schen gehen. Sie sollen nicht silbern hinterlegte Spiegel sein, die nur das widerspiegeln, was ist. Sie sollen sein wie Fenster, die durchscheinend sind für die Botschaft Jesu vom kommenden Reich Gottes. Sie sollen die Kranken heilen und Dämonen austreiben und etwas vom Licht Gottes in der Welt gerade der Bedürftigen und Armen aufstrahlen lassen. Das aber können sie nur, indem sie sich und die anderen nicht blenden lassen von Äußerlichkeiten und Besitz.

    So unverstellt aufzutreten ist schwierig und braucht viel Selbstbewusstsein. Und hier zeigt sich zugleich, wie gut Jesus seine Jünger kennt. Das Evangelium erzählt an einigen Stellen von Petrus, dem es sehr schwerfällt, zu seinem Glauben an Jesus zu stehen. Besonders wenn er in Schwierigkei­ten zu geraten droht oder in eine Krisensituation, dann kommt der Zweifel. Glaube zu leben und erst recht Zeuge des Glaubens für andere zu sein, ist für einen Menschen allein auf Dauer nicht möglich. Jesus sendet daher die Jünger zu zweit aus. Das ist zum einen ein Niederschlag des hergebrachten Rechtsdenkens: nur das übereinstimmende Zeugnis zweier Menschen hat Rechtsgültigkeit und Gewicht. Andererseits verleiht die Gemeinsamkeit auch größere Stärke und Kraft, Krisen auszuhalten und Zweifel. Die Ge­meinschaft bestärkt und korrigiert, sie ermutigt und gibt mehr Sicherheit. Ein Satz Martin Luther Kings drückt dies aus: „Wenn einer alleine träumt, ist das nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, so ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit.“

    Die gelebte Gemeinschaft hilft auch, mit Ablehnung leben zu können und, wie Jesus es ausdrückt, den Staub von den Schuhen zu schütteln. Sie gibt den Mut, sich ohne Bitternis von denen zu distanzieren, die nicht die eigene Überzeugung teilen wollen oder können.

    Jesus sendet seine Jünger aus, genauer zwölf Apostel. Gilt also dieses Evangelium nur für die Nachfolger der eigentlichen Apostel, also die Bischöfe und Priester, vielleicht noch die Diakone und hauptamtlichen Laien der Kirche? Ich glaube, dieses Evangelium gilt für alle, die Chris­tus nachfolgen möchten, also für alle Christen.

    Es stellt uns allen die Fra­ge:

    Was ist uns wichtig in unserem Leben und in der Nachfolge Jesu?

    Wie wichtig sind uns Äußerlichkeiten wie Besitz, Status oder Ansehen?

    Ver­stellt uns nicht vieles den Blick auf die Krankheiten und Dämonen unse­rer heutigen Zeit?

    In der Kirche hat Jesus uns eine Gemeinschaft ge­schenkt. Leben wir diese Gemeinschaft und beziehen Kraft und Lebens­mut aus ihr oder sind wir doch nur Einzelgänger, die für sich leben und glauben wollen?

    Es wird deutlich: Jesus schenkt den Aposteln und auch uns Gemeinschaft - mit ihm selbst und untereinander. Er traut seinen Aposteln und damit auch uns zu, Zeugen sein zu können ohne die Fassaden von Besitz und Status, son­dern als Menschen, die wir sind.


    Fürbitten

    An Christus, der auch uns aussendet als seine Zeugen, wenden wir uns mit unseren Bitten. Wir beten:

     

    • für alle Menschen, die Sehnsucht haben nach einem erfüllten Leben:
      dass sie dich finden!
      Christus, höre uns!
       
    • Für alle, die dich gefunden haben:
      dass sie dich näher kennen lernen!
      Christus, höre uns!
       
    • Für alle, die dich kennen:
      Lass sie die Gelegenheiten wahrnehmen, bei denen sie vom Leben mit dir Zeugnis geben können!
      Christus, höre uns!
       
    • Für alle, die im kirchlichen Auftrag von dir sprechen:
      Lass sie zu Zeugen deines Wirkens werden!
      Christus, höre uns!
       
    • Für alle Bedrängten und Kranken:
      Lass sie in der Begegnung mit anderen Heil und Heilung erfahren!
      Christus, höre uns!
       
    • Für uns selber:
      Gib uns den Mut, die Nähe zu dir und die Sendung durch dich zu riskieren!
      Christus, höre uns!
       

    Denn du hast uns erwählt, in dieser Zeit deine Jünger und Jüngerinnen zu sein:
    du, der du zu allen Zeiten zu den Deinen stehst! Heute und alle Zeit,
    bis in Ewigkeit. - Amen.   

     

  • 14. Sonntag im Jahreskreis - 2021

    Evangelium: Mk 6, 1b-6

     

    In jener Zeit
       kam Jesus in seine Heimatstadt;
    seine Jünger folgten ihm nach.
    Am Sabbat lehrte er in der Synagoge.
    Und die vielen Menschen, die ihm zuhörten,
       gerieten außer sich vor Staunen
    und sagten: Woher hat er das alles?
    Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist!
    Und was sind das für Machttaten, die durch ihn geschehen!
    Ist das nicht der Zimmermann,
    der Sohn der Maria
       und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon?
    Leben nicht seine Schwestern hier unter uns?
    Und sie nahmen Anstoß an ihm.
    Da sagte Jesus zu ihnen:
       Nirgends ist ein Prophet ohne Ansehen
       außer in seiner Heimat,
       bei seinen Verwandten und in seiner Familie.
    Und er konnte dort keine Machttat tun;
    nur einigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie.
    Und er wunderte sich über ihren Unglauben.
    Und Jesus zog durch die benachbarten Dörfer
       und lehrte dort.

     

    Allzu bekannt

    Da leben Menschen jahrzehntelang zusammen, glauben sich zu kennen bis in intimste Bereiche hinein. Sie haben gemeinsam ein Leben aufge­baut, haben Kindern das Leben geschenkt und plötzlich gehen beide ge­trennte Wege.

    Da leben Eltern und Kinder gut miteinander zusammen, haben ein herz­liches Verhältnis zueinander und plötzlich, meist wenn das Kind eigene Wege erprobt, sagt eine Mutter oder ein Vater: „Ich kenne dich gar nicht mehr wieder!“

    Und schaut man nach dem Grund dieses Unverständnisses, so ist es manchmal einfach, weil sich einer der beiden verändert hat, einen neuen Entwicklungsschritt in seiner Persönlichkeit gegangen ist. So bekannt ist man sich geworden, so allzu bekannt, dass es schwerfällt, beim anderen noch mit etwas Neuem, mit einer Entwicklung, zu rechnen.

    Ähnlich ergeht es Jesus, als er nach Nazareth kommt, zurück in seinen Heimatort, dorthin, wo jeder ihn und seine Familie kennt. Als er in die Synagoge geht und dort das Wort Gottes auslegt, sind alle erstaunt und erschüttert. „Woher hat er das alles?“ fragen sie. Sie spüren scheinbar: Hinter Jesu Worten steckt mehr, als alles, was sie bisher in der Synagoge gehört haben. Jesu Worte sind voller Weisheit und Vollmacht. Was er sagt kommt scheinbar nicht nur aus ihm selbst.

    Doch dann schlägt die Situation plötzlich um: „Den kennen wir doch! Das ist doch der Zimmermann, der Sohn von Maria! Der hat doch mit seiner Familie hier unter uns gelebt. Wie kann der jetzt so reden?“ Der, den sie vor sich sehen, der Mensch Jesus, den sie zu kennen glauben, versperrt den Menschen in Nazareth den Blick auf das, was unter der Oberfläche auch noch da ist: der geliebte Sohn Gottes, der mit seiner ganzen Person den Vater verkündet. Sie sehen nur das Offensichtliche, den Zimmermann, den Sohn einer ganz bestimmten Familie, die sie ken­nen und sie rechnen nicht mit mehr. Deshalb nehmen die Menschen in Nazareth Anstoß an dem, was Jesus ihnen sagt, nehmen Anstoß an ihm selbst.

    Manchmal ist es das allzu Bekannte, was uns den Blick verstellt auf das Wesentliche, auf das, was hinter der Oberfläche liegt und das Wunder­bare, das Wunder, verhindert. Das geht uns manchmal so mit unseren Mitmenschen, gerade mit denen, die wir am besten kennen oder zu ken­nen glauben. Wir rechnen da oft nicht mehr mit Überraschungen.

    Das geht uns aber auch oft so mit Jesus. Wir haben unsere Bilder von ihm. Sie kommen von dem, was wir über ihn gelernt haben als Kinder, von Eltern und in der Schule.

    Aber rechnen wir noch damit, dass er uns überraschen könnte, damit, dass er auch in unserem Leben und für unser Leben Wunderbares wirken könn­te? Verhindern unsere Vorstellungen und Bilder von Jesus nicht manch­mal auch eine vertrauensvolle Beziehung zu ihm, die auch Neues und Überraschendes zulässt? Heißt nicht Glaube: eine Beziehung zu Jesus, zu Gott haben, die offen ist für Entwicklungen und Veränderungen, mit der Liebe Jesu, der Liebe Gottes rechnen, die auch mir Veränderung und Entwicklung zutraut und zugesteht?

    Eine kleine Anekdote von Anthony de Mello erzählt von einer frommen Frau, die Gott liebte, ihn wirklich ganz und gar liebte. Jeden Morgen ging sie zur Kirche. Unterwegs zur Kirche riefen ihr die Kinder zu. Bett­ler sprachen sie an. Die Frau aber war so in sich versunken, dass sie das alles nicht wahrnahm.

    Eines Tages ging sie wie immer die Straße hinab und erreichte gerade rechtzeitig zum Gottesdienst die Kirche. Sie drückte an der Klinke der Eingangstür, doch die ließ sich nicht öffnen. Sie versuchte es heftiger und fand die Tür verschlossen. Der Gedanke, dass sie zum ersten Mal in all den Jahren den Gottesdienst versäumen würde, bedrückte die fromme Frau. Ratlos blickte sie auf und sah genau vor sich einen Zettel an der Tür. Darauf stand: „Ich bin auch hier draußen!“

    Manchmal müssen wir stehen bleiben und aufschauen, das Alltägliche unterbrechen, um weiter zu sehen als zur Oberfläche. Wir müssen damit rechnen lernen, dass uns Neues begegnet, bei unseren Mitmenschen und bei Gott. Vielleicht erleben wir dann auch wieder Wunderbares – von unseren Mitmenschen und von Gott.

     

    Fürbitten:
     

    In der Schwachheit schenkt Gott Kraft.
    So kommen wir vertrauensvoll
    mit den Anliegen unserer Tage und beten:

    • Für die Menschen, die sich von anderen wenig oder gar nicht akzeptiert fühlen.
      Und für jene, die einander unvoreingenommen begegnen,
      Ansehen schenken und Würde achten.
      Gott, unser Vater:
       
    • Wir beten für die Menschen in Kanada,
      die von der Hitzewelle und jetzt auch von Waldbränden betroffen sind.
      Und für alle in Deutschland und Europa,
      die mit den Folgen von Starkregen und Überschwemmungen kämpfen.
      Gott, unser Vater:
       
    • Wir beten für die Menschen in Afghanistan,
      die nach dem Abzug der NATO neue Unsicherheit und Gewalt fürchten.
      Und für die zurückgekehrten Soldatinnen und Soldaten,
      die noch lange mit den Belastungen aus ihrem Einsatz leben müssen.
      Gott, unser Vater:
       
    • Wir beten für alle, die sich nach Ruhe und Erholung sehnen.
      Für die Menschen, die in den kommenden Wochen Ferien machen und in Urlaub fahren;
      und für die vielen, die zu Hause bleiben.
      Gott, unser Vater:
       
    • Wir beten für die Menschen,
      denen die ansteigenden Zahlen der Corona-Neuinfektionen Sorgen bereiten.
      Für alle, die vorsichtig und rücksichtsvoll mit Lockerungen umgehen
      und für manche, die sich mit den Regeln und Vorschriften zunehmend schwertun.
      Gott, unser Vater:
       
    • Wir beten für die Christen und Christinnen,
      die mutig und entschieden für die Frohe Botschaft eintreten.
      Für alle, die nicht glauben können.
      Und für die vielen, die von der Kirche enttäuscht sind und sich zurückziehen oder austreten.
      Gott, unser Vater:

    Gott, du hörst unsere Bitten,
    die wir ausgesprochen haben und die wir still in uns tragen.
    Dafür danken wir Dir und preisen Dich
    durch Jesus Christus, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit Dir
    lebt und Leben schenkt in Zeit und in Ewigkeit. Amen.

     

  • 13. Sonntag im Jahreskreis 2021

    Evangelium


    Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.

    In jener Zeit
       fuhr Jesus im Boot
       an das andere Ufer des Sees von Galiläa hinüber
    und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn.
    Während er noch am See war,
       kam einer der Synagogenvorsteher namens Jaírus zu ihm.
    Als er Jesus sah,
       fiel er ihm zu Füßen
       und flehte ihn um Hilfe an;
    er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben.
    Komm und leg ihr die Hände auf,
       damit sie geheilt wird und am Leben bleibt!
    Da ging Jesus mit ihm.
    Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn.
    Darunter war eine Frau,
       die schon zwölf Jahre an Blutfluss litt.
    Sie war von vielen Ärzten behandelt worden
       und hatte dabei sehr zu leiden;
    ihr ganzes Vermögen hatte sie ausgegeben,
       aber es hatte ihr nichts genutzt,
       sondern ihr Zustand war immer schlimmer geworden.
    Sie hatte von Jesus gehört.
    Nun drängte sie sich in der Menge von hinten heran –
       und berührte sein Gewand.
    Denn sie sagte sich:
       Wenn ich auch nur sein Gewand berühre,
    werde ich geheilt.
    Und sofort versiegte die Quelle des Blutes
    und sie spürte in ihrem Leib,
       dass sie von ihrem Leiden geheilt war.
    Im selben Augenblick fühlte Jesus,
       dass eine Kraft von ihm ausströmte,
    und er wandte sich in dem Gedränge um
    und fragte: Wer hat mein Gewand berührt?
    Seine Jünger sagten zu ihm:
       Du siehst doch, wie sich die Leute um dich drängen,
    und da fragst du: Wer hat mich berührt?
    Er blickte umher, um zu sehen, wer es getan hatte.
    Da kam die Frau,
    zitternd vor Furcht,
       weil sie wusste, was mit ihr geschehen war;
    sie fiel vor ihm nieder
       und sagte ihm die ganze Wahrheit.
    Er aber sagte zu ihr: Meine Tochter,
    dein Glaube hat dich gerettet.
    Geh in Frieden!
    Du sollst von deinem Leiden geheilt sein.
    Während Jesus noch redete,
       kamen Leute,
       die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten,
    und sagten zu Jairus: Deine Tochter ist gestorben.
    Warum bemühst du den Meister noch länger?
    Jesus, der diese Worte gehört hatte,
       sagte zu dem Synagogenvorsteher: Fürchte dich nicht!
    Glaube nur!
    Und er ließ keinen mitkommen
       außer Petrus, Jakobus und Johannes,
       den Bruder des Jakobus.
    Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers.
    Als Jesus den Tumult sah
       und wie sie heftig weinten und klagten,
       trat er ein
    und sagte zu ihnen: Warum schreit und weint ihr?
    Das Kind ist nicht gestorben,
       es schläft nur.
    Da lachten sie ihn aus.
    Er aber warf alle hinaus
    und nahm den Vater des Kindes und die Mutter
       und die, die mit ihm waren,
       und ging in den Raum, in dem das Kind lag.
    Er fasste das Kind an der Hand
    und sagte zu ihm: Talíta kum!,
    das heißt übersetzt:
       Mädchen, ich sage dir, steh auf!
    Sofort stand das Mädchen auf
       und ging umher.
    Es war zwölf Jahre alt.
    Die Leute waren ganz fassungslos vor Entsetzen.
    Doch er schärfte ihnen ein,
       niemand dürfe etwas davon erfahren;
    dann sagte er,
       man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.


    Von Jesus Christus berührt
     

    „Das hat mich berührt!“, sagen viele Menschen, wenn im Fernsehen mal wieder die schrecklichen Bilder zu sehen sind von Menschen in überfüllten Booten, die diesen lebensgefährlichen Weg nach Europa gewählt haben, um der Not und dem Elend in ihrer Heimat zu entgehen.

    „Das berührt mich!“ sagen Menschen ergriffen, wenn sie vom Tod eines jungen Menschen im Dorf oder der Nachbarschaft erfahren oder noch mehr, wenn sie die Trauer der hinterbliebenen Ange-hörigen miterleben.

    „Das berührt mich im Herzen!“ sagt jemand, der erlebt, wie eine Ehefrau, ein Ehemann sich liebevoll um den dementen Lebens-partner, die Lebenspartnerin kümmern, ihm liebevoll in die Augen schauen, obwohl die ihn gar nicht mehr erkennen – wie er zärtlich sein Gegenüber streichelt und umsorgt, obwohl dieses gar nicht mehr weiß, wer da so gut zu ihm ist.

    Ein prächtiger Sonnenuntergang, die Geburt eines Kindes, ein erfüllter Augenblick meines Lebens können berühren.

    Echte Berührungen finden aber nicht nur in unserem Inneren statt, sie haben meist auch Konsequenzen.

    Viele Menschen, die im Herzen berührt waren von den Bildern der übervollen Boote im Mittelmeer, von den Nachrichten über das Leiden der Menschen auf der Flucht vor Gewalt, bitterer Armut oder Verfolgung, haben bei mir angerufen und wollten sich in unserer Pfarreiengemeinschaft einsetzen und Flüchtlinge hier willkommen heißen. Menschen haben sich engagiert, indem sie aus innerer Anteilnahme im Demezcafe des MGH/Johanneshauses für Menschen mit Demenz und deren Angehörige da sein wollten.

    Wenn wir uns tatsächlich berühren lassen im tiefsten Inneren unserer Person, dann hat das meist ganz konkrete Folgen für unser Leben.

    Im heutigen Evangelium ist von zwei Berührungen die Rede. Da ist zum einen die blutflüssige Frau. Ihre Krankheit hatte sie zu einer Unberührbaren gemacht, nach damaliger Sicht der Dinge zu einer von Gott verfluchten lebenden Toten. Nichts hatte zur Heilung ihres Leidens geführt, kein Arzt hatte ihr helfen können. Im Evangelium heißt es nun: „Sie hatte von Jesus gehört.“ Vielleicht bedeutet das: sie war von ihm, von seiner Botschaft, von seinem Handeln berührt. „Vielleicht, wenn ich nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt. Den, der sie im Innersten angerührt hatte, den möchte sie jetzt auch selbst berühren. Er wird zu ihrer letzten, ja einzigen Hoffnung. Und Jesus, auch er lässt sich berühren. Er lässt sich anrühren von der Sehnsucht der Frau nach Heilung. „Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!“ sagt er zu ihr.

    Und dann ist da auch noch die zweite Berührung: Jesus fasst die Tochter des Synagogenvorstehers an der Hand und richtet sie zu neuem Leben auf. Aber auch diese Berührung Jesu hat eine Vorgeschichte. Der Vater des Mädchens, der Synagogenvorsteher ist so verzweifelt, dass er in Jesus seine letzte verbliebene Hoffnung sieht. Jesus hat ihn so angerührt, dass er zu ihm geht, um für seine Tochter zu bitten.

    In einer Psalmennachdichtung von Pierre Stutz heißt es:
     

    Ich hoffe auf Dich Gott
    Du neigst Dich mir zu
    und hörst mein Schreien

    Auch in Zeiten der Oberflächlichkeit
    und der Resignation
    traue ich Dir wundervolles zu

    Du durchbrichst unsere Gleichgültigkeit
    Du durchkreuzt unsere Kleinherzigkeit
    Du heilst unsere Lahmheit
    holst uns heraus aus Sattheit und Langeweile
    stiftest uns zum sinnvollen Handeln an
    damit wunderbares geschieht und
    Menschen sich neu begegnen können
    Türen und Herzen sich zur Gastfreundschaft öffnen

    Dank sei Dir immer gesungen.
     

    Sich von Jesus/von Gott berühren lassen und vom Leid und der Freude die uns in dieser Welt begegnet hat Konsequenzen. Von Gott berührt und von dem, was mir in der Welt begegnet kann ich die liebende Berührung Gottes weitergeben, weiter geben an andere Menschen, die sich nach echter Berührung, nach Nähe sehnen. Vielleicht kann ich, in der Berührung mit Menschen in Not sogar ganz konkret die Berührung Gottes spüren, ja vielleicht ist das sogar das gleiche: wen das Leid und die Freude unserer Welt berührt, der wird von Gott berührt. Wer sich so berühren lässt, der kann es spüren, was der Schreiber des Weisheitsbuches  in der heutigen Lesung sagt: „Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit geschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht.“

    Ich wünsche uns allen diese Berührung des Herzens durch Gott und Jesus Christus.

    Amen.

     

    Fürbitten
     

    Jesus ruft der Tochter des Jaїrus zu: Mädchen, steh auf.
    Heute stehen wir vor Gott mit unseren Bitten,
    mit unserer Sehnsucht nach Leben:

     

    • Für Menschen, die nach langer Krankheit und schwerem Leid
      wieder aufstehen können. Für alle, die am Boden zerstört sind oder keine Kraft mehr haben, sich von neuem zu erheben.
      Lebendiger Gott:
       
    • Für Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung
      oder aus anderen Gründen in der Minderheit sind.
      Für alle Menschen, die aufstehen und Gleichberechtigung fordern, wo Andersdenkende und anders Lebende
      benachteiligt und unterdrückt werden.
      Lebendiger Gott:
       
    • Für die Sportbegeisterten.
      Für alle, die mitfiebern bei der Fußball-Europameisterschaft.
      Für die Menschen, die aufstehen für Fairness und gegen Korruption im Sport.
      Lebendiger Gott:
       
    • Für die indigenen Völker von Kanada. Für alle, die um der Gerechtigkeit willen aufstehen angesichts der Übergriffe und Verbrechen gegen die Kinder in kirchlichen Internaten.
      Lebendiger Gott:
       
    • Für die Menschen in der äthiopischen Provinz Tigray,
      die durch Bürgerkrieg und staatliche Gewalt in die Knie gezwungen werden. Für die Verantwortlichen in Politik und Medien, die die Weltöffentlichkeit auf das Leid aufmerksam machen und ein Ende der Angriffe fordern.
      Lebendiger Gott:
       
    • Für die bei dem Hochhauseinsturz in Florida Verschütteten.
      Für die vielen Toten und Verletzten nach dem Wirbelsturm in Tschechien.
      Für ihre Familien und Freunde.
      Für die Rettungskräfte bei ihrer Suche nach Überlebenden.
      Lebendiger Gott:
       

    Gott, du hast keine Freude am Untergang der Lebenden.
    Du selbst bist die Quelle des Lebens und der Liebe.
    Darauf vertrauen wir und danken dir jetzt und in Ewigkeit. Amen

     

  • 12. Sonntag im Jahreskreis 2021

    Evangelium; Mk 4, 35 – 41

     

    An jenem Tag,
       als es Abend geworden war,
       sagte Jesus zu ihnen:
       Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren.
    Sie schickten die Leute fort
    und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg;
    und andere Boote begleiteten ihn.
    Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm
    und die Wellen schlugen in das Boot,
       sodass es sich mit Wasser zu füllen begann.
    Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief.
    Sie weckten ihn
    und riefen:
    Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?
    Da stand er auf,
    drohte dem Wind
    und sagte zu dem See: Schweig,
    sei still!
    Und der Wind legte sich
       und es trat völlige Stille ein.
    Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst?
    Habt ihr noch keinen Glauben?
    Da ergriff sie große Furcht
    und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser,
       dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?

    Gedanken

     

    Das Leben ist wie eine Segeltour. Solange das Fahrwasser ruhig ist und das Wetter gut, können wir genießen. Wir gleiten dahin, ohne Sorgen und Stress. Aber es gibt auch Zeiten, da gehen die Wellen hoch und das Wasser steht uns bis zum Hals. Dann haben wir irgendwann vielleicht auch Angst unterzugehen.

    Wenn alles gut läuft und es keine Probleme gibt, dann stellen sich auch kaum Fragen. Geht es in die Ferien und das Wetter ist gut, dann können wir den Urlaub genießen. Wir gehen wandern, baden oder Eis essen. Das Leben ist sorglos und wir genießen die Ferien. Etwas Anderes ist es, wenn das Wetter schlecht ist, es ständig nur regnet und kalt ist. Dann kann es sein, dass die Stimmung schlechter wird, Langeweile aufkommt oder sogar Stress, der zu Streit führt.

    Eine Hochzeit wird gefeiert. In der Partnerschaft läuft es gut. Finanziell steht es ebenfalls gut und ein Hausbau wird in Angriff genommen. Doch plötzlich gibt es Gegenwind. Die Coronapandemie hat dazu geführt, dass er den Arbeitsplatz verloren hat. Die Raten fürs Haus können nicht mehr bezahlt werden. Es kommt zu Konflikten. Die Wogen des Lebens schlagen immer höher.
    Das Leben der kleinen Familie ist harmonisch und schön. Doch plötzlich wird das 10-jährige Kind krank. Diagnose: Leukämie. Es geht plötzlich ums Leben und das ganze Leben gerät aus den Fugen. Die Frage kommt: Warum geschieht uns das? Und vielleicht taucht dann sogar die Frage auf: Wo bist du Gott? Hilf uns doch!

    Es ist wie bei den Jüngern im Boot. Als der Gegenwind bedrohlich wird und das Wasser bis zum Hals steht, sie schlichtweg Angst haben – kommt der Ruf nach dem Herrn. Und er kommt sogar vorwurfsvoll: „Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?“
    Unser Leben und was mit ihm geschieht steht letztlich nicht in unserer eigenen Verfügung. Wir können nicht alles planen und bestimmen. Es ist auch nicht immer nur wie eine erholsame Bootsfahrt, die wir einfach nur genießen können. Leben hat immer auch Brüche und die Wellen schlagen manches Mal hoch und wir haben schlichtweg Angst.

    Ich erlebe es oft, dass in solchen Situationen Menschen sagen:

    Es ist gut zu wissen, dass ER da ist, auch wenn manchmal unsere Ängstlichkeit den Blick auf ihn versperrt.

    Es entlastet und beruhigt mich, dass da einer ist, auf den ich mich verlassen kann, einer, der mich auch durch die aufgewühlten Wasser meines Lebens getragen hat. Einer, dem ich auch die unbeantworteten Fragen meines Lebens anvertrauen kann.

    Es brauch das Vertrauen, den Glauben, an diesen Gott, der immer da ist und mich begleitet, selbst wenn es manchmal so aussieht als schliefe er.
    Er wird die Stürme des Lebens nicht vollständig wegnehmen – aber er kann sie beruhigen, uns die Angst tragbarer machen, weil er da ist, um mit zu tragen – immer.

    Amen.

     

    Fürbitten

     

    Gott hat die Welt und uns Menschen ins Leben gerufen;
    zu ihm beten wir:

     

    • Für alle Christinnen und Christen,
      die aus dem Glauben heraus ihr Leben und das Leben der Kirche erneuern wollen.
      Für alle, die sich sorgen um die Zukunft der Kirche.
      Gott, unser Schöpfer.
       
    • Wir beten für die Mächtigen in Politik und Wirtschaft;
      für alle, die miteinander sprechen und das Gegeneinander aufbrechen.
      Für alle, die sich für eine gerechte Verteilung der Güter der Erde einsetzen.
      Gott, unser Schöpfer.
       
    • Für alle, die den Sommer genießen können.
      Für jene, die unter der Hitze mit ihren Folgen leiden.
      Für junge und alte Menschen, die ihren Beitrag leisten zur Bewältigung des Klimawandels.
      Gott, unser Schöpfer.
       
    • Wir beten für die Kinder und Jugendlichen und alle,
      die sich wegen der Pandemie Sorgen machen um ihre Zukunft.
      Für Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer,
      die nach Monaten zu Hause zum Präsenzunterricht zurückgekehrt sind.
      Gott, unser Schöpfer.
       
    • Für die Menschen, die den Weg des Lebens
      und des Glaubens mit uns gegangen und schon gestorben sind.
      Für alle, die in den vergangenen Monaten gestorben sind,
      und von denen Familien und Freunde
      nur unter Einschränkungen Abschied nehmen konnten.
      Gott, unser Schöpfer.
       

    Gott,
    in deinem Sohn Jesus Christus lässt Du uns erfahren,
    dass unser Leben geborgen ist in dir.
    Höre unsere Bitten durch ihn, Christus, unseren Bruder und Herrn.

    Amen.

     

  • 11. Sonntag im Jahreskreis – Beuren – 2021

    Evangelium: Mk 4,26-34


    In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
    Mit dem Reich Gottes ist es so,
       wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;
    dann schläft er und steht wieder auf,
    es wird Nacht und wird Tag,
    der Samen keimt und wächst
    und der Mann weiß nicht, wie.
    Die Erde bringt von selbst ihre Frucht,
    zuerst den Halm,
    dann die Ähre,
    dann das volle Korn in der Ähre.
    Sobald aber die Frucht reif ist,
       legt er die Sichel an;
    denn die Zeit der Ernte ist da.
    Er sagte:
       Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen,
    mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben?
    Es gleicht einem Senfkorn.
    Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern,
       die man in die Erde sät.
    Ist es aber gesät,
       dann geht es auf
       und wird größer als alle anderen Gewächse
    und treibt große Zweige,
    sodass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.
    Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort,
       so wie sie es aufnehmen konnten.
    Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen;
    seinen Jüngern aber erklärte er alles,
       wenn er mit ihnen allein war.


    Gedanken

    Liebe Schwestern und Brüder,
    wenn ich in diesen Tagen in den Garten gehe, dann fühle ich mich an das Gleichnis Jesu von der selbstwachsenden Saat erinnert. Überall grünt es und blüht im Überfluss. Für die Natur scheint es im Frühling kein Halten zu geben – eine schier unglaubliche Masse an Grün, unzählige Blüten schießen regelrecht der Sonne entgegen.
    „Mit dem Reich Gottes ist es so,
       wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;
    dann schläft er und steht wieder auf,
    es wird Nacht und wird Tag,
    der Samen keimt und wächst
    und der Mann weiß nicht, wie.
    Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, …“
    Im Grunde genommen bräuchte ich nicht einmal zu säen. Es wächst einfach. Ein Geschenk Gottes.

    Für Jesus ist das ein Bild für das Reich Gottes. Es hat für ihn zu tun mit dem ganz konkreten und praktischen Leben in unserer Welt. Da, wo Gottes Wille geschieht, da ist Gottes Reich schon da.
    Auch das Reich Gottes sagt er wächst durch Gott, nicht eigentlich durch uns Menschen. Mit dem Reich Gottes verbinden wir oft Worte wie: Gottes Herrschaft, das Reich des Guten. Manche Menschen verlegen auch das Reich Gottes in den Himmel. Dann, wenn alles Irdische überwunden ist, dann ist Gottes Herrschaft da. In unserer Welt – schauen wir uns um – ist Gottes Wille doch kaum zu finden – oder? Da geht es letztendlich nur um Macht und Herrschaft, um Vorherrschaft und Reichtum. Sogar in meiner Kirche selbst wird Macht ausgespielt, Vertrauen missbraucht. Das Reich Gottes soll schon da sein? Seit Jesu Geburt hat sich doch eigentlich nichts verändert?
    Und doch sagt Jesus in seinem Bild: da wo Menschen an ihn glauben, da wo Menschen nach seinem Willen und Vorbild zu leben versuchen, da bricht das Reich Gottes an, da ist es jetzt schon da.
    Ich glaube daran: Jesus hat recht, wenn er das sagt. Mir kommen dann Menschen in den Sinn, die einen Angehörigen liebevoll pflegen, über Jahre hinweg versuchen, ihm die Liebe und den Respekt zu erweisen, der jedem Menschen zusteht. Da ist es gegenwärtig, das Reich Gottes.
    Ich denke an die Menschen, die Geflüchteten unter die Arme greifen, sich bei den Tafeln engagieren – unabhängig von Herkunft und Religion. Es sind Menschen, die damit ein Zeugnis ablegen für die Liebe, die wir dem Nächsten schulden.
    Menschen engagieren sich in ihrem Umfeld ganz praktisch für den Schutz der Schöpfung.
    Einer ruft nach langer Zeit einmal wieder an und fragt danach, wie es mir geht – mit ehrlichem Interesse.
    Alles das sind kleine Samenkörner des Reiches Gottes, die wachsen können und uns deutlich machen: Das Reich Gottes ist tatsächlich da. Es wächst, weil Gott es wachsen lässt.
    Wir sagen oft ganz pessimistisch: „Die Welt wird immer schlechter.“  Aber schauen sie einfach mal in ihr Umfeld hinein und versuchen die kleinen Samenkörner des Reiches Gottes zu entdecken. Es sind mehr, als wir oft denken. Und sie können uns Mut machen, selbst solch kleine Samenkörner zu säen in unserem Leben. Gott wird dann fürs Wachsen sorgen. Amen.
     

    Fürbitten

    Wie Gott die Schöpfung entstehen ließ, so lässt er auch sein Reich unter uns wachsen.

    • Unsere eigene Machermentalität tritt dabei in den Hintergrund.
      Lasst uns ihn bitten, dass sein Reich unter uns reifen kann.
      Guter Vater:
       
    • Für alle, die von ihrem Glauben an Dich so tief berührt sind, dass sie anderen Räume eröffnen, in denen Deine Botschaft angenommen werden kann.
      Guter Vater:
       
    • Für alle, die durch Umweltkatastrophen und durch Schäden am Ökosystem ihre Lebensgrundlage verlieren.
      Guter Vater:
       
    • Für eine Gesellschaft, die auch für Väter berufliche und finanzielle Bedingungen schafft, unter denen sie mit Freude und Staunen das Heranwachsen ihrer Kinder begleiten können.
      Guter Vater:
       
    • Für alle, deren Leben sich entgegen ihren Plänen entwickelt hat, aber trotzdem viel Gutes durch Deine Fügung daraus entstanden ist.
      Guter Vater:
       
    • Für unsere Verstorbenen, für die wir hoffen, dass sie Dich von Angesicht zu Angesicht schauen.
      Guter Vater:
       

    Durch Deine Kraft reift und wächst die Saat nicht nur im Ackerboden sondern auch in unser aller Leben.
    Dafür danken wir Dir heute und allezeit bis in Ewigkeit. - Amen.   

  • 10. Sonntag im Jahreskreis 2021

    Evangelium: Mk 3, 20 – 35

    In jener Zeit
       ging Jesus in ein Haus
    und wieder kamen so viele Menschen zusammen,
       dass er und die Jünger nicht einmal mehr essen konnten.
    Als seine Angehörigen davon hörten,
       machten sie sich auf den Weg,
       um ihn mit Gewalt zurückzuholen;
    denn sie sagten: Er ist von Sinnen.
    Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren,
       sagten: Er ist von Beélzebul besessen;
    mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus.
    Da rief er sie zu sich
       und belehrte sie in Gleichnissen:
    Wie kann der Satan den Satan austreiben?
    Wenn ein Reich in sich gespalten ist,
       kann es keinen Bestand haben.
    Wenn eine Familie in sich gespalten ist,
       kann sie keinen Bestand haben.
    Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt
       und gespalten ist,
       kann er keinen Bestand haben,
       sondern es ist um ihn geschehen.
    Es kann aber auch keiner
       in das Haus des Starken eindringen
       und ihm den Hausrat rauben,
       wenn er nicht zuerst den Starken fesselt;
    erst dann kann er sein Haus plündern.
    Amen, ich sage euch:
    Alle Vergehen und Lästerungen
       werden den Menschen vergeben werden,
       so viel sie auch lästern mögen;
    wer aber den Heiligen Geist lästert,
       der findet in Ewigkeit keine Vergebung,
    sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften.
    Sie hatten nämlich gesagt:
       Er hat einen unreinen Geist.
    Da kamen seine Mutter und seine Brüder;
    sie blieben draußen stehen
       und ließen ihn herausrufen.
    Es saßen viele Leute um ihn herum
    und man sagte zu ihm:
       Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen
       und suchen dich.
    Er erwiderte:
       Wer ist meine Mutter
    und wer sind meine Brüder?
    Und er blickte auf die Menschen,
       die im Kreis um ihn herumsaßen,
       und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder.
    Wer den Willen Gottes tut,
       der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.

    Gedanken

    Liebe Schwestern und Brüder,

    Was wir glauben sollen ist doch sonnenklar? Jesus ist Gottes Sohn. Da gibt es doch nichts zu zweifeln. Das ist Lehre der Kirche und damit klar! Und doch sagen mir oft Menschen: „An Jesus zu glauben, den Sohn Gottes, ist manchmal schwer. So vieles in der Welt ist nicht in Ordnung und ich frage mich deshalb, ob das mit dem Sohn Gottes und der Erlösung wirklich stimmt.“ Manche fügen dann noch hinzu: Es wäre schön gewesen, selbst zur Zeit Jesu gelebt zu haben. Dann hätte ich ihn und seine Wunder selbst erleben können und das Glauben wäre viel einfacher gewesen.“ 

    Aber wäre das wirklich so? Wenn Glaube soviel einfacher gewesen wäre zur Zeit Jesu, dann hätte er nicht am Kreuz enden müssen und dann wäre ein Evangelium wie das heutige, nicht möglich gewesen.

    Es scheint kein Vorteil zu sein, Zeitgenosse Jesu gewesen zu sein. Die Menschen, die Jesus hautnah erlebt haben, können die ganze Wahrheit um Jesus nicht recht verstehen: die Schriftgelehrten nicht, die Jesus vorwerfen, er treibe Dämonen aus mit Beelzebul, dem obersten der Dämonen. Alles sei folglich nur ein Trick, um Menschen in seinen Bann zu ziehen. Und nicht nur die Gegner Jesu verstehen ihn nicht. Manche werfen ihm vor, selbst von einem bösen Geist besessen zu sein.

    Und sogar die Familie Jesu kann nicht verstehen, was Jesus da tut. Sie sind gekommen, ihn nach Hause zu holen. Sie sagen, er sei von Sinnen.

    Ich glaube das ist so, weil viele Situationen die wir durchleben, viele Erfahrungen, die wir machen, mehrdeutig sind. Wir können sie verschieden beurteilen oder bewerten. Diese Erfahrung machen auch viele Menschen, die sich in der Nachfolge Jesu für andere einsetzen. Da wird oft gesagt: „Die suchen ja nur ihren eigenen Vorteil, denen geht es nur darum selbst gut dazustehen.“ Oder es wird gesagt: "Wer sich für Andere einsetzt, der ist dumm, weil er sich doch besser um sich selbst und seine Angelegenheiten kümmern sollte.“

    Es scheint weder damals noch heute einfach gewesen zu sein, in Jesus den zu erkennen, der als Gott in Menschengestalt die Liebe Gottes zu den Menschen  bringen will. Vielleicht haben wir es heute sogar etwas einfacher zu glauben. Schließlich haben wir eine Wolke von Zeugen, die mit diesem Jesus und seiner Nachfolge gute Erfahrungen gemacht haben: Christen aller Zeiten, die sich in der Nachfolge Jesu getragen fühlen von der Liebe Gottes. Zeugen, die uns aus Erfahrung sagen: „Auf Jesus kannst du vertrauen, auf ihn kannst du dein Leben setzen.“

    Vertrauen, ein anderer Name für Glauben. Ich glaube es ist genau das, was Jesus mit seiner harschen Antwort in Richtung der Mutter und Brüder zum Ausdruck bringen will: „Wer auf mich und den Vater vertraut, ihm glaubt und seinen Willen tut, der gehört zu meiner Familie.“  Es ist auch eine Ermutigung zum Vertrauen in ihn und sein Wort, trotz aller Widerstände. Jesus ermutigt dazu, festzustehen in der Nachfolge, auch im Gegenwind von Kritik und Unverständnis unserer Umwelt. Jesus ermutigt dazu, festzustehen im Vertrauen und in der Nachfolge, weil es letztendlich uns selbst gut tut, den Willen Gottes zu erfüllen. Denn in der Nachfolge sind wir Mitglieder in seiner Familie. Wir dürfen uns aufgehoben und geborgen wissen in dieser großen Gemeinschaft des Heils.

     

    Fürbitten

    Jesus Christus findet seine Familie bei den Menschen,
    die auf sein Wort hören und Gottes Willen tun;
    wir vertrauen auf seine Hilfe und Unterstützung in den Anliegen,
    die wir vor Gott tragen:

    • Wir denken an alle Menschen weltweit, die von der Pandemie betroffen sind;
      an diejenigen, die unter den schlechten Gesundheitsbedingungen
      und der Armut in ihren Ländern besonders leiden.
      Lasst uns beten für alle Erkrankten ohne ärztliche Hilfe oder ausreichende Impfstoffe.
      Jesus, unser Bruder
       
    • Wir denken an die Kinder und Jugendlichen aus indigenen Familien,
      die in kanadischen Erziehungsheimen getötet und verscharrt wurden.
      Lasst uns beten für alle Kinder, denen gleiches Recht auf Leben, Gesundheit und Teilhabe zusteht – unabhängig von ihrer Herkunft und von der Situation ihrer Familien.
      Jesus, unser Bruder
       
    • Wir schauen auf die Männer und Frauen in Sachsen-Anhalt,
      die mit ihrer Wahlentscheidung die Zukunft ihres Landes mitbestimmen;
      auf alle, die ihre Verantwortung für Politik und Gesellschaft wahrnehmen.
      Jesus, unser Bruder
       
    • Lasst uns beten für alle, denen ein friedliches Miteinander
      in Freiheit und Sicherheit am Herzen liegt;
      für die Menschen, in deren Heimat Krieg und Unfreiheit
      noch immer an der Tagesordnung sind.
      Jesus, unser Bruder
       
    • Wir denken an die Menschen in Sri Lanka,
      deren Gesundheit und Leben nach der Schiffskatastrophe
      durch die Vergiftung von Meer und Land bedroht sind;
      an die Menschen im Umkreis des Vulkans im Kongo,
      die ihre Heimat verlassen müssen.
      Jesus, unser Bruder
       
    • Wir sehnen uns nach Begegnung mit anderen Menschen,
      danach, dass Nähe und Anteilnahme allmählich wieder in unseren Alltag einziehen.
      Lasst uns beten für alle Menschen,
      die in den Monaten der Pandemie unter Einsamkeit gelitten haben,
      und die vielen, an die niemand mehr denkt; und für alle, die miteinander neu Freude und Gemeinschaft leben und weitergeben.
      Jesus, unser Bruder
       

    Jesus Christus, wir sind dankbar,
    dass du uns als Brüder und Schwestern annimmst.
    Auf deinem Weg wollen wir bleiben.
    Auf deine Nähe vertrauen wir – jetzt und bis in deine Ewigkeit. Amen.

     

  • Fronleichnam

    Gehet hinaus in alle Welt …

    Gebet:
    Guter Gott,
    du hast deinen Sohn Jesus Christus in die Welt gesandt.
    Er ist zu den Menschen gegangen und hat viele Kranke
    an Leib und Seele geheilt.
    Gib uns die Kraft, sein Wort weiterzutragen in Wahrheit und Gerechtigkeit.
    Lass uns als Einzelne und als Gemeinde glaubwürdige Zeugen sein für dein Reich.
    Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.
    Amen.
     
    Halleluja

    Lesung: Mt 28, 16 - 20

    Z: Der Herr sei mit euch.   A: und mit deinem Geiste.
    Z: Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
    A: Ehre sei dir, o Herr.

     16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg,
    den Jesus ihnen genannt hatte.

    17 Und als sie Jesus sahen,
    fielen sie vor ihm nieder,
    einige aber hatten Zweifel.

    18 Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen:
    Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde.

    19 Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern;
    tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes
    und des Heiligen Geistes

    20 und lehrt sie, alles zu befolgen,
    was ich euch geboten habe.
    Und siehe, ich bin mit euch alle Tage
    bis zum Ende der Welt.

    Impuls:

    Wir sollen eins sein – eine Gemeinschaft -
    ja, sogar ein Leib.
    Unsere Aufgabe als „der Leib Christi“ ist es,
    Gottes Gute Botschaft in alle Welt zu tragen.
    Die Menschen und die Welt mit Gott, dem Vater,
    dem Sohn und dem Geist bekannt zu machen.
    Seine Liebe in Wort und Tat auf die Straßen unseres Lebens zu tragen.
    Und das so zu tun, dass andere verlockt werden zu sagen:
    „Seht, wie sie einander lieben!
    Zu ihnen wollen wir gehören, denn Gott ist wirklich mit ihnen.“

    Fürbitten

    Wir bitten für alle Kranken. Ob sie am Körper krank sind. Oder an der Seele.

    Wir bitten für alle, die den Kranken barmherzig helfen wieder gesund zu werden.

    P: Jesus Christus, Heiland und Erlöser: A: wir bitten dich erhöre uns

    • Wir bitten für alle, die deine Botschaft als Seelsorgerinnen und Seelsorger
      zu den Menschen tragen.
       
    • Wir denken auch an alle, die deiner Botschaft misstrauen
      und sie nicht glauben können.
    • Wir bitten für die Kirche, die oft unbarmherzig  und unglaubwürdig
      erlebt wird.
    • Wir beten für unsere Gemeinde, dass sie offen ist für alle, die suchen.
       
    • Wir bitten für uns selbst, - und unser oft hartes Herz.

    P: Wir beten gemeinsam:
    A: Jesus Christus, Heiland und Erlöser, erbarme dich über uns und über die ganze Welt, gedenke deiner Christenheit und führe zusammen, was getrennt ist. Amen.


    Segen
     

    Den Nächsten lieben wie sich selbst …

    Gebet:

    Guter Jesus,
    du hast gesagt: Seid barmherzig,
    wie auch der Vater barmherzig ist.
    Stärke uns mit deiner Liebe,
    damit auch wir immer mehr deine Barmherzigkeit leben können.
    Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.
    Amen.

    Halleluja

    Evangelium: Lk 10, 30-36

    30 Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab
    und wurde von Räubern überfallen.
    Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder;
    dann gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen.
    31 Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab;
    er sah ihn und ging vorüber.
    32 Ebenso kam auch ein Levit zu der Stelle;
    er sah ihn und ging vorüber.
    33 Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam zu ihm;
    er sah ihn und hatte Mitleid,
    34 ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie.
    Dann hob er ihn auf sein eigenes Reittier,
    brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn.
    35 Und am nächsten Tag holte er zwei Denare hervor,
    gab sie dem Wirt und sagte:
    Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst,
    werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.
    36 Wer von diesen dreien meinst du,
    ist dem der Nächste geworden, der von den Räubern überfallen wurde?
    37 Der Gesetzeslehrer antwortete:
    Der barmherzig an ihm gehandelt hat.
    Da sagte Jesus zu ihm:
    Dann geh und handle du genauso!

    Impuls

    Barmherzigkeit klingt altmodisch. Vielleicht auch schwächlich.
    Schmeckt manchem auch nach Ungerechtigkeit.
    Gemeint ist das Geben, weil der andere/die andere es braucht.
    Ohne Berechnung.
    Den Bruder, die Schwester sehen, - nicht den Konkurrenten, die Feindin…
    Den Menschen als ganzen sehen, - nicht nur einen Teil von ihm, von ihr.
    „Helfe ich jemandem, von dem ich nichts erhalten werde?
    Habe ich als Christ zumindest einen Armen als Freund?“ –
    Diese Fragen legte Papst Franziskus 2017 am Welttag der Armen den Gläubigen in seiner Predigt vor.
    Gib uns den Blick Jesu auf die Menschen, die uns brauchen, damit wir erkennen, was ihnen fehlt.
    Lass uns erkennen, wo wir als Boten und Täter der Hoffnung gebraucht werden.

    Fürbitten
     

    Guter Vater,
    du bist der Gott des Lebens und willst, dass alle das Leben haben.
    Wir bitten dich:

    Wir beten für alle, die sich schwer tun mit Barmherzigkeit und damit, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.

    P: Jesus Christus, Heiland und Erlöser: A: wir bitten dich erhöre uns

    Wir beten darum, dass alle in der Kirche, angefangen vom Papst bis zu uns Christen in den Gemeinden, immer mehr auf dich, Jesus, schauen und unser Leben nach dir ausrichten.

     

    Wir beten für alle, die wir kennen, und die Barmherzigkeit brauchen:

    - weil ihr Herz verwundet ist,

    - weil das Leben ihnen vieles auferlegt hat,

          - weil sie sich schwer tun im Leben,


    Und wir beten besonders für die Geflüchteten, - in unserem Land und in unserer Stadt.

     

    Wir schließen die Fürbitten mit dem Trierer Pilgergebet:

    A: Jesus Christus, Heiland und Erlöser, erbarme dich über uns und über die ganze Welt, gedenke deiner Christenheit und führe zusammen, was getrennt ist. Amen.

     

    Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit …


    Gebet

    Guter Vater,
    du hast uns deine Schöpfung geschenkt.
    Sie dürfen wir nutzen und gebrauchen.
    Du hast uns aber auch aufgetragen sie zu lieben.

    Senke deine Liebe in unsere Herzen ein,
    damit wir die Schöpfung achten und bewahren
    in Offenheit und Achtsamkeit.
    Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.
    Amen.
     

    Halleluja

    Lesung: Lk 6, 25 - 33

    25 Deswegen sage ich euch:
    Sorgt euch nicht um euer Leben,
    was ihr essen oder trinken sollt,
    noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt!

    Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung

    und der Leib mehr als die Kleidung?
    26 Seht euch die Vögel des Himmels an:
    Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie.
    Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
    27 Wer von euch kann mit all seiner Sorge
    sein Leben auch nur um eine kleine Spanne verlängern?
    28 Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung?
    Lernt von den Lilien des Feldes, wie sie wachsen:
    Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
    29 Doch ich sage euch:
    Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. 30 Wenn aber Gott schon das Gras so kleidet,
    das heute auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!

    31 Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht:
    Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? 32 Denn nach alldem streben die Heiden.
    Euer himmlischer Vater weiß,
    dass ihr das alles braucht.
    33 Sucht aber zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit;
    dann wird euch alles andere dazugegeben.

    Impuls

    Aufeinander zugehen – Füreinander einsetzen. Ist das nicht genau das, was Gesellschaft, was Solidarität meint? Nicht stehen bleiben bei uns selbst, sondern den anderen in den Fokus nehmen, mit seinem Menschsein?

    Sich ihm im Innersten verbunden fühlen. Sich von seiner Bedürftigkeit anrühren lassen und auf ihn zugehen. Ihm zum Nächsten werden und handeln. Solidarität als Bewusstsein der Zusammengehörigkeit – ein Band, das uns verbindet und uns stark macht. Wie schön wäre es, wenn wir diesen Gedanken mit in den Alltag hineinnehmen könnten,

    Aufstehn, aufeinander zugehn,

    voneinander lernen, miteinander umzugehn.

    Aufstehn, aufeinander zugehn

    und uns nicht entfernen,

    wenn wir etwas nicht verstehn.

     

    Jeder hat was einzubringen,

    diese Vielfalt, wunderbar.

    Diese Welt ist uns gegeben,

    wir sind alle Gäste hier.

    Wenn wir nicht zusammen leben,

    kann die Menschheit nur verliern.



    Fürbitten

    Guter Gott, du willst unserem Leben nicht fern, sondern uns ganz nahe sein. Wir kommen heute mit unseren Anliegen und Bitten zu dir:

    • Guter Gott, wir denken an die Menschen, die uns besonders nahe sind und mit denen wir unser Leben teilen. Wir bitten besonders für jene von ihnen, um die wir uns gerade Sorgen machen: Lass sie geborgen sein in deiner Hand.
      Christus höre uns..
    • Guter Gott, wir denken an alle Menschen, die unter ihrem Alter und ihren Krankheiten leiden. Lass sie von liebevollen Menschen umgeben sein, die für sie da sind. Christus höre uns
    • Guter Gott, für alle Kinder bitten wir um Mütter und Väter, die sich über ihre Kinder freuen können, ihre Bedürfnisse erkennen und sich der Herausforderung stellen, sie auf ihrem Lebensweg zu begleiten. Gib den Eltern das Gespür, wann sie ihre Kinder an die Hand nehmen müssen und wann sie sie wieder loslassen sollen. Christus höre uns
    • Kinder und Jugendliche werden in unserer Gesellschaft leider oft einseitig als Belastung erlebt. Wir bitten für alle Erwachsenen, dass sie die Kinder und Jugendlichen in ihrer Umgebung mit ihren Fehlern, aber auch mit ihren Fähigkeiten annehmen und ihnen dabei helfen, Sinn in ihrem Leben zu finden. Christus höre uns
    • Guter Gott, wir denken an die Generationen vor uns und an alle Menschen, die uns wichtig sind, auch wenn sie nicht mehr in dieser Welt leben. Lass sie bei dir für immer das Glück finden.
      Christus höre uns

    Gott, du Quelle allen Lebens,
    du hörst uns zu:
    Diese Bitten und alle unsere Anliegen, die unausgesprochen bleiben, legen wir in deine Hände. Lass uns leben aus deinem Geist. Dann teilen wir die Freude und das Glück, aber auch das Leid und die Not. Amen.


    Segen

     

    Suchet den Frieden und jaget ihm nach …

    Gebet

    Guter Gott,
    unser Leben geht einmal zu Ende.
    Alt werden mit all seinen Folgen gehört zum Leben.
    Hilf uns, die alten und einsamen Menschen nicht zu vergessen.
    Lass uns dafür eintreten, dass sie am Leben unserer Gesellschaft teilnehmen können.
    Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.
    Amen.

    Halleluja


    Evangelium: Lk 10,  25-28

    Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?

    Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort?

    Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.

    Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach und du wirst leben.

     

    Impuls

    gemeinsam gebetet GL 19,4

    Herr, mache mich zu Werkzeug des Friedens

     

    Dass ich Liebe bringe, wo man sich hasst,
    dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt,
    dass ich verbinde, wo Streit ist,
    dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum herrscht,
    dass ich den Glauben bringe, wo Zweifel drückt,
    dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält,
    dass ich dein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert,
    dass ich Freude mache, wo der Kummer wohnt.

    Herr lass du mich trachten,
    nicht, dass ich getröstet werde, sondern,
    dass ich andere tröste,
    nicht dass ich verstanden werde, sondern,
    dass ich andere verstehe,
    nicht dass ich geliebt werde, sondern,
    dass ich andere liebe

    Denn wer gibt, der empfängt,
    wer sich selbst vergisst, der findet,
    wer verzeiht, dem wird verziehen,
    und wer stirbt, erwacht zum ewigen Leben.

     

    Fürbitten
     

    Gott, Herr des Lebens, dich bitten wir

    • für die Opfer von Krieg, Terror und Gewalt, für die Männer, Frauen und Kinder, die der entfesselten Gewalt erliegen, für die an Leib und Seele Verletzten.
      Herr, erbarme dich, erbarme dich unser, erbarme dich unserer Zeit
       
    • für die, die als Opfer der Gewalt ihre Heimat verlassen mussten, die ihr Hab und Gut verloren haben, für die Flüchtlinge, die jetzt unsere neuen Nachbarn sind.
      Herr, erbarme dich, erbarme dich unser, erbarme dich unserer Zeit
       
    • für die vielen Engagierten für Frieden und Gerechtigkeit
      Herr, erbarme dich, erbarme dich unser, erbarme dich unserer Zeit
       
    • für die Menschen, die mutig gegen Hass und Gewalt, gegen Rassismus und Ausgrenzung aufstehen und sich gegen Stammtischparolen stellen.
      Herr, erbarme dich, erbarme dich unser, erbarme dich unserer Zeit
       
    • für uns selbst, wenn wir stark sind und wenn wir schwach sind, wenn wir vor Zuversicht strotzen und wenn Kleingläubigkeit uns erfasst.
      Herr, erbarme dich, erbarme dich unser, erbarme dich unserer Zeit
       
    • A: Jesus Christus, Heiland und Erlöser, erbarme dich über uns und über die ganze Welt, gedenke deiner Christenheit und führe zusammen, was getrennt ist. Amen.

    Segen

  • Pfingsten 2021

    Lesung: Apg, 2, 1 – 11

     

    Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war,
       waren alle zusammen am selben Ort.
    Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen,
    wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt,
    und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.
    Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer,
       die sich verteilten;
    auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.
    Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt
    und begannen, in anderen Sprachen zu reden,
       wie es der Geist ihnen eingab.
    In Jerusalem aber wohnten Juden,
    fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.
    Als sich das Getöse erhob,
       strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt;
    denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.
    Sie waren fassungslos vor Staunen
    und sagten:
    Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?
    Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:
    Parther, Meder und Elamiter,
    Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien,
    von Pontus und der Provinz Asien,
    von Phrygien und Pamphylien,
    von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin,
    auch die Römer, die sich hier aufhalten,
    Juden und Proselyten,
    Kreter und Araber -
    wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

     

    Gedanken

    „Herausgerufen – Schritte in die Zukunft wagen“

    Mit diesen Worten ist das Abschlussdokument der Trierer Synode aus dem Jahr 2016 überschrieben. Wenn ich den Text der heutigen Lesung aus der Apostelgeschichte lese, dann passt dieser Titel auch als Überschrift über das Pfingstfest, das wir feiern.
    Furchtsam und verschüchtert haben sich die Apostel und Maria zurückgezogen. Sie haben sich eingeschlossen in den Abendmahlssaal. Angst und Verunsicherung halten sie gefangen.

    So erlebe ich auch heute manchmal Christen und unsere Kirche. Ein Erlebnis mit einem unserer Kinder macht es deutlich. Er war 15 geworden und wollte nicht mehr Messdiener sein. Als ich nach dem Grund fragte, meinte er: „Das ist doch peinlich gegenüber den Klassenkameraden. Die lachen ja über mich.“ Ich bin ja Christ, aber ich kann und will das nicht so offensiv zur Schau stellen. In früheren Zeiten war man Außenseiter und es schadete dem Ansehen, wenn man kein Christ war. Heute habe ich manchmal den Eindruck, dass es dem Ansehen schadet, wenn ich mich öffentlich zum Christsein bekenne. Christsein ist Privatsache und geht nur mich etwas an.

    Und auch unsere Kirche igelt sich manchmal ein: in ihre Themen, in ihre Sprache, in ihre eigene Welt. Viele Menschen haben so keinen Zugang mehr zur Kirche und ihrer Botschaft.

    Die Pfingstgeschichte erzählt eine ganz andere Botschaft: die Apostel werden wie von einem Sturm ergriffen: Jesu lebt. Seine Botschaft ist mit seinem Tod am Kreuz nicht zu Ende. Er und seine Botschaft leben. Und sie drängen nach außen zu den Menschen auf der Straße.

    Die Apostelgeschichte macht deutlich, wie ansteckend die Begeisterung ist. Über die Grenze von Volks- und Religionszugehörigkeit hinweg erfasst sie die Menschen. Menschen mit unterschiedlicher Sprache können sie verstehen – die Sprache Gottes, die Liebe, ist universell.
    Der Geist Gottes entgrenzt und befreit – wenn wir ihn wirken lassen.

    Deshalb habe ich auch keine Angst um meine Kirche und ihre Botschaft – auch wenn ich oftmals an ihr leide. Deshalb kann ich immer noch sagen. „Ich gehöre dazu und mache mit, denn sein Geist treibt mich immer wieder an.
    Johannes XXIII, der große Papst der Öffnung und der Weite drückt es in einem Gebet so aus:


    „Heiliger Geist,

    vervollständige in uns das Werk, das Jesus begonnen hat!

    Gib unserem Apostolat Begeisterung,

    damit es alle Menschen und Völker erreicht,

    da sie alle durch das Blut Christi erlöst und sein Erbe sind!

    Töte in uns die natürliche Anmaßung ab

    und trage uns in das Reich heiliger Demut,

    wahrer Gottesfurcht und hochherzigen Mutes empor!

    Kein irdisches Band möge uns hindern,

    unserer Berufung Ehre zu machen;

    kein Interesse möge uns feige und die Forderung der Gerechtigkeit machtlos machen; keine Berechnung möge die unendliche Weite der Liebe

    in die Enge unserer kleinen Selbstsucht zwängen!

    Möge alles an uns groß sein:

    die Suche und Verehrung der Wahrheit,

    die Bereitschaft zum Opfer bis zu Kreuz und Tod!

    …  Amen;

    alleluja alleluja.“

    (Quelle: Johannes XXII. In: Walter Nigg, Mit großen Christen um den Hl. Geist beten. Rex-Verlag, München Luzern 1976., www.predigforum.com).

     

    Den Geist, der aufrüttelt und erfüllt, der antreibt und öffnet, wünsche ich uns allen.

    Amen.

     

    Fürbitten

    Wir feiern das Kommen von Gottes Geist in unsere Welt
    und bitten auch heute um diesen Geist für uns und die Welt:

    • Komm, Heiliger Geist, zu den Nationen und Volksgruppen in aller Welt –
      zu den Verbündeten und den Verfeindeten,
      zu den Menschen im Heiligen Land in einem unsicheren Waffenstillstand;
      zu denen, die helfen können,
      und zu denen, die in Not oder bedroht sind.
      Komm, Heiliger Geist, – A: entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.
       
    • Komm, Heiliger Geist, mit Erkenntnis und Rat –
      für Christinnen und Christen aller Konfessionen,
      für die Menschen guten Willens in allen Religionen,
      und alle, die sich einsetzen für Gerechtigkeit und Frieden.
      Komm, Heiliger Geist, – A: entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.
       
    • Komm, Heiliger Geist, zu den Christgläubigen in unserem Land –
      zu den Engagierten und den Resignierten,
      zu den Begeisterten und den Enttäuschten.
      Und zu allen, die über Wege der Kirche in die Zukunft beraten.
      Komm, Heiliger Geist, – A: entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.
       
    • Komm, Heiliger Geist, Einsicht und Weisheit –
      für die vielen, die gegen andere hetzen, sie diffamieren oder bedrohen;
      aber auch für alle,
      die in Ost und West Verantwortung übernehmen für die Schöpfung.
      Komm, Heiliger Geist, – A: entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.
       
    • Komm, Heiliger Geist, mit deiner Kraft –
      zu den an Covid19 Erkrankten,
      zu denen, die in Medizin und Pflege stark gefordert sind,
      zu den Kindern und Jugendlichen, die unter der Pandemie sehr leiden.
      Komm, Heiliger Geist, – A: entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.
       
    • Komm, Heiliger Geist, erfülle uns und alle –
      die eine Sprache sprechen,
      und Menschen, die sich nichts zu sagen haben.
      Und alle, die Wort halten, auch wenn es schwer fällt.
      Komm, Heiliger Geist, – A: entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.
       
    • Komm, Heiliger Geist mit deinem Frieden
      für die, in  denen Chaos und zwischen  denen Wirrwarr ist;
      und mit Klarheit und Trost für alle,
      in denen die Trauer mächtig ist oder bei denen die Hoffnung keimt.
       

    Ja, komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen,
    und entzünde in ihnen und allen das Feuer deiner Liebe,
    die lodert zwischen dem Vater und dem Sohn in Ewigkeit. Amen

  • 7. Sonntag der Osterzeit - B 2021

    Evangelium: Joh 17, 1 - 19

    In jener Zeit
       erhob Jesus seine Augen zum Himmel
    und sagte:
       Vater, die Stunde ist gekommen.
    Verherrliche deinen Sohn,
       damit der Sohn dich verherrlicht!
    Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben,
    damit er allen, die du ihm gegeben hast,
       ewiges Leben schenkt.
    Das aber ist das ewige Leben:
    dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen
    und den du gesandt hast, Jesus Christus.
    Ich habe dich auf der Erde verherrlicht
    und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast.
    Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir
       mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte,
       bevor die Welt war!
    Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart,
       die du mir aus der Welt gegeben hast.
    Sie gehörten dir
    und du hast sie mir gegeben
    und sie haben dein Wort bewahrt.
    Sie haben jetzt erkannt,
       dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.
    Denn die Worte, die du mir gabst,
       habe ich ihnen gegeben
    und sie haben sie angenommen.
    Sie haben wahrhaftig erkannt,
       dass ich von dir ausgegangen bin,
    und sie sind zu dem Glauben gekommen,
       dass du mich gesandt hast.
    Für sie bitte ich;
    nicht für die Welt bitte ich,
    sondern für alle, die du mir gegeben hast;
    denn sie gehören dir.
    Alles, was mein ist,
       ist dein,
    und was dein ist,
       ist mein;
    in ihnen bin ich verherrlicht.
    Ich bin nicht mehr in der Welt,
    aber sie sind in der Welt
    und ich komme zu dir.
    Heiliger Vater,
       bewahre sie in deinem Namen,
       den du mir gegeben hast,
       damit sie eins sind wie wir!
    Solange ich bei ihnen war,
    bewahrte ich sie in deinem Namen,
       den du mir gegeben hast.
    Und ich habe sie behütet
       und keiner von ihnen ging verloren,
       außer dem Sohn des Verderbens,
       damit sich die Schrift erfüllte.
    Aber jetzt komme ich zu dir
    und rede dies noch in der Welt,
    damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.
    Ich habe ihnen dein Wort gegeben
    und die Welt hat sie gehasst,
    weil sie nicht von der Welt sind,
    wie auch ich nicht von der Welt bin.
    Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst,
    sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.
    Sie sind nicht von der Welt,
    wie auch ich nicht von der Welt bin.
    Heilige sie in der Wahrheit;
    dein Wort ist Wahrheit.
    Wie du mich in die Welt gesandt hast,
    so habe auch ich sie in die Welt gesandt.
    Und ich heilige mich für sie,
    damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.

    Gedanken

    Namen spielen in der Werbung eine große Rolle und große Investitionen werden getätigt, um einen ansprechenden und unverwechselbaren Namen für ein Produkt zu kreieren. „Ein Name ist ein Instrument, das ein Bild erzeugt", heißt es in einer Managerzeitschrift. Ein treffender Name soll etwas über den Gegenstand ausdrücken und das Produkt so bekannt machen, dass es in aller Munde ist und jeder etwas damit verbindet. Namen sollen Identifikation stiften und denen, die sie hören oder lesen eine positive Beziehung zum umworbenen Produkt ermöglichen.

    Auch in der Bibel - wie überhaupt in der Geschichte der Kulturen - spielen Namen eine große Rolle. In den Texten der Bibel sind Namen oft ein Programm.

    Da ist z.B. Mose, der Gott, der ihm im brennenden Dorn­busch erscheint, nach dessen Namen fragt. Und Gott antwortet: "Ich bin der ich-bin-da." Namen drücken in der Bibel oft etwas vom Wesen des Benannten aus, offenbaren wesentliche Merkmale des Bezeichneten und sprechen von seiner Bedeutung für den Empfänger des Namens.

    Auch im heutigen Evangelium steht ein Name im Mittelpunkt. „Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart ...“ betet Jesus. Doch Jesus hat hier keine Werbebotschaft verkündet. Ihr besonderes Gewicht erhalten Jesu Worte dadurch, dass sie Teil seiner Abschiedsworte an die Jünger sind und Teil eines Gebetes. In diesem Gebet kommt die vertraute und innige Bezie­hung Jesu zu seinem Gott zum Ausdruck. Und diesen Namen, den er immer wieder verkündet hat, den hat er nicht selbst entwickelt und geschaffen, wie die Werbestrategen. Dieser Name ist ihm von Gott selbst geschenkt worden. In den vielen intimen Stunden des Gebetes, des vertrauten Gesprächs mit dem Vater. Und dieser Name Gottes, ist für Jesus selbst zur bestimmenden Wirklichkeit seines Lebens geworden, so sehr, dass die Apostel in ihm den menschgewordenen Gott erkennen konnten. In der Beziehung zu Jesus konnten die Jünger deshalb ihre Beziehung zum Vater neu finden und gestal­ten. „Wer mich sieht, der sieht den Vater“, sagt Jesus an anderer Stelle.

    ,,Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart." In dieser Aussage leuchtet Jesu ganze Existenz vor Gott auf: seine Zuwendung zu den Aus­gegrenzten, den Kranken, den Sündern, seine Verkündigung der Zuwen­dung und Liebe Gottes zu allen Menschen, die ihn bis in seinen Kreuzes­tod hinein beseelt und gehalten hat. Jesu Leben, seine ganze Existenz, ist Offenbarung des Namens Gottes und ruft uns dazu auf, mit ihm in diese Existenz mit einzutreten, ihm nachzufolgen im Gebet und im Tun.

    Dabei weiß Jesus aber auch um die Gefährdungen, denen die ausgesetzt sind, die ihm nachfolgen. Er weiß um den Spott, ja um den Hass, der denen entgegenschlagen kann, die aus der Liebe Gottes zu leben versuchen - er hat sie am eigenen Leib erfahren müssen. Dennoch fordert Jesus uns auf, es ihm nachzutun: das Gespräch mit dem Vater immer wieder zu suchen und die Liebe des Vaters im eigenen Leben immer wieder aufleuchten zu lassen. Er fordert uns auf, in der Welt zu leben, sich aber nicht von der Welt und ihren Versprechungen und Versuchungen vereinnahmen zu lassen. In seiner Nachfolge sendet er uns in die Welt hinein, in unseren Alltag, seine Botschaft weiter zu sagen, den Namen Gottes bekannt zu machen. Nicht mit dem Kalkül und den psychologischen Finessen der Werbestrategen, sondern durch unser Leben. Denn Jesus weiß auch, dass dieser Weg trotz allem zu echter Freude und zu einem Leben in Fülle führt.

     

    Fürbitten

    Gott heiligt die Welt mit Wahrheit und Liebe.
    In dieser Gewissheit kommen wir mit der Not unserer Tage
    und bitten um Heil und Liebe:

    • Beten wir für die Menschen im Nahen Osten, in Israel und Palästina:
      Für alle, deren Leben und Gesundheit bedroht sind und die Angst haben;
      für die vielen Toten und Verletzten.
      Und für jene, die sich um ein friedliches und respektvolles Miteinander der Menschen und der Religionen im Heiligen Land mühen.
      Gott, schenke Heil und Liebe.
       
    • Beten wir für alle in der Corona-Pandemie:
      Für die Menschen, die an den Folgen der Virus-Erkrankung leiden.
      Für alle, die Gesetze und Regeln nicht ernstnehmen.
      Und für die vielen, die aufatmen, weil die Inzidenzzahlen sinken.
      Gott, schenke Heil und Liebe.
       
    • Beten wir für die Christinnen und Christen:
      Für alle, die vom dritten ökumenischen Kirchentag neue Denkanstöße für ihren Glauben bekommen.
      Gott, schenke Heil und Liebe.
       
    • Für Frauen, Männer und junge Menschen, die Zeugnis von der Frohen Botschaft geben.
      Und für die Jungen und Mädchen, die in diesen Wochen zum ersten Mal an den Tisch des Herrn treten, die Firmung empfangen oder konfirmiert werden.
      Gott, schenke Heil und Liebe.
       
    • Beten wir für die Kirche im Bistum Trier:
      Für alle Ehren- und Hauptamtlichen, die neue Wege in die Zukunft des Glaubens suchen und gehen.
      Für die Pfarreien, die sich zusammenschließen wollen.
      Und für Menschen und Gruppen, die sich frustriert zurückziehen.
      Gott, schenke Heil und Liebe.
       
    • Beten wir für uns selbst und unsere Allernächsten
      und bringen in Stille unsere persönlichen Anliegen vor Gott.
      Gott, schenke Heil und Liebe.
       

    Gott, Du bist Liebe und schenkst Jeder und Jedem Heil und Leben.
    Dafür danken wir dir und preisen dich
    durch deinen Sohn, Jesus Christus,
    der in der Einheit des Heiligen Geistes
    mit dir lebt und wirkt in Zeit und in Ewigkeit. Amen.

     

  • 6. Sonntag der Osterzeit - B 2021

    Lesung: 1 Joh 4, 7-10

    Geliebte, wir wollen einander lieben;
    denn die Liebe ist aus Gott
    und jeder, der liebt, stammt von Gott
       nd erkennt Gott.
    Wer nicht liebt,
       hat Gott nicht erkannt;
    denn Gott ist Liebe.
    Darin offenbarte sich die Liebe Gottes unter uns,
       dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat,
       damit wir durch ihn leben.
    Darin besteht die Liebe:
       Nicht dass wir Gott geliebt haben,
       sondern dass er uns geliebt
       und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat.

    Evangelium: Joh 15, 9 – 17

    In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
    Wie mich der Vater geliebt hat,
       so habe auch ich euch geliebt.
    Bleibt in meiner Liebe!
    Wenn ihr meine Gebote haltet,
       werdet ihr in meiner Liebe bleiben,
    so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe
       und in seiner Liebe bleibe.
    Dies habe ich euch gesagt,
       damit meine Freude in euch ist
       und damit eure Freude vollkommen wird.
    Das ist mein Gebot,
    dass ihr einander liebt,
       so wie ich euch geliebt habe.
    Es gibt keine größere Liebe,
       als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.
    Ihr seid meine Freunde,
       wenn ihr tut, was ich euch auftrage.
    Ich nenne euch nicht mehr Knechte;
    denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut.
    Vielmehr habe ich euch Freunde genannt;
    denn ich habe euch alles mitgeteilt,
       was ich von meinem Vater gehört habe.
    Nicht ihr habt mich erwählt,
    sondern ich habe euch erwählt
       und dazu bestimmt,
       dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt
    und dass eure Frucht bleibt.
    Dann wird euch der Vater alles geben,
    um was ihr ihn in meinem Namen bittet.
    Dies trage ich euch auf,
       dass ihr einander liebt.

    Gedanken

    Eine alte Legende erzählt einmal davon, wie Jesus im Paradies mit seinen Jüngern zusammen ist. Sie haben sich gerade alle an den Tisch gesetzt, um miteinander Mahl zu halten, da steht Jesus noch einmal auf und stellt noch einen weiteren Stuhl an den Tisch. Alle warten gespannt darauf, was jetzt wohl geschieht. Da öffnet sich die Türe zum Saal und ein Mann tritt herein, den alle kennen. Jesus steht auf, geht ihm freudig entgegen, umarmt ihn zur Begrüßung und sagt zu ihm: „Komm mein Freund, setzt dich zu uns und iss mit uns.“
    Alle am Tisch sind erstaunt, ja fassungslos. Der Mann ist Judas, der Jesus verraten hat.

    Was denken Sie, wenn Sie diese Legende hören? Ist Jesus denn verrückt geworden? Wie kann er den Verräter einladen und ihn sogar noch mit „mein Freund“ anreden? Hätte er ihn nicht besser fortgejagt?

    Ich glaube, solche Gedanken sind berechtigt und natürlich. Denn Judas hat Jesus tatsächlich verraten, ihn dem Tod ausgeliefert. Aber im Licht des heutigen Evangeliums hat die Legende eine wichtige Botschaft zu vermitteln.

    Im Evangelium sagt Jesus zu den Jüngern: „Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe.“ Wir müssen uns vor Augen führen: Es sind die Abschiedsworte Jesu, also gewissermaßen sein Testament, dass er vor dem Leidensweg den Jüngern ans Herz legen will. Jesu Liebe war grenzenlos durch sein Leben hat er es ganz klar gemacht, wie weit diese Liebe geht. Sie gilt auch den ausgestoßenen, den Sündern, den Armen, denen, die niemand mehr will, ja sogar den Feinden. Ohne diese grenzenlose Liebe zum Nächsten gibt es keine Liebe zu Gott. Beides gehört untrennbar zusammen.
    Der heilige Franz von Sales hat einmal die Worte geprägt: „Wenn du beim Breviergebet sitzt und öffnest dem Armen, der dich braucht die Tür nicht, weil du erst deine heilige Pflicht Gott gegenüber erfüllen willst, dann ist dein Gebet wertlos.“

    In der Lesung aus der Apostelgeschichte zeigt Petrus, was das für einen Christen konkret bedeuten kann. Er geht in das Haus des römischen Hauptmannes hinein, ist bei ihm zu Gast, obwohl es für einen Juden streng verboten war, mit einem Heiden Kontakt zu haben. Die Liebe Gottes ist grenzenlos, sie hat sich in Jesus Christus selbst entäußert und sich den Menschen in die Hand gegeben. Die Liebe Jesu war so grenzenlos, dass er dem Verbrecher am Kreuz das Paradies versprochen hat. Sie war so grenzenlos, dass er sagen konnte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wisse nicht, was sie tun.“ Diesem Beispiel folgt Petrus.

     

    Gottes Liebe war so grenzenlos, dass er, der unfassbare und unerreichbar hohe Gott in Jesus Christus uns gleich geworden ist. „Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde.“

    Im Lichte des heutigen Evangeliums verbieten sich Botschaften des Hasses, wie sie in den sozialen Medien zum Alltag geworden sind. Es verbieten sich Anfeindungen gegen andere wegen Hautfarbe, sozialer oder ethnischer Herkunft und Religion.

    Es gebietet sich, immer einen freien Stuhl am Tisch zu haben, auf den jeder sich setzen darf, der als Gast zu uns kommt. Im Johannesbrief heißt es: „Wer nicht liebt,
    hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist Liebe.“

    Amen.

     

    Fürbitten

    Jesus nennt uns Freundinnen und Freunde
    denen Gott alles gibt, um was wir in seinem Namen bitten.
    Im Vertrauen auf diese Liebe treten wir ein für die nahen und die fernen Nächsten
    und bitten um Gottes Kraft:

    • … für die Menschen in den ärmeren und armen Ländern,
      in Indien und in Afrika, wo die Corona-Pandemie besonders bedrohlich ist;
      und für alle, die an der gerechten Verteilung der Impfstoffe
      und an der besseren Versorgung der Kranken weltweit arbeiten.
      Herr Jesus Christus:
       
    • Wir bitten um Gottes Kraft für die Geimpften und die von Covid19 Genesenen,
      für alle, die lange unter den Folgen der Krankheit leiden;
      für die schwer Erkrankten und alle, die in den Kliniken für sie arbeiten.
      Herr Jesus Christus:
       
    • Wir hoffen auf Gottes Kraft für die jungen Menschen,
      deren Kinder- und Jugendzeit von der Pandemie so stark beeinträchtigt ist;
      und für alle, die ihnen helfen, Lern-Lücken zu schließen
      und gute Erfahrungen für ihr Leben zu machen.
      Herr Jesus Christus:
       
    • Wir beten für alle, die um Gottes Segenskraft bitten
      für ihr eigenes Leben, für ihre Partnerschaft und Familie,
      für wichtige Entscheidungen und für andere Menschen.
      Herr Jesus Christus:
       
    • Wir hoffen auf Gottes Geist für alle,
      die in politischen oder wirtschaftlichen Konflikten stehen;
      für EU und Vereinigtes Königreich, für Schottland und Ukraine…
      und für die neu verabredeten Koalitionen in Stuttgart und Mainz.
      Herr Jesus Christus:
       
    • Wir sind im Geist der Liebe verbunden mit allen,
      die den Ökumenischen Kirchentag unter starken Einschränkungen begehen wollen als Fest der einen Kirche.
      Herr Jesus Christus:
       
    • Wir denken an Sophie Scholl und die Weiße Rose
      und beten um Weisheit und Kraft von Gott für alle,
      die Widerstand leisten gegen ungerechte Gewalt und den Missbrauch von Macht.
      Herr Jesus Christus:
       

    Weil Du uns Menschen liebst,
    weil Jesus uns zu Freundinnen und Freunden macht,
    sind wir verbunden mit allen Menschen-Geschwistern.
    Wir danken für die Kraft und den Beistand deines Geistes
    für uns und die ganze Welt –
    und loben dich heute und morgen und bis in Ewigkeit. Amen

  • 5 Sonntag der Osterzeit - A 2021

    Evangelium: Joh 15, 1-8

    In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
    Ich bin der wahre Weinstock
       und mein Vater ist der Winzer.
    Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt,
       schneidet er ab
    und jede Rebe, die Frucht bringt,
       reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.
    Ihr seid schon rein kraft des Wortes,
       das ich zu euch gesagt habe.
    Bleibt in mir
       und ich bleibe in euch.
    Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann,
       sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt,
       so auch ihr,
       wenn ihr nicht in mir bleibt.
    Ich bin der Weinstock,
       ihr seid die Reben.
    Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe,
       der bringt reiche Frucht;
    denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.
    Wer nicht in mir bleibt,
       wird wie die Rebe weggeworfen
    und er verdorrt.
    Man sammelt die Reben,
       wirft sie ins Feuer
       und sie verbrennen.
    Wenn ihr in mir bleibt
       und meine Worte in euch bleiben,
       dann bittet um alles, was ihr wollt:
    Ihr werdet es erhalten.
    Mein Vater wird dadurch verherrlicht,
       dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.
     

    Gedanken

    Die Pandemie und ihre Folgen haben das Leben der Menschen im vergangenen Jahr verändert und geprägt. Kreative Menschen haben dazu sehr schnell Schlagworte entwickelt, welche versuchen, die Situation auf den Punkt zu bringen.

    „Wir bleiben zuhause und doch in Verbindung …“ war ein Motto. Überhaupt, so belegen Studien, wurden die sozialen Medien viel intensiver genutzt, um Verbindung zu halten zu Anderen.
    Gleichzeitig hören wir, dass die sozialen Unterschiede in der Pandemie sich verschärft haben. Durch den Wegfall oder die Reduzierung der sozialen Kontakte fanden auch Beratungen oder Hilfsangebote nicht mehr oder nur eingeschränkt statt.

    Mini-Jobs fielen weg, weil sie durch die Kontaktbeschränkungen nicht mehr gebraucht wurden.

    In Verbindung bleiben, ein Netzwerk haben, das scheint gerade in der heutigen Zeit notwendig zu sein. Das macht uns die Pandemie deutlich bewusst.

     

    Auch im heutigen Evangelium ist von einem „Netzwerk“ die Rede, von Verbindungen, die lebensnotwendig sind. Das Bild dafür ist der Weinstock mit seinen Reben. Und dieses Wort vom Weinstock und den Reben gewinnt umso mehr Gewicht, als es zu den Abschiedsworten Jesu gehört. In diesen Worten hinterlässt Jesus den Jüngern sein Vermächtnis.

     

    „Ich bin der wahre Weinstock und ihr seid die Reben.“
    Das Bild vom Weinstock kommt aus dem Alten Testament. Der Weinstock ist dort das Volk Israel, das Gott eingepflanzt hat und für das er als Winzer sorgt.
    Im Johannesevangelium ist Jesus selbst der neue Weinstock. Er ist die Verbindung zwischen den Jüngern und dem Winzer. Verbunden mit Jesus bringen die Reben gute Frucht. Das gilt auch für uns heute – die Jüngerinnen und Jünger unserer Zeit. Durch die Taufe sind wir mit ihm verbunden. Wie in der realen Natur verdorrt die Rebe, wenn die Verbindung zum Weinstock verloren geht. Sie wird keine Frucht bringen.
     

    „Bleibt in mir und ich bleibe in euch.“ Diese Bitte, dieser Apell Jesu gilt auch für uns heute. Aber es ist kein moralisierendes Bitten um die Erfüllung bestimmter Gebote und Regeln. Es ist vielmehr das Werben Jesu für eine lebendige Beziehung mit ihm und das Vertrauen in seine Verheißung. Jesus verlangt nicht, dass wir Frucht bringen als Leistung. Vielmehr macht er ein Versprechen: „Mit mir werdet ihr reiche Frucht bringen.“ Und er selbst ist es, der diese Frucht schenkt.


    „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“
    Es geht um eine Entscheidung, die unser ganzes Leben betrifft und umfasst. Es ist die Entscheidung für die vertrauensvolle Beziehung zu Jesus und das Bemühen, zu dieser Beziehung zu stehen und sie zu pflegen. Etwa ein gutes Dutzend Mal benutzt Jesus in diesem Kapitel des Evangeliums das Wort „bleiben“. Jesus wirbt um die Beziehung mit uns, den Rebzweigen und macht gleichzeitig eine Verheißung.
    In der Verbindung mit Jesus, als Teil seines „Netzwerkes“ wird uns die Fülle geschenkt werden. Wir werden die Kraft erhalten Frucht zu bringen. Die Frucht wird dann fast von selbst kommen.

    Ich habe es oftmals erleben dürfen, wie die Verbindung zu Christus, dem Weinstock, Menschen Kraft gegeben hat, sie motiviert und befähigt hat zu einem erfüllten Leben auch und gerade in schweren Zeiten. Ich durfte erleben, wie Menschen neue Lebensmöglichkeiten und Lebensperspektiven gewinnen konnten.

     

    Mich entlastet es, zu wissen: nicht alles muss ich selbst leisten und erbringen. Ich darf mich tragen lassen vom Weinstock Christus. Ich darf seinen Lebensstrom einfach in mich aufnehmen. Und ich darf mich mitgetragen fühlen in der Gemeinschaft der vielen Reben am Weinstock.
    Amen.

     

    Fürbitten

    Jesus Christus ist der Weinstock;
    er sorgt dafür, dass wir als seine Reben reiche Frucht bringen.
    Wir bleiben in ihm und dürfen vertrauen,
    dass Gott unsere Bitten erhört.
    So bringen wir unsere Anliegen vor Gott:
     

    • Lasst uns beten für alle, die ihren Arbeitsplatz verloren haben,
      die durch Lockdown und Kurzarbeit in ihrer Existenz bedroht sind
          oder den Sinn ihrer Arbeit in Frage gestellt sehen.
      Wir denken besonders an junge Menschen,
      die am Beginn eines neuen Lebensabschnitts
         keine gute Perspektive für ihre Zukunft sehen.
      Herr, Jesus Christus:
       
    • Wir schauen nach Indien,
      wo sich täglich Hunderttausende mit Covid19 infizieren
          und die Kliniken oft keine Hilfe mehr leisten können.
      Lasst uns beten für alle Menschen,
      deren Lebenssituation die Gefahr der Ansteckung begünstigt -
      bei uns und in aller Welt.
      Herr, Jesus Christus:
       
    • Lasst uns beten für alle jungen und älteren Menschen,
      die sich für die Schönheit der Schöpfung
         und für den Schutz von Klima und Umwelt aktiv einsetzen;
      für alle, die in der Politik und im persönlichen Verhalten dafür sorgen,
         dass auch die nächsten Generationen in einer guten Welt leben können.
      Herr, Jesus Christus:
       
    • Lasst uns beten für die Toten und Verletzten nach der Massenpanik in Israel;
      und für alle, die einer Natur-Katastrophe zum Opfer fallen
         oder einem von Menschen verursachten Unglück.
      Herr, Jesus Christus:
       
    • Lasst uns beten für alle unsere Verstorbenen;
      dass sie leben dürfen in deiner Gegenwart und in einem Leben der Fülle.
      Herr, Jesus Christus:
       

    Jesus Christus, du hast uns gezeigt,
    dass Gott mutige, starke und aufrichtige Menschen wünscht.
    Du stärkst uns, dass wir weiter an deinem Reich bauen.
    Dafür loben wir dich – jetzt und bis in deine Ewigkeit. Amen.

     

  • 4. Sonntag der Osterzeit - 2021

    Evangelium:  Joh 10,11-18

    Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

    In jener Zeit sprach Jesus:
    Ich bin der gute Hirt.
    Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.
    Der bezahlte Knecht aber,
       der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören,
       sieht den Wolf kommen,
       lässt die Schafe im Stich und flieht;
    und der Wolf reißt sie und zerstreut sie.
    Er flieht,
    weil er nur ein bezahlter Knecht ist
       und ihm an den Schafen nichts liegt.
    Ich bin der gute Hirt;
    ich kenne die Meinen
       und die Meinen kennen mich,
    wie mich der Vater kennt
       und ich den Vater kenne;
    und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.
    Ich habe noch andere Schafe,
       die nicht aus diesem Stall sind;
    auch sie muss ich führen
    und sie werden auf meine Stimme hören;
    dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.
    Deshalb liebt mich der Vater,
       weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen.
    Niemand entreißt es mir,
       sondern ich gebe es von mir aus hin.
    Ich habe Macht, es hinzugeben,
       und ich habe Macht, es wieder zu nehmen.
    Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.

     

    Gedanken:

    An unserer Hermeskeiler Tafel wird jedem Tafelkunden eine Nummer zugeteilt. Die steht auch auf seiner Berechtigungskarte. Nach dieser Nummer wird der Einlass zur Tafel geregelt, damit die Ausgabe gut ablaufen kann. Wenn ich Dienst habe und an der Rezeption dann nach der Nummer frage und anschließend dann den Namen nenne, kommt oft ein Lächeln zurück. Die Anrede mit dem Namen ist wichtig, denn sie besagt dem Gegenüber: ich kenne dich, ich nehme dich als Person wahr. Und das ist bei Menschen, die in unserer Gesellschaft oft nicht mehr deutlich wahrgenommen, manchmal sogar an den Rand gedrängt werden, lebenswichtig. Und wenn ich dann nach einiger Zeit den ein oder anderen Namen weiß, ohne in die Liste zu schauen, dann öffnet sich das Gegenüber manchmal und beginnt zu erzählen, von der kranken Mutter, von den eigenen Sorgen und Nöten, von den Steinen, die auf dem eigenen Leben liegen. Mit Namen ansprechen signalisiert: „Ich kenne dich!“ Und es mit offenem Blick und freundlich zu tun, signalisiert: „Du bist mir jetzt wichtig! Du selbst bist gemeint.“ Das schafft Beziehung und Vertrauen.

    Im heutigen Evangelium da sagt Jesus, der gute Hirte: die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.“
    Er betont: der gute Hirte kennt die Seinen und die Seinen kennen ihn.
    Schon bei unserer Taufe spielt der Name eine wichtige Rolle: Es heißt nicht einfach nur: „Kind, ich taufe dich …“ oder gar „Christ Nr. xxx“. Es wird vielmehr der Name genannt und der Täufling mit diesem Namen angesprochen.
    Von Hub Oosterhuis gibt es ein Verabschiedungsgebet für Verstorbene. Darin heißt es:
     

    „Brüder und Schwestern. um diesem Menschen
    die letzte Ehre zu geben,
    um seinem Leben und Sterben gerecht zu werden,
    stehen wir hier an seinem Sarg./seiner Urne

    Wir richten unsere Augen auf das Kreuz Jesu Christi,
    und in tastendem Glauben sprechen wir aus:
    dies ist das Ende nicht,
    und unser Gott ist ein Gott der Lebenden.

    Mehr als sein Leib
    ist uns der Name dieses Menschen geblieben‑
    … (der Taufname wird genannt)
    Diesen Namen sprechen wir hier aus,
    nennen ihn mit Ehrfurcht und Zuneigung und bitten:

    Herr, Gott, erinnere dich seines Namens,
    den er/sie von Menschen empfangen hat,
    in dem man ihn/sie kennt
    auch nach seinem/ihrem Tode,

    der Name, den du geschrieben hast in die Fläche deiner Hand.“
    Deshalb schreiben wir sogar auf unsere Gräber noch den Namen dessen, der dort seine letzte Ruhe gefunden hat. Der Name soll nicht vergessen werden.
     

    Der gute Hirt kennt die Namen jedes einzelnen und ruft jeden beim Namen. Jeder einzelne ist ihm wichtig, jeden einzelnen liebt der gute Hirte – mit all dem, was mit diesem individuellen Namen verbunden ist. Zum Namen gehört all das, was wesentlich ist für diesen Menschen, das Leben mit seiner ganzen wechselvollen Geschichte. Und dieser Hirte, Jesus, möchte, dass alle das Leben haben – und zwar das Leben in Fülle. 
    Dies alles macht mir diese Zeit der Corona-Krise mit all ihren Folgeerscheinungen deutlich bewusst.

    Jesus setzt dem sein Bild des guten Hirten entgegen – und er füllt dieses Bild mit seinem eigenen Leben, Sterben und Auferstehen. Diesem Hirten können wir wirklich unser Vertrauen schenken!
    Amen.

     

    Fürbitten:

    Jesus Christus ist der gute Hirte.
    Er sammelt und führt die Menschen und verheißt uns und allen Leben in Fülle.
    So dürfen wir in unseren Anliegen zu ihm beten:

    • Für alle Menschen, deren Leben aus den Fugen geraten ist
      und denen nun Orientierung und Halt fehlen.
      Jesus, du guter Hirte:
       
    • Für die Menschen, die in Lebensberatungsstellen und Seelsorge
      und im Alltag anderen zuhören und ihnen helfend zur Seite stehen.
      Jesus, du guter Hirte:
       
    • Für die Frauen und Männer,
      die infolge der Corona-Pandemie von Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit betroffen sind.
      Jesus, du guter Hirte:
       
    • Für alle, die jetzt verstärkt nach fairen Lösungen für den Arbeitsmarkt suchen
      und für gerechte und angemessene Bezahlung sorgen können.
      Jesus, du guter Hirte:
       
    • Für die Politikerinnen und Politiker, deren Entscheidungen weitreichende Folgen haben. Für alle, die sich auch weiterhin um ein solidarisches Miteinander
      und angemessene Lockerungen bemühen.
      Jesus, du guter Hirte:
       
    • Für alle Menschen, deren Leben durch Covid19 oder andere schwere Krankheiten bedroht ist.
      Für alle, die in Medizin und Wissenschaft nach Medikamenten und Impfstoffen forschen, die zur Heilung dienen.
      Jesus, du guter Hirte:
       
    • Für die Christinnen und Christen,
      die in dieser Krisenzeit in Freude und Entschiedenheit ihren Glauben bezeugen -
      in physischem Abstand und innerer Nähe zu den Menschen.
      Jesus, du guter Hirte:
       
    • Wir beten besonders für junge und ältere Menschen, die eine Geistliche Berufung spüren und diesem Ruf von Gott folgen möchten;
      für alle, die sich auf einen Dienst in der Kirche vorbereiten.
      Jesus, du guter Hirte:

     

    Jesus Christus, du rufst uns Tag für Tag neu, dir zu folgen;
    du begleitest unsere Wege.
    Dafür danken wir dir und preisen dich
    mit Gott, dem Vater und dem Heiligen Geist
    heute, alle Tage unseres Lebens und in Ewigkeit. Amen.

     

    Vater unser

    Gebet des Bischofs in Zeiten der Pandemie

  • 3. Sonntag der Osterzeit - B2021

    Evangelium: Lk 24,35-48


    Die beiden Jünger, die von Emmaus zurückgekehrt waren,
    erzählten den Elf und die mit ihnen versammelt waren,
       was sie unterwegs erlebt
       und wie sie ihn erkannt hatten,
       als er das Brot brach.
    Während sie noch darüber redeten,
    trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen:
       Friede sei mit euch!
    Sie erschraken und hatten große Angst,
    denn sie meinten, einen Geist zu sehen.
    Da sagte er zu ihnen:
       Was seid ihr so bestürzt?
       Warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen?
    Seht meine Hände und meine Füße an:
       Ich bin es selbst.
    Fasst mich doch an und begreift:
       Kein Geist hat Fleisch und Knochen,
       wie ihr es bei mir seht.
    Bei diesen Worten
       zeigte er ihnen seine Hände und Füße.
    Als sie es aber vor Freude
       immer noch nicht glauben konnten
       und sich verwunderten,
    sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier?
    Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch;
    er nahm es und aß es vor ihren Augen.
    Dann sagte er zu ihnen:
       Das sind meine Worte,
       die ich zu euch gesprochen habe,
       als ich noch bei euch war:
    Alles muss in Erfüllung gehen,
    was im Gesetz des Mose, bei den Propheten
    und in den Psalmen über mich geschrieben steht.
    Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften.
    Er sagte zu ihnen: So steht es geschrieben:
    Der Christus wird leiden
       und am dritten Tag von den Toten auferstehen
    und in seinem Namen wird man allen Völkern Umkehr verkünden,
    damit ihre Sünden vergeben werden.
    Angefangen in Jerusalem, seid ihr Zeugen dafür.

     

    Gedanken: 
    Glaube ist ein anderes Wort für Vertrauen

     

    Was muss das für ein Gefühlschaos für die Jünger gewesen sein, die Zeit nach dem ersten Ostern!

    Sie haben den Tod ihres Meisters und Freundes Jesu erleben müssen, auf eine ganz brutale und sinnlose Art. Dieser Tod bedeutete für sie nicht nur den sinnleeren Tod eines lieben Menschen, sondern gewiss auch den Tod ihrer Hoffnungen und Sehnsüchte, die sie in diesen Jesus von Nazareth gesetzt hatten.  Neben dem Schrecken und der Trauer auch noch eine riesige Enttäuschung. Und dann immer wieder die unglaublichen Berichte über seine Auferstehung: die Frauen am Grab, die sagten, er lebe, die Emmausjünger, die ihn beim Brotbrechen erkannt hatten. Trauer und Freude, Schmerz und neue Hoffnung, ein Wechselbad der Gefühle. Jeder, der einen lieben Menschen verloren hat, kann das wohl nachvollziehen.

    Und doch könnten wir heute sagen: die Jünger haben es besser gehabt. Es war doch einfacher für sie zu glauben. Ihnen ist Jesus selbst erschienen, nicht als Geist, nicht als nebulöse Erscheinung – vielmehr als wahrhaft lebendig haben sie ihn erleben dürfen, mit Fleisch und Knochen, wie das Evangelium  des heutigen Sonntags betont.

    Und doch waren sie immer wieder erschreckt, wenn er in ihre Mitte trat, dennoch berichtet das Neue Testament immer wieder, dass sie ihn nicht erkannten, wenn er zu ihnen kam. Es ist doch in unserem Leben oft genauso: wenn entscheidende Ereignisse unseres Lebens stattfinden, dann sind sie oft einfach nur überwältigend und aufwühlend, manchmal sogar verwirrend. Erst der zeitliche Abstand bringt manchmal mehr Klarheit, hilft uns, das Geschehene im neuen und klareren, vielleicht im rechten Licht zu sehen.

    Ein kleiner Kindervers bringt es auf den Punkt: Heile, heile Gänschen, s’wird alles wieder Gut. Die Zeit, so sagen wir heilt Wunden. Es wird alles wieder gut, aber nichts ist wie vorher. So sagt es ein Buchtitel. Und so war das wohl auch bei den Jüngern. Erst mit der Zeit können auch wir den einschneidenden Erfahrungen unseres Lebens eine Deutung geben: „Musste nicht alles in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose und in den Psalmen über mich gesagt ist.“ Sagt Jesus den Jüngern.

    Vielleicht ist es das, was uns den Glauben sogar etwas einfacher machen kann, als er für die Jünger war: wir haben bereits die Deutung durch die Apostel und wir haben die vielen Zeugen, seit den Aposteln, die vielen, die aus den bezeugten Erfahrungen ihr Leben geführt haben. Deswegen ist es eigentlich gar nicht schlimm, dass wir die leiblichen Erfahrungen mit dem Auferstandenen nicht mehr haben.

    Was ist das eigentlich: Glaube an Gott und seinen Sohn Jesus Christus, den Auferstandenen?

    Glaube hat zunächst und zuerst etwas zu tun mit Vertrauen, ja wir könnten fast sagen Glaube ist nichts anderes als Vertrauen – Vertrauen auf die unendliche und unverrückbare Liebe Gottes, eine Liebe, die es gut mit mir meint, auch wenn ich es in bestimmten Phasen meines Lebens nicht nachvollziehen kann. Gerade in den schwersten Zeiten meines Lebens fordert dieses Vertrauen auf den liebenden Gott unter Umständen sehr viel von mir.

    Dieses Vertrauen auf die Aussagen ihres Herrn war entscheidend für den Glauben der Apostel. Es hat sie auch durch die schweren Zeiten der Trauer hindurchgeführt und war der tragende Grund ihres Lebens. Dieses Vertrauen ermöglichte ihnen immer wieder die Erfahrung, dass er in ihre Mitte trat, wenn sie in seinem Namen versammelt waren – eine zusage, die auch für uns heute noch gilt!

     

    Ein zweites ist das Leben aus diesem Vertrauen auf den lebendigen Gott. Das Vertrauen auf Gottes Liebe muss sich im Leben ausprägen. „Ihr seid Zeugen dafür!“ sagt der Auferstandene Jesus zu den Aposteln. Glaubwürdig aber sind diese Zeugen nur, wenn man ihrem Leben gerade auch im Alltag ansieht, aus welchem Vertrauen sie leben und worauf sie ihr Leben bauen. Glaube ist dann etwas ganz Praktisches.

     

    Eine Beobachtung des Filmproduzenten Cecil B. de Mille’s illustriert es: Eines Tages ließ er sich in einem Boot auf einem See ziellos dahin treiben, während er sein Problem überdachte.

    Das Boot trieb an Land und legte an einer Stelle an, wo das Wasser nur wenige Zentimeter tief war. De Mille schaute hinab und sah, dass der Grund mit Wasserkäfern übersät war. Einer von ihnen kam an die Oberfläche und kroch langsam an der Seitenwand des Bootes hoch. Als er den Bootsrand erreicht hatte, starb er.

    De Milles Gedanken kehrten zu seinem Problem zurück. Nach einer Weile blickte er zufällig wieder auf den Käfer. In der heißen Sonne war sein Panzer brüchig geworden. Plötzlich sprang der Panzer auf, und langsam kam eine Libelle zum Vorschein. Sie erhob sich in die Luft, und ihre Farben funkelten im Sommerlicht.

    Diese beflügelte Kreatur flog in einem Augenblick weiter, als der Käfer in Tagen nicht hätte kriechen können.

    Sehr wahrscheinlich sahen die Wasserkäfer in der Tiefe die Libelle auch, aber jetzt lebte ihr einstiger Gefährte in einer Welt, die ihr Begriffsvermögen überstieg. Sie lebten immer noch ihre bescheidene Existenz, während ihre geflügelte Verwandte alle Freiheit zwischen Himmel und Erde genoss.

    Später, als de Mille sein Erlebnis erzählte, schloss er mit der eindring­lichen Frage: „Wird der Schöpfer des Universums das, was er für einen Wasserkäfer tut, für einen Menschen nicht tun?“

     

    Dieses Vertrauen auf die Gegenwart Jesu, die uns zu einem wirklich freien und befreiten Leben führen kann, wünsche ich uns allen.
     

    Fürbitten

    (Renate Witzani, predigtforum.com)

    Im Glauben und Vertrauen auf Christus, der für jeden Einzelnen von uns gelitten hat und uns nach seiner Auferstehung seinen Beistand zugesprochen hat, lasst uns unsere Bitten aussprechen:

    • Dich Christus, unseren Beistand beim Vater, bitten wir für deine Kirche, dass sie sich deiner Liebe öffnet und für deine Wege mit ihr immer wieder neu bereit ist.
       
    • Dich Christus, unseren Beistand beim Vater, bitten wir für unsere Gesellschaft, in der durch Konflikte, Verletzungen und Enttäuschungen Gräben entstanden sind, die gemeinsame Anstrengungen zur Bewältigung der Krise erschweren.
       
    • Dich Christus, unseren Beistand beim Vater, bitten wir für alle, die versuchen in deiner Nachfolge Leid und Schmerz anzunehmen und zu bejahen.
       
    • Dich Christus, unseren Beistand beim Vater, bitten wir: erschließe auch uns das Wort der Schrift und bestärke uns in der Sehnsucht nach dem wahren Leben, das du uns verheißen hast.
       
    • Dich Christus, unseren Beistand beim Vater, bitten wir für alle Verstorbenen, für die wir im Glauben an das Ostergeheimnis das ewige Leben in deiner Nähe erhoffen.
       

    Dir Jesus, dem Urheber des Lebens, vertrauen wir diese Bitten an.
    Dich loben und preisen wir jetzt und allezeit. - Amen.

  • 2 Sonntag der Osterzeit

    Bleiben trotz Zweifeln

     

    In den Lesungen der Osterzeit bis Pfingsten hören wir immer wieder, dass die Jünger sich am ersten Tag der Woche treffen, einander ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit Jesus erzählen und das Brot miteinander brechen. So hatte es ihnen Jesus am Gründonnerstag schließlich aufgetragen: zu meinem Gedächtnis tut es, immer wieder, damit ihre nicht vergesst, wer ich für euch bin und was ich für euch getan habe.

    Und auch damals schon gab es Menschen, die ihre Schwierigkeiten damit hatten. „Ich kann nicht glauben, dass Jesus wirklich auferstanden ist.“, sagt Thomas, der Zweifler, im Evangelium des zweiten Ostersonntags, „ehe ich nicht die Hände in seine Wunden gelegt habe.“
     

    Ich glaube, der Zweifel ist wichtig!

    Glaube ist nicht nur eine Sache des Herzens. Zum Glauben gehört auch der Verstand und die Einsicht. Selbst die Bibel ist voll von Zweiflern: Thomas im heutigen Evangelium, David in den Psalmen, Petrus, der den Herrn sogar verrät sind nur einige Beispiele. Und selbst Maria fragt den Engel: „Wie kann das geschehen?“ und Jesus ruft am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum, hast du mich verlassen.“

    Für sie alle ist der Zweifel ein Ringen mit Gott und den eigenen Erfahrungen und ein Tor zu einer neuen und intensiveren Begegnung mit ihrem Gott.

     

    Wie machen es heute viele Menschen in einer solchen Situation?

    Sie sagen: „Ich kann das nicht mehr glauben, darum kann ich doch genauso gut wegbleiben. Es bringt mir nichts, deshalb gehe ich da nicht mehr hin. Es ist doch ehrlicher, wenn ich nur dann das alles mitmache, wenn ich das Bedürfnis danach habe.“

    Thomas im heutigen Evangelium dagegen macht es anders: er kehrt der Gemeinschaft nicht den Rücken, er bleibt dabei – trotz seiner erheblichen Zweifel. Er feiert weiter mit der kleinen gefährdeten Gemeinschaft und darf erleben, dass ihm die Mitte, die er nach Jesu Tod verloren hatte, neu geschenkt wird. Seine Beziehung zu Jesus, dem Auferstandenen, wird tiefer, persönlicher, weil er nicht fortgeht, sondern dabeibleibt.

    Vielleicht kann so ein Thomas mit all seinen Zweifeln und Fragen uns sogar ein Vorbild sein: nicht immer nur dem spontanen Bedürfnis, der Lust, manchmal auch der Bequemlichkeit zu folgen. Vielmehr auszuhalten und dabeizubleiben, auch wenn uns unsere Feste manchmal wie Folklore vorkommen und wir sagen müssen: „Ich verstehe zurzeit nicht was das soll und kann das nicht glauben.“

    Gerade Eltern heute könnten ihren Kindern das vermitteln, indem sie mit ihnen zusammen die angebotenen Haltepunkte, die Feste im Jahreskreis begehen, die Sonntage so feiern, dass sie uns erleben lassen, was Freiheit der Kinder Gottes wirklich bedeutet: Die Woche beginnt mit dem freien Tag, nicht mit der Arbeit. Längst bevor wir etwas leisten, leben wir schon (Beinahe der Werbespruch eines großen Möbelkonzerns). Das Wichtigste im Leben können wir nicht selbst machen oder verdienen, es ist uns geschenkt. Das Leben selbst ist uns geschenkt. Wir verdanken uns Gott, wir sind von ihm bejaht. Dafür steht Jesus Christus. Er verbürgt uns Leben über den Tod hinaus. Der Sonntag ist der Tag seiner und unserer Auferstehung.onntage, die Feiertage uns Christen heilig sein. Sie sind nicht irgendwelche freien Tage, die man nach Belieben in der Woche herumschieben oder sogar streichen könnte. Sie sind ein Geschenk Gottes, das unserem Leben Richtung gibt und Freiheit: Im Zeichen der Auferstehung geht der Weg vom Tod zum Leben.

    Und das hat durchaus etwas mit der aktuellen Wertediskussion zu tun. Menschen, die ihre Mitte nicht verloren haben, die eine geistige, eine geistliche Heimat haben, wissen wohin sie gehören und für was sie mit ihrem Leben stehen. Solche Menschen haben zwangsläufig Werte und leben sie auch. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass sie die Feste im Jahreskreis immer wieder neu entdecken und feiern können und jeden Sonntag, jede Woche a

  • Osternacht

    Wer rollt den Stein weg?

     

    Einem alten Brauch folgend, möchte ich diesen Osterimpuls mit einem Witz beginnen:

     

    Ein Mann verließ die schneebedeckten Straßen von Chicago, um in Florida ein wenig Urlaub zu nehmen.

    Seine Frau war auf einer Geschäftsreise und plante, ihn am nächsten Tag dort zu treffen.

    Als der Mann in seinem Hotel ankam, sendete er seiner Frau eine kurze Mail.

    Leider fand er den kleinen Zettel nicht, auf den er die Mail-Adresse geschrieben hatte. Also versuchte er sein Bestes und schrieb die Adresse aus dem Kopf.

    Leider vergaß er aber einen Buchstaben, so dass seine Nachricht stattdessen an eine ältere Pastorenfrau geschickt wurde, deren Ehemann gerade am Tag zuvor gestorben war.

    Als die trauernde Witwe ihre neuen Mails las, blickte sie auf den Monitor, schrie einmal laut auf und sank dann tot zu Boden.

    Diese Nachricht war auf dem Bildschirm zu lesen:

    "Liebste Ehefrau, Ich habe gerade eingecheckt. Alles ist für Deine Ankunft morgen vorbereitet. Dein Dich unendlich liebender Ehemann.

    P.S. Es ist wahnsinnig heiß hier..."

     

    Mal ehrlich, wenn wir eine solche Mail bekämen, … würden wir nicht direkt an einen Scherz denken, wenn auch einen schlechten? Würden wir es für wahrscheinlich halten, dass ein Verstorbener uns aus dem Jenseits überhaupt schreiben könnte?

    „Jesus Christos nikat!“ So rufen in der Osternacht die orthodoxen Christen aus. “Christus ist auferstanden, er lebt!“ rufen wir an Ostern oft in Gebeten und Gesängen.  Aber können wir wirklich daran glauben? Ein Toter, der wieder lebendig wird. Das ist eine unglaubliche, ja erschreckende Behauptung. Auch die Frauen, die zum Grab kommen sind sehr erschrocken, können es einfach nicht fassen.

    Irgendwie ist es für viele Menschen klar, dass es nach dem Tod irgendwie weitergehen muss mit dem Leben. Aber es gibt eben keine schlüssige Antwort auf die Frage nach dem Jenseits, weil niemand mit dem Leben nach dem Tod eine konkrete Erfahrung verbinden kann.

    Sprichwörtlich ist die Antwort: „Niemand ist bisher zurückgekehrt und hat uns davon erzählt.“

    Aber vielleicht kann die Auferstehungsgeschichte des Markus einen Hinweis geben. Mir fällt eine Kleinigkeit besonders auf, die Markus für wichtig genug hält, um sie in seinem Evangelium weiter zu geben. Bevor die Frauen zum Grab kommen, da fragen sie einander, wie sie wohl den Stein vom Grab wegwälzen sollten. Der Stein war zu schwer für sie und der Evangelist betont eigens noch einmal, dass der Stein sehr groß war.

    Steine gibt es viele in der Welt und in unserem Leben, die uns belasten, die wir als zu schwer empfinden, die uns mutlos machen. Und oft sind sie es, die Leben behindern, es manchmal sogar auf ihre Art und Weise abtöten.

    • Wie kann ich ohne Arbeit und damit ohne Geld, noch für meine Familie sorgen?
    • Wie kann ich es schaffen, in einem Land, dessen Sprache ich nicht kenne, Fuß zu fassen und nach langer, traumatisierender Flucht für mich selbst und meine Familie eine neue Heimat finden.
    • Wie kann ich es schaffen, nach einer niederschmetternden Diagnose noch Perspektiven für mein Leben zu entdecken, das unweigerlich auf das Sterben zugeht?
    • Die Pandemie und ihre Folgen sind ebenfalls solch ein belastender Stein für viele Menschen, denn manchmal ist die Existenz sogar bedroht.

     

    Und dann gibt es immer wieder Menschen, die sehen diese Steine, die wie Grabsteine sind, und lassen sich nicht abschrecken zu den Gräbern hinzugehen. Etwas in ihnen sagt ihnen, es könnte ja doch gelingen und wenn ich es nicht versuche, dann geschieht nichts. Und mit all ihrem Engagement, ihrer Hoffnung, ihrer Liebe zum Nächsten gelingt es immer wieder, dass sich Gräber öffnen und neues Leben ermöglicht wird – eine Ahnung von Auferstehung:
    Menschen, die sich solidarisch zeigen und neue Hoffnung und Mut geben zum Leben. Menschen, die durch ihre helfenden Hände neues Leben möglich machen, Menschen, die aus Liebe die Hoffnung nicht aufgeben und zu Protestleuten gegen den Tod werden. Ein Theologe hat einmal diesen Begriff geprägt: Christen sind Protestleute gegen den Tod, weil sie neues Leben ermöglichen, sich nicht mit den kleinen und großen Toden dieser Welt abfinden. Christen sind Menschen, die gegen die Hoffnungslosigkeit der Welt ihre Hoffnung und ihr Vertrauen in Gott setzen und von Gott noch etwas erwarten, wo nach menschlichen Maßstäben schon nichts mehr zu erwarten ist. Und so kann Ostern ein Hoffnungsfest der Menschen sein gegen die Karfreitage dieser Welt. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein gesegnetes Fest der Auferstehung, immer wieder im Alltag und dann, so glauben wir – am Ende unseres Lebens.

    Frohe Ostern Ihnen allen!

    Ihr

    Andreas Webel

     

  • Palmsonntag – B – 2021

    Lesung:  Phil 2, 6 - 11

    Christus Jesus war Gott gleich,
    hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein,
    sondern er entäußerte sich
       und wurde wie ein Sklave
       und den Menschen gleich.
    Sein Leben war das eines Menschen;
    er erniedrigte sich
       und war gehorsam bis zum Tod,
    bis zum Tod am Kreuz.
    Darum hat ihn Gott über alle erhöht
    und ihm den Namen verliehen,
       der größer ist als alle Namen,
    damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde
       ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu
    und jeder Mund bekennt:
       "Jesus Christus ist der Herr" -
    zur Ehre Gottes, des Vaters.
     

    Gedanken:

    Liebe Leserinnen und Leser,
    Vor genau einem Jahr hat es angefangen mit der Pandemie. An Palmsonntag 2020 ist der erste Gottesdienst für die Öffentlichkeit ausgefallen. Eine lange Zeit – ein ganzes Jahr – der Pandemie liegt hinter uns. Wir könnten uns eigentlich schon daran gewöhnt haben. Reduzierte Kontakte, kaum öffentliche Veranstaltungen, kaum Kultur im öffentlichen Raum, reduzierte Gottesdienste, Familientreffen und -feiern, die abgesagt werden. Vielleicht haben wir ein wenig gelernt, mit Corona zu leben. Aber daran gewöhnt haben wir uns nicht – Gott sei Dank!
    Aber Corona hat uns bewusst gemacht, was wichtig ist im Leben. Es sind die Beziehungen, in denen wir leben. Wenn wir die nicht haben, dann verlieren wir uns selbst. Der Mensch ist ein soziales Wesen und angewiesen auf andere Menschen, auf deren Achtsamkeit, deren Solidarität, deren Liebe.

    In der heutigen Lesung aus dem Philipperbrief wird uns Jesus vorgestellt. Er erscheint uns in diesen Worten des Apostels Paulus als das Urbild des Menschen, wie ihn Gott gewollt und geschaffen hat.
    Jesus bleibt nicht bei sich selbst, er entäußert sich und macht sich dem Menschen gleich, steigt auf seine Stufe herab. In Jesus erdet sich Gott selbst. Im Evangelium vom Einzug nach Jerusalem reitet er auf einem jungen Esel, nicht auf einem Schlachtross mit Schwert, Fanfaren und Soldaten. Er kommt als einer, der bereit ist für seine gute Botschaft in den Tod zu gehen. Auch davon hören wir am heutigen Sonntag in der Leidensgeschichte.
    Solidarität, Vergebung, Demut und Liebe – das ist Jesus, das ist die Vision Gottes vom Menschen, seinem Geschöpf.
    Und dann sehen wir im Fernsehen die Bilder aus dem Jemen, von Kindern, die nichts mehr zu Essen haben, deren Kindheit und Jugend zerstört ist, weil Menschen um die Macht des Stärkeren kämpfen. Wir sehen Politik und Wirtschaft, wie sich Menschen am Leiden anderer bereichern und ihre eigenen Interessen vor alles andere stellen. Und wir sehen in der Pandemie, wie es politischen Streit um Impfstoffe gibt und arme Länder im Stich gelassen werden, weil es heißt: „Wir, die Reichen, zuerst!“

    Und in unserer Kirche erleben wir ihn auch, den Kampf um Einfluss und Macht, den Missbrauch Schutzbefohlener und die Missachtung der Menschlichkeit und des Liebesgebotes.
    Wenn ich die Worte der heutigen liturgischen Texte lese, dann macht es mich betroffen, wie weit wir uns in unserer Gesellschaft (sie nennt sich manchmal immer noch „christliches Abendland“) und leider zuweilen auch in unserer Kirche  von diesem Jesus entfernt haben.

    Eines der religiösen Lieder aus meiner Jugendzeit geht so:
     

    Eines Tages kam einer,
    der hatte einen Zauber in seiner Stimme,
    eine Wärme in seinen Worten,
    einen Charme in seiner Botschaft.

    Eines Tages kam einer,
    der hatte eine Freude in seinen Augen,
    eine Freiheit in seinem Handeln,
    eine Zukunft in seinen Zeichen.

    Eines Tages kam einer,
    der hatte eine Hoffnung in seinen Wundern,
    eine Kraft in seinem Wesen,
    eine Offenheit in seinem Herzen.

    Eines Tages kam einer,
    der hatte einen Vater in den Gebeten,
    einen Helfer in seinen Ängsten,
    einen Gott in seinen Schreien.

    Eines Tages kam einer,
    der hatte einen Geist in seinen Taten,
    eine Treue in seinen Leiden,
    einen Sinn in seinem Sterben.

    Eines Tages kam einer,
    der hatte einen Schatz in seinem Himmel,
    ein Leben in seinem Tode,
    eine Auferstehung in seinem Grabe.

    (Text: Alois Albrecht)

     

    Lassen wir uns in der Kar- und Osterwoche von diesem Menschen inspirieren, der uns das Bild Gottes in seiner Person nahebringt, der mit seinem ganzen Leben der menschgewordene Gott selbst ist, der in seinem Geist einen jeden von uns ergreifen und verändern möchte. Schenken wir ihm immer wieder neu unser Vertrauen und öffnen wir uns für seine gute Botschaft – damit auch wir erleben können: Auferstehung ist möglich!

    Amen!

     

    Fürbitten

    Beim Einzug in Jerusalem
    haben die Leute ihre Kleider vor Jesus ausgebreitet.
    Wir legen ihm unsere Welt zu Füßen
    und bitten um Heilung, wo Menschen verwundet und belastet sind.

    • Wir sind dankbar, dass wir Gottesdienst feiern dürfen –
      heute und an Ostern, hier in der Kirche versammelt, draußen oder mehr virtuell.
      Wir beten für alle, mit denen wir verbunden sind
      im Gedächtnis an Jesu Leiden, Tod und Auferstehung.
      Jesus Christus, menschgewordener Gott:
       
    • Wir sind dankbar, dass die Impfungen das Corona-Virus hoffentlich bald beherrschbar machen.
      Wir beten für alle, die ungeduldig warten;
      für Wissenschaft und Wirtschaft und Politik,
      die für eine gerechte Verteilung der „Dosen“ sorgen
      und für gleiche Chancen für alle, auch für die armen Länder.
      Jesus Christus, menschgewordener Gott:
       
    • Wir sind dankbar, dass auch führende Menschen zur Umkehr und zur Bitte um Vergebung bereit sind. Wir beten für alle, die an falschen Beschlüssen und Meinungen festhalten;
      für die vielen, die darunter leiden.
      Jesus Christus, menschgewordener Gott:
       
    • Wir sind dankbar, dass es uns und vielen Menschen ziemlich gut geht.
      Wir beten für alle, die zu leiden haben unter Krankheit und Angst,
      unter Hunger und Krieg, unter Gewalt und Verachtung.
      Jesus Christus, menschgewordener Gott:
       
    • Wir sind dankbar für viele Fortschritte, die der weltweite Handel auch uns ermöglicht.
      Wir beten für die Seeleute, die im Suezkanal festsitzen;
      für alle, deren Versorgung durch den Stau gefährdet ist.
      Und für die vielen, die vor Ort suchen und finden, was sie brauchen.
      Jesus Christus, menschgewordener Gott:
       
    • Dankbar für neue Wege, die unsere Kirche suchen und finden darf,
      beten wir für alle, die für Gottes Volk Verantwortung tragen –
      in unserem Bistum, in unserem Land und in der Weltkirche.
      Jesus Christus, menschgewordener Gott:
       
    • Wir sind dankbar, dass du uns die Hoffnung auf Auferstehung geschenkt hast:
      wir beten für unsere Verstorbenen, dass ihre Hoffnung auf dich Erfüllung findet und sie leben dürfen in deiner Gegenwart.
      Jesus Christus, menschgewordener Gott:
       

    Jesus Christus,
    du gehst den Weg der Menschen durch Leid und Tod hindurch;
    du schenkst uns die Hoffnung auf wirkliches neues Leben mit Gott.
    Wir singen Hosanna und preisen dich mit dem Vater im Heiligen Geist
    heute und morgen und in Ewigkeit. Amen

     

  • 5. Fastensonntag B 2021

    Evangelium: Joh 12, 20 - 33

     

    In jener Zeit
    gab es auch einige Griechen unter den Pilgern,
       die beim Pas-chafest in Jerusalem Gott anbeten wollten.
    Diese traten an Philíppus heran,
       der aus Betsáida in Galiläa stammte,
    und baten ihn: Herr, wir möchten Jesus sehen.
    Philíppus ging und sagte es Andreas;
    Andreas und Philíppus gingen und sagten es Jesus.
    Jesus aber antwortete ihnen:
    Die Stunde ist gekommen,
       dass der Menschensohn verherrlicht wird.
    Amen, amen, ich sage euch:
    Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt,
       bleibt es allein;
    wenn es aber stirbt,
       bringt es reiche Frucht.
    Wer sein Leben liebt,
       verliert es;
    wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet,
       wird es bewahren bis ins ewige Leben.
    Wenn einer mir dienen will,
       folge er mir nach;
    und wo ich bin,
       dort wird auch mein Diener sein.
    Wenn einer mir dient,
       wird der Vater ihn ehren.
    Jetzt ist meine Seele erschüttert.
    Was soll ich sagen:
    Vater, rette mich aus dieser Stunde?
    Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen.
    Vater, verherrliche deinen Namen!
    Da kam eine Stimme vom Himmel:
    Ich habe ihn schon verherrlicht
    und werde ihn wieder verherrlichen.
    Die Menge, die dabeistand und das hörte,
       sagte: Es hat gedonnert.
    Andere sagten: Ein Engel hat zu ihm geredet.
    Jesus antwortete
    und sagte: Nicht mir galt diese Stimme,
       sondern euch.
    Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt;
    jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden.
    Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin,
       werde alle zu mir ziehen.
    Das sagte er,
       um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.  

    Gedanken

    „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ Diese Aussage Jesu aus dem Johannesevangelium ist eine der bekanntesten Aussprüche Jesu und gleichzeitig einer der schwierigsten.
    Und gleichzeitig ist es eine der ältesten Erfahrungen, die Menschen immer wieder machen: Damit Neues entstehen kann, muss Altes erst einmal vergehen.

    Das Motto des heutigen Misereor-Sonntags heißt: „Anders! Es geht.“ Bolivien, das Partnerland unseres Bistums steht im Mittelpunkt dieses Sonntags. An dieser Partnerschaft wird ganz deutlich, was diese Aussage Jesu bedeutet.

    Ursprünglich entstand die Partnerschaft mit der Kirche in Bolivien vor nunmehr 50 Jahren aus der alten Vorstellung von Entwicklungshilfe: Wir, der Westen, sind entwickelt. Wir haben den Fortschritt und die in der sogenannten „Dritten Welt“ müssen so werden, wie wir es schon sind. Unsere Lebenswelt, unsere Standards sind besser und müssen übertragen werden.
    Mittlerweile gibt es auch bei uns, in der sogenannten „Ersten Welt“, Zweifel, ob unser Weg tatsächlich immer der bessere ist. Unsere Ausbeutung und Zerstörung der Umwelt, der drohende Klimakollaps, wenn wir so weiter machen, unsere Erfahrung mit der Gesellschaft und den neuen Techniken, lassen viele von uns daran zweifeln.
    Gleichzeitig zeigen uns Initiativen in Bolivien und anderen Entwicklungsländern, dass es durchaus andere Wege gibt, achtsam in und mit der Schöpfung zu leben, als Gemeinschaft miteinander solidarisch umzugehen. Die Frage stellt sich uns immer deutlicher: kann es so weitergehen oder müssen nicht viele von unseren alten Vorstellungen und Ideen, muss nicht vieles von unserer Art zu leben und mit der Schöpfung und unseren Mitmenschen umzugehen, sterben, damit neues entstehen kann.
    Die Menschen in Bolivien haben irgendwann gesagt: Wir sind nicht nur Empfänger eurer Gaben. Wir müssen auch eigene Wege finden und sie gehen. Es geht nicht darum euren Lebensstil, eure Lebensweise zu übernehmen, sondern mit unserer eigenen Phantasie und unseren eigenen Talenten unsere Lebenswelt zu gestalten. Viele neue Projekte sind so entstanden, die den Menschen schließlich besser geholfen haben, sich selbst zu helfen und ihr Leben weiterzubringen. Dazu mussten aber unsere Vorstellungen von Entwicklungshilfe erst einmal sterben und neue Herangehensweisen wachsen.
    Ich glaube, das ist in vielen Lebensbereichen so, auch in unseren Gemeinden und in der Kirche insgesamt. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Unsere Kirche war über Jahrhunderte eine Institution, die den Anspruch erhob, den Menschen zu belehren, ihm zu sagen, wie er zu leben hat. Dabei ist oft in den Hintergrund getreten, dass sie eigentlich eine Gemeinschaft ist, in der die Liebe und Barmherzigkeit, die Jesus uns vorgelebt hat, gelebt werden muss.  

    Auch in unserer Kirche, in unserem Bistum Trier und in unserer Gemeinde St. Franziskus, muss Manches sterben, damit neues Lebens wachsen kann. Die Synode und der Versuch ihrer Umsetzung war die Suche nach Wegen, wie neues Leben in unserer Kirche entstehen und wachsen kann und Kirche in die Zukunft gehen kann.
    Wir haben dabei aber auch erleben müssen, wie schwer dieser Weg oft fällt. Sterben lassen bedeutet auch Verlust von Liebgewonnenem. Sterben lassen bedeutet die Unsicherheit und Ungewissheit neuer Wege zu riskieren. Sterben lassen bedeutet Schmerz und Trauer. Die Fleischtöpfe Ägyptens haben eben auch ihr Gutes gehabt. Sie haben trotz allem Negativen auch satt gemacht und Sicherheit gegeben.

    Und dennoch: damit Leben erneuert weitergehen kann, damit neues entsteht, muss Gewohntes auch manchmal sterben.
    Es ist gut, dass wir von Jesus auch die Zusage erhalten haben: „wenn das Weizenkorn aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ An Jesus selbst konnten es die Apostel erleben. Auf den Karfreitag folgte Ostern. Neues und grenzenloses Leben wurde Jesus geschenkt und ebenso denen, die ihm nachfolgten. Die Natur mit ihrem Vergehen und neu Werden ist ein sprechendes Symbol dafür. Die Erfahrungen in der Bolivienpartnerschaft unseres Bistums machen das ebenso deutlich: Neues entsteht nur, wenn alte Vorstellungen und Einstellungen sterben und neuen Ideen und Entwicklungen Platz machen. Das bedeutet nicht, dass das Alte immer schlechter war und das Neue immer besser.

    Das Alte war zu seiner Zeit meist gut und notwendig. Aber wenn das Leben und seine Umstände sich weiter entwickeln und ändern, muss das Alte manchmal Neuem Platz machen, damit Leben gedeihen kann.

    „Anders! Es geht.“

    Amen.

     

    Fürbitten

    Gott hat einen Bund mit uns Menschen geschlossen,
    er wirkt in uns und durch uns – in guten und in schlechten Tagen.
    Gott weiß, was uns und die Welt bewegt.
    Im Vertrauen auf seine Hilfe bringen wir die Anliegen unserer Zeit vor Gott:

    • Wir schauen auf Familien und Lebensgemeinschaften,
      in denen Menschen einander finden, lieben und bewegen.
      Lasst uns beten für alle Menschen in liebevollen Beziehungen,
      für alle, die um Gottes Segen bitten für sich und ihre Familie;
      und für die vielen, die das römische Schreiben enttäuscht und verletzt hat.
      Guter Gott:

       
    • Wir denken an Menschen weltweit, besonders in Bolivien,
      die mutig ihre Zukunft gestalten und auf unsere Solidarität vertrauen.
      Lasst uns beten für alle Frauen und Männer,
      die andere Menschen unterstützen und stark machen,
         ihr Leben nachhaltig zum Guten zu verändern;
      für alle, deren Lebensgrundlagen verloren gehen
         durch die Ausbeutung der Natur und den Klimawandel.
      Guter Gott:

       
    • Wir erinnern an alte und junge Menschen,
      die besonders gefährdet sind, an Covid19 zu erkranken.
      Lasst uns beten für alle, die auf den Impfschutz gegen Covid19 hoffen;
      für die vielen, die nun länger warten müssen und verunsichert sind;
      für alle, die die Lockerungen mit Sorge betrachten
         und sich vor der dritten Infektionswelle fürchten.
      Guter Gott:

       
    • Wir leben in kirchlichen Gemeinschaften, die sich im Glauben verbunden fühlen;
      viele suchen eine gute Balance zwischen Bewahrung und Erneuerung.
      Lasst uns beten für Frauen und Männer, die Verbindungen schaffen und Identität stiften
      mit wachem Blick auf die Erwartungen der Menschen und auf die Zeichen der Zeit;
      für alle, denen Traditionen und Rituale unwichtig sind –
      und für so viele, die sich von der Kirche abgewendet haben.
      Guter Gott:

       
    • Wir denken an die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft,
         denen das Wohl der Menschen und der Welt anvertraut ist.
      Lasst uns beten für alle Menschen, die die Schöpfung
         als Gottes Geschenk verstehen und sie weltweit pflegen und bewahren;
      für alle, die eigene Interessen dem Wohl der Gemeinschaft unterordnen –
      bei uns, in Bolivien und weltweit.
      Guter Gott:

       
    • Viele Menschen sind nach zehn Jahren Krieg in Syrien
      noch immer auf der Suche nach einer neuen Heimat.
      Lasst uns beten für die Familien in den Flüchtlingslagern,
         die auf Veränderung und Hilfe hoffen;
      für die Frauen und Männer, die ihnen Hilfe bringen
         und Zeichen des friedlichen Miteinanders geben.
      Guter Gott:

       
    • Kinder und Jugendliche haben auch in der Kirche sexualisierte Gewalt erlitten;
      viele leiden lebenslang daran.
      Lasst uns beten für die vielen, die von ihrem Leid berichten können
         und wirkliche Aufklärung fordern.
      Und für alle, die sie dabei begleiten und unterstützen.
      Guter Gott:

       
    • Unsere Verstorbenen wissen wir in deiner Gegenwart geborgen;
      Lasst uns beten für alle, die ihre Hoffnung auf dich gesetzt haben,
      für alle, die es schwer hatten, an dich zu glauben,
      dass sie alle geborgen sind in deiner Hand.

      Guter Gott:

       

    Jesus Christus, du bist den Weg auf Leiden und Tod zu gegangen,
    du hast uns gezeigt, dass Gott niemanden vergisst.
    Das  gibt uns Kraft, den Weg der Gerechtigkeit weiterzugehen.
    Wir preisen deine Stärke – jetzt und bis in deine Ewigkeit. Amen.

     

  • 4. Fastensonntag B 2021

    Evangelium:  Joh 3, 14-21

    In jener Zeit sprach Jesus zu Nikodémus:
    Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat,
       so muss der Menschensohn erhöht werden,
    damit jeder, der glaubt,
       in ihm ewiges Leben hat.
    Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt,
       dass er seinen einzigen Sohn hingab,
    damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht,
       sondern ewiges Leben hat.
    Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt,
       damit er die Welt richtet,
    sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
    Wer an ihn glaubt,
       wird nicht gerichtet;
    wer nicht glaubt, ist schon gerichtet,
       weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes
       geglaubt hat.
    Denn darin besteht das Gericht:
    Das Licht kam in die Welt,
       doch die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht;
    denn ihre Taten waren böse.
    Jeder, der Böses tut,
       hasst das Licht
    und kommt nicht zum Licht,
       damit seine Taten nicht aufgedeckt werden.
    Wer aber die Wahrheit tut,
       kommt zum Licht,
    damit offenbar wird,
       dass seine Taten in Gott vollbracht sind.


    Gericht oder Gnade

    Im Internet gibt es eine ganze Menge von Foren, auf denen die Nutzer Fragen stellen können zu allen möglichen Themenbereichen. Eine Web-Site heißt „gutefrage.net“. Ich fand dort folgende Frage:
    „Stimmt es, dass alle in den Himmel kommen? Oder nur die Christen?“

    Die Antworten darauf waren unterschiedlichster Art – meist oberflächlich und ablehnend der Thematik gegenüber.

    „Wir kommen alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind“ das Zitat eines Nutzers aus dem Karnevalslied sollte zeigen, wie lächerlich schon die Frage ist.

    „Alle dummen Leute glauben da dran.“ war eine weitere Antwort.

    Und es gab natürlich auch die Antworten, die unsere Welt einteilten in die Guten und die Bösen. Die Guten in den Himmel und die Bösen in die Hölle.

     

    Wer wird gerettet, das ist auch eine der Fragen, die Nikodemus, der Pharisäer, Jesus im heutigen Evangelium stellt. Wer wird im Gericht bestehen?

    Und seien wir ehrlich: viele von uns haben sich diese Frage auch gestellt. Sie ist eine wichtige Frage, denn sie ist die Frage nach dem Sinn unseres Lebens. Welches Leben ist gut in den Augen Gottes, welches nicht? Welches Leben hat Bestand und welches nicht? Im Bild gesprochen: wer kommt in den Himmel und wer nicht?

    Im Evangelium spricht Jesus vom Gericht.

    Mit dem Gericht verbinden wir die Abwägung zwischen gut und schlecht, zwischen schuldig und unschuldig. Einer, der etwas Böses getan hat oder einer bösen Tat verdächtig ist, wird angeklagt. Seine Schuld oder Unschuld muss sich dann vor Gericht herausstellen. Ist der Angeklagte schuldig, wird er bestraft, je nach der Schwere seines Vergehens.

    Ähnliche Vorstellungen haben wir oft auch, wenn in der Bibel vom Gericht die Rede ist. Gott sitzt auf dem Richterstuhl und wägt ab zwischen den guten und schlechten Taten. Und je nachdem, wie die Waage sich neigt, ergeht dann das Urteil.

    Leider hat in der Geschichte der Kirche diese Vorstellung vom Gericht über lange Strecken eine vorherrschende Rolle gespielt. Ein weit verbreitetes Gottesbild ist das des Richtergottes. Viele Menschen ängstigt diese Vorstellung von Gott als strengem Richter, der die Sünder streng bestraft.

    „Ein Auge ist‘s, das alles sieht, auch wenn’s in finsterer Nacht geschieht.“ Diese Vorstellung von Gott macht vielen Menschen immer noch Angst.

    Dabei wurde oft abgetrennt oder vergessen, was in der Bibel die Rede vom Gericht bedeutet: Das hebräische Wort für „Gericht“ hat etwas zu tun mit „ganz machen“, „wieder herrichten“, „vollenden“ oder „gut machen“. Das Ziel Gottes ist nicht die Verurteilung, sondern das Heil der Menschen. Gott will, dass alles gut wird für die Menschen. Gott will unsere Erlösung.

    Jesus selbst hat noch ein anderes Bild von Gott. Für ihn ist Gott der Vater, der seine Kinder liebt und sie annimmt, so wie sie sind, mit all ihren Schwächen und Fehlern.

    So heißt es auch im heutigen Evangelium in der Antwort Jesu auf die Frage des Nikodemus: Gott hat seinen Sohn nicht gesandt, um zu richten, sondern um zu retten, das heißt, um gut zu machen, was unvollkommen und unvollendet ist. Im Epheserbrief schreibt der Apostel Paulus von der Gnade Gottes. Er macht uns wieder lebendig, unverdient und aus seiner großen Liebe heraus. „Er hat uns mit Christus auferweckt“, heißt es dort „und uns zusammen mit ihm, einen Platz im Himmel gegeben.“ (Eph 2)

    Jesus hat seinem Gott und dessen Liebesangebot vertraut, so sehr, dass er sogar den Weg ans Kreuz beschreiten konnte, ja so sehr, dass er in Kreuz und Auferstehung zur letzten Garantie für Gottes Liebesangebot an uns wurde. Jesus steht für einen Gott, der alles „richten“, das heißt gut machen wird, der sogar neues Leben schenkt, wenn unser irdisches Leben endet.

     

    Aber auch, wenn alles Heil Geschenk und Gnade ist, dann heißt das nicht, das alles beliebig ist, dass ich alles tun und lassen kann, wie ich es will und wie es für mich gut erscheint. Es ist wichtig, dass wir immer wieder auf den erhöhten Christus schauen, uns in unserem Leben immer wieder an seiner Hingabe, an seiner Liebe orientieren. Die Wahrheit tun und so zum Licht kommen, das bedeutet, dass ich mein Leben immer wieder an Jesus Christus, der Ikone Gottes ausrichte, mir seine Liebe und Hingabe, sein Vertrauen in die Liebe Gottes immer mehr zu eigen mache. „Seine Geschöpfe sind wir,“ sagt Paulus, - wir können auch sagen seine Kinder – „in Christus Jesus geschaffen, in unserem Leben die guten Werke zu tun, die Gott für uns im Voraus bestimmt hat.“ Gott lieben, ihm vertrauen, mit ganzem Herzen und ganzer Seele und den Nächsten wie sich selbst – das nach unseren Möglichkeiten zu leben, das bedeutet es, auf den erhöhten Christus zu schauen, ihm nachzufolgen. Seine Liebe, Gottes Liebe, als Antrieb zu nehmen, selbst die Liebe Gottes sichtbar zu machen.

    Wenn uns das gelingt, so gut wir es eben können, dann wird das Gericht Gottes nicht die Aburteilung all unserer Fehler und Missgeschicke sein. Dann wird das Gericht darin bestehen, auch das Unvollkommene unseres Lebens anzunehmen und es gut und vollkommen zu machen.

    Amen.

     


    Fürbitten:

    Gott hat seinen Sohn in unsere Welt gesandt,
    um Licht in unsere Dunkelheiten zu bringen.
    So bitten wir:

    • Wir vertrauen dir die Erkrankten an und die Gefährdeten,
      die besorgten Menschen und alle, die andere umsorgen.
      Guter Vater:
       
    • Wir verbinden uns mit allen,
      die sich durch die Beschränkungen bedrückt fühlen
      und seelisch verletzt;
      wir denken an alle, deren Sorgen wachsen,
      und besonders die Kinder und Jugendlichen.
      Guter Vater:
       
    • Wir bitten dich für alle,
      die in Politik und Gesellschaft Verantwortung tragen,
      die ein Mandat oder ein Amt übernehmen wollen.
      Guter Vater:
       
    • Für alle, die glaubwürdig und engagiert ihr Bestes geben,
      und für alle, die sich um Transparenz bemühen
      und alle, die sich beteiligen – in Politik und Gesellschaft, in Kirche und Wirtschaft.
      Guter Vater:
    • Wir vertrauen dir alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
      in kirchlichen und sozialen Einrichtungen an,
      die an ihrem Ort den Glauben leben und bezeugen;
      und alle, die über Tarife und gerechte Löhne für alle mitbestimmen.
      Guter Vater:
       
    • Wir bitten dich für alle, die allein sterben müssen;
      wir bitten für alle Opfer von Gewalt und von Katastrophen
      und alle, die das Unheil mitverschuldet haben.
       

    Lebendiger Gott, du hast deinen Sohn gesandt, um die Welt zu retten.
    Wir danken für deine Liebe und preisen dich im Heiligen Geist. Amen

  • 3. Fastensonntag - B

    Evangelium Joh 2,13-25

    Das Paschafest der Juden war nahe
    und Jesus zog nach Jerusalem hinauf.
    Im Tempel
    fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben
    und die Geldwechsler, die dort saßen.
    Er machte eine Geißel aus Stricken
    und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus
    samt den Schafen und Rindern;
    das Geld der Wechsler schüttete er aus,
    ihre Tische stieß er um
    und zu den Taubenhändlern sagte er:
    Schafft das hier weg,
    macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!
    Seine Jünger erinnerten sich, dass geschrieben steht:
    Der Eifer für dein Haus wird mich verzehren.
    Da ergriffen die Juden das Wort und sagten zu ihm:
    Welches Zeichen lässt du uns sehen,
    dass du dies tun darfst?
    Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder
    und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.
    Da sagten die Juden:
    Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut
    und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten?
    Er aber meinte den Tempel seines Leibes.
    Als er von den Toten auferweckt war,
    erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte,
    und sie glaubten der Schrift
    und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.
    Während er zum Paschafest in Jerusalem war,
    kamen viele zum Glauben an seinen Namen,
    da sie die Zeichen sahen, die er tat.
    Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an,
    denn er kannte sie alle
    und brauchte von keinem ein Zeugnis über den Menschen;
    denn er wusste, was im Menschen war.

     

    Alles zu seiner Zeit und an seinem Ort


    Im heutigen Evangelium begegnet uns ein Jesus, der nicht in das übliche Jesusbild hineinpasst. Es ist ein Jesus, der in Zorn gerät, der sich einen Strick bindet und dreinschlägt. Den kennen wir normalerweise nicht und finden ihn vielleicht auch nicht so sympathisch.

    Eher den Jesus, der als guter Hirte die verlorenen Schafe sucht, einen, der heilt und tröstet, den guten Jesus, den lieben Heiland. Der Jesus des heutigen Evangeliums dagegen ist anders, fordert zum Widerspruch heraus, ist anstößig.

    Als er mit seinen Jüngern zum Paschafest nach Jerusalem kommt, gerät Jesus in Zorn über die Verkäufer und Geldwechsler im Tempelvorhof. Wir erleben einen Jesus, wie er in keinem anderen Evangelium auftritt, zornig und wütend. Er legt selbst Hand an, schmeißt Tische um und treibt die Händler hinaus.

    Was macht Jesus so zornig?

    Jesus verurteilt nicht die Händler und Geldwechsler und ihre Tätigkeit an sich. Er will sie nur nicht im Haus seines Vaters sehen. Jesus stellt durch seine Reaktion unmissverständlich klar, dass es für alle Dinge einen Ort und eine Zeit gibt. Es gibt eine Zeit und einen Ort, an dem Geschäfte getätigt werden können, und es gibt eine Zeit für den Got­tesdienst und einen Ort, an dem Gottesdienst gefeiert wird. Diese Dinge zu vermischen, bringt Jesus in Rage und weckt seinen heiligen Eifer, besonders wenn dabei Gott in den Hintergrund gedrängt wird. Der Tempel aber ist der Ort Gottes und nicht Ort des Geschäftes.

    Wie kann Jesus so etwas sagen? Welches Recht hat er, so aufzutreten? Jesus selbst ist die Legitimation für sein Tun. Er selbst ist der Tempel Gottes. Er ist der Tempel, der zerstört und in drei Tagen neu errichtet wird. In Jesus, in seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferstehung können wir Gott begegnen. In ihm kommt Gott uns Menschen nah. In Jesus kommt Gott uns Menschen so nah, dass wir selbst zum Tempel Gottes werden.

    Aber wie steht es mit diesem Tempel, mit uns selbst?

    Ist nicht auch in uns Vieles vermischt? Gibt es da nicht auch die vielen "Geschäfte" unseres Alltags, die Gott oft genug in den Hintergrund drängen? Wie gehen wir mit dem Tempel Gottes, mit unserem Leib um?

    Eine Teilnehmerin an einer Fastenwoche bewertete im Anschluss an die Zeit des Fastens die abendlichen Stunden in der Gruppe sehr positiv. "Die Ruhe, die Meditationen, die Gedankenanregungen haben mir gutgetan. Ich bin mir selbst und Gott ein wenig nähergekommen. Die Fastenwoche hat mir bewusst gemacht, dass ich mich im Alltag mit vielen Dingen nur belaste und zerstreue."

    Das ist aber doch bei uns allen so! Wir tun viele Dinge, wollen und erstreben noch mehr, statt zu überlegen, was für uns wirklich gut und notwendig ist. Wir suchen Abwechslung und Zerstreuung, statt uns Zeit zu nehmen zur Besinnung auf uns selbst und auf Gott. In unserem Inneren ist so viel marktschreierischer Lärm, soviel Unruhe und Hektik, dass oft kein Platz mehr bleibt für uns selbst und Gott. Wie gehen wir mit dem Tempel Gottes, mit uns selbst um?

    Wir stehen mitten in der Fastenzeit und bereiten uns auf Ostern vor. Vielleicht kann uns das heutige Evangelium einen Hinweis geben, wie wir die noch verbleibende Fastenzeit nutzen können.

    Wir könnten ja ver­suchen den Tempel Gottes, uns selbst, zu reinigen, indem wir so viel als möglich von dem lauten Marktschreierischen in uns selbst zum Schweigen bringen. Wir könnten versuchen, uns Zeiten der Besinnung auf uns selbst und auf Gott zu gönnen. Wir könnten versuchen, den Tempel Gottes, uns selbst, zu erneuern.

    Alles hat seine Zeit und alles hat seinen Ort. Es gibt eine Zeit für die Geschäfte, für das Getriebe und es gibt eine Zeit und einen Ort, wo Gott wichtig ist. Die Vermischung zu Lasten Gottes hat Jesus in Rage gebracht.

    Die Fastenzeit aber ist eine Zeit, in der Gott und sein Tempel, wir selbst, wichtig sind.

    Amen.

     

    Fürbitten:

    Gott wendet sich allen Menschen zu
    und weist uns immer wieder neu den Weg der Freiheit und des Lebens.
    Zu ihm dürfen wir mit unseren Anliegen kommen.

    • Gott wendet sich allen in der Corona-Pandemie zu. So beten wir:
      Für alle, die sich in Medizin und Forschung um wirksame Medikamente mühen.
      Für diejenigen, die kein Verständnis für die vielen Einschränkungen haben
      oder deren wirtschaftliche Existenz auf dem Spiel steht.
      Lebendiger Gott:
       
    • Gott wendet sich allen Leidenden zu. So beten wir:
      Für die Menschen in Neuseeland und Griechenland nach den schweren Erdbeben.
      Für diejenigen, die von der brutalen Gewalt in Myanmar betroffen sind.
      Lebendiger Gott:
       
    • Gott wendet sich den Menschen in und außerhalb der Kirche zu. So beten wir:
      Für alle, die als Christen und Christinnen leben
      und ihrem Glauben in Wort und Tat Ausdruck geben.
      Für die Menschen, die sich verletzt oder enttäuscht von der Kirche zurückziehen.
      Lebendiger Gott:
       
    • Gott wendet sich allen zu, die neue Wege suchen.
      Wir beten für alle, die mit Mut, Phantasie und mancher Unsicherheit
      neue Schritte in die Zukunft der Trierer Kirche wagen.
      Lebendiger Gott:
       
    • Gott wendet sich den Menschen auf ihren Wegen zu. So beten wir:
      Für alle, die sich für gleiche Rechte von Frauen und Männern
      und aller Menschen stark machen und sich da einsetzen, wo Frauen besonders bedroht sind.
      Lebendiger Gott:
       
    • Gott wendet sich den Menschen zu, die Frieden zwischen den Religionen suchen.
      Wir beten für Papst Franziskus, der im Irak unterwegs ist;
      für die Christinnen und Christen und für alle Menschen dort,
      die an Gott glauben und sich engagieren für Frieden und Gerechtigkeit.
      Lebendiger Gott:
       
    • Gott wendet sich den Verstorbenen zu. So beten wir:
      Für alle, die am Ende ihres irdischen Lebens angekommen sind,
      Für alle Schwerkranken und Sterbenden
      und für alle, die verstorben sind und in Gottes Gegenwart leben.
      Lebendiger Gott:
       

    Du bist ein Gott des Lebens.
    Du schenkst uns deine heilsame Gegenwart.
    Dafür danken wir dir und loben dich
    durch Jesus Christus, deinen Sohn, der in der Einheit des Heiligen Geistes
    mit dir lebt und wirkt in Zeit und in Ewigkeit. Amen.

  • 2. Sonntag der Fastenzeit B 2021

    Evangelium: Mk 9, 2 – 10

    In jener Zeit
    nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite
    und führte sie auf einen hohen Berg,
    aber nur sie allein.
    Und er wurde vor ihnen verwandelt;
    seine Kleider wurden strahlend weiß,
    so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann.
    Da erschien ihnen Elíja und mit ihm Mose
    und sie redeten mit Jesus.
    Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind.
    Wir wollen drei Hütten bauen,
    eine für dich, eine für Mose und eine für Elíja.
    Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte;
    denn sie waren vor Furcht ganz benommen.
    Da kam eine Wolke und überschattete sie
    und es erscholl eine Stimme aus der Wolke:
       Dieser ist mein geliebter Sohn;
    auf ihn sollt ihr hören.
    Als sie dann um sich blickten,
       sahen sie auf einmal niemanden mehr bei sich außer Jesus.
    Während sie den Berg hinabstiegen,
       gebot er ihnen,
       niemandem zu erzählen, was sie gesehen hatten,
       bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei.
    Dieses Wort beschäftigte sie
    und sie fragten einander, was das sei:
       von den Toten auferstehen.

     

    Gedanken

    Wenn sie schon einmal eine Bergwanderung unternommen haben, dann haben Sie die Erfahrung wohl schon gemacht. Nach einem beschwerlichen und mühevollen Aufstieg ist es großartig und erhebend, wenn sich der Blick plötzlich weitet und über eine weite Landschaft geht. Der Raum wird plötzlich weit und scheinbar grenzenlos. Der Blick wird frei und umfassend. Wir haben im wahrsten Sinn des Wortes Überblick Das was im Tal ist, ist zwar sichtbar, aber winzig klein und fern, fast wie in Reinhard May’s Lied „Über den Wolken“ – „Alle Ängste, alle Sorgen werden nichtig und klein.“
    Die Perspektive verschiebt sich. Solche Augenblicke festhalten zu können wäre schön, aber mit dem Abstieg bleibt das Gipfelerlebnis nur noch in unserer Erinnerung und in unserem Herzen.

    Ähnliches haben wohl auch die Jünger Jesu erlebt, die mit ihm auf den Berg Tabor gestiegen sind. Ihnen wurde ein ganz besonderes Erlebnis geschenkt. Gewissermaßen ein Zielfoto des Weges Jesu. Sie konnten einen kurzen Blick auf die Herrlichkeit Jesu werfen und die Stimme Gottes vernehmen: „Dieser ist mein geliebter Sohn. Auf ihn sollt ihr hören.“ Diese Stimme, das weiße Gewand, das Licht, die beiden alttestamentlichen Gestalten – das alles sind Hinweise auf Jesu Ziel, das Leben in der Herrlichkeit Gottes, wir sagen in unseren menschlichen Worten: den Himmel.

    In den Evangelien können wir oft erleben, welch große Schwierigkeiten die Jünger mit dem Weg Jesu hatten. In der Fastenzeit, wenn wir vom Leiden Jesu hören, wird der Weg Jesu auch für uns nur noch schwer nachvollziehbar.
    Wie in der betroffen machenden Lesung aus dem Buch Genesis kommt es uns manchmal vor. Wie kann Gott diesen Weg von Abraham verlangen, seinen eigenen Sohn zu opfern (auch, wenn er das Opfer am Ende verhindert und ablehnt)? Wie kann Gott von Jesus und in der Nachfolge von den Aposteln den Weg ans Kreuz verlangen?

     Der Weg auf den Berg Tabor verschiebt die Perspektive für die Jünger: Sie erleben einen Hinweis darauf, warum Jesus diesen Weg gehen will. Sie bekommen eine Ahnung davon, warum sich dieser Weg Jesu lohnen wird. Sie erleben das Ziel Jesu, die Herrlichkeit beim Vater und das unzerstörbare Vertrauen auf die Liebe des Vaters der zu ihm stehen wird über den Tod hinaus. Sie erleben Jesus ganz im Licht dieser Verheißung.

    Sie erleben eine Antwort auf die existenzielle Frage: „Wenn du das Liebste in deinem Leben hergeben musst, vielleicht sogar das eigene Leben, wem kannst du dann vertrauen?“

    In Trauergesprächen höre ich immer wieder vom Vertrauen der Sterbenden in die Kraft des Lebens und in die Zusage Gottes: „Ich weiß es: Gott ist da! Er lässt mich nicht allein!“ Viele Hinterbliebene tröstet diese Erkenntnis. Es ist so etwas wie das Taborerlebnis der Apostel. Es ist so etwas wie eine Ahnung vom Ziel unseres Lebens. Der Himmel kommt nahe in solchen Momenten.
    Und die Kraft selbst weiterzugehen kommt aus dieser Erfahrung: Mit Gott kann ich weitergehen – auch über Grenzen hinaus. Mit ihm an der Seite ist mein Ziel der Himmel.
    Dieses Vertrauen in den Gott, der Leben ist wünsche ich uns allen.
    Amen.

     

    Fürbitten

    Jesus weckt in uns die Sehnsucht nach Gott.
    Gerne und voll Vertrauen wenden wir uns an ihn
    mit den Sorgen und Nöten unserer Tage.

    • Weil wir im Glauben an dich Zuspruch und Sicherheit suchen,
      bitten wir dich, Gott:
      Wecke in uns und allen Menschen immer neu die Sehnsucht nach dir.
      Gott, unser Vater:
       
    • Weil wir in der Ebene des Alltags leben,
      mit all den Schwierigkeiten dieser Zeit,
      bitten wir dich, Gott:
      Schenke immer wieder auch Momente des Glücks und der Freude,
      von denen die Menschen zehren können.
      Gott, unser Vater:
       
    • Weil die Corona-Pandemie das Leben der Menschen
      schon ein Jahr lang weltweit beeinträchtigt,
      bitten wir dich Gott:
      stärke die Solidarität der Menschen in unserem Land und in Europa –
      und hilf, dass auch der „Rest der Welt“ im Blick bleibt.
      Gott, unser Vater:
       
    • Weil wir als Gemeinde vor Ort
      mit und an unserer konkreten Kirche leiden,
      bitten wir dich, Gott:
      für alle, die Missstände benennen und Verantwortung übernehmen;
      für alle von sexualisierter oder anderer Gewalt Betroffenen,
      die sich nach Heilung und innerem Frieden sehnen.
      Gott, unser Vater:
       
    • Weil wir in Sorge sind um die Kranken, die Notleidenden und Trauernden,
      bitten wir dich Gott:
      stärke alle, die Hoffnung und Lebensmut suchen.
      Sei spürbar an der Seite der Menschen, die am Sinn ihres Lebens zweifeln.
      Gott, unser Vater:
       
    • Weil wir die Verstorbenen in deiner Ewigkeit glauben,
      bitten wir dich:
      Lass alle, deren Leben hier zu Ende ist, im Licht deiner Herrlichkeit zu Hause sein.
      Gott, unser Vater:
       

    „Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?“
    Wir vertrauen, dass Du, Gott, an unserer Seite stehst
    und mit uns durch das Leben gehst.
    Dafür danken wir Dir. Heute und in alle Ewigkeit. Amen.

     

  • 1. Fastensonntag – B – 2021

    Evangelium: Mk 1, 12 – 15

    In jener Zeit
    trieb der Geist Jesus in die Wüste.
    Jesus blieb vierzig Tage in der Wüste
    und wurde vom Satan in Versuchung geführt.
    Er lebte bei den wilden Tieren
    und die Engel dienten ihm.
    Nachdem Johannes ausgeliefert worden war,
       ging Jesus nach Galiläa;
    er verkündete das Evangelium Gottes
    und sprach: Die Zeit ist erfüllt,
    das Reich Gottes ist nahe.
    Kehrt um
       und glaubt an das Evangelium!
     

    Gedanken:
    In einer Kinderkatechese habe ich mit einem Kind, vielleicht acht oder neun Jahre alt, ein Experiment gemacht.
    Das Kind kam nach vorne zu mir. Ich drückte ihm einen Gegenstand in die Hand. Es sollte ihn festhalten. Dann gab ich ihm einen weiteren Gegenstand und noch einen und immer mehr. Schließlich waren die Hände so voll, dass einige von den Gegenständen herunterfielen. Das Kind konnte keine neuen Gegenstände festhalten.
    Im Gespräch fanden wir dann heraus, dass es unmöglich ist, immer mehr Neues in die Hand zu nehmen und festzuhalten, bevor wir nicht Altes losgelassen und aus der Hand gegeben haben.

    Es war ein Bild für die Erfahrung, die Jesus in der Wüste gemacht hat, die Erfahrung, die jeder von uns in der Fastenzeit macht.
    In der Wüste hat Jesus seinen Alltag loslassen müssen. Das, was seinen Alltag bestimmt und geprägt hatte, konnte in der Wüste nicht mehr sein. Jesus musste loslassen. Diese Erfahrung machen fastende Menschen immer wieder: Fasten, das fühlt sich zuerst einmal an wie Wüste, wie darben und erleiden. In der Wüste haben dann auch schon mal die Versuchungen ihren Raum. Fragen und Zweifel tauchen auf: „Was tue ich denn da eigentlich?“ „Hat das überhaupt einen Sinn?“ „Sollte ich nicht besser zum Alltag zurückkehren?“
    Wüste beinhaltet eben auch die Erfahrung der Leere. Und diese Erfahrung ist nicht immer angenehm.

    Wer aber lange genug durchhält, der kann auch zur Erfahrung Jesu kommen.
    Die Leere füllt sich allmählich wieder. Der Ballast, der gewissermaßen entrümpelt wurde, der macht Platz für Neues – vielleicht Wesentliches. Es kann sein, dass ich feststelle, wie Vieles von dem, was ich habe, was mich besetzt, ich eigentlich gar nicht brauche. Vielleicht komme ich mir dann selbst näher. Vielleicht entdecke ich, was ich wirklich will und brauche für mein Leben.

    Die Erfahrung der Wüste kann mich mir selbst näher bringen und dem, was mein Leben im Letzten trägt und hält. Und damit kann ich auch Gott in meinem Leben entdecken, denn er hat in der Leere plötzlich auch mehr Raum in meinem Herzen.
    Die Leere, die in der Wüste entsteht, kann so plötzlich zur neuen Fülle werden, zu mehr Leben.

    Für Jesus ist die Wüste wohl zur Erfahrung neuer Fülle geworden. Die Wüstenzeit wurde zur Erfahrung der Gottesbegegnung und zu einer Klärung seines weiteren Lebensweges. Im zweiten Teil des heutigen Evangeliums hören wir davon. Es ist gleichsam eine Zusammenfassung der frohen Botschaft Jesu: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“
    Umkehren und der Botschaft Jesu Raum in unserem Leben, in unseren Herzen geben, das geschieht aber nur, wenn wir bewusst Altes lassen und aus unseren Herzen und Händen geben. Es geschieht nur, wenn wir immer mal wieder entrümpeln, aussortieren und Raum schaffen. Deshalb ist es sinnvoll, jedes Jahr bewusst und aktiv Wüstenzeiten einzulegen, Fastenzeiten zu begehen.   
     

    Fürbitten

    Jesus Christus sucht die Einsamkeit der Wüste,
    bevor er seinen Weg zu den Menschen beginnt.
    In seiner Nachfolge suchen viele Christen in der österlichen Bußzeit
    nach einem Neuanfang und neuen Wegen mit Gott und miteinander.
    Wir sind verbunden mit den Menschen, die auf unsere Fürsprache bei Gott vertrauen:

    • Wir schauen auf die Menschen, denen es immer schwerer wird,
      den langen Lockdown durchzuhalten;
      und auf diejenigen, die sich vor einer zu frühen „Normalität“ fürchten.
      Christus, unsere Zuversicht.
       
    • Wir schauen auf die Kinder und Jugendlichen,
      denen Freunde und Erzieherinnen und Lehrer fehlen,
      und die das Lernen und das alltägliche Miteinander vermissen;
      und auf die Erwachsenen, die für die nächsten Generationen Entscheidungen treffen.
      Christus, unsere Zuversicht.
       
    • Wir schauen auf die besonders Gefährdeten,
      die ihre Hoffnung auf baldige Impfung setzen;
      auf alle, die schon jetzt mit Sorge darauf blicken,
      dass das Virus auf Dauer bleiben wird.
      Christus, unsere Zuversicht.
       
    • Wir schauen auf die Menschen in Afghanistan,
      die einen Abzug der NATO-Truppen aus ihrem Land befürchten;
      auf die Politikerinnen und Politiker,
      die zwischen Kampfeinsätzen und humanitärer Unterstützung abwägen müssen.
      Christus, unsere Zuversicht.
       
    • Wir schauen auf die Menschen in Myanmar,
      die sich um Frieden und Menschenrechte in ihrem Land sorgen
      und für ihre Forderungen friedlich demonstrieren;
      und auf alle Völker, bei denen Menschenrechte und Demokratie in Gefahr sind oder unerreichbar scheinen.
      Christus, unsere Zuversicht.
       
    • Wir schauen auf die Verantwortlichen in Europa und der Welt,
      die das Wohl aller Menschen im Blick haben
      und eigene Interessen dem auch einmal unterordnen;
      auf Frauen und Männer, die den Armen und Machtlosen eine Stimme geben.
      Christus, unsere Zuversicht.
       
    • Wir schauen auf alle, die uns persönlich nahe sind
      und auf unseren Beistand hoffen,
      auf Kranke und Sterbende, auf Trauernde, Einsame und Hoffnungslose.
      Christus, unsere Zuversicht.
       
    • Wir schauen auf die Christinnen und Christen,
      die in den Karnevals-Tagen auch in ihrer Kirche
      Freude und Hoffnung gespürt und weitergegeben haben;
      auf alle Verantwortlichen auf dem Synodalen Weg,
      die das Gute in unseren Kirchen und Gemeinden erhalten
      und neue gemeinsame Wege des Glaubens finden wollen.
      Christus, unsere Zuversicht.
       

    Jesus Christus,
    du bist den Weg durch die Wüste gegangen,
    du hast Hoffnung und Zuversicht zu den Menschen getragen.
    Wir danken dir für dein Wort und für dein Vorbild;
    wir loben deine Kraft und Stärke – jetzt und bis in deine Ewigkeit. Amen

     

  • 6. Sonntag im Jahreskreis – B – 2021

    Evangelium

    Mk 1,40-45


    In jener Zeit
       kam ein Aussätziger kam zu Jesus
       und bat ihn um Hilfe;
    er fiel vor ihm auf die Knie
    und sagte: Wenn du willst,
       kannst du mich rein machen.
    Jesus hatte Mitleid mit ihm;
    er streckte die Hand aus,
    berührte ihn
    und sagte: Ich will - werde rein!
    Sogleich verschwand der Aussatz
    und der Mann war rein.
    Jesus schickte ihn weg,
    wies ihn streng an
       und sagte zu ihm:
       Sieh, dass du niemandem etwas sagst,
    sondern geh, zeig dich dem Priester
       und bring für deine Reinigung dar,
       was Mose festgesetzt hat - ihnen zum Zeugnis.
    Der Mann aber ging weg
       und verkündete bei jeder Gelegenheit,
       was geschehen war;
    er verbreitete die Geschichte,
       sodass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte;
    er hielt sich nur noch an einsamen Orten auf.
    Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.  

     

    Gedanken

    Die Schlagworte dieser Tage lauten: Abstand, Verringerung der sozialen Kontakte und Lockdown. Die Corona Pandemie zwingt uns dazu.
    Das heutige Evangelium erinnert mich an unsere eigene derzeitige Situation.
    Im Evangelium begegnet Jesus einem Aussätzigen. Das Wort „Aussatz“ heißt ganz konkret: einer, der im wörtlichen Sinne ausgesetzt ist. Aussatz zur Zeit Jesu bedeutete für den Betroffenen die totale Ausgrenzung aus der menschlichen Gesellschaft. Es bedeutete den totalen Lockdown für den Betroffenen - in wirklich jeder Beziehung.  Er wurde gewissermaßen aus der Gesellschaft entfernt, um eine Ansteckung zu verhindern, wir würden heute sagen absolute Isolation und Quarantäne. Betroffene wurden aus den Dorfgemeinschaften ausgeschlossen, mussten in abgegrenzten Bereichen leben. Berührung und Kontakt mit ihnen war tabu. Aussätzige mussten sich zu erkennen geben durch zerrissene Kleidung. Er musste immer wieder den Anderen zurufen: „Unrein! Unrein!“ Betroffene von Covid 19 heute können das vielleicht nachfühlen. Auch die von Aids Betroffenen in den 80-er und 90-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts haben diese Erfahrung gemacht. Auf vielfältige Weise ist es die Erfahrung aller Menschen, die gesellschaftlich ausgegrenzt werden. Erfahrungen der Isolation,  der Ausgegrenztheit, machen einsam. Sie machen krank.
    Im Fall des Aussätzigen im Evangelium kommt aber noch etwas hinzu: Er war nicht nur von der Gesellschaft isoliert und vom normalen Leben ausgeschlossen, er war auch religiös ausgeschlossen und geächtet. Seine Krankheit wurde als Folge von Sünde gesehen und ein solcher Mensch war auch von Gott getrennt. Er war kultisch unrein und sogar von Gott isoliert. Aussatz zu haben war gleichbedeutend mit einem sozialen und religiösen Tod bei lebendigem Leibe. Ähnliches haben auch die Aidskranken erleben müssen, wenn ihre Krankheit als Strafe Gottes angesehen wurde.
    Formen des „Aussatzes“ gab es zu allen Zeiten und es gibt sie noch heute: Mobbing, Rassistische Ideologien, religiös motivierter Hass, Ausgrenzung durch Armut ...
    Jesus aber verhält sich anders, als es den üblichen Gepflogenheiten entsprechen würde.
    Er wendet sich dem Aussätzigen zu, berührt ihn sogar – ein Skandal, der ihn eigentlich selbst unrein machen würde.

    Jesus aber nimmt dadurch den Aussätzigen aus seiner Isolation heraus. Er nimmt Beziehung auf und schenkt die Erfahrung von Nähe und Zuwendung.

    In dieser Zuwendung Jesu scheint die Liebe Gottes auf, die keine Schranken und Ausgrenzungen kennt. Diese Liebe ist offen für jeden, der sie braucht. Jesus zeigt in den Evangelien immer wieder: Gerade die Ausgegrenzten aller Art brauchen diese Liebe am meisten und haben sogar ein Anrecht darauf.

    Das heutige Evangelium macht ganz besonders darauf aufmerksam, wie achtsam wir sein müssen, damit Ausgrenzung keine Chance hat, damit Menschen in besonderen Situationen und Lebenslagen nicht vereinsamen oder aus ihren Beziehungen und sozialen Netzen herausfallen.

    Gerade in der jetzigen Situation, die durch Abstand und verminderte soziale Kontakte geprägt ist, kann uns das heutige Evangelium deutlich machen, dass Gott nicht den Tod will, auch nicht den durch Ausgrenzung. Gott will die gegenseitige Zuwendung und die Liebe.
    Daher finde ich alle Initiativen wichtig und im Sinne Jesu, die Menschen trotz Abstand und Hygienevorschriften zeigen: „Du bist gewollt und wichtig! Du bist nicht allein und gehörst dazu!“
    In diesem Sinne muss unsere Kirche – auch unsere Gemeinde – eine diakonische Kirche sein, die eintritt gegen jede Art von Ausgrenzung und soziale Kälte und Lieblosigkeit. Eine solche Kirche wird in aller Munde sein. Vielleicht geschieht dann unserer Kirche das, was im Evangelium geschrieben steht: „Die Leute kommen von überall her zu ihr.“
    Amen.

     

    Fürbitten
    Jesus macht Menschen gesund,
    die als unheilbar gelten und ausgeschlossen sind.
    Wir bringen unsere Welt zu ihm
    und bitten um Beistand und Heilung...

     

    • … für die Menschen, die mit Covid19 um ihr Leben kämpfen;
      für die vielen, die nach der Krankheit noch lange an den Folgen leiden.
      Und für alle, die sich um die Kranken und die Nicht-mehr-Kranken sorgen.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir bitten um Beistand und Heilung
      für alle, die an anderen Krankheiten leiden oder an der Schwäche des Alters.
      Und für ihre Familien
      und für die ärztlichen und pflegerischen Kräfte an ihrer Seite.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir bitten um Beistand und Heilung für alle,
      die in glücklichen Beziehungen und Partnerschaften leben.
      Für die Paare, deren Ehe und Familie schwierig oder in Gefahr ist;
      und für alle, die sich an einem neuen Glück freuen.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir bitten um Trost und neue Freude für alle,
      die in diesen Tagen gern Fasching / Fastnacht / Karneval… feiern würden.
      Besonders denken wir an die kreativen Leute, die trotz der Corona-Einschränkungen
      anderen Menschen und sich selbst eine Freude bereiten.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir bitten um Heilung und Beistand
      für die Kirche in unserem Land und in der Welt,
      die an Verletzungen und menschlichen Schwächen leidet;
      für alle, die synodal nach neuen Wegen für den Glauben suchen.
      Und für die vielen, die sich von der Kirche verabschieden wollen.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir bitten um Beistand und Heilung für alle Menschen,
      die unter Krieg und Hunger leiden,
      unter dem Missbrauch von Macht, unter Übergriffen und Gewalt.
      Und für die vielen Menschen auf der Flucht, in Lagern oder auf dem Meer.

     

    Jesus Christus,
    wenn du willst, kannst du diese Welt gesund machen.
    Wir danken dir für deine Nähe und deinen Beistand
    und loben dich mit dem Vater und dem Heiligen Geist
    heute und morgen und in Ewigkeit. Amen

     

  • 5. Sonntag im Jahreskreis – B

    Evangelium: Mk 1,29-39


    Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.

    In jener Zeit
       ging Jesus zusammen mit Jakobus und Johannes
       in das Haus des Simon und Andreas.
    Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett.
    Sie sprachen sogleich mit Jesus über sie
    und er ging zu ihr,
       fasste sie an der Hand und richtete sie auf.
    Da wich das Fieber von ihr und sie diente ihnen.
    Am Abend, als die Sonne untergegangen war,
       brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus.
    Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt
    und er heilte viele,
       die an allen möglichen Krankheiten litten,
    und trieb viele Dämonen aus.
    Und er verbot den Dämonen zu sagen,
    dass sie wussten, wer er war.
    In aller Frühe, als es noch dunkel war,
       stand er auf und ging an einen einsamen Ort,
       um zu beten.
    Simon und seine Begleiter eilten ihm nach,
    und als sie ihn fanden,
       sagten sie zu ihm: Alle suchen dich.
    Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen,
    in die benachbarten Dörfer,
       damit ich auch dort verkünde;
    denn dazu bin ich gekommen.
    Und er zog durch ganz Galiläa,
    verkündete in ihren Synagogen
    und trieb die Dämonen aus.  



    Gedanken:

    Was uns das heutige Evangelium vor Augen führt, ist gewissermaßen ein Arbeitstag Jesu. Jesus heilt. Zunächst die Schwiegermutter des Petrus, die an einem Fieber erkrankt war. Und dann, bis spät in die Nacht, all die vielen Kranken, die man zu ihm bringt. „Die ganze Stadt war vor dem Haus versammelt.“ heißt es da.
    „Am nächsten Morgen, als es noch dunkel war“, erzählt Markus beginnt der nächste Arbeitstag. Jesus will ins nächste Dorf, um seine Botschaft auch dort zu verkünden. Er wirkt wie ein Getriebener. Seine Jünger kommen ihm kaum nach, wollen ihn zurückhalten.
    Mir fallen dabei die Bilder der Krankenstationen ein, wo die Pflegerinnen und Pfleger und die Ärzte sich regelrecht abhetzen müssen, um allen die Versorgung zu geben, die sie brauchen. Die Mitarbeitenden in den Altenheimen, die ihrer Arbeit der Pflege und Versorgung kaum nachkommen.
    Und mir fallen gerade in diesen Zeiten die Eltern ein, die ihre Kinder zuhause beschäftigen und im sogenannten Homeschooling betreuen müssen und gleichzeitig den Anforderungen von Haushalt und Beruf nachkommen müssen. Viele fühlen sich gehetzt und überfordert.
    Auch in den beiden Lesungen hören wir von Menschen, die getrieben sind. Da ist Paulus, der betont, dass er verkünden muss. Er kann gar nicht anders; es ist wie ein Zwang. Ein treffendes Bild für dieses Getriebensein hat Ijob: „Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage, sie gehen zu Ende, ohne Hoffnung. Denk daran, dass mein Leben nur ein Hauch ist!“
    Ich glaube gerade in diesen schwierigen Zeiten kommen wir uns manchmal so ähnlich vor.
    Was aber gibt uns immer wieder die Kraft, weiter zu machen, so wie Jesus, so wie Paulus und so wie Ijob?
    Ein kleiner Satz im Evangelium gibt darüber Auskunft: „In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er, Jesus, auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.“
    In aller Getriebenheit, in allem Engagement nimmt er sich eine kleine Auszeit, sucht die Stille und die Abgeschiedenheit und die Verbindung zu Gott, seinem Vater im Himmel. Diese Zeit mit Gott ist für ihn Kraftquelle und Tankstelle. In diesen Unterbrechungen des Alltags kann er sich neu besinnen, Gott vorlegen, was ihn beschäftigt, belastet oder freut. Hier kann er neu das Ganze in den Blick nehmen, damit er sein Ziel – die Verkündigung des Reiches Gottes – nicht aus den Augen verliert. Und auch Paulus versucht das Ganze im Blick zu behalten: die Verkündigung des Evangeliums.
    Vielleicht ist das auch für uns ein Hinweis, ein Ratschlag: In all unserer Getriebenheit und in all unseren Aufgaben und Verpflichtungen nicht das Ganze aus dem Blick zu verlieren, das, worum es wirklich geht in unserem Leben.
    Ich glaube jedenfalls, dass es Vielen in den Pflegeberufen, vielen Eltern mit doppelten und dreifachen Belastungen so geht: Sie können weiterarbeiten, weil sie immer noch wissen, warum sie es tun und dass ihre Anstrengung getragen ist von einem Sinn.
    Auszeiten, in denen wir unsere Mühen, unsere Erschöpfung und unser Kämpfen, aber auch unsere Erfolge und Freuden immer wieder vor Gott hinstellen und ihm anvertrauen können helfen, diesen Blick aufs Ganze nicht zu verlieren.
    Und diese Augenblicke des Gespräches mit Gott können uns bewusst machen, dass wir nicht allein sind mit allem, was wir erleben, erleiden und erdulden. Wir haben einen, der das mit uns teilt und uns trägt, wenn wir uns ihm nur vertrauensvoll anvertrauen.
    Wir sollten es tun wie Jesus: wenigstens einmal am Tag eine Auszeit nehmen, den Alltag unterbrechen und ein Gespräch, einen Austausch mit Gott wagen. Gerade von ihm brauchen wir keinen Abstand zu halten. Ihm dürfen wir uns immer wieder nah fühlen. Ich habe es selbst erfahren und weiß es von anderen Menschen: viele Lasten werden dadurch tragbarer, manche werden sogar von mir genommen und Freude und Glück können tiefer werden. Ich darf mich in aller Getriebenheit und Belastung durch den Alltag getragen und aufgehoben fühlen.
    Amen.
     

    Fürbitten

    Jesus Christus ist Heiland und Retter
    für alle, die bei Gott Hilfe suchen.
    Ihn bitten wir für die Menschen unserer Zeit.
     

    • Wir bitten für alle, die sich um andere sorgen,
      für alle, die Angehörige pflegen,
      und für alle, die auf Notlagen und gesellschaftliche Missstände aufmerksam machen.
      Christus, Heiland und Erlöser.
       
    • Wir bitten für alle, die sich anderen Menschen zuwenden,
      die Zeit und Aufmerksamkeit schenken.
      Für alle einsamen Menschen
      und für alle, die helfen in bedrückenden Zeiten.
      Christus, Heiland und Erlöser.
       
    • Wir bitten für alle, die auf Heilung hoffen,
      für alle, die über die Entwicklung in der Pandemie
      und über die notwendigen Maßnahmen beraten und beschließen.
      Und auch für die vielen Menschen,
      die mit einer Krankheit leben müssen ohne Hoffnung auf Heilung.
      Christus, Heiland und Erlöser.
       
    • Wir bitten für alle, die ihre Beziehung zu Gott pflegen;
      für alle, die ihre Kraftquellen kennen,
      und alle, die nach solchen Quellen suchen.
      Christus, Heiland und Erlöser.
       
    • Wir bitten für unsere Kirche, die nach Wegen sucht,
      den Glauben und die Nachfolge heute zu leben;
      für die Beratungen des Synodalen Weges.
      Und für alle, denen Christinnen und Christen ein glaubwürdiges Zeugnis schulden.
      Christus, Heiland und Erlöser.
       
    • Wir bitten für alle, die gefangen sind in schwierigen Beziehungen und Strukturen,
      und für alle, die um ihre Rechte und um Anerkennung kämpfen müssen.
      Für alle, in deren Leben die Dämonen übergroß geworden sind,
      für seelisch erkrankte und suizid-gefährdete Menschen.
      Christus, Heiland und Erlöser.
       
    • Wir bitten für alle, die ihr Leben vollendet haben und gestorben sind.
      Nimm sie auf in dein Reich und tröste die Trauernden.
      Christus, Heiland und Erlöser.

      Jesus Christus, Herr und Bruder,
      du zeigst uns Gottes Liebe.
      Lass uns aus dieser Liebe leben und Gott die Ehre geben in Ewigkeit. Amen

     

  • 4. Darstellung des Herrn – B – 2021

    Lesung:  Lk 2,22-40


    Als sich für die Eltern Jesu
       die Tage der vom Gesetz des Mose
       vorgeschriebenen Reinigung erfüllt hatten,
    brachten sie das Kind nach Jerusalem hinauf,
       um es dem Herrn darzustellen,
    wie im Gesetz des Herrn geschrieben ist:
       Jede männliche Erstgeburt
       soll dem Herrn heilig genannt werden.
    Auch wollten sie ihr Opfer darbringen,
       wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt:
    ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.
    Und siehe, in Jerusalem lebte ein Mann namens Símeon.
    Dieser Mann war gerecht und fromm
       und wartete auf den Trost Israels
    und der Heilige Geist ruhte auf ihm.
    Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden,
       er werde den Tod nicht schauen,
       ehe er den Christus des Herrn gesehen habe.
    Er wurde vom Geist in den Tempel geführt;
    und als die Eltern das Kind Jesus hereinbrachten,
       um mit ihm zu tun, was nach dem Gesetz üblich war,
    nahm Símeon das Kind in seine Arme
    und pries Gott mit den Worten:
    Nun lässt du, Herr,
       deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
    Denn meine Augen haben das Heil gesehen,
    das du vor allen Völkern bereitet hast,
    ein Licht, das die Heiden erleuchtet,
       und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
    Sein Vater und seine Mutter
       staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden.
    Und Símeon segnete sie
    und sagte zu Maria, der Mutter Jesu:
       Siehe, dieser ist dazu bestimmt,
       dass in Israel viele zu Fall kommen
       und aufgerichtet werden,
    und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird, –
    und deine Seele wird ein Schwert durchdringen.
    So sollen die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.
    Damals lebte auch Hanna, eine Prophetin,
    eine Tochter Pénuëls, aus dem Stamm Ascher.
    Sie war schon hochbetagt.
    Als junges Mädchen hatte sie geheiratet
       und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt;
    nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren.
    Sie hielt sich ständig im Tempel auf
       und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.
    Zu derselben Stunde trat sie hinzu,
    pries Gott
    und sprach über das Kind
       zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.
    Als seine Eltern alles getan hatten,
       was das Gesetz des Herrn vorschreibt,
       kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.
    Das Kind wuchs heran und wurde stark,
    erfüllt mit Weisheit,
    und Gottes Gnade ruhte auf ihm.

    Gedanken

    Wir feiern das Fest Darstellung des Herrn oder wie es weithin auch genannt wird: Mariä Lichtmess. Mit diesem Fest am 2. Februar, endete früher die Weihnachtszeit. Um diesen Tag herum wurde der Weihnachtsschmuck und die Tannenbäume aus den Wohnungen herausgeholt. Manch einer macht das noch heute so. Lichtmess ist gewissermaßen ein kleines Weihnachtsfest, das noch einmal die Lichtsymbolik von Weihnachten aufgreift, und das mitten im Alltag des liturgischen Jahreskreises.

    Ich habe vor einiger Zeit in einem Kindergarten mit einigen Kindern eine kleine Gestaltung zur Geschichte des heutigen Evangeliums gemacht. Simeon der alte Mann, der lange auf den Retter gewartet hat, spricht in seinem Gebet, dem Nunc dimittis, vom Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit ist für sein Volk Israel. Die Kerze, die dann in die Mitte des Stuhlkreises gestellt wurde, war so faszinierend, dass die Kinder nicht auf den Stühlen sitzenbleiben konnten. Alle legten sich bäuchlings auf den Boden und blickten fasziniert auf das Licht der Kerze. Kerzenlicht ist faszinierend, es schafft Wärme und eine gute, eine wohltuende Atmosphäre. Menschen versammeln sich um das Licht einer Kerze, Kerzenlicht in einem dunklen Raum gibt Orientierung und Sicherheit.

    Papst Franziskus formuliert in seinem Schreiben „Evangelii gaudium“, dass wir Christen berufen sind, Licht und Leben zu vermitteln, eben die Freude am Licht Jesus Christus weiter zu geben und sie selbst zu leben.

     

    Vor einigen Jahren haben die Messdiener in Hermeskeil eine Krippe in der Kirche gestaltet, die anders war als die übliche Krippe.

    Jesus, das Kind in der Krippe, es lag nicht mehr am gewohnten Ort, nicht mehr in der traditionellen Krippendarstellung, sondern in einem Raum, der als Aufnahmestätte für Flüchtlinge gestaltet war. Wir hätten dem Kind auch andere Umgebungen geben können: das Krankenzimmer, in dem ein Mensch leidet, vielleicht auf den Tod wartet. Die Sozialwohnung, in der eine Rentnerin ihren Lebensabend in Armut und Einsamkeit verbringen muss, weil die winzige Rente hinten und vorne nicht reicht. Es hätte das Zeltlager für Flüchtlinge in Idlib oder Moria sein können oder das Lager in Auschwitz oder Hinzert.

    „Tragt in die Welt nun ein Licht“ singen die Kinder und manchmal singen es auch Erwachsene gerne, weil dieses Lied ein wesentliches Merkmal unseres Christseins besingt. Das Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Herrlichkeit des Volkes Israel darf nicht eingeschlossen bleiben im Tempel oder in den Kirchen. Es muss hinausgetragen werden in die Welt. Die Faszination, die Wärme, die Helligkeit dieses Lichtes, das Jesus Christus für uns ist, es muss ausstrahlen in die Welt, in die Umgebung, in der wir leben. Dieses Licht, Jesus Christus und seine Botschaft, ist nicht eines, dass wir auf einen Sockel stellen sollten, sondern eines, dass wir in die Hand nehmen oder noch besser: ins Herz aufnehmen sollten, um es zu den Menschen zu bringen.
    Christen sollten das tun, damit auch die Menschen heute dasselbe sehen oder wenigstens erahnen können, was der Greise Simeon in seinem Gebet ausdrückt: „Meine Augen haben das Heil gesehen, dass du vor allen Völkern bereitet hast. Ein Licht, das die Heiden – oder sagen wir besser: die Welt erleuchtet.“

     

    Im Hebräerbrief wird dieses Licht vorgestellt als eines, das auch uns selbst zum Licht macht. Es ist das Licht das heiligt und wir sind die Geheiligten. Und er, Christus, und in ihm und durch ihn Gott selbst, scheut sich nicht uns Brüder und Schwestern zu nennen.

     

    Daher ist es ein schöner Brauch, auch die Kerzen zu segnen, die im Jahresverlauf in der Kirche oder in den Häusern brennen sollen. Etwas von dem Licht Jesu soll mitgehen in den Alltag unseres Lebens, damit auch in unserer Lebenswelt die Botschaft von Weihnachten wahr werden kann: Jesus Christus, das Licht der Welt, ja Gott selbst ist Mensch geworden und wird es immer wieder neu durch uns und unser Leben.

     

    Das ist das, was Papst Franziskus als Evangelisierung bezeichnet: das Licht und die Freude des Evangeliums weitergeben durch unser Leben, durch unsere Tat oder wie er es selbstkritisch und ironisch auf den Punkt bringt, ausnahmsweise, wenn es nötig ist, auch mal durch Worte.

     

    „Aus diesen Gründen erlaube ich mir,“ sagt der Papst, „darauf zu beharren: Lassen wir uns die Freude der Evangelisierung nicht nehmen! Tragen wir das Licht von Jesus in die Welt zu den Armen, den Kranken, den Traurigen. Aber auch zu den Frohen und Glücklichen, denn das Licht Jesu kann auch die Freude noch heller und tiefer machen.“
    Amen

    Fürbitten

     

    Guter Vater,
    Der alte Simeon singt ein Lied voller Hoffnung und Vertrauen.
    Nun kann er in Frieden gehen.
    Er hat den Trost Israels, das Licht der Völker gesehen.
    Heute, an diesem Tag der Darstellung unseres Herrn, beten wir:

     

    • manche älteren Menschen sehen verbittert und enttäuscht auf ihr Leben zurück.
      Sie hadern mit sich und anderen Menschen.
      Schenke ihnen einen liebevollen Blick auf ihr Leben.
      Guter Vater:
       
    • Eltern sind glücklich, wenn sie ein Neugeborenes empfangen haben.
      Sie sind Tag und Nacht ganz Ohr, ganz Auge.
      Viele Großeltern können zurzeit ihre Enkelkinder nicht so oft sehen
      und in die Arme schließen, wie sie es gerne möchten.
      Guter Vater:
       
    • An vielen Stellen dieser Welt werden Kinder in Lagern oder auf der Flucht geboren.
      Ihre Eltern sind arm und selbst den Unbilden harter Lebensumstände ausgeliefert.
      Im Dschungel der Nachrichten sind sie nur ein Thema unter vielen anderen.
      Guter Vater
       
    • Um Impfstoffe ist ein Kampf entbrannt.
      Die reichen Länder haben sich den Großteil der Mengen gesichert.
      Weltweit haben viele Menschen keine Chancen.
      Guter Vater:
       
    • Die Corona-Maßnahmen spannen Nerven zum Zerreißen.
      Menschen demonstrieren, Aggressionen entladen sich.
      Freiheit wird ins Feld geführt und geht verloren.
      Guter Vater:
       
    • Nimm die Verstorbenen auf in deine Herrlichkeit
      und lass sie ewig leben in deiner Gegenwart.
      Wir denken besonders an die Opfer der Corona Pandemie
      überall in der Welt
      aber auch in unserer Gemeinde.
      Guter Vater:
       

    Hilf uns, dich zu sehen, Herr,
    als Licht der Völker,
    als Herrlichkeit deines Volkes Israel,
    als unsere Hoffnung und unsere Freude.
    Du stellst dich uns dar
    in der Liebe, jetzt und in Ewigkeit. –

  • 3. Sonntag im Jahreskreis – Beuren – 2021

    1. Lesung:

      Jona 3,1-5. 10
      Das Wort des Herrn erging an Jona:
      Mach dich auf den Weg
         und geh nach Nínive, der großen Stadt,
      und rufe ihr all das zu,
         was ich dir sagen werde!
      Jona machte sich auf den Weg und ging nach Nínive,
         wie der Herr es ihm befohlen hatte.
      Nínive war eine große Stadt vor Gott;
      man brauchte drei Tage, um sie zu durchqueren.
      Jona begann, in die Stadt hineinzugehen;
      er ging einen Tag lang
         und rief: Noch vierzig Tage
         und Nínive ist zerstört!
      Und die Leute von Nínive glaubten Gott.
      Sie riefen ein Fasten aus
      und alle, Groß und Klein,
         zogen Bußgewänder an.
      Und Gott sah ihr Verhalten;
      er sah, dass sie umkehrten
         und sich von ihren bösen Taten abwandten.
      Da reute Gott das Unheil, das er ihnen angedroht hatte,
         und er tat es nicht.

       
    2. Lesung:

      1 Kor 7,29-31
      Ich sage euch, Brüder:
         Die Zeit ist kurz.
      Daher soll, wer eine Frau hat,
         sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine,
      wer weint, als weine er nicht,
      wer sich freut, als freue er sich nicht,
      wer kauft, als würde er nicht Eigentümer,
      wer sich die Welt zunutze macht, als nutze er sie nicht;
      denn die Gestalt dieser Welt vergeht.
       

    Evangelium:


    Mk 1,14-20

    Nachdem Johannes ausgeliefert worden war,
       ging Jesus nach Galiläa;
    er verkündete das Evangelium Gottes
    und sprach: Die Zeit ist erfüllt,
    das Reich Gottes ist nahe.
    Kehrt um
       und glaubt an das Evangelium!
    Als Jesus am See von Galiläa entlangging,
       sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon,
       die auf dem See ihre Netze auswarfen;
    sie waren nämlich Fischer.
    Da sagte er zu ihnen:
       Kommt her, mir nach!
    Ich werde euch zu Menschenfischern machen.
    Und sogleich ließen sie ihre Netze liegen
       und folgten ihm nach.
    Als er ein Stück weiterging,
       sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus,
       und seinen Bruder Johannes;
    sie waren im Boot und richteten ihre Netze her.
    Sogleich rief er sie
    und sie ließen ihren Vater Zebedäus
       mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück
       und folgten Jesus nach.

    Gedanken:
    „Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde.
    Heute wird getan oder auch vertan,
    worauf es ankommt, wenn er kommt.“
    So heißt es in einem Lied. Dieser Kehrvers fiel mir ein, als ich die Texte des heutigen Sonntags las. Denn irgendwie haben alle drei Lesungen mit dem Thema Zeit zu tun.
    „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.“ So sagt Jesus im Evangelium.
    Es ist fast wie eine Zusammenfassung seiner guten Botschaft. Der Evangelist Markus erzählt nicht viel über die Predigt Jesu, aber er erzählt über Jesus selbst, wie er heilt und tröstet, wie er sich den Menschen zuwendet und ihnen in seiner Person die Liebe Gottes vor Augen führt. In dem, was er sagt und tut ist er die Liebe Gottes selbst geworden, eben das Lamm Gottes, ja Gott selbst im Fleisch des Menschen.
    Und diese gute Botschaft vom Reich Gottes, einer Welt nach dem Willen Gottes überwältigt Jesus so sehr, dass sie nicht bei ihm bleiben kann. In Jesus ist dieses Reich gegenwärtig geworden und will sich anderen mitteilen.
    Das sehen wir an der Reaktion der ersten Jünger Jesu im Markusevangelium: Simon, Andreas, Johannes und Jakobus. Sie lassen einfach alles stehen und liegen, um mit Jesus zu gehen, ihm nachzufolgen.
    Sie sind so ergriffen von der Liebe Gottes, die in der guten Botschaft Jesu zum Ausdruck kommt, dass sie fortan alles, ihr ganzes Leben, auf diese eine Karte setzen wollen.
    Es ist ja auch in unserem Leben manchmal so, dass jetzt die Zeit und die Stunde ist zu handeln und nicht erst später. Wenn jemand einen Autounfall hat und hilflos am Straßenrand steht, dann braucht er jetzt unsere Hilfe. Er braucht sie nicht erst dann, wenn unser Terminkalender es zulässt.
    Wenn einer krank ist, dann braucht er unseren Besuch genau jetzt und nicht erst in zwei Wochen, wenn es uns zeitlich besser passt. Dann wird der Augenblick vorüber und die Chance verpasst sein.
    Genau das kommt auch zum Ausdruck, wenn Paulus den Menschen in Korinth schreibt: „Die Zeit ist kurz!“ Und er ruft ihnen ins Gewissen, sich nicht zu sehr an die Dinge dieser Welt zu binden. Er sagt nicht, sich von allem loszusagen und auszusteigen. Aber manchmal verlangt der Einsatz für das Reich Gottes, die Dinge dieser Welt zu relativieren: etwa den Terminkalender und die sogenannten Sachzwänge zu lassen, wenn da jemand ist, der meinen Trost oder Zuspruch gerade jetzt braucht.

    „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“  so ruft Jesus den Menschen zu. „Kehrt um!“ so ruft auch Jona in der Lesung aus dem Alten Testament den Menschen in Ninive zu. Und als die Niniviten tatsächlich umkehren, da geschieht auch etwas mit Gott. Auch er kehrt um und beschließt, das Unheil nicht zu vollziehen. Er wendet sich seinen Geschöpfen neu zu und nimmt sie an.

    Es ist ein großer Bogen, den die heutigen Lesungstexte und das Evangelium schlagen:
    Die Zeit unseres Lebens ist zu kurz und zu entscheidend, um sie im Alltag mit seinen Sachzwängen und Zerstreuungen verkommen zu lassen. Die Umkehr auf den Weg Jesu lässt das Reich Gottes in unserer Welt sichtbar werden und aufbrechen. Die vielen Parolen, vor allem die des Hasses und der Gewalt, werden auf dem Weg Jesu entlarvt und überwunden. Die Liebe Gottes kann so sichtbar werden in unserer Welt. Die Zeit ist da, um die Liebe Gottes in dieser Welt sichtbar werden zu lassen. Trost, Hoffnung und Zuversicht können wachsen – gerade in diesen schwierigen Zeiten ist das notwendig.
    Und Gott? Auch er wendet sich uns immer wieder zu. Er gibt uns nicht auf, sondern hält uns für Wert und würdig, sein Reich in unsere Welt zu tragen und dafür Zeugnis abzulegen.
    In einem Gebet von Peter Boekholt heißt es:
     

    Gott,
    dein Rufen ist nicht laut,
    aber doch unüberhörbar;
    du gibst nicht auf
    du rufst immer wieder
    du lässt keinen aus;
    du rufst mich!
    ….


    Ich höre deinen Ruf genau:

    manchmal rufst du persönlich
    dann wieder durch Boten
    dann wieder durch Texte
    dann wieder durch die innere Stimme

    Dein Ruf betrifft mich!
    Amen.

    Fürbitten

    Jesus Christus traut uns zu, Menschenfischer zu sein,
    er gibt uns Kraft und Zuversicht dazu.
    Im Vertrauen auf seine Hilfe legen wir ihm die Menschen ans Herz,
    die uns besonders wichtig sind.
     

    • Wir denken an alle, die sich um Erkrankte und nur langsam Genesende sorgen,
      die trauern, weil sie geliebte Angehörige oder enge Freunde verloren haben
      und einsam sind.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir denken an die Verantwortlichen im Gesundheitswesen
      und in den sozialen Einrichtungen;
      an die Einsatzkräfte in Impfzentren und Kliniken,
      die sich für die besonders Gefährdeten engagieren und sie schnell versorgen.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir denken an die Regierenden in den Staaten,
      die Atomwaffen geächtet und verboten haben;
      an die politischen und kirchlichen Gruppen,
      die auch in schwierigen Zeiten für Frieden und Gerechtigkeit eintreten;
      und an Politikerinnen und Politiker, die noch zögern, den Verbotsvertrag zu unterzeichnen.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir denken an die Frauen und Männer,
      die Menschenrechte auch in der Weltwirtschaft und im Handel sichern wollen;
      die sich für faire Arbeitsbedingungen und Löhne überall einsetzen.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir denken an die Menschen, die sich für Versöhnung stark machen –
      in den Vereinigten Staaten und bei uns;
      an alle, die statt auf das „zwischen uns“
      lieber auf das schauen, was vor uns liegt.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir sind verbunden mit den Verantwortlichen in unseren Kirchen,
      die nach einer Einigung auf dem Synodalen Weg suchen;
      mit Gläubigen, deren Geduld verbraucht ist und die ihre Kirche verlassen;
      und mit denen, die auf eine gute Zukunft deiner Kirche vertrauen und bleiben.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir denken auch an unsere Toden,
      die ihr Leben im Vertrauen auf dich und deine Liebe gelebt haben
      und die gestorben sind in der Hoffnung auf ein Leben in deinem Reich.
      Christus, höre uns.
       

    Jesus Christus, Freund und Bruder,
    du hast uns gezeigt,
    wie wir mit Wort und Tat Menschen für deine Nachfolge gewinnen können.
    Wir danken dir für dein Vertrauen in unsere Zuversicht und Kraft;
    wir loben deine Stärke – jetzt und bis in deine Ewigkeit. Amen.

  • 2. Sonntag im Jahreskreis – B – 2021

    Evangelium:
     

    Joh 1,35-42

    In jener Zeit
       stand Johannes wieder am Jordan, wo er taufte,
    und zwei seiner Jünger standen bei ihm.
    Als Jesus vorüberging,
       richtete Johannes seinen Blick auf ihn
    und sagte: Seht, das Lamm Gottes!
    Die beiden Jünger hörten, was er sagte,
       und folgten Jesus.
    Jesus aber wandte sich um,
    und als er sah, dass sie ihm folgten,
       sagte er zu ihnen: Was sucht ihr?
    Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister - ,
       wo wohnst du?
    Er sagte zu ihnen: Kommt und seht!
    Da kamen sie mit und sahen, wo er wohnte,
    und blieben jenen Tag bei ihm;
    es war um die zehnte Stunde.
    Andreas, der Bruder des Simon Petrus,
       war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten
       und Jesus gefolgt waren.
    Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon
    und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden -
    das heißt übersetzt: Christus.- der Gesalbte.
    Er führte ihn zu Jesus.
    Jesus blickte ihn an
       und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes,
    du sollst Kephas heißen,
    das bedeutet: Petrus, Fels.

     

    Gedanken

    “Kommt mit und seht …”

    “Wo wohnt eigentlich Gott?” Das ist oft eine Frage von Kindern an ihre Eltern. Unsere Kinder haben sie uns auch gestellt, als sie klein waren. Die einfachste Antwort ist dann: “Er wohnt überall.” Andere Antwortmöglichkeiten sind: “Er wohnt in deinem Herzen.” oder “Er wohnt in der Kirche.” oder “Er wohnt im Himmel.”

    Alle diese Antworten sind richtig. Aber mal ehrlich, keine ist so richtig befriedigend. Jede dieser Antworten ist nicht umfassend. Und eigentlich wollen die Kinder und auch wir Erwachsenen keine Adresse wissen, sondern eher: wie ist Gott eigentlich und was bedeutet er für mich und mein Leben?

    Eben haben wir folgende Worte gehört aus dem ersten Kapitel des Johannes-Evangeliums:

    “36 Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes!

    37 Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. 38 Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, sagte er zu ihnen: Was sucht ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister – wo wohnst du?  39 Er sagte zu ihnen: Kommt und seht! Da kamen sie mit und sahen, wo er wohnte …”

    Die Jünger stellen die gleiche Frage wie die Kinder und hoffentlich auch wir selbst: “Wo wohnst du?” Und Jesus? Er gibt eigentlich keine richtige Antwort. Er sagt einfach: “Kommt und seht!”

    Jesus lädt die Jünger ein, selbst die Erfahrung zu machen. Sie sollen selbst herausfinden, wo er wohnt und vor Allem was das für sie bedeutet.

    Die Jünger gehen mit und machen die Erfahrung, dass Gott in diesem Jesus wohnt, ja, dass dieser Jesus Gottes Sohn ist. In dem, was Jesus tut und sagt, kommt Gott selbst zum Ausdruck.

    Er ist da, wenn sie mit anderen bei einer Hochzeit sind, wie in Kana. Sie erleben ihn, wenn er predigt und von Gott erzählt, sie erfahren, dass er da ist, wenn Kranke heil und Hungrige gespeist werden und Armen eine frohe Botschaft verkündet wird. Und schließlich erleben die Jünger seine Gegenwart im Mahl mit Jesus, wenn er mit ihnen Brot und Wein teilt, seinen Leib und sein Blut. Die Jünger machen die Erfahrung, dass Gott tatsächlich überall gegenwärtig und sichtbar ist, dass er erfahrbar werden kann, wenn Menschen offen sind für seine Gegenwart und in einer lebendigen Beziehung zu Jesus stehen.

    Die Synode hat von den Kirchorten geredet, Orte, an denen Kirche geschieht. Wir grenzen diesen Ort oft auf den Kirchenraum ein, auf die Zeitspanne des Gottesdienstes. Aber, so sagt die Synode, Kirche ist auch anderswo zu finden.

    Gott ist mittendrin, wenn im Altenheim Gottesdienst gefeiert wird oder alte Menschen und Familien sich im Stadtpark zum Picknick im Park treffen. Vor Corona haben wir im Seniorenheim gemeinsam Obstspieße vorbereitet und dann - bei herrlichem Wetter – im Park geteilt. Ältere Menschen, junge Familien und kleine Kinder waren gekommen. Spielgeräte gab es und ein Clown unterhielt Alt und Jung. Verschiedene Generationen haben miteinander ein paar herrliche Stunden im Park verbracht. Vielleicht ist das ja auch so etwas wie ein Kirchort - ein Ort, an dem Kirche geschieht und auch Gott gegenwärtig ist. Oder wenn im Kindergarten in den einzelnen Gruppen von Jesus erzählt wird oder beim Café-International Geflüchtete und Einheimische sich begegnen.

    An Pfingsten jedenfalls haben es die Jünger erfahren dürfen: der Geist Gottes treibt hinaus auf die Straßen, zu den Menschen. Dort muss die frohe Botschaft lebendig werden. Im abgeschlossenen Saal bleiben, das bedeutet Stillstand. Gott ist nicht nur sonntags im Kirchenraum für eine Stunde da - Gott ist immer und überall da. Wir brauchen ihn nur zu entdecken mit all den Menschen zusammen, die das auch möchten.

    Bei diesen Gedanken wird auch deutlich, was die derzeitige Situation für uns bedeutet. Corona, das verbinden wir mit sozialer Distanz, mit Abstand halten und mit der Vermeidung von Kontakten.
    Begegnungen sind in dieser schwierigen Zeit seltener und eingeschränkter und damit scheinbar auch die Orte, an denen wir erfahren können: Gott lebt unter uns. Aber Gott verschwindet nicht einfach aus unserer Mitte. Er bleibt und ist da, wo Menschen sich gegenseitig unterstützen und füreinander da sind. Er ist dabei, wo Menschen kreative Möglichkeiten finden, trotz Distanz und Abstandsregelungen, soziale Wärme und Nähe zu gestalten.

    „Kommt und seht!“ unsere Kirche – also wir – sollten so sein, dass wir diese Einladung Jesu aussprechen können und Menschen bei uns und in unserem Leben erfahren können: „Gott ist lebendig in unserer Mitte!“
    Amen.

     

    Fürbitten

    Jesus Christus fragt: Was sucht ihr.
    In diesen Tagen suchen wir bei Ihm Hoffnung, Trost, Mut und Zuversicht.
     

    • Wir suchen Halt, Herr, und bitten um Kraft
      für alle, die krank sind und leiden,
      für alle, die weiterhin helfen wollen, aber nicht mehr können,
      für alle, die in großer Sorge sind um ihre Angehörigen und Freunde.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir suchen Trost, Herr, und bitten um Deine Zuwendung
      für alle, die trauern,
      für alle Frauen und Männer in der Seelsorge
      und für alle, die die Welt nicht mehr verstehen.
      Christus, höre uns.  
       
    • Wir suchen Hoffnung, Herr und bitten um Deinen Beistand
      für alle, die in Politik und Medizin immer wieder
      schwere Entscheidungen treffen müssen,
      für alle, die zunehmend bedrückt sind von den täglichen Corona-Zahlen,
      für Menschen in ihrer Angst.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir suchen Sicherheiten, Herr, und bitten um Weisheit
      und guten Mut für die ganze Welt,
      für alle, die in den USA oder bei uns in Deutschland und Europa
      um den inneren Frieden ringen,
      für Helferinnen und Helfer in den Krisengebieten der Welt
      und für alle, die sich an Europas Grenzen nach einer neuen Heimat sehnen.
      Christus, höre uns.
       
    • Wir suchen Heimat, Herr, in deiner Kirche, und bitten um deinen guten Geist,
      für alle, die miteinander im Dialog sind
      und die Einheit der Christen in der Kirche leben,
      für alle, die Missstände benennen und Verantwortung übernehmen,
      für alle, die deiner Einladung folgen möchten,
      zu kommen und zu sehen, wo du wohnst.
      Christus, höre uns. 
       
    • Wir sehnen uns nach einem Leben in Ewigkeit,
      nach deiner Gegenwart und Erlösung von Tod, Leid und Tränen.
      Wir bitten für alle unsere Verstorbenen,
      für die Opfer von Ungerechtigkeit, Gewalt und Krieg.
      Christus, höre uns.

    Lass uns bei Dir bleiben, Herr.
    Bei Dir ist die Quelle des Lebens.
    Dir vertrauen wir uns an, heute und alle Tage, bis in Ewigkeit.

    Amen

     

     

     

  • Taufe Jesu – B – 2021

    Lesung aus dem Buch Jesaja:

    So spricht Gott, der Herr:
    Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze;
    das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.
    Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt,
    er bringt den Nationen das Recht.
    Er schreit nicht und lärmt nicht
       und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen.
    Das geknickte Rohr zerbricht er nicht
       und den glimmenden Docht löscht er nicht aus;
    ja, er bringt wirklich das Recht.
    Er verglimmt nicht und wird nicht geknickt,
       bis er auf der Erde das Recht begründet hat.
    Auf seine Weisung warten die Inseln.
    Ich, der HERR, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen,
    ich fasse dich an der Hand.
    Ich schaffe und mache dich
       zum Bund mit dem Volk,
       zum Licht der Nationen,
    um blinde Augen zu öffnen,
    Gefangene aus dem Kerker zu holen
    und die im Dunkel sitzen, aus der Haft.

     

    Evangelium: Mk 1, 7-11

    In jener Zeit
       trat Johannes in der Wüste auf
    und verkündete:
       Nach mir kommt einer,
       der ist stärker als ich;
    ich bin es nicht wert,
       mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
    Ich habe euch mit Wasser getauft,
       er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
    In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa
       und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.
    Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg,
       sah er, dass der Himmel aufriss
       und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.
    Und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
       Du bist mein geliebter Sohn,
    an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

     

    Gedanken:

    Liebe Schwestern und Brüder,

    In einem Meditationskurs habe ich einmal in einer Fantasiereise die Berufungsworte Gottes an den Propheten Jeremia in die Stille hineingesprochen. Sie klangen so ähnlich, wie die Worte, die im heutigen Evangelium Gott nach seiner Taufe zu Jesus spricht. Fast eine Liebeserklärung Gottes an Jeremia, im Evangelium noch viel intensiver und deutlicher an Jesus: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“

    Als ich nach der Meditation nach Reaktionen und Eindrücken während der Meditation fragte, da fing eine etwa 30-jährige Frau, Mutter von zwei Kindern, spontan an zu weinen. Sie wollte oder konnte nichts zu ihren Eindrücken sagen. Sie konnte nur das überwältigende Gefühl benennen, dass sie innerlich so heftig angerührt hatte: „‘Du bist mein geliebtes Kind.‘ so etwas Schönes hat noch nie jemand zu mir gesagt!“

    Was mich bei diesem Evangelium beeindruckt, ist das Bild vom offenen Himmel und die Worte, die von dort her, von Gott also, zu Jesus gesagt wurden. Für die junge Frau muss während der Meditation tatsächlich einen Moment lang der Himmel offen gestanden haben, muss etwas vom Himmel aufgestrahlt sein. Vielleicht war es für sie die intensive Erfahrung ihrer Sehnsucht, geliebt zu sein, so wie sie war. Und vielleicht war es auch das Aufblitzen der Gewissheit – oder doch wenigstens der Hoffnung –, dass da einer ist, der sie so liebt, wie sie es sich tief im Herzen gewünscht hatte: bedingungslos und vollkommen.

     

    Vergegenwärtigen wir uns doch noch einmal, wie das heutige Evangelium beginnt: Da führt uns der Evangelist Markus mit Jesus an den Jordan, wo Johannes der Täufer die Menschen zur Buße und Umkehr aufruft und zu einer Reinigungstaufe. Und Jesus reiht sich in die Schlange der vielen Menschen ein, die in der Bußtaufe des Johannes von Schuld gereinigt werden wollen. Er reiht sich ein bei denen, die umkehren wollen zu Gott, aus der Gottesferne wieder Gottes Nähe suchen, Menschen, die ihr falsch gelaufenes Leben wieder neu ausrichten wollen. Jesus macht sich gemein mit all den schuldbeladenen Menschen, mit denen, die sich innerlich verbogen und verkrümmt fühlen.  

    In Jesus Christus reiht sich Gott selbst ein in die Schlange der Menschen, die von Johannes getauft werden wollen. Er ist nicht der erste oder der letzte, er ist einfach mittendrin, einer unter Vielen. Aber in der Taufe Jesu verändert sich etwas Entscheidendes: indem Jesus sich durch die Taufe des Johannes ganz auf Gott ausrichtet, richtet sich auch Gott ganz auf ihn hin aus – der Himmel öffnet sich und der Geist Gottes kommt auf Jesus herab. Das heißt doch: in Jesus kommt Gott selbst in unsere Welt. Aus der Gottferne wird Nähe. Jesus wird „geliebter Sohn“ genannt. Er ist sogar nicht mehr der Knecht, wie in der Lesung des Jesaja, sondern er ist geliebter Sohn, der Christus, der Gesalbte Gottes. In ihm wird sichtbar wer Gott für uns sein will: derjenige nämlich, der das geknickte Rohr nicht zerbricht, der Recht schaffen will, der uns an der Hand fassen will und Licht sein möchte für alle, die im Dunkeln sitzen.

    Wir alle sind als Christen getauft, nicht mit der Busstaufe des Johannes, sondern mit der Geisttaufe auf Jesus Christus. Wir sind selbst durch diese Taufe zu Gesalbten geworden, zu Menschen, denen Gott zugesagt hat: Du bist mein geliebtes Kind. Du gefällst mir. Spüren Sie dem einmal nach, welch großartiger Zuspruch in diesen Worten Gottes enthalten ist. Die junge Frau im Meditationskurs hat es gespürt – Gott hat sie mit seinem Zuspruch tief angerührt, mit dem Zuspruch geliebt zu sein, bedingungslos und endgültig.

    Und gibt es etwas Großartigeres, gerade auch in dieser Zeit der reduzierten sozialen Kontakte – neudeutsch: social distancing -, als hineingenommen zu sein in die Nähe Gottes – unwiderruflich, ohne irgendwelche Bedingungen erfüllen zu müssen. Einfach weil wir geliebt sind von ihm.

    Unsere Antwort auf diese Zusage Gottes ist es, diese Liebe weiterzugeben an diejenigen, die noch im Dunkel sind, im Dunkel des Leids, der Armut. Wir dürfen mithelfen, dass auch in unserer Nähe die glimmenden Dochte nicht ausgelöscht werden, sondern das Recht aufgerichtet wird und Licht kommt zu denen, die im Dunkeln sind, ja dass sich der Himmel ein Stück öffnet für die Menschen um uns herum.

    „Mögest du starke Wurzeln haben in den wechselhaften Winden der Zeit.“, so lautet ein irischer Segenswunsch. Die Erfahrung Jesu, die die Evangelisten schildern, muss eine Schlüsselerfahrung für den Menschen Jesus gewesen sein. Sie muss ihm eine Basis für sein Wirken gegeben haben, die durch nichts ins Wanken gebracht werden konnte – nicht einmal durch Verleumdung, Ablehnung und Tod am Kreuz. Jesu Gott war ein naher Gott. Jesus konnte ihn Vater nennen. Dieser Gott war einer, der ihn bedingungslos liebte. Diesem Gott war er ganz nah, wie ein Kind dem Vater. Auf diesen Gott konnte Jesus sein Vertrauen, ja sogar sein ganzes Leben setzen.

    Geliebt zu sein, so wie man ist, geliebt um seiner selbst willen, das ist eine Erfahrung, die uns Menschen stark machen kann, eine Erfahrung, die Mut und Zuversicht schenkt. Welches Vertrauen in die Liebe Gottes muss der Mensch Jesus gehabt haben, welche Zuversicht muss ihm diese Liebe geschenkt haben!

    „Du bist mein geliebtes Kind! An dir habe ich Gefallen!“  Das ist jedem von uns bei der Taufe zugesagt worden. Diese Zusage Gottes steht am Beginn unseres Lebens. Auch uns kann diese Zusage Mut und Selbstvertrauen geben. Wir haben eine Würde, die von Gott her kommt – nicht von uns selbst oder von unserer Lebensleistung. „Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es!“ so steht es im 1. Johannesbrief.

    Diese Würde kann von nichts und niemandem zerstört werden. Von dieser Liebe sollte uns nichts mehr trennen können.

    Diese Liebeszusage Gottes kann auch für uns Basis und Kraftquelle sein, eben „starke Wurzel in den wechselhaften Winden der Zeit.“

    Das Fest der Taufe Jesu steht am Übergang der Weihnachtszeit in die Zeit des Jahreskreises, am Übergang vom Fest zum Alltag. Es will uns an unsere Wurzeln erinnern und an den Grund in dem wir wurzeln: an die Liebe Gottes, die jedem von uns zugesagt und geschenkt ist. Es will uns Mut machen und Hoffnung geben, aus der wir leben können. Dass Sie sich dieser Wurzeln immer wieder bewusst werden und daraus Kraft schöpfen können, das wünsche ich Ihnen von Herzen, gerade in diesen schwierigen Zeiten.

    Amen.

  • Sonntagsimpuls – 2. Sonntag nach Weihnachten – 03.01.2021

    Evangelium:

    Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

    Im Anfang war das Wort
    und das Wort war bei Gott
    und das Wort war Gott.
    Dieses war im Anfang bei Gott.
    Alles ist durch das Wort geworden
       und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
    In ihm war Leben
    und das Leben war das Licht der Menschen.
    Und das Licht leuchtet in der Finsternis
       und die Finsternis hat es nicht erfasst.
    Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt;
    sein Name war Johannes.
    Er kam als Zeuge,
       um Zeugnis abzulegen für das Licht,
       damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
    Er war nicht selbst das Licht,
       er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
    Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet,
       kam in die Welt.
    Er war in der Welt
       und die Welt ist durch ihn geworden,
       aber die Welt erkannte ihn nicht.
    Er kam in sein Eigentum,
       aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. 
    Allen aber, die ihn aufnahmen,
       gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,
    allen, die an seinen Namen glauben,
    die nicht aus dem Blut,
       nicht aus dem Willen des Fleisches,
       nicht aus dem Willen des Mannes,
       sondern aus Gott geboren sind.
    Und das Wort ist Fleisch geworden
       und hat unter uns gewohnt
    und wir haben seine Herrlichkeit geschaut,
    die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
       voll Gnade und Wahrheit.
    Johannes legt Zeugnis für ihn ab
    und ruft:
       Dieser war es, über den ich gesagt habe:
       Er, der nach mir kommt,
    ist mir voraus, weil er vor mir war.
    Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen,
       Gnade über Gnade.
    Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben,
       die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.
    Niemand hat Gott je gesehen.
    Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht,
       er hat Kunde gebracht.

     

    Evangelium unseres Herrn, Jesus Christus.
    Lob sei dir Christus.


    Gedanken:

    Das heutige Evangelium des Johannes, sein Prolog, ist ein faszinierender Text.

    Er wird öfters im Kirchenjahr gelesen, zum Beispiel auch am ersten Weihnachtsfeiertag. Johannes fasst in diesem Prolog das Geheimnis der Menschwerdung, die wir an Weihnachten feiern, auf großartige Weise zusammen.
    Und so abstrakt und trocken der Text auf den ersten Blick erscheint, so treffend und konkret ist er bei genauem Lesen.

    Worte: unsere Sprache, unsere Kommunikation, ist angewiesen auf Worte.
    Durch Worte verständigen wir uns. Dabei unterscheidet die Sprachwissenschaft zwischen verschiedenen Arten von Worten.
    Es gibt Worte, die dienen der Information:
    „Draußen schneit es!“
    „Die Bibel ist ein dickes Buch.“
    „Unser Kind hat blaue Augen und blonde Haare“

    Diese sogenannte informative Rede ist wohl der Hauptbestandteil unserer Kommunikation. Und wie wahr oder falsch diese Worte sind, kann meist einfach nachgeprüft werden. Und ob sie immer wichtig sind, diese Worte, das können wir öfters bezweifeln. Unsere Gesellschaft ist eine Gesellschaft geworden, in der uns diese Art zu sprechen einfach überflutet und oft überfordert. Worte sind oft inflationär.
    So viele Worte sind es oft, dass sie fast bedeutungslos und leer werden.

    Aber es gibt auch eine andere Art der Rede: es sind Worte, die etwas bewirken, wenn sie ausgesprochen werden. Wenn jemand sagt: „Ich liebe dich!“, dann kann die Antwort nicht lauten: „Ich nehme das zur Kenntnis!“

    Vielmehr muss eine Antwort erfolgen. „Ich liebe dich auch!“ Und diese Antwort muss sich im Leben als wahr erweisen.  
    „Ich liebe dich!“ schafft Beziehung und Nähe. Die Aussage ist auch eine Tat.

    Gottes Worte in der Bibel und auch im Prolog des Johannesevangeliums sind solche aktiven Worte. „Gott sprach … und es wurde …“ heißt es am Anfang der Bibel. Was Gott sprach, das geschah tatsächlich. Sein Wort ist Schöpferwort.
    Und auch das Wort, von dem Johannes spricht ist ein echtes Tätigkeitswort: dieses Wort wird Fleisch. Dieses Wort wird Mensch in Jesus Christus – in dem Kind von Betlehem, in dem Mann, der uns die Liebe Gottes nahebringt durch seine Predigt und sein Tun, in diesem Jesus, der Kranke heilt, Gebeugte aufrichtet und Menschen neues Ansehen gibt. Dieses Wort wird Fleisch in Jesus Christus, der noch am Kreuz seinen Gegnern vergibt und der in seiner Auferstehung das ewige Leben für uns bringt. In diesem Wort bringt Gott selbst sich zum Ausdruck und kommt uns unfassbar nahe.
    Dieses Wort Gottes verlangt unsere Antwort. Wir sollen, wie Johannes der Täufer, Zeugen sein für dieses lebendige Wort Gottes.

    „Predige das Evangelium. Falls notwendig, gebrauche Worte“. So lautet eine Aussage, die dem hl. Franz von Assisi zugeschrieben wird.
    Auch unser Zeugnis soll nicht aus leeren Worten bestehen. User Zeugnis soll vor allem durch unser Tun geschehen.
    In unserem Tun, in unserem Leben, kann Jesus immer neu Fleisch werden. In seiner Nachfolge – ganz praktisch – können wir sein Licht leuchten lassen in den Finsternissen dieser Welt.
    Amen.

     

    Fürbitten:

     

    Guter und großer Gott,
    du hast dich der Not und der Dunkelheit der Menschen erbarmt

    Und bist gekommen als Licht in die Finsternisse unserer Welt.
    Wir bitten dich:
     

    • Für unsere Kirche und alle, die in ihr Verantwortung tragen.
      Besonders für unser Bistum auf dem Weg in die Kirche der Zukunft.
      Dass es immer mehr gelingt deine frohe Botschaft zu leben und zu verkünden.
      Guter Vater:
       
    • Für alle Familien: dass sie miteinander in Frieden leben können
      und Sicherheit und Halt sind für alle, die in ihnen leben.
      Guter Vater:
       
    • Für alle Menschen, die nicht vor Gewalt zurückschrecken, um sich durchzusetzen.
      Für alle, die eine Lösung der Probleme nur in der Ausübung von Gewalt und Terror sehen.
      Bringe sie zur Einsicht, dass mit Gewalt niemand gedient ist.
      Guter Vater:
       
    • Für alle Menschen, besonders die Kinder und Jugendlichen, die noch nicht wissen, wie sie ihr Leben gestalten wollen.
      Zeige ihnen Lebensinhalte und Ziele, die ihr Leben hell machen und mit Sinn erfüllen.
      Guter Vater:
       
    • Für alle Menschen, die das Dunkel des Todes eingeholt hat.
      Führe sie zum ewigen Licht und zu ewigem Frieden.
      Guter Vater:
       

    Du bist das verheißene Wort Gottes.
    Dir vertrauen wir heute du alle Zeit. Amen.

     

     

  • 4. Adventssonntag – B – 2020

    Evangelium

     

    Lk 1,26-38

    Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

    In jener Zeit wurde der Engel Gabriel
       von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
       zu einer Jungfrau gesandt.
    Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt,
       der aus dem Haus David stammte.
    Der Name der Jungfrau war Maria.
    Der Engel trat bei ihr ein
    und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete,
       der Herr ist mit dir.
    Sie erschrak über die Anrede
    und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
    Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria;
    denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
    Siehe, du wirst schwanger werden
    und einen Sohn wirst du gebären;
       dem sollst du den Namen Jesus geben.
    Er wird groß sein
    und Sohn des Höchsten genannt werden.
    Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
    Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen
       und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel:
       Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
    Der Engel antwortete ihr:
       Heiliger Geist wird über dich kommen
    und Kraft des Höchsten wird dich überschatten.
    Deshalb wird auch das Kind heilig
       und Sohn Gottes genannt werden.
    Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte,
       hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen;
    obwohl sie als unfruchtbar gilt,
       ist sie schon im sechsten Monat.
    Denn für Gott ist nichts unmöglich.
    Da sagte Maria:
       Siehe, ich bin die Magd des Herrn;
    mir geschehe, wie du es gesagt hast.
    Danach verließ sie der Engel.

     

    Gedanken

    Liebe Schwestern und Brüder,

    Gott beruft Menschen in seinen Dienst. In der Bibel gibt es viele Geschichten davon. Wir hören von Mose, von den Propheten, von David dem kleinen Hirtenjungen, der zum großen Messiaskönig berufen wird. Oft sind das bildgewaltige Ereignisse – fast Filmreif – mit Erscheinungen und Donner und Blitz.

    Und auch im heutigen Evangelium hören wir von einer solchen Berufung. Maria wird gerufen.
    Aber die Atmosphäre ist ganz anders; sie ist still, gelassen, fast besinnlich.
    Die Perikope beginnt ähnlich wie eine Reportage mit den Fakten. „In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt.
    Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.“  

    Die Kunst stellt es meist so dar, dass Maria in ihrer Kammer oder vor dem Haus sitzt, still betend, meditierend. Und in dieser ganz realen Szene geschieht das Unvorstellbare: ein Engel tritt ein in Marias Alltag bringt ihr den Gruß Gottes und eine Verheißung. Es ist eine unerhörte Verheißung. Ein Kind soll sie zur Welt bringen, den Sohn des Höchsten, dem der Thron Davids gegeben wird.
    Und Maria spricht ihr demütiges „Ja!“
    So legen wir es oft dar – Demut, fast blinder Gehorsam. Schließlich ist es Gott, der seine Berufung ausspricht!
    Aber wenn wir die Erzählung bei Lukas aufmerksam lesen, dann kommt Marias „Ja!“ nicht sofort. Zuerst stellt sie Fragen: „Wie kann das geschehen? Ich habe doch noch keinen Mann erkannt!“ Es ist keine Frage, die schon die Ablehnung in sich trägt.

    Maria will es einfach wissen.

    Nicht nur ihr Gefühl, ihre Demut und ihr Gehorsam steuern sie – nein, ihr Verstand und ihr freier Wille ist auch mit dabei.
    Und das Erstaunliche: Gott hält sie einer Antwort für würdig und gibt sie ihr. Und er gibt ihr sogar  noch einen Beleg für die Wahrheit seiner Antwort: „Schau auf Elisabeth. Für Gott war es nicht unmöglich, ihr ein Kind zu schenken, denn für ihn ist nichts unmöglich.“
     

    Jetzt erst sagt Maria ihr „Ja! Mir geschehe, wie du gesagt hast!“ Und dieses „Ja!“ kommt nun aus ganzem Herzen und aus freier Entscheidung. Es ist kein blinder Gehorsam gegenüber einer Autorität. Mit Herz und Verstand sagt Maria ihr „Ja!“  Genau das macht sie für mich zu einem Vorbild des Glaubens.

    Gott möchte keine „Ja-Sager“ oder Mitläufer. Gott möchte Menschen, die mit Herz und Verstand dabei sind, die ihre ganze Person einsetzen, wenn er sie ruft. Nur dann – so die Botschaft dieses Sonntags – kann Gott immer wieder Mensch werden in unserem Alltag.

    Gott tritt ein in unser Leben und ruft uns – immer wieder. Er will uns, so wie wir sind. Und er will uns unsere Freiheit dabei lassen. Wie Maria müssen wir uns dann entscheiden mit Herz und Verstand.
    Und dabei manchmal auch Risiken eingehen.
    Wer schon einmal dem Ruf Gottes gefolgt ist und sich engagiert hat, der weiß, dass es oft Widerspruch gibt und Kritik, manchmal sogar Häme und Spott.

    Der heilige Gregor von Nyssa – ein Bischof des vierten Jahrhunderts - schreibt in einem seiner Werke:

    „Ist dir bewusst, welche Ehre dir dein Schöpfer erweist, indem er dich über alle Geschöpfe erhebt? Weder Himmel, noch Mond, weder die Sonne, noch die Sterne in all ihrer Schönheit, noch irgendein anderer Teil der Schöpfung ist zum Abbild Gottes geworden. Du allein bist das Abbild der unvergänglichen Schönheit. Du allein trägst den Abdruck des wahren Gottes in dir und bist ein Gefäß göttlichen Lebens und Abglanz göttlichen Lichts. …

    Gott zögert nicht, bei dir, so wie du bist, einzutreten. Er sagt: Ich will unter den Menschen wohnen und mit ihnen gehen.“
    Er spricht nicht nur Maria an in diesen Sätzen, sondern jeden von uns. Jeden von uns hält er für wichtig genug und für würdig, bei ihm einzutreten und Wohnung zu nehmen. Für ihn ist jeder Mensch wichtig und wertvoll, so wie das einfache Mädchen aus Nazareth. Gott sagt zu jedem von uns: „Ich will unter den Menschen wohnen und mit ihnen gehen.“ Er will bei uns Mensch werden, bei uns, so wie wir sind.
    Amen.

  • 3. Adventssonntag - B - 2020

    Lesung:

    1 Thess 5,16-24

    Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
       an die Gemeinde in Thessalonich.

    Schwestern und Brüder!
    Freut euch zu jeder Zeit!
    Betet ohne Unterlass!
    Dankt für alles;
    denn das ist der Wille Gottes für euch
       in Christus Jesus.
    Löscht den Geist nicht aus!
    Verachtet prophetisches Reden nicht!
    Prüft alles und behaltet das Gute!
    Meidet das Böse in jeder Gestalt!
    Er selbst, der Gott des Friedens, heilige euch ganz und gar
    und bewahre euren Geist,
       eure Seele und euren Leib unversehrt,
    damit ihr ohne Tadel seid
       bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.
    Gott, der euch beruft, ist treu;
    er wird es tun.


    Wort des lebendigen Gottes.


    Gedanken

    Liebe Schwestern und Brüder.

    Haben sie heute schon einmal so richtig gelacht?
    Weil sie sich von Herzen gefreut haben?

    Über einen guten Witz?
    Über eine komische Situation?
    Vielleicht sogar über sich selbst?
     

    Freude ist ein großes Thema des Paulus in seinen Briefen auch in der heutigen Lesung an die Thessalonicher. Die Lesung beginnt mit dem Aufruf zur Freude.

    400 Mal lachen Kinder pro Tag haben Forscher herausgefunden.

    Wir Erwachsenen bringen es vielleicht gerade mal auf 15 Lacher am Tag.

    Und uns Christen sagt man immer noch nach, dass wir lebensfeindlich seien und das Lachen sowieso ganz klein halten müssen.

    Und dieser heutige Sonntag, der dritte Advent, ist benannt nach dem Beginn der heutigen Lesung: Gaudete – freuet euch!

     

    Aber was meint Paulus, wenn er so oft von der Freude spricht.

    Heißt das, dass wir Christen immer „gut drauf“ sein müssten? – so rufen ja meist die Stars auf der Bühne ins Publikum, um die gute Stimmung beim Konzert anzuheizen.

    Sollen wir immer mit einem Lächeln herumlaufen, wie ein Fernsehmoderator,

    mit einem Lächeln das manchmal angestrengt wirkt, weil es nicht immer echt sein kann.

     

    Und Paulus selbst, ihm wird wohl auch nicht immer zum Luftsprünge machen zumute gewesen sein. So manchen seiner Briefe schrieb er aus dem Gefängnis.

    Und dennoch schreibt er von der Freude. 18 Mal ruft er im Philipperbrief zur Freude auf oder berichtet von seiner Freude.

     

    Im Gegensatz dazu die Bußpredigt des Johannes. Und die Frage der Menschen: was sollen wir tun?
     

    Doch auch Johannes predigt nicht ohne eine positive Perspektive – und es ist die gleiche, die auch Paulus hat: die positive Erwartung dessen, der kommen soll. „Ich bin es nicht und ich bin es nicht einmal wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren.  Aber er wird kommen und euch mit Heiligem Geist und mit Feuer zu taufen.“ Er wird euch die Kraft geben, das zu tun, was ihr alleine nicht schafft.

     

    Freuen können wir uns, weil er kommt, weil er nahe ist. Mit seiner eigenen Freude, die eine tiefe Herzensfreude ist, weil er sich als Sohn in den Händen Gottes – seines Vaters –geborgen und getragen fühlen kann auch noch am Kreuz.
    Mit der Freude, die er denen schenkt, denen er diese Liebe des Vaters verkündet in Wort und Tat – nicht indem er Gags macht und Witze, sondern indem er glaubwürdig von Gottes Liebe redet und sie auch tut.

    Aus dieser Freude schöpft auch Paulus im Gefängnis und kann seinen Freudenbrief an die Philipper schreiben, obwohl ihm sicher gerade nicht nach Lachen zumute ist.

    Ich habe in meiner Arbeit viele Menschen erleben dürfen, die aus einer solchen tiefen Freude auch schlimmste und belastende Situationen überleben und durchleben konnten.
    Selbst schlimmste Erfahrungen konnten ihnen diese positive Haltung nicht ganz nehmen, denn sie wussten sich in allen Lebenssituationen getragen von ihrem Gott und seiner Liebe.
    Sie wussten einfach: Er lässt uns nicht allein, er kommt immer wieder auf uns zu und geht mit.  Und er füllt mit seiner Liebe und seiner Menschenfreundlichkeit auf, was wir nicht können.

    Das ist Weihnachten: Gott der auf uns zukommt, der unser Leben teilt und es mitträgt.
    Und er kommt auch in die dunkelsten Augenblicke unseres Lebens und teilt sie mit uns, in Corona und in die Trauer und die Wut über sinnlose Tode in Trier oder anderswo.
    Daher ist mein Wunsch an Sie für die Zeit des Advent:

    Gaudete – freuet euch.

     

    Fürbitten:

    Auch in unserer Zeit sehnen Arme sich nach der frohen Botschaft,
    leiden Menschen daran, dass ihre Herzen zerbrochen sind,
    hoffen Gefangene auf Befreiung. So bitten wir dich:
     

    • Wir beten für die Menschen, die bei allen Schwierigkeiten
      die Hoffnung nicht verlieren.
      Für alle, die sich trotz allem freuen können und Freude ausstrahlen.
      Für jene, die bei allen Zweifeln fest daran glauben, dass der Herr kommen wird.
      Komm, o Herr, Maranathá. - (A:) Wir bitten dich, erhöre uns.
       
    • Für alle Menschen beten wir, denen die ansteigenden Corona-Zahlen Sorge bereiten.
      Für die Ärzte und Ärztinnen, Pfleger und Pflegerinnen auf den Intensivstationen.
      Für die vielen, die täglich an ihre Grenzen stoßen.
      Komm, o Herr, Maranathá. - (A:) Wir bitten dich, erhöre uns.
       
    • Wir beten für die Politikerinnen und Politiker und alle anderen,
      die mit ihren Entscheidungen die Ausbreitung des Virus‘ zu bremsen versuchen.
      Komm, o Herr, Maranathá. - (A:) Wir bitten dich, erhöre uns.
       
    • Wir denken an die Menschen,
      die unfreiwillig von ihren Familien getrennt worden sind.
      Für Familien, die Krieg oder wirtschaftliche Not auseinandergerissen haben.
      Für Geflüchtete, die hoffen, dass ihre Familie nachkommen kann.
      Und für alle, die ihnen in ihrer Not beistehen.
      Komm, o Herr, Maranathá. - (A:) Wir bitten dich, erhöre uns.
       
    • Wir beten für die Menschen in Äthiopien
      und besonders in der umkämpften Provinz Tigray.
      Für Männer, Frauen und Kinder überall, die vor Unruhe und Gewalt fliehen.
      Für alle, die sich wenigstens für einen Waffenstillstand zwischen Konfliktparteien einsetzen.
      Komm, o Herr, Maranathá. - (A:) Wir bitten dich, erhöre uns.
       
    • Beten wir für alle Menschen,
      die in den Tagen nach der Amokfahrt in Trier vor Ort waren:
      die ihre eigene Trauer ausdrücken wollten oder Betroffenen in ihrer Not beistehen.
      Für die Angehörigen der Todesopfer
      und für die vielen Verletzten, die sich nur langsam erholen.
      Komm, o Herr, Maranathá. - (A:) Wir bitten dich, erhöre uns.
       

    Wie die Erde die Saat wachsen lässt
    und der Garten die Pflanzen hervorbringt,
    so bringst du, Gott, Gerechtigkeit hervor
    und Ruhm vor allen Völkern.
    Darum danken wir und loben dich jetzt und alle Zeit. Amen.

     

    Vater unser

  • 2. Advent – Lesejahr B – 2020

    Lesung:

    Jes 40, 1 – 5

     

    Tröstet, tröstet mein Volk,
       spricht euer Gott. 
    Redet Jerusalem zu Herzen
    und ruft ihr zu,
       dass sie vollendet hat ihren Frondienst,
       dass gesühnt ist ihre Schuld,
    dass sie empfangen hat aus der Hand des HERRN Doppeltes
       für all ihre Sünden!
    Eine Stimme ruft:
       In der Wüste bahnt den Weg des HERRN,
    ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott!
    Jedes Tal soll sich heben,
       jeder Berg und Hügel sich senken.
    Was krumm ist, soll gerade werden,
       und was hüglig ist, werde eben.
    Dann offenbart sich die Herrlichkeit des HERRN,
    alles Fleisch wird sie sehen.
    Ja, der Mund des HERRN hat gesprochen.

     

    Evangelium: Mk 1, 1 - 8

     

    Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, Gottes Sohn.
    Wie geschrieben steht beim Propheten Jesaja -
    Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her,
       der deinen Weg bahnen wird.
    Stimme eines Rufers in der Wüste:
    Bereitet den Weg des Herrn!
    Macht gerade seine Straßen! - ,
    so trat Johannes der Täufer in der Wüste auf
       und verkündete eine Taufe der Umkehr
       zur Vergebung der Sünden.
    Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus;
    sie bekannten ihre Sünden
       und ließen sich im Jordan von ihm taufen.
    Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren
       und einen ledernen Gürtel um seine Hüften
    und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.
    Er verkündete:
       Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich;
    ich bin es nicht wert,
       mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
    Ich habe euch mit Wasser getauft,
       er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.


    Gedanken

    „Tröstet, mein Volk, spricht der Herr.“
    Diese Worte, die der Prophet Jesaja zu Beginn der heutigen Lesung spricht, gehen zu Herzen. Besonders, wenn wir uns die Ereignisse in Trier zu Beginn dieser Woche vor Augen führen. Welchen Trost gibt es überhaupt für die vom Ereignis unmittelbar Betroffenen, die einen lieben Menschen verloren haben? Vielleicht klingen solche Worte sogar zynisch für sie, weil sie nicht verstehen können, warum dieses sinnlose Geschehen gerade sie getroffen hat. Vielleicht sind sogar die Schweigeminuten, die Zeit, in der wir gar nichts sagen, besser als solche Worte wie die der Lesung zu sprechen.

    Die Worte des Jesaja trafen Israel in einer ähnlichen Situation. Sie werden gesprochen zu Menschen, die die Zerstörung Jerusalems miterleben mussten, den Tod und die Deportation vieler tausender Menschen in die babylonische Gefangenschaft. Unsagbares Leid.

    Vielleicht haben auch damals Menschen die Worte des Jesaja als zynisch empfunden, vielleicht bitter darüber gelacht. Und doch waren es für viele auch Worte, die Hoffnung brachten.
    Vor einigen Jahren habe ich einmal eine ältere Dame besucht, die mir von ihrem Schicksal erzählte: Sie hatte geheiratet. Im Laufe der Zeit wurden ihr und ihrem Mann fünf Söhne geboren. Dann kam der zweite Weltkrieg und ihr Mann und die fünf Söhne wurden eingezogen und mussten an die Front. Nacheinander bekam sie die Nachricht vom Tod ihrer fünf Söhne und des Ehemannes – gefallen in der Schlacht. Nach dem Krieg war sie allein.
    Als ich ihr dann sagte: „Und dann können sie noch an einen guten Gott glauben?“ antwortete sie: “Hören sie auf, Herr Webel, ohne den wäre ich verrückt geworden.“

     

    Für diese Frau war Gott derjenige, der da war, als alle anderen fort waren oder nicht mehr helfen konnten. Sie spürte ihn an ihrer Seite, auch wenn sie dadurch keine Antwort erhielt auf die Frage des warum. Sie wusste einfach: er ist da!

     

    Mir fällt die Ikone von Jesus und Mänas ein, die das Titelbild der vorletzten Ausgabe des Pfarrbriefes war: Jesus an der Seite des Mänas, der mit ihm gemeinsam nach vorne schaut, die Hand locker auf seine Schulter gelegt, damit sagend: „Ich bin da! Einfach nur da! Ich werde mit dir gehen, wohin du auch gehst. Ich werde da sein, was immer dir geschieht. Darauf kannst du dich verlassen.“

    Das ist der Trost, den er uns geben kann.
    Deshalb bezeichnet der Evangelist Markus auch sein Werk als Evangelium, als gute Botschaft. Jesus selbst, der, der größer ist als Johannes, wird kommen und da sein. Er wird solidarisch sein mit allen, die ein schweres Joch zu tragen haben, die mühselig und beladen sind. Er wird trösten diejenigen, die den Trost am meisten brauchen. Nicht aufdringlich und anbiedernd, sondern achtsam und mitfühlend, ja mitleidend.
    Auf die Ankunft, die Menschwerdung unseres Gottes bereiten wir uns vor in der Zeit des Advent. Er ist ein Gott, der die Menschen so sehr liebt, dass er ihnen als Mensch nahe sein will, im kleinen Kind in der Krippe von Bethlehem, im Herzen eines jeden Menschen, der sich von ihm berühren lassen möchte.
    Bereiten wir ihm den Weg in unsere Herzen und lassen ihn immer wieder Mensch werden, auch heute.
    Lassen wir uns trösten, weil er da ist und mitgeht.

    Amen.

     

    Fürbitten

    (Gebet aus dem Dekanat Trier - veröffentlicht auf der Dekanats-Homepage - Autor: Dr. Marius Linnenborn, Deutsches Liturgisches Institut/ Bearbeitung: Florian Kunz)
     

    Herr, unser Gott,

    vieles bewegt uns in diesen Stunden.

    Erst nach und nach realisieren wir, was geschehen ist.

    All dies bringen wir vor dich und bitten:

    • Für alle, die bei dem Anschlag in Trier ihr Leben verloren haben.
      Für alle, die mit Verletzungen kämpfen.
      Für alle, die um Verwandte und Freunde trauern.
      Guter Gott:
       
    • Für alle, die in dieser Situation weitreichende Entscheidungen treffen müssen.
      Für alle, die sich in ihrer beruflichen Verantwortung,
      besonders in den Krankenhäusern,
      für die betroffenen Menschen einsetzen.
      Für alle, die in der Aufklärung dieser Tat ermitteln.
      Guter Gott:
       
    • Für alle, die sich auch unter Einsatz ihrer Sicherheit für andere einsetzen.
      Für alle, die in unsicherer Lage ausharren mussten.
      Für alle, die auf Nachrichten ihrer Lieben gewartet haben.
      Guter Gott:
       
    • Für alle, die Angst haben und verunsichert sind.
      Für alle, deren Weltbild aus den Fugen geraten ist.
      Für alle, die ihren Kindern jetzt erklären müssen, was geschehen ist.
      Guter Gott:
       
    • Für alle, die ihr Mitgefühl bekunden und im Gebet miteinander verbunden sind.
      Für alle, die in anderen Ländern unter Terror und Gewalt leiden.
      Für alle, die Gemeinsames über Trennendes stellen
      und Zeichen der Versöhnung und des Friedens setzen.
       
    • Für alle unsere Verstorbenen, die ihr Leben mit dir gelebt haben.
      Für alle, die schwer erkrankt sind und ihr Sterben erwarten.
      Guter Gott:
       

    Höre du, barmherziger und treuer Gott, auf unsere Bitte
    und schenke Trost, Hoffnung und Frieden.
    Jetzt und in Ewigkeit.
    Amen.

     

  • 1. Adventssonntag – 2020

    Das Evangelium:  Mk 13,24-37

    In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
    In jenen Tagen, nach jener Drangsal,
    wird die Sonne verfinstert werden
    und der Mond wird nicht mehr scheinen;
    die Sterne werden vom Himmel fallen
    und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
    Dann wird man den Menschensohn in Wolken kommen sehen,
    mit großer Kraft und Herrlichkeit.
    Und er wird die Engel aussenden
    und die von ihm Auserwählten
       aus allen vier Windrichtungen zusammenführen,
    vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.
    Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum!
    Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben,
    erkennt ihr, dass der Sommer nahe ist.
    So erkennt auch ihr, wenn ihr das geschehen seht,
    dass er nahe vor der Tür ist.
    Amen, ich sage euch:
       Diese Generation wird nicht vergehen,
       bis das alles geschieht.
    Himmel und Erde werden vergehen,
    aber meine Worte werden nicht vergehen.
    Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand,
    auch nicht die Engel im Himmel,
    nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.
    Gebt Acht und bleibt wach!
    Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.
    Es ist wie mit einem Mann,
       der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen:
    Er übertrug die Vollmacht seinen Knechten,
       jedem eine bestimmte Aufgabe;
    dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein.
    Seid also wachsam!
    Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt,
    ob am Abend oder um Mitternacht,
    ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen.
    Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen.
    Was ich aber euch sage, das sage ich allen:
       Seid wachsam!

     

    Gedanken:


    Der Autor Lothar Zenetti hat einmal einen kleinen Text geschrieben, voller Witz und Ironie, aber auch voller Bitterkeit gegenüber der Trägheit von uns Christen: “Finale“ lautet die Überschrift.

    Als erste löste sich eine goldene Zierleiste

    oben vom linken Seitenaltar und fiel,

    kaum hörbar, auf das blasse, mit Spitzen

    besetzte Tuch, darauf Ora pro nobis zu lesen.

    Ein kleines rundes Barockengelchen flog

    erschrocken davon, und nur wenig später

    legte der heilige Aloisius die weiße Lilie

    nieder und wandte sich schweigend zum Gehen.

    Die Blumen begannen zu welken, es löschten

    die Kerzen der Andacht ihr Licht. Besorgt

    zog die Madonna ihr Kind an sich und hob

    die Augen bekümmert über die leeren Bänke.

    Da klappten die vier Evangelisten die Bücher

    zu an der Kanzel. Es hat keinen Zweck mehr,

    sollte das heißen, wer braucht uns denn noch?

    Wir kommen erst wieder, wenn ihr begreift,

    was euch fehlt und Verlangen habt nach dem

    lebendigen Wort! Und der göttlichen Gnade,

    setzte die himmlische Mutter hinzu. Ein Ton

    noch kam von der Orgel. Ein Schatten lief hin

    über das Jüngste Gericht an der Decke. Es

    zuckte noch einmal das Ewige Licht, ehe die

    erste Säule zu wanken begann und das Gewölbe

    krachend hernieder brach in einer Wolke von Staub.

    Davon erwachte das ahnungslose Dorf.

     

    Was soll eigentlich unser Glaube für uns sein? Diese Frage stellt sich den Menschen immer wieder. Früher sagten die Kritiker: Religion ist ein Gebilde der menschlichen Phantasie. Unsere Wünsche und Sehnsüchte haben Religion hervorgebracht. Mit einem wirklich existierenden Gott hat das alles nichts zu tun. Oder Karl Marx hat gesagt: Religion ist Opium für das Volk. Religion – so sagte er – dient dazu, die Menschen einzulullen, sie mit der Hoffnung auf den Lohn ihrer Mühen im Leben im Jenseits ruhig zu halten.

    Die Menschen heute scheinen manchmal die Antwort gegeben zu haben, die aus dem Text von Lothar Zenetti herausklingt. Religion ist etwas, das nicht mehr gebraucht wird für das Leben. In einer Zeit, in der alles gemacht und gemacht werden kann, braucht man keine Religion mehr. In einer Zeit, in der für den Menschen alles machbar scheint, brauchen wir keinen Gott mehr, denn wir selbst können ja scheinbar alles machen. Wir brauchen von Gott nichts mehr erwarten, weil wir ja alles von uns selbst erwarten können.

    Aber wir merken auch immer wieder: wir können nicht alles machen. Wir sind ein gutes Stück weit auch ausgeliefert.
    Die derzeitige Situation der Corona-Pandemie führt es uns deutlich vor Augen. Wir können vorsorgen und manches durch unsere Maßnahmen einschränken und mildern. Und doch bleibt ein Rest an Risiko, den wir nicht beeinflussen können.
    Menschen, die ihr Vermögen in scheinbar sicheren Aktien angelegt hatten, haben buchstäblich über Nacht einen Großteil ihres Vermögens verloren. Menschen, die scheinbar in sicheren Arbeitsverhältnissen standen, werden über Nacht entlassen, stehen mit ihren Familien vor dem Nichts. Menschen fliegen in einen Urlaub nach Frankreich und sterben durch Terroranschläge oder werden als Geiseln genommen. Jeder von uns, wenn er aufmerksam auf das Leben ist, weiß und erlebt, dass wir nicht alles selbst machen können, dass wir im letzten nicht die Kontrolle haben über unser Leben.

    Advent, das heißt Ankunft. Die Zeit des Advents, das ist die Zeit des Wartens auf die Ankunft Gottes in unserer Welt, in unserem Leben in dreifacher Hinsicht: Die Ankunft des Messias, die wir Christen vor 2000 Jahren in Bethlehem geschehen glauben.
    Da ist die Erwartung des Kommens Gottes am Ende der Zeit.
    Da ist aber auch das Rechnen damit, dass Gott auf mich zukommt, immer wieder in meinem täglichen Leben.

     

    Rechnen wir mit dem Kommen Gottes in unserem Leben, hier, heute in der Kirche, zuhause in der Familie, nächste Woche in der Schule oder bei der Arbeit? Spielt er in unserem Leben eine Rolle?

    Ich glaube – und ich beziehe mich da mit ein – uns geht es oft, wie in den Zeilen des Textes von Lothar Zenetti. Es müssen erst die Säulen und Gewölbe mit lautem Krachen einstürzen, bis wir uns aufschrecken lassen, aufmerksam werden darauf, dass Gott doch da ist oder dass wir uns wenigstens wünschten es gäbe ihn.

    Advent, das ist die Zeit, die uns helfen soll, wieder neu aufmerksam zu werden auf Gott in unserem Leben, die uns helfen soll, die Barrieren, die das Kommen Gottes verhindern, wegzuräumen.

    In diesem Sinne wünsche ich ihnen eine besinnliche und wachsame Adventszeit.

     

    Fürbitten:
     

    Guter Gott!
    Wir hoffen auf dich und rufen dich an:

     

    • Für deine Kirche, dass wir in deiner Gegenwart leben und die Erfordernisse unserer Zeit wahrnehmen. Wir beten besonders für unser Bistum Trier, dass die Umsetzung der Synodenbeschlüsse Wege in die Zukunft ermöglicht.
      Guter Gott:
       
    • Für alle Politiker, die sich für Frieden, Stabilität, soziale Gerechtigkeit und Gemeinwohl im eigenen Land und weltweit engagieren. Für den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten, dass ein Neubeginn möglich wird.
      Guter Gott:
       
    • Für Menschen, die in ihrer Zukunftsangst so gefangen sind, dass sie Chancen und Möglichkeiten in ihrem Leben versäumen. Für die Menschen, deren berufliche und private Zukunft durch Corona gefährdet ist.
      Guter Gott:
       
    • Für uns selbst, dass wir uns nicht in den Vorbereitungen auf Weihnachten so verausgaben, dass wir für das eigentliche Fest keine Kraft und Freude mehr aufbringen können.
      Guter Gott:
       
    • Für alle, die ihr Leben gelebt haben und nun auf deine barmherzige Liebe hoffen. Für alle Verstorbenen, die im Glauben an dich gelebt haben.
      Guter Gott:
       

    In Christus hat uns Gott seine Nähe zu uns Menschen gezeigt.
    Auf seine Nähe dürfen wir vertrauen.
    Ihm gilt unser Dank und unser Lob bis in Ewigkeit. - Amen. 

  • Christkönig

    Evangelium:

    Mt 25,31-46


    In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
    Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt
       und alle Engel mit ihm,
       dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.
    Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden
    und er wird sie voneinander scheiden,
       wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.
    Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen,
       die Böcke aber zur Linken.
    Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen:
       Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid,
    empfangt das Reich als Erbe,
       das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist!
    Denn ich war hungrig
       und ihr habt mir zu essen gegeben;
    ich war durstig
       und ihr habt mir zu trinken gegeben;
    ich war fremd
       und ihr habt mich aufgenommen;
    ich war nackt
       und ihr habt mir Kleidung gegeben;
    ich war krank
       und ihr habt mich besucht;
    ich war im Gefängnis
       und ihr seid zu mir gekommen.
    Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen:
    Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen
       und dir zu essen gegeben
    oder durstig
       und dir zu trinken gegeben?
    Und wann haben wir dich fremd gesehen
       und aufgenommen
    oder nackt
       und dir Kleidung gegeben?
    Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen
       und sind zu dir gekommen?
    Darauf wird der König ihnen antworten:
       Amen, ich sage euch:
    Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt,
       das habt ihr mir getan.
    Dann wird er zu denen auf der Linken sagen:
       Geht weg von mir, ihr Verfluchten,
    in das ewige Feuer,
       das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!
    Denn ich war hungrig
       und ihr habt mir nichts zu essen gegeben;
    ich war durstig
       und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben;
    ich war fremd
       und ihr habt mich nicht aufgenommen;
    ich war nackt
       und ihr habt mir keine Kleidung gegeben;
    ich war krank und im Gefängnis
       und ihr habt mich nicht besucht.
    Dann werden auch sie antworten:
    Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig
       oder fremd oder nackt
       oder krank oder im Gefängnis gesehen
       und haben dir nicht geholfen?
    Darauf wird er ihnen antworten:
       Amen, ich sage euch:
    Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt,
       das habt ihr auch mir nicht getan.


    Und diese werden weggehen
       zur ewigen Strafe,
    die Gerechten aber
       zum ewigen Leben.

     

    Gedanken:

    Das Gloria, das älteste Weihnachtslied der Welt, kennen wohl alle, die regelmäßig zum Gottesdienst gehen. Wir singen es immer in der sonntäglichen Eucharistiefeier.

    Aber wir können kaum noch erahnen, wie brisant der Text dieses Liedes war, als er entstand, ja, dass er manchmal sogar lebensgefährlich war.

    „Herr und Gott, König des Himmels und der Erde,

    Gott und Vater, Herrscher über das All.“

     

    Und dann noch:

    „Denn du allein bist der Heilige, du allein der Herr,

    du allein der Höchste, Jesus Christus,

    mit dem Heiligen Geist,

    zur Ehre Gottes des Vaters. Amen.“

     

    Kaum vorstellbar, was es bedeutete, einen solchen Text zu Zeiten eines Kaisers Nero oder Diokletian zu singen oder zu rezitieren. Das Bekenntnis zu Jesus Christus als König und Herrscher des Alls konnte als Angriff auf die Würde und den Rang des Herrschers gedeutet werden – und war manchmal vielleicht auch so gemeint. Es geht dabei um die Frage: Wer ist eigentlich der Herr der Welt? Das Fest Christkönig wurde von Pius XI. 1925 eingeführt, in einer Zeit, als es viele totalitäre und den Menschen und Gott verachtende Systeme gab, deren Vertreter sich selbst an Gottes Stelle setzten. Der I. Weltkrieg war gerade vorüber, mit seinen 10 Mio. Toten.  In Italien erstarkte Mussolinis Faschismus, in Deutschland wuchs die Saat Hitlers heran und gipfelte im totalitären NS-Staat mit all seinen grausigen Folgen.

    Und heute, wo sind heute die Könige?  Wenn Papst Franziskus die leitenden Finanzleute maßregelt und zu Demut und Verantwortung für die Gesellschaft aufruft, dann ruft er dazu auf, nicht der Gier nach Geld und dem Gewinnstreben die Herrschaft zu geben, dem König Geld. Dieser König so sagen sie macht die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer. Gerade Papst Franziskus ruft uns dazu auf, die Armen und Schwachen nicht zu vergessen. Sie müssen das Herz unserer Kirche sein.

     Jesus sagt es genauso im heutigen Evangelium und geht sogar noch weiter: er macht die Schwächsten zum Maßstab eines Christen. In jedem Armen ist er selbst gegenwärtig; wer den Nackten, den Hungrigen, den Kranken, den Dürstenden, den Gefangenen hilft, der hilft Jesus selbst. Ja, unser Verhalten gegenüber den Schwachen entscheidet mit über unser Heil. Wie gehen wir mit Geflüchteten in unserer Pfarrei um? Heißen wir sie willkommen als Menschen, in denen Christus uns begegnet oder weisen wir sie zurück?

     Wie ist das mit den Bedürftigen, die zur Tafel kommen? 

    Sind sie die Looser unserer Gesellschaft, die Bettler, die übrigbleiben oder sind sie unsere Geschwister, in denen uns Jesus selbst anspricht?

     

    Das Gloria singen heißt jedenfalls, all den falschen Königen unserer Zeit die Grenzen aufzuzeigen und in den Schwachen und benachteiligten Jesus Christus, dem König, die Ehre zu geben.

     

    Eine russische Legende kann das deutlich machen:

    Ein reicher Mann dachte auch im Sterben nur an das, woran er sein Leben lang gedacht hatte: an sein Geld. Mit letzter Kraft löste er den Schlüssel vom Band, das er am Hals trug, winkte der Magd, deutete auf die Truhe neben seinem Lager und befahl, ihm den großen Beutel Geld in den Sarg zu legen.

    Im Himmel sah er dann einen langen Tisch, auf dem die feinsten Speisen standen. „Sag, was kostet das Lachsbrot?“ fragte er. „Eine Kopeke“, wurde ihm geantwortet. „Und die Sardine?“ „Gleich viel.“ – „Und diese Pastete?“ „Alles eine Kopeke.“ Er schmunzelte. Billig, dachte er, herrlich billig! Und er wählte sich eine ganze Platte aus. Aber als er mit einem Goldstück bezahlen wollte, nahm der Verkäufer die Münze nicht. „Alter“, sagte er und schüttelte bedauernd den Kopf, „du hast wenig im Leben gelernt!“ „Was soll das?“ murrte der Alte. „Ist mein Geld nicht gut genug?“ Da hörte er die Antwort: „Wir nehmen hier nur das Geld, das einer verschenkt hat.“

    .Hoffnung, dass wir nicht nur den Königen unserer Zeit verehren, machen mir jedenfalls Menschen, die sich im Tafelverein oder in der Migrantenarbeit unserer Pfarreiengemeinschaft engagieren oder diejenigen, die in diesen schwierigen Tagen der Corona-Pandemie nicht zulassen, dass Menschen zurückbleiben und vergessen werden. Menschen, die Zeichen setzen für Solidarität und Geschwisterlichkeit.

    Was ihr dem geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan. Wenn wir Christus als unseren König anrufen und verehren, dann heißt das, dass die Währung, mit der wir Christen umgehen und zahlen, die Liebe sein muss -und zwar gerade die Liebe zu den Geringsten.

    Amen.

     

    Fürbitten:

     

    In Jesus Christus erkennen wir den Hirten und König.

    Zu ihm kommen wir mit all unseren Sorgen und bitten ihn:

     

    • Für alle, die die Welt heute nicht mehr verstehen.
      Für Menschen, die keine Perspektive sehen,
      und für alle, die keine Hoffnung haben.
      Christus, Hirte und König:
       
    • Für alle, die im Alltag barmherzig und solidarisch sind.
      Für Menschen, die anderen Freude schenken und Gutes tun.
      Vor allem beten wir um Kraft für alle, die sich aufreiben
      in ihrem Dienst an Kranken und Bedürftigen.
      Christus, Hirte und König:
       
    • Für Menschen, die sich der Not verweigern
      und unverblümt sich selbst am nächsten sind.
      Für sie bitten wir um Einsicht und Umkehr.
      Christus, Hirte und König:
       
    • Für alle, die Verantwortung tragen in der Politik
      und die in diesen Wochen mehr denn je
      abwägen und schwere Entscheidungen treffen müssen.
      Christus, Hirte und König:
       
    • Für die Kirche, die im Wandel begriffen ist
      und die sich von Dir fragen lassen muss,
      wo sie gut gehandelt  und wo sie versagt hat.
      Für alle Hirten und Verantwortlichen bitten wir um den Mut zur Wahrheit.
      Christus, Hirte und König:
       
    • Für unser Bistum Trier, für unsere Gemeinden und für alle,
      die sich jetzt nochmal auf den Weg machen,
      der Zukunft des Glaubens Gestalt zu geben.
      Für alle, die sich nicht entmutigen lassen
      und für jene, die sich schwertun, einen neuen Anlauf zu wagen.
      Christus, Hirte und König:
       
    • Für alle, die gestorben sind
      und für die Menschen, die um sie trauern.
      Christus, Hirte und König:

     

    Herr Jesus, du bist der König im Reich des Vaters.
    Dir vertrauen wir.
    Dich loben wir.
    Heute und alle Tage,
    Amen.

     

  • 32. Sonntag im Jahreskreis

    Evangelium: Mt 25,1-13

    Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

    In jener Zeit
       erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:
    Mit dem Himmelreich
       wird es sein wie mit zehn Jungfrauen,
       die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen.
    Fünf von ihnen waren töricht
       und fünf waren klug.
    Die törichten nahmen ihre Lampen mit,
       aber kein Öl,
    die klugen aber nahmen mit ihren Lampen
       noch Öl in Krügen mit.
    Als nun der Bräutigam lange nicht kam,
       wurden sie alle müde und schliefen ein.
    Mitten in der Nacht aber erscholl der Ruf:
    Siehe, der Bräutigam!
    Geht ihm entgegen!
    Da standen die Jungfrauen alle auf
       und machten ihre Lampen zurecht.
    Die törichten aber sagten zu den klugen:
       Gebt uns von eurem Öl,
    sonst gehen unsere Lampen aus!
    Die klugen erwiderten ihnen:
       Dann reicht es nicht für uns und für euch;
    geht lieber zu den Händlern
    und kauft es euch!
    Während sie noch unterwegs waren, um es zu kaufen,
       kam der Bräutigam.
    Die Jungfrauen, die bereit waren,
       gingen mit ihm in den Hochzeitssaal
    und die Tür wurde zugeschlossen.
    Später kamen auch die anderen Jungfrauen
    und riefen: Herr, Herr, mach uns auf!
    Er aber antwortete ihnen und sprach: Amen, ich sage euch:
    Ich kenne euch nicht.
    Seid also wachsam!
    Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

     

    Gedanken

    Liebe Brüder und Schwestern,

    an den letzten Sonntagen des Jahreskreises muten uns die Evangelien meist schwere Kost zu. Mit vielen dieser Texte haben wir Probleme, denn sie provozieren meist unsere innere Abwehr oder gar unseren Widerspruch.
    So ist das auch heute mit dem Evangelium von den klugen und den törichten Jungfrauen.
    Die Aufgabe der Jungfrauen bei einer jüdischen Hochzeit war es, dem Bräutigam entgegenzugehen, ihn zu empfangen und mit ihm in den Hochzeitssaal einzuziehen.
    Und dazu ausgewählt zu werden, das war eine Ehre.

    Fünf von ihnen waren klug, sie hatten sich gut vorbereitet: neben den Lampen nahmen sie auch noch einen Öl-Vorrat mit, falls es länger dauern sollte bis zur Ankunft des Bräutigams. Die anderen fünf waren töricht. Sie nahmen nur ihre Lampen mit sich. Sie verließen sich darauf, dass es schon gut gehen wird.
    Doch dann dauert es doch länger mit der Ankunft des Bräutigams und das Öl der törichten Frauen ist verbraucht.
    Ihre Bitte an die Klugen, das Öl zu teilen, wird abgelehnt und am Ende stehen sie vor verschlossenem Hochzeitssaal. Ja, der Bräutigam sagt sogar noch: „Ich kenne euch nicht!“

    Manchmal frage ich mich: hätten die klugen Frauen nicht barmherzig sein und das Öl teilen können? Dann hätte es zumindest eine Chance für alle gegeben. Oder auch der Bräutigam: Warum reagiert er so schroff? Warum ist seine Reaktion so ablehnend? Und wo bleibt in diesem Gleichnis die von Jesus so vielgepriesene und oft genannte Barmherzigkeit Gottes?

    Oder ist Gott letztendlich doch der Richter, der am Ende alles zusammenrechnet und dann verurteilt?

    Wenn wir genau hinschauen, dann geht es in diesem Gleichnis Jesu nicht so sehr um Gott und wie er zu uns ist. Es geht eher um uns Christen und wie ernst wir es mit dem Ruf Gottes nehmen und was er für eine Rolle in unserem Leben spielt.

    Auch im  täglichen Leben gibt es die berühmten verpassten Chancen.
    In der Liebe ist es ja manchmal auch so: Ich sehe jemanden, der gefällt mir. Ich würde ihn oder sie gerne kennenlernen. “Morgen gehe ich hin und spreche ihn/sie an!“ Aus morgen wird übermorgen aus übermorgen wird irgendwann. Und dann ist der Moment verpasst.

    Ich wollte einen Kranken eigentlich noch besuchen. Aber ich habe es aufgeschoben – egal aus welchen Gründen – und nun ist der Moment verpasst, denn der Kranke ist gestorben.
     

    Ich wollte eigentlich hingehen und helfen, aber ich hatte keine Zeit – und nun ist die Hilfe nicht mehr möglich.
     

    Eigentlich wollten wir unser Klima schützen, denn die Welt soll doch auch für unsere Kinder und Enkel noch lebenswert sein. Aber irgendwann wird der Augenblick vorüber sein und nichts kann mehr getan werden.


    Eigentlich wollte ich mich noch versöhnen, aber nun geht es nicht mehr, weil der, mit dem die Versöhnung nötig gewesen wäre nicht mehr da ist.

    Das Leben ist manchmal so hart!

     

    Gerade existentielle Dinge müssen einfach getan werden – gerade auf diese Dinge muss ich mich vorbereiten und einstellen – sonst sind die Konsequenzen unausweichlich.
    Und das liegt nicht an Gott oder an den Mitmenschen. Es liegt allein an mir selbst und wie wichtig diese Dinge mir sind.
    So ist das, glaube ich, auch mit Gottes Verheißung und unserer Antwort darauf.
    Gott verspricht uns seine Liebe und die Teilnahme an seinem Reich. An uns liegt es, diesen Anruf zu hören und ihn ernst zu nehmen. An uns liegt es, diesen Anruf so ernst zu nehmen, dass wir uns auch in unserem Tun darauf einrichten und einstellen.

    Das ist es, was Jesus in den Perikopen des ausgehenden Kirchenjahres immer wieder sagen und deutlich machen will:  Gott will das Heil der Menschen. Er liebt jeden von uns. An uns liegt es, auf sein Angebot, auf seinen Ruf zu antworten und ihn ernst zu nehmen. Gottes Angebot ist ein gutes Angebot – es ist ein Angebot, das uns nicht weniger als das Heil und das Leben in Fülle verspricht. Dafür lohnt es, sich einzusetzen.

    Und ich bin auch überzeugt: Gott ist nicht so hat wie der Bräutigam im Gleichnis – er ist barmherzig und hat unendliche Geduld mit uns.
    Aber das sollte uns nicht sorglos und achtlos machen. Es ist eben auch wichtig, was wir selbst tun und dass wir es rechtzeitig tun.
    In einem Gedicht von Gertrud Wimmer stehen die Zeilen:

    „Klug sind, sagt Jesus,
    die mit dem Einbruch der Nacht rechnen,
    die Knechte und Mägde:
    mit der Nacht in der Liebe,
    der Nacht im Glauben,
    der Nacht im Leben.“

    Amen.

     

    Fürbitten

    Gott möchte uns mit Trost und Heilung begegnen.
    So kommen wir mit unseren Anliegen zu ihm:

     

    • Wir beten für alle, die Angst davor haben,
      sich oder andere mit Covid-19 zu infizieren.
      Für die Frauen und Männer, die in Krankenhäusern, Arztpraxen und Gesundheitsämtern oft am Limit arbeiten.
      Für alle Erkrankten
      und für diejenigen, die kein Verständnis für die gesellschaftlichen Einschränkungen haben.
      Gott, Retter der Welt:

       
    • Wir beten für alle in den USA und überall,
      die in der Politik für demokratische und liberale Werte eintreten.
      Für diejenigen, die tiefe Spaltung sehen und sogar Gewalt befürchten.
      Und für alle, die sich um Gleichberechtigung, Versöhnung und Einigkeit mühen.
      Gott, Retter der Welt:

       
    • Wir beten für die Toten und Verletzten in Wien
      und für alle, die durch das Attentat einen Schock erlitten haben.
      Für alle, die Angst, Hass und Fremdenhass schüren.
      Und für diejenigen, die für Frieden und Toleranz eintreten.
      Gott, Retter der Welt:

       
    • Wir beten für die Millionen Opfer von Krieg, Gewalt und Verfolgung
      in Europa und überall in der Welt.
      Für alle, die mit Mut und Weite das Gespräch zwischen den Religionen führen,
      um die Wahrheit zu suchen und zu leben.
      Gott, Retter der Welt:

       
    • Wir beten für die vielen, die das Erbe des geeinten Deutschland bewahren
      und für gleiche Menschenwürde und gleichberechtige Lebensverhältnisse kämpfen.
      Gott, Retter der Welt:

       
    • Wir denken an unsere Toten und beten
      für alle, die einen lieben Menschen vermissen.
      Für diejenigen, an die niemand mehr denkt –
      und für alle, deren Lebensspuren lange sichtbar und wirksam sind.
      Gott, Retter der Welt:

     

     

    Wir warten auf dein Kommen, Gott
    und vertrauen unsere Welt und uns selbst dir an.
    Wir danken dir für jede Zuversicht und Hoffnung
    heute und morgen und in deine Ewigkeit. Amen

     

  • Allerheiligen

    Evangelium

    Mt 5,1-12a

    Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:
    In jener Zeit,
    als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten,
       stieg er auf den Berg.
    Er setzte sich
       und seine Jünger traten zu ihm.
    Und er öffnete seinen Mund,
       er lehrte sie und sprach:
    Selig, die arm sind vor Gott;
       denn ihnen gehört das Himmelreich.
    Selig die Trauernden;
       denn sie werden getröstet werden.
    Selig die Sanftmütigen;
       denn sie werden das Land erben.
    Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit;
       denn sie werden gesättigt werden.
    Selig die Barmherzigen;
       denn sie werden Erbarmen finden.
    Selig, die rein sind im Herzen;
       denn sie werden Gott schauen.
    Selig, die Frieden stiften;
       denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.
    Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen;
       denn ihnen gehört das Himmelreich.
    Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt
       und alles Böse über euch redet um meinetwillen.
    Freut euch und jubelt:
    Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.

     

    Gedanken

    … wer an mich glaubt wird nicht sterben

    Wenn wir vom Tod sprechen, dann sind wir oft hilflos.  In früheren Zeiten sprach man oft von den so genannten „letzten Dingen“. In älteren theologischen Büchern war es der Ausdruck für das, was nach dem Tod kommen sollte. Aber alles, was je darüber gesagt wurde, sind Deutungen, Vermutungen und Bilder. Auch die Bibel selbst drückt diese letzten Dinge in der Sprache von Bildern und Vergleichen aus.

    Viele Künstler haben ihre ganze Vorstellungskraft und Energie angestrengt, diesen „letzten Dingen“ einen bleibenden Ausdruck zu geben. Denken sie nur an Michelangelos Darstellung des jüngsten Gerichtes in der Sixtinischen Kapelle. Die Darstellungen des Jüngsten Gerichtes zieren viele Kirchenportale und Kirchenwände.

    Aber wir sind heute vorsichtig geworden mit der Darstellung dessen, was nach dem Tod auf uns warten könnte. Ja, manchmal vermeiden oder verdrängen wir es auch, uns mit den „letzten Dingen“ zu beschäftigen, versuchen Gedanken an den Tod ganz in unserer Lebenswelt zu vermeiden.

    Aber sie holen uns immer wieder ein, diese „Letzten Dinge“. Da stehen wir oft ratlos, ohnmächtig, manchmal verzweifelt, wenn ein lieber Mensch stirbt, plötzlich nicht mehr da ist. Der Tod, der uns dann ganz nah betrifft führt uns ganz von selbst an die drei großen Fragen der Menschheit: „Wo komme ich her?“, „Wo gehe ich hin?“ und „Was ist der Sinn von all dem?“

    Ich möchte einmal der Fährte folgen, die dieser Begriff „die letzten Dinge“ für mich legt. Es sind zunächst allerdings Gedanken an konkrete Erfahrungen diesseits der Grenze des Lebens. Vielleicht können sie uns aber helfen, über diese Grenze hinaus zu denken.

    • Wer einen sterbenden Menschen schon einmal begleitet hat, der hat etwas von der ganz konkreten Form letzter Dinge erlebt:  was waren die letzten Dinge, die dem Verstorbenen noch wichtig waren? Mit was hat er oder sie sich am Ende des Lebens noch intensiv beschäftigt? Da waren letzte Gesten oder letzte Worte, vielleicht ein wichtiger Gegenstand. Dies alles haftet als wertvoller und kostbarer Schatz in unserer Erinnerung. Ein Schatz, der das Leben in unseren Herzen lebendig hält.
    • Aber es gibt auch die letzten Dinge, die trauernde Angehörige im Herzen tragen: eine Hilfe, die auf dem letzten Weg des geliebten Menschen gegeben werden konnte – eine Versöhnung – ein Trost – ein Zeichen der Nähe und Verbundenheit. Die Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens mit dem Verstorbenen gehört ebenso zu diesen „letzten Dingen“. Aber auch der Schmerz und die Trauer über den Tod und den endgültigen Abschied.
    • Aber ein drittes ist, so meine ich, das Wesentliche der letzten Dinge: es ist die Liebe, die uns mit einem Menschen verbindet. Die Liebe ist es, die auch die Grenze des Todes überwinden kann. Diese Liebe zu einem Verstorbenen ist wie ein letztes großes Gut, welches wir in unseren Herzen tragen. Sie lässt uns wünschen und hoffen, dass auch nach dem irdischen Leben nicht alles aus ist, sondern dass für den Verstorbenen noch eine neue, eine erfüllte Zukunft möglich ist, ein Leben in Fülle. Lieben heißt, dem Anderen zu wünschen und selbst zu hoffen, dass das Leben ewig währt.

    Diese Hoffnung, ja dieses Wissen der Liebe, dass nach dem Tod nicht alles aus ist, verkündet uns, Jesus im heutigen Evangelium: Besonders an die Armen, die er selig preist, ist diese Zusage gerichtet: „Freut euch und jubelt. Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.“ Dieses feste Vertrauen Jesu in die Lebensmacht Gottes gründet in seiner Liebe zum Vater und der Liebe des Vaters zu ihm. Und es ist gleichzeitig die Liebe Jesu und die Liebe Gottes, aus der diese Worte kommen: Gott lässt niemanden im Stich, der sich auf ihn verlässt und seiner Liebe vertraut. Gottes Liebe überwindet alle Grenzen, auch die Grenze des Todes. Sie ist das eigentlich „letzte, ja das allerletzte Ding“, das uns in ein Leben ohne Ende hinein verwandelt.

     

    Der Autor des Ersten Johannesbriefes schreibt in der heutigen Lesung:

    „Schwestern und Brüder!
    Seht, welche Liebe uns der Vater geschenkt hat:
    Wir heißen Kinder Gottes
       und wir sind es.
    Deshalb erkennt die Welt uns nicht,
       weil sie ihn nicht erkannt hat.
    Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes.
    Doch ist noch nicht offenbar geworden,
       was wir sein werden.
    Wir wissen,
       dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird;
    denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
    Jeder, der diese Hoffnung auf ihn setzt,
       heiligt sich,
       so wie er heilig ist.“

     

    Die Feste Allerheiligen und Allerseelen, die wir an den ersten beiden Novembertagen feiern, sind die Feste, die von dieser Liebe Gottes erzählen, die Leben spendet auch über den Tod hinaus. Und das tut es auch, obwohl wir in diesem Jahr wegen der aktuellen Situation der Pandemie nicht in gewohnter Form die Gräber segnen können.

    Dass wir dieses Vertrauen in die Leben spendende Liebe Gottes nie verlieren, wünsche ich uns allen.

     

    Fürbitten

    Jesus Christus preist die selig,
    die Gottes Reich annehmen und es leben.
    Seine Zusage gilt heute auch uns;
    darauf vertrauen wir und beten für alle Menschen,
    die unter Gewalt, Verfolgung und Krieg leiden, und für die Friedensstifter.

    Bitten:

     

    • Wir beten für die Heiligen unserer Tage,
      für die Unbekannten, die ihrem Gewissen folgen
      und gegen den Strom der Zeit schwimmen;
      für alle, die ungerechte Fesseln lösen und Frieden stiften.
      Du Gott des Lebens:
    • Wir beten für alle Menschen,
      die im kommenden Corona-Lockdown ihren Beruf nicht ausüben können
      und um ihre Existenz fürchten;
      und für alle, denen es schwerfällt,
      die Einschränkungen ihrer Freiheit zu akzeptieren.
      Du Gott des Lebens:
    • Wir beten für unsere Nachbarn in Frankreich,
      die Opfer von terroristischen Attentaten wurden und bedroht sind;
      für alle Menschen überall,
      die wegen ihres Glaubens und ihrer Überzeugungen verfolgt werden.
      Du Gott des Lebens:
    • Für die Bürgerinnen und Bürger in den USA,
      die mit Spannung und Sorge auf das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen warten;
      für alle, die die gesellschaftliche Spaltung dort überwinden wollen
      und nach Wegen der Versöhnung suchen.
      Du Gott des Lebens:
    • Wir beten für die Menschen in Südostasien im Taifun Molawe
      und in den USA im Hurrikan Zeta;
      und für alle Menschen, deren Leben vom Klimawandel bedroht ist.
      Du Gott des Lebens:
    • Wir beten für unsere Verstorbenen,
      an die wir in diesen Tagen besonders denken;
      für die große Gemeinschaft der Menschen,
      die die Vollendung schon erreicht haben, die uns allen zugesagt ist.  
      Du Gott des Lebens:

       

    Dankbar nehmen wir deine Heils-Zusage an für die vielen,
    die ihre Hoffnung auf dich setzen, unseren Bruder und Herrn;
    dir vertrauen wir – in guten wie in schweren Tagen und bis in deine Ewigkeit. Amen.

  • 28. Sonntag im Jahreskreis - A

    Evangelium:  Mt 22, 1 - 10

     

    Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

    In jener Zeit
    erzählte Jesus den Hohepriestern
       und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis:
    Mit dem Himmelreich
       ist es wie mit einem König,
       der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.
    Er schickte seine Diener,
       um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen.
    Sie aber wollten nicht kommen.
    Da schickte er noch einmal Diener
    und trug ihnen auf:
       Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl ist fertig,
    meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet,
    alles ist bereit.
    Kommt zur Hochzeit!
    Sie aber kümmerten sich nicht darum,
    sondern der eine ging auf seinen Acker,
       der andere in seinen Laden,
    wieder andere fielen über seine Diener her,
       misshandelten sie
       und brachten sie um.
    Da wurde der König zornig;
    er schickte sein Heer,
    ließ die Mörder töten
       und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.
    Dann sagte er zu seinen Dienern:
       Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet,
       aber die Gäste waren nicht würdig.
    Geht also an die Kreuzungen der Straßen
    und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!
    Die Diener gingen auf die Straßen hinaus
       und holten alle zusammen, die sie trafen,
    Böse und Gute,
    und der Festsaal füllte sich mit Gästen.

     

     

    Gedanken:

     

    Hand aufs Herz! Uns geht es auch oft so wie den Eingeladenen im Evangelium.
    Ein Einladungsschreiben liegt im Briefkasten oder eine Einladung wird mündlich ausgesprochen. Und dann wird der Terminkalender aufgeschlagen. Kann ich da überhaupt? Und oft kommen dann die Gedanken: Das passt mir jetzt gerade überhaupt nicht. Da möchte ich nicht hingehen, denn ich habe Wichtigeres zu tun.
    Es gibt tausend Gründe, die ich anführen könnte, eine Einladung nicht anzunehmen. Und manche kann man sich ja auch ausdenken.

    Eine Einladung nicht anzunehmen drückt etwas aus über meine Beziehung zu dem, der einlädt. Wie wichtig ist mir der Einladende überhaupt und wie wichtig ist für mich der Einladungsgrund?

    Es gibt Einladungen, die muss ich nicht unbedingt annehmen.

    Da darf ich auch sagen, dass sie für mich nicht wichtig ist.
    Aber es gibt Einladungen die sind wichtig, weil sie in einer Beziehung ihren Grund haben. Und wenn ich nicht daran teilnehme, dann ist der Moment vorüber und die Beziehung ist gestört oder sogar zerstört.
    Wenn ein guter Freund zum Geburtstag einlädt, vielleicht sogar zu einem runden Geburtstag, dann ist es selbstverständlich, dass ich hingehe. Das bin ich dem Freund schuldig.

    Im Evangelium, da lädt ein König ein zur Hochzeit seines Sohnes. Die eingeladenen Gäste aber wollen nicht kommen. Sie haben etwas anderes vor. Das ist ein Affront gegen den König.
    Der König im Gleichnis steht natürlich für Gott. Der Sohn ist Jesus. Und eingeladen wird ins Himmelreich, das Reich Gottes. Und auch Jesus erlebt, dass gerade die religiösen Führer seine Einladung ablehnen. Diejenigen, die eigentlich berufen sind, die wollen nicht, ja sie lehnen Jesus sogar ab und töten ihn am Ende.
    Aber die Hochzeit ist ausgerichtet und sie soll stattfinden – das Reich Gottes soll kommen, denn Gott will es so. Und so geht Jesus zu denen am Straßenrand, zu den Bettlern und denen, die am Rande stehen. Und sie kommen, denn sie erwarten etwas von Gott und sind bereit, sich auf den Weg zu machen.

    Gott lädt auch uns ein, mitzumachen beim Reich Gottes, eine Ahnung des Himmels in unserem Leben aufstrahlen zu lassen in der Nachfolge Jesu.

    „Unser Leben sei ein Fest!“ singen wir in einem Lied. Auf dieses Fest muss ich mich einlassen. „Jesu Geist in unserer Mitte, Jesu Werk in unseren Händen.“
    Das braucht meine konkrete Antwort, mein Engagement.

     

    Das Gleichnis Jesus macht deutlich: Das Fest wird stattfinden, auf jeden Fall! Gott hat dazu eingeladen. Eingeladen zu werden heißt ja auch, dass der Einladende mich wertschätzt, mich für würdig erachtet, am Fest teilzunehmen. Gott lädt uns ein in sein Reich, weil er uns liebt. Er möchte, dass wir zum Leben in Fülle finden.
    Sollten wir uns diese Chance entgehen lassen?

     

    Fürbitten

    Gott hat uns das Leben geschenkt.
    Er hat in uns auch all das angelegt,
    was wir brauchen, um aus unserem Leben ein Fest zu machen

    und unser Lebensziel zu verwirklichen.
    Ihn lasst uns bitten:

     

    • Für eine Kirche, die die Chance zur Verkündigung deiner Botschaft
      in den uns heute gegebenen Lebensumständen nicht verpasst.

       
    • Für das große Anliegen der Einheit der christlichen Kirchen,
      die sich auch in der Sehnsucht nach eucharistischer Mahlgemeinschaft ausdrückt.

       
    • Für eine Gesellschaft, die sich im Bewusstsein
      der uns in unserem Land geschenkten demokratischen Werte
      für das Wohl der Gemeinschaft entscheidet.

       
    • Für alle, die unter den Lebensumständen und Folgen dieser Pandemie
      leiden und sich nach unbeschwerter sozialer Nähe sehnen.

       
    • Für unsere Verstorbenen,
      die in der Hoffnung auf das himmlische Hochzeitsmahl gelebt haben.


       

    Denn der Glaube an dich, den dreieinen Gott,
    eröffnet einen Horizont,
    der rein menschlich unvorstellbar und unmöglich erscheint.
    Gerade darin liegt seine Kraft.
    Dafür rühmen wir deine Herrlichkeit und danken dir für alles,
    was du uns schenkst, heute und allezeit. - Amen.