Auch in diesem Jahr hat sich das Team der Pfarrei St. Franziskus dazu entschieden, an jedem Tag in der Adventszeit einen Adventsimpuls zu veröffentlichen. 

Wir wünschen Ihnen und Ihren Lieben eine besinnliche und friedvolle Vorweihnachtszeit.

  • 01. Dezember 2020

    Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich an Rat.

     

    Vielleicht ist es nützlich und mag uns eine Ahnung von der besonderen Art dieser Freude vermitteln, wenn wir bedenken, dass dieses strahlende Lied mitten im Dreißigjährigen Krieg, im Schrecken von Blut und Tränen, in der Angst vor tödlichen Epidemien – vor allem der Pest – gedichtet wurde. In einer Zeit wie der unsern, die förmlich mit ihren Ängsten und Depressionen kokettiert, tut uns das Beispiel Georg Wessels (Text) und Paul Gerhardts (Melodie) gut, die im Angesicht des Schreckens dieser Zeit Lob-, Vertrauens- und Freudenlieder anstimmten. Sie wussten mit dem Psalmisten: „Die Wasserwogen im Meer sind groß und brausen mächtig; der Herr aber ist noch größer in der Höhe“. (Psalm 24)

     

    Text: nach Gerd Ballon

    Bild: K. Quirin, Tor Piazza dell’Anfiteatro, Lucca

  • 02. Dezember 2020

    Im September sind bei mir noch 3 - 4 Tage Ostseeurlaub herausgesprungen.

    Bei herrlichstem Wetter war ich außerhalb der Hauptreisezeit unterwegs. Lange Spaziergänge am Strand, ohne viele Menschen zu sehen, ohne Trubel, ohne Telefon… wunderbar.

    Zeit zum Nachdenken, Zeit zum Beten. Aber man muss sich bewusst entscheiden. Wenn ich nicht aufbreche, dann bleibt alles beim Alten, wenn ich selbst nicht den ersten Schritt gehe, dann komme ich nicht weiter und, wenn ich selbst nicht die Tür öffne, dann kann niemand herein, auch Jesus nicht.

    Der Advent sagt uns, mach es anders, vielleicht nur ein bisschen, vielleicht nur ein paar Tage, aber dein Leben kann und wird dann anders sein. Es liegt an dir.

     

    Text: K. Quirin

    Bild: K. Quirin, Strand auf dem Priwall/Travemünde

  • 03. Dezember 2020

    Liebe Leser*in,

    ich bin als Kirchenmusiker der Pfarrei im Netzwerk Bolivienpartnerschaft des Bistums Trier engagiert. Deshalb möchte ich mit Ihnen am 3.12. und 4.12. nach Bolivien blicken. Sie sehen aktuelle Beiträge aus dem Kalender der Weltkirche im Bistum Trier.

    Rafael Klar, Dekanatskantor Pfarrei St. Franziskus Hermeskeil

     

    Liebe Teilnehmende am Weltkirchlichen Adventskalender,

     

    es ist so weit, mit dem 1. Advent kommt hier das erste Türchen aus Bolivien:

     Das Colegio de San José de Pacobamba liegt im bolivianischen Altiplano in der Diözese El Alto und wird von ca. 150 Schülerinnen und Schülern besucht. Da viele Familien in der Region finanziell nicht gut aufgestellt sind, verteilt die Stadtverwaltung Frühstücke an die Schulkinder, um die Eltern zu entlasten. Die Kehrseite dieser Praxis besteht aus monatlich 3.000 anfallenden Plastiktüten in der Schule.

    Um die Umwelt zu schonen und die Kinder und Jugendlichen für die Erhaltung der Umwelt zu sensibilisieren, startet die Schulleitung das Projekt „Beitrag der Kinder und Jugendlichen an der Schöpfung“.

    „Wir hatten die Idee, diese Tüten zu recyceln und daraus nützliche Dinge wie Tragetaschen herzustellen“, erklärt die Direktorin Flora Silva Castillo. Auch Puppen und andere Gegenstände lassen sich aus den Tüten herstellen.

    In El Alto hat man aus der Not eine Tugend gemacht, doch das Grundproblem bleibt: Plastikmüll, der meist nicht biologisch abbaubar ist. Plastik, das sich doch zersetzt, braucht dafür bis zu 450 Jahre lang.

    Auch für Adventskalender fällt Jahr für Jahr Einiges an Verpackungsmüll an. Das Umweltbundesamt verweist darauf, dass der Verpackungsverbrauch in Deutschland seit Jahren ansteigt - mit negativen Folgen für die Umwelt und den Rohstoffverbrauch.

    Alternativen gibt es beispielsweise in Form von wiederverwendbaren oder „klingenden“ Adventskalendern. Dabei hört man jeden Tag einen Teil einer Geschichte. Auch lässt sich der wiederverwendbare Kalender täglich mit einigen Teilen eines Puzzles füllen, sodass am Heiligabend das komplette Bild entsteht.

    „Der Himmel liegt nicht über uns, sondern vor uns als Aufgabe, als Möglichkeit, die schon hier in der Welt beginnt.“

    Franz Kamphaus – em. Bischof von Limburg

  • 04. Dezember 2020

    Liebe Leser*in,

    ich bin als Kirchenmusiker der Pfarrei im Netzwerk Bolivienpartnerschaft des Bistums Trier engagiert. Deshalb möchte ich mit Ihnen am 3.12. und 4.12. nach Bolivien blicken. Sie sehen aktuelle Beiträge aus dem Kalender der Weltkirche im Bistum Trier.

    Rafael Klar, Dekanatskantor Pfarrei St. Franziskus, Hermeskeil

     

     

    Concepción ist ein Ort in der bolivianischen Tieflandregion Chiquitanía. In der Chiquitanía finden sich wasserreiche Wälder und damit die besten klimatischen Bedingungen, um das ganze Jahr über Honig zu produzieren. Trotzdem werden die meisten Süßstoffe aus anderen Teilen des Landes importiert. Ein Grund dafür ist, dass weitgehend unbekannt ist, wie man an Honig kommt, ohne den Bienenstock zu schädigen.

    Die örtliche Schule zeigt Kindern, Jugendlichen und interessierten Erwachsenen, wie man Bienenstöcke herstellt, pflegt und so den Wald nachhaltig nutzt – zum Beispiel durch die Produktion von Bienenhonig.

    P. Ruperto Rodriguez Bariqui, der für das Schulprojekt verantwortlich ist, erklärt: „die Bienen spielen eine tragende Rolle, wenn es um das Gleichgewicht der Natur geht. Zurzeit ist es beunruhigend, wie viele Bienenarten zurückgehen. Wir hoffen, sowohl den Bienen als auch den Menschen nutzen zu können.“

    Bienen stellen nicht nur Honig her, sondern auch Wachs. Verwenden Sie doch in diesem Jahr Weihnachtskerzen aus Bienenwachs – ganz ohne Paraffin, Palmöl oder chemische Farbstoffe.

    Bienenwachskerzen kann man auch selbst drehen – übrigens eine tolle Bastelidee für Kinder!

    Die erste Kerze des Adventskranzes brennt. Ein Hoffnungslicht, voller Erwartungen. Das Kirchenjahr beginnt am 1. Advent mit dem unscheinbaren Zeichen einer brennenden Kerze. Es gibt kein Feuerwerk und keine Böller zum Beginn des Kirchenjahrs sondern ein bescheidenes Licht. Darin leuchtet die Zuversicht, dass Gott da ist, dass seine Nähe gilt.

  • 05. Dezember 2020

    Der Advent ist die Zeit der Hoffnung

     

    Dieses Jahr war für uns ein besonders schwieriges Jahr. Die Herausforderungen, Veränderungen und Bewegungen in unseren Herzen waren groß und mehr als ein wenig überwältigend. Ich komme in dieser Adventszeit etwas müde und abgenutzt an. Aber diesmal erwarte ich eine Zeit des erholsamen Erinnerns, während ich mein Herz auf den Rhythmus Christi und die Kraft seiner Geschichte neu kalibriere.

    Also werden wir dieses Jahr den Advent wieder nutzen. Auf unsere eigene unvollkommene, aber schöne Weise. Wir werden uns jeden Tag Zeit nehmen, um eine Kerze anzuzünden, uns auf die Geschichte Jesu zu konzentrieren und gemeinsam zu beten.

    Die Adventszeit ist eine schöne Erinnerung daran, unsere Herzen vorzubereiten - während wir unsere Häuser vorbereiten - um die Geburt unseres Erlösers Jesus zu feiern!

    Der Advent ist die Zeit der Hoffnung. Ist unser Herz voller Hoffnung? Haben wir eine zuversichtliche Erwartung an unser Morgen? Was passiert, wenn die Straße vor uns voller Verluste ist und Stress unsere Schultern belastet? Was können wir tun, wenn die zuversichtlichen Erwartungen für morgen schwinden? Wie können wir in Hoffnung wandeln, wenn wir uns innerlich hoffnungslos fühlen?

    Mit einem Wort, die Antwort auf die zuversichtliche Erwartung lautet: JESUS - der Jesus der Weihnacht.

    Die Hoffnung auf Jesus beruht nicht nur auf dem Glauben, dass er einmal ein Baby in einer Krippe war. Diese Hoffnung auf ihn wird der „Anker für die Seele“ genannt. Es ist etwas Tiefes in uns, das uns durch die Stürme des Lebens sicher führt.

    Wenn wir unsere Hoffnung auf Jesus setzen, werden wir Kraft und Mut haben.

    Dinge, die einen machtlos und hoffnungslos machen, gibt es in vielen Formen. Mit der Kraft Christi können wir große Hindernisse überwinden, und der Glaube an Jesus gibt Hoffnung und Hilfe bei der Überwindung.

    Manchmal stehen wir im Leben vor einer Aufgabe, die uns einfach zu groß erscheint. Wir brauchen nicht nur Gottes Stärke, die zu unserer eigenen hinzugefügt wird. Vielmehr brauchen wir seine Kraft in uns, um das zu tun, was wir tun müssen. Er wird es uns geben!

    In 2 Korinther 12:9 heißt es: „Meine Gnade genügt dir; denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet“. Wenn wir unsere Schwäche als Einstiegspunkt in Gottes Stärke sehen, erhalten wir Zugang zu seiner Kraft!

     

    Chinnaparaj Selvarayar

    Kooperator

  • 06. Dezember 2020

    Sei freundlich zu uns selbst und zu anderen

     

    Jesus zeigte immer seine Liebe und sein Mitgefühl für diejenigen, denen er begegnete. Er zeigte nie Vorurteile oder Verachtung. Sind wir der Liebe Jesu würdig? Lasst uns nicht zu hart mit uns selbst sein, sondern offen für Jesus, der in und durch uns wirkt.

    Manchmal bin ich zu hart mit mir selbst, zu selbstkritisch. Ich muss nett zu mir selbst sein. Wenn ich freundlich zu mir selbst bin, kann ich die Reise der Vergebung beginnen - der Vergebung anderer.

    Herr, hilf uns bei den Problemen, die wir haben. Hilf uns zu atmen, unser Herz mit Liebe zu füllen und deine Liebe zu verbreiten.

     

    Es gibt viele Menschen, die Hilfe und Unterstützung benötigen. Es gibt Menschen, die allein und verlassen in der Welt sind.

    Ich glaube an Gott, aber teile ich dabei seine Liebe und sein Mitgefühl mit anderen? Möge heute der Beginn sein, dass ich offener und liebevoller gegenüber anderen bin.

    Heute bete ich für diejenigen ohne Familie, die alleine leben und deren Hilferuf und Freundschaft ich nie zu hören scheine.

    Wir müssen geduldiger sein, zuhören, um zu verstehen und nicht nur zu antworten. O komm, Herr Jesus, öffne unsere Herzen, damit wir freundlich zu uns selbst und zu anderen sind.

     

    Chinnaparaj Selvarayar

    Kooperator

  • 07. Dezember 2020

    Meine Wünsche in der Adventszeit sind Frieden und Liebe

     

    Wie schnell nähert sich Weihnachten? Bald wird 2020 nur noch eine Erinnerung sein. Meine Wünsche während dieser Adventszeit sind Frieden, viel, viel Frieden, ist Freude, viel, viel Freude. Und es ist Liebe, viel, viel Liebe. Wenn wir versuchen, Jesus zum Zentrum unserer Weihnachtszeit zu machen, wird seine Gegenwart unser Geschenk von Gott sein. Wenn wir das Geschenk der Gegenwart Jesu in diesem Advent auspacken, werden sich meine Wünsche für uns alle erfüllen. Wir werden in der Tat Frieden, Freude und Liebe finden!

    Aber ihn in vollen Zügen zu erleben, hängt von uns ab. Wir müssen diesbezüglich absichtlich sein. Um die Gegenwart Jesu zu erfahren, müssen wir uns zuerst die Zeit nehmen. Lasst uns unsere Zeit alleine mit dem Herrn verbringen. Ladet ihn in jeden Moment ein. Er wird kommen. Er sehnt sich danach, sich uns anzuschließen.

    Frieden ist in unserer heutigen Welt so dringend erforderlich. Bin ich eine friedliche Person? Beginnt Frieden mit mir? Lassen Sie mich frei von Hass und Vorurteilen sein. Lassen Sie mich die Vision des Friedens genießen, Menschen aller Altersgruppen, Kulturen und Überzeugungen sehen, die in einer gerechten und fairen Gesellschaft zusammenleben.

    Herr, ich bete für den Frieden der Welt, für den Frieden in unseren eigenen Gemeinschaften und für den Frieden in unseren eigenen Herzen.

     

    Chinnaparaj Selvarayar

    Kooperator

  • 08. Dezember 2020

    Der Regenbogen als christliches Zeichen

    Der Regenbogen ist oft in der Kommunionsvorbereitung ein wichtiges Thema, denn er ist ein Zeichen der Hoffnung, das Gott den Menschen gegeben hat.

    Besonders zum jetzigen Zeitpunkt sollten wir uns daran erinnern, dass Gott immer da ist und uns nicht verlässt. Schönheiten in der Natur, nette Begebenheiten sind das, was uns im Moment erfreuen kann und an das wir uns täglich erinnern sollten. Das kann uns und den Mitmenschen Hoffnung geben.

    Ein schönes Beispiel für Hoffnung-Machen ist das Lied von Detlev Jöcker „Regenbogen, buntes Licht“. Das Regenbogenlied wird häufig in Kindergottesdienstes gesungen, weil es ein regelrechter Ohrwurm ist, gute Stimmung verbreitet und alle mitsingen können, da der Text leicht verständlich ist. Die Kinder und auch die Erwachsenen (zumindest in Schöndorf) lieben dieses Lied.

    Im Liedtext geht es um die Farben des Regenbogens und die Hoffnungszeichen, die sie symbolisieren. Das Rot des Feuers, das Orange der Sonne, das Gelb der Ähren, das Grün der Pflanzen, das Blau des Himmels, Indigo und Violett symbolisieren Gottes Zeichen: Wärme, Licht, Fülle, Kraft, Treue, Schutz und Ruhe. 

    Gott ist immer da, überall, in der Natur. Kleinigkeiten wie ein Regenbogen sind sein Zeichen der Hoffnung! Gott gibt uns Hoffnung und Stärke durch diese Zeichen. Wir müssen nur auf Gott vertrauen – Irgendwann wird alles gut!

    Kerstin Bettendorf, MGH

  • 09. Dezember 2020

    „Tragt in die Welt nun ein Licht“ ist ein Kirchen- und Weihnachtslied von Wolfgang Longardt (1930 -1972), das viele Leute kennen.

     

    Liedtext von  Wolfgang Longardt

    1. Tragt in die Welt nun ein Licht,
    sagt allen: Fürchtet euch nicht!
    Gott hat euch lieb, Groß und Klein
    Seht auf des Lichtes Schein.

    2. Tragt zu den Kindern ein Licht,
    sagt allen: Fürchtet euch nicht!
    Gott hat euch lieb, Groß und Klein
    Seht auf des Lichtes Schein.

    3. Tragt zu den Kranken ein Licht,
    sagt allen: Fürchtet euch nicht!
    Gott hat euch lieb, Groß und Klein
    Seht auf des Lichtes Schein.

     

    Nach diesem Motto wollten wir (u.a. das MGH, die Stadtbücherei und die Jugendpflege) Lichter zu Hermeskeilern tragen, ihnen damit eine kleine Freude bereiten und sie daran erinnern, dass sie nicht alleine sind. Wir haben Lichter für (einsame) Menschen gestaltet, die man nach Vorbestellung im MGH und der Stadtbücherei abholen konnte. Viele Hermeskeiler Familien haben sich ebenfalls an der Aktion beteiligt und mit den Kindern Lichter gebastelt und diese an Bekannte, Nachbarn und einsame Menschen verteilt.

    Insgesamt haben wir in MGH und Bücherei etwa 150 selbstgestaltete Lichter gebastelt und diese beispielsweise ans Altenheim verteilt. Diese kleine Aufmerksamkeit schenken ist nicht sehr aufwendig. Besonders in der Adventszeit bedeutet vielen (einsamen, alten) Menschen diese kleine Aufmunterung, mit einem kleinen Spruch, einem kleinen Brief oder einem selbst gemalten Bild der Kinder versehen, sehr viel und es gibt Hoffnung, wenn sie sich alleine fühlen.

    Darum „Trag auch du ein Licht in die Welt!“ und mache deinen Nachbarn/ einsamen Menschen eine kleine Freude aus der Ferne und zeige ihnen, dass du an sie denkst, auch wenn du Abstand hältst. Sie wissen dann, dass sie nicht alleine sind!

    Kerstin Bettendorf (MGH)

  • 10. Dezember 2020

    Die Worte der heutigen Lesung aus dem Propheten Jesaja (41,13-20) wirkt auf mich sehr beruhigend und aufmunternd, besonders in dieser Zeit, in der sich Unsicherheit und Angst breitmachen.  „Denn ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand ergreift und der zu dir sagt: Fürchte dich nicht, ich habe dir geholfen“ (Jesaja 41,13).  Unmittelbar angesprochen ist das Volk Israel, das sich im Babylonischen Exil befindet – weit weg von der Heimat, im Frondienst, den Mächtigen ausgeliefert, sich seines Lebens und seines Glaubens nicht mehr sicher.  Es war eine Situation der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung.  Ob es jemals besser wird?  An dieser Stelle tritt der Prophet Jesaja auf mit einer Botschaft, die ihre gegenwärtige Situation zwar nicht verharmlost, aber doch sprengt mit der Zusage Gottes: „Ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand ergreift.“  Mit anderen Worten: Ich bin der Gott, der dich beschützt, führt und begleitet.

    Die Erfahrung, von einem vertrauten Menschen – etwa Vater oder Mutter – ergriffen zu sein und Hand in Hand seinen Weg zu gehen, kennt jeder vielleicht aus der eigenen Kindheit.  Kranke und ältere Menschen freuen sich, wenn sie spüren, dass da jemand ist, der sie – wenn auch wortlos – an der Hand hält.  Das gibt das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit – das Gefühl, nicht verlassen und alleingelassen zu sein.  Das gibt auch Mut, selbst scheinbar unüberwindbare Hürde anzugehen.

    Mit der Zusage der begleitenden Nähe Gottes kommt die Aufforderung des Propheten: „Fürchte dich nicht“.  Der Prophet erinnert an das, was Gott immer wieder für sein Volk getan hat: „Ich habe dir geholfen“.  Diese Erinnerung soll Kraft schenken, die gegenwärtige Situation zu meistern.

    „Furchte dich nicht!“  Vielleicht ist dies die Botschaft, die wir alle gerade jetzt in dieser Zeit der Corona-Pandemie brauchen, in der alles anders geworden ist und wir das Fest der Geburt Christi viel anders werden feiern müssen als gewohnt.  Auch in dieser Zeit lässt uns Gott nicht allein; er ergreift immer noch unsere rechte Hand und lässt uns nicht fallen.

    Also: „Fürchte dich nicht!“

     

    Dr. Oko

  • 11. Dezember 2020

    Zu den großen Figuren der Weihnachtsgeschichte gehört Johannes der Täufer.  Er kommt zwar nicht in der eigentlichen Weihnachtserzählung vor, von ihm aber wird in den unmittelbaren Tagen vor Weihnachten in den Tagesevangelien erzählt.  Seine Geschichte verläuft gewissermaßen parallel zu der von Jesus – von der Ankündigung seiner Geburt über seine Geburt und sein öffentliches Auftreten bis hin zu seinem gewaltsamen Tod.  Seine besondere Rolle besteht aber darin, als Vorläufer den Weg für Jesus zu bereiten und ihm dann die Bühne des Geschehens zu überlassen.  Ob die Menschen damals dies so wahrgenommen und verstanden haben oder in der Lage gewesen waren, dies so wahrzunehmen und zu verstehen?

    Das heutige Evangelium (Mtt 11,16-19) schildert die Reaktion der Menschen auf Johannes und Jesus – eine Reaktion, die zeigt, dass sie weder Johannes noch Jesus verstanden haben.  Die einen halten sie für exzentrisch und besessen und den anderen für „einen Fresser und Säufer, und einen Freund von Sündern und Zöllnern.“  Offenbar sind die Menschen nicht in der Lage gewesen, sich auf beide einzulassen und ihrer Botschaft Raum zu lassen in ihrem Leben.

    Unsere Situation ist heute – über 2000 Jahre später – vielleicht in vielerlei Hinsicht viel anders als damals.  Aus dem Schatz unserer Glaubenstradition wissen wir, wer Johannes und Jesus sind und wofür sie stehen, welche Botschaft sie bringen.  Aber die Herausforderung bleibt dieselbe damals wie heute: ob wir uns auf ihre Botschaft einlassen wollen – auf die Botschaft, dass Gott uns nah sein und unser Leben erneuern will?

     

    Dr. Oko

  • 12. Dezember 2020

    Zu den großen Gestalten des Volkes Israel im Alten Testament gehörte der Prophet Elija, der für seine gewaltigen Taten bekannt war.  An einige seiner Taten erinnert die heutige Lesung aus dem Weisheitsbuch Jesus Sirach (48,1-4.9-12):  Er war ein Prophet wie Feuer, ließ über das Volk eine Hungersnot hereinbrechen und verringerte sie mit seinem Eifer, verschloss durch das Wort Gottes den Himmel, ließ dreimal Feuer herabfallen, wurde mit einem Wirbelsturm aus Feuer hinweggenommen – alles überdimensionale Ereignisse, die sich aus heutiger Sicht vielleicht wie ein Märchen anhören.

    Dennoch hat man mit ihm zurzeit Jesu die Hoffnung auf Gottes endgültiges Eingreifen in die Geschichte zur Errettung seines Volkes verbunden.  So wird die Wiederkehr des Elija vor dem Kommen der Heilszeit erwartet.  Er soll alles richten, wie es sein soll.  In Johannes dem Täufer sieht die frühchristliche Tradition den wiederkehrenden Elija.  Offenbar haben die Menschen zurzeit Jesu Johannes als solchen nicht erkannt, sondern – wie es im heutigen Evangelium (Mtt 17,10-13) heißt – „mit ihm gemacht, was sie wollten“.  Warum sie ihn verkannt bzw. übersehen haben, wird nicht gesagt.  Vielleicht hat man gewaltige Zeichen erwartet wie beim historischen Elija.

    Vielleicht geht es uns manchmal wie den Menschen zurzeit Jesu, die zu viel (vielleicht Aufsehenerregendes) erwartet haben.  Vielleicht erwarten wir gar keine Zeichen mehr von oben oder vermögen nicht mehr, die vorhandenen Zeichen der Gegenwart und des Wirkens Gottes in unserer Mitte heute zu erkennen und zu deuten.  Dennoch gibt es diese Zeichen – überall!  Im Kinde von Betlehem sehe ich ein unscheinbares Zeichen jenes Gottes, der auf der Suche ist nach Menschen, nach jedem Menschen, wie auch immer seine Lebensgeschichte sein mag.  Der Advent ist eine Einladung, sich diesem Gott zu öffnen – in den großen und kleinen Ereignissen unseres Lebens, und vor allem in den Menschen, mit denen wir tagtäglich zu tun haben.

     

     Dr. Oko

  • 13. Dezember 2020

    Diese Bezeichnung des dritten Adventssonntags stammt vom ersten Wort des lateinischen Eröffnungsverses: „Gaudete in Domino semper“ („Freut euch im Herrn zu jeder Zeit“, Phil 4,4). Mit diesem Adventssonntag beginnt die zweite Hälfte der Adventszeit, das Ereignis, auf das sie vorbereitet, rückt also immer näher. Deshalb steht dieser Sonntag unter der besonderen Vorfreude auf die Geburt des Herrn, wie der zweite Teil des Eröffnungsverses weiter ausführt: „Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe“ (Phil 4,5).

    Ausgedrückt wird die Freude mit der seltenen liturgischen Farbe rosa. Deshalb finden wir an manchen Adventskränzen neben drei roten oder violetten Kerzen eine rosafarbene Kerze.

     

    Freut euch!

     

    Aufgerufen zu adventlicher Freude,

    einer stillen Freude aus der Tiefe des Herzens,

    in das Gott selbst sie eingepflanzt hat.

     

    Freut euch!

     

    Folgt eurer Sehnsucht nach Frieden und Heil,

    nach Geborgenheit und Erlösung.

    Sie führt euch zur Quelle der Freude.

     

    Gaudete!

     

    Die Liebe selbst hat sich aufgemacht,

    Erstarrtes zu lösen, den Hass zu besiegen,

    den Gnadenbund zu erneuern.

     

    Freut euch!

                                                           Gisela Baltes

     

    Sr. Beate Kless, OSF

  • 14. Dezember 2020

    Als ich zu Beginn des Advents den Kalender dieses Jahres durchblätterte, musste ich erstaunt feststellen, dass ich dort am häufigsten das Wort „abgesagt“ las. Abgesagt: Termine, Begegnungen, Gespräche, Feiern ….

    In einigen Tagen steht Weihnachten bevor. Muss ich da auch „abgesagt“ dahinter schreiben?

    N E I N!  Denn Gott sagt „Sein-mit-uns-auf-dem-Weg-sein“ nicht ab!

    Auch Maria sagte nicht ab, als der Engel ihr verkündete, dass sie Gottes Sohn gebären solle; sie sagt zu!

    Trotz anfänglicher Zweifel sagt auch Josef nicht ab, sondern zu, als ihm im Traum geboten worden war, Maria zu sich zu nehmen und später mit dem Kind und seiner Mutter nach Ägypten zu fliehen.

    Die politische Situation zurzeit bedroht Leben, sagt Leben ab. Gott ist anders! Er sagt dem Leben zu – für uns! Er wird Mensch und gibt sich als kleines Kind in die Obhut seiner Eltern, die trotz widriger Lebensumstände dem Kind Geborgenheit und Sicherheit zusagen.

    Wir dürfen vertrauen: Gott spricht seine Zu-Sage hinein in alle Unsicherheiten, die wir persönlich oder als Gemeinschaft und Kirche in allen politischen und gesellschaftlichen Wirrnissen erleben. Er sagt uns: „Ich möchte dort sein, wo ihr seid. Ich will eure Angst und Unsicherheit teilen. Und so – in der Krippe und am Kreuz – werde ich euer Friede und eure Zukunft sein.“ (Bischof Hemmerle)

     

    Gott wird Mensch! Diese Botschaft wird nicht abgesagt, sondern diese Zu-Sage hat immer Gültigkeit in unserem Leben!

     

    Sr. Beate Kless, OSF

  • 15. Dezember 2020

    Seit meiner Jugendzeit begleitet mich ein Gedicht von Kristiane Allert-Wybranietz, es trägt die Überschrift

    „Gedanken zum Zusammenleben“

    Ein Bild, das lange in einem Zimmer hängt,

    hast du oft angeschaut, kennst es in allen Einzelheiten.

    Ein Mensch, mit dem du lange zusammenlebst –

    hast auch ihn oft angeschaut, kennst ihn mit allen Eigenschaften.

    Das Bild kannst du lange links hängen lassen; es ändert sich nie.

    Den Menschen musst du stets beachten und neu sehen;

    er ändert sich ständig.

     

    Mich fasziniert der Vergleich eines Bildes mit einem Menschen. Beide meine ich zu kennen, aber beim genauen Hinsehen merke ich, dass das Bild immer gleichbleibt, aber der Mensch in einem steten Wandel begriffen ist. Dabei wird mir deutlich, wie wichtig Veränderungen im Leben sind.

    Heute bin ich längst nicht mehr der Jugendliche, der in Dudweiler beheimatet war. Viele Stationen meines Lebens habe ich durchlaufen, alle haben mich verändert: Berufsausbildung, Studium, Hochzeit, Geburt unserer Tochter, der berufliche Stellenwechsel, die Aufgabe als Koordinator unserer Pfarrei St. Franziskus Hermeskeil…, um nur einige wenige zu nennen.

    In der Psychologie herrscht die Auffassung, dass der Charakter eines Menschen mit etwa 30 Jahren gefestigt ist und stabil bleibt. Meiner Erfahrung nach ist es jederzeit möglich, sich zu ändern und dem Leben eine neue Richtung zu geben. Eine anthropologische Grundkonstante lautet: „Entwicklung findet immer dann statt, wenn Menschen in einer Gruppe zusammenleben und sich Regeln des Zusammenlebens geben.“

    Dabei macht es einen großen Unterschied, ob jemand genötigt wird oder selbstbestimmt Entscheidungen trifft. Es ist einfacher zu sagen: „Ich will während der Pandemiezeit eine Maske tragen, um andere und mich zu schützen, anstatt ich muss einen Mundnasenschutz benutzen, weil die Regierung es angeordnet hat.“

    Laut Professorin Ursula Staudinger sind es ja „meist die Hindernisse, wenn Menschen durch kritische Lebensereignisse, zum Beispiel Katastrophen, angestoßen werden, über sich selbst und die Welt nachzudenken, dann gelingt die Wahrscheinlichkeit, dass Veränderung stattfindet, obwohl es Energie kostet“.

    Ich wünsche Ihnen heute an diesem Adventstag wundervolle Begegnungen. Schauen Sie Ihrem Gegenüber trotz Maske ruhig in die Augen und nehmen Sie ihn und seine Veränderung wahr!

    Rüdiger Glaub-Engelskirchen,

    Gemeindereferent

  • 16. Dezember 2020

    Die Kirche gedenkt heute der heiligen Adelheid.

    Wer war diese Frau, wo hat sie gelebt und was hat sie Gutes getan?

    Sie war eine Prinzessin von Burgund und wurde streng christlich erzogen. Bereits in jugendlichem Alter heiratete sie König Lothar II. von der Lombardei, sie gebar Töchterchen Emma, doch das gemeinsame Glück währte nur 3 Jahre. Ihr Mann starb eines unnatürlichen Todes, und da sie sich weigerte, den Sohn des angeblichen Giftmörders ihres Mannes zu ehelichen, wurde sie in einem Schloss am Gardasee eingesperrt, gekränkt und misshandelt.

    Mit Hilfe eines Fischers gelang ihr die Flucht über den See, und schließlich suchte sie mit ihrer Tochter Schutz bei einem Freund ihres Mannes auf der Burg Canossa. Von dort wandte sie sich hilfesuchend an den deutschen König Otto I., der sie, die 20-jährige Königin von Italien, ein Jahr später zur Frau nahm.

    Im Jahr 962 wurde Adelheid an der Seite ihres Mannes in Rom von Papst Johannes XII. zur Kaiserin gekrönt.

    Adelheid galt als beispielhafte Christin. Mit großem Einsatz kümmerte sie sich um die Armen und die am Rande der Gesellschaft stehenden Menschen. Sie spendete Geld und Trost, wo immer sie nur konnte. Ihr vorbildliches christliches Leben trug mit dazu bei, dass viele andere junge Frauen ihrem Vorbild folgten.

    Verstärkt widmete sie sich karitativen Aufgaben und förderte die Gründung von Klöstern. Sie erwies sich nicht nur als überzeugende Politikerin, sondern galt in der Gesellschaft auch als gütige, sozial denkende und intelligente Frau.

    Am Ende ihres Lebens zog sie sich in das von ihr gegründete Kloster Selz im Elsaß zurück, wo sie 999 starb.

    Da sie beim Volk sehr beliebt war, wurde sie auch über ihren Tod hinaus sehr verehrt. Papst Urban II. sprach sie knapp 100 Jahre nach ihrem Tod heilig. Ihr Gedenktag ist der 16. Dezember (verschiedene Quellen aus dem Internet).

    Jetzt wissen Sie auch, warum ich Ihnen gerade heute von dieser großen Frau und ihrem Glaubenszeugnis berichte. Möge die heilige Adelheid für uns ein Vorbild sein, dass wir besonders in der Zeit der Pandemie die Armen, die Kranken und die am Rande der Gesellschaft stehenden Menschen nicht vergessen.

    Herzlichen Glückwunsch allen, die Heidi, Heidemarie, Heidrun, Alida, Alice, Adele oder gar selbst Adelheid heißen. Wir wünschen einen schönen Namenstag.

     

    Rüdiger Glaub-Engelskirchen

    Gemeindereferent

  • 17. Dezember 2020

    Mit großen Schritten geht es auf Weihnachten zu. Während ich diese Zeilen schreibe, erinnere ich mich daran, dass ich 1993, während meines Studiums an der Fachakademie Mainz, mit den Theologiestudenten eine 2-wöchige Studienfahrt nach Israel unternehmen durfte. Das Land und die Menschen haben mich sehr fasziniert. In besonders guter Erinnerung ist mir die Geburtskirche in Bethlehem geblieben.

    Unterhalb der Geburtskirche befindet sich die berühmte Geburtsgrotte Jesu. Der Glaube, der Heiland Jesus Christus sei hier in einem Grottenstall geboren und in eine Krippe gelegt worden, war der Anlass zum Bau der Kirche. Sie ist das Ziel christlicher Pilger aus aller Welt.

    Mir sind viele kleine Lichter und Lämpchen beim Betreten des Raums in Erinnerung. Eine große Schar von Touristen und Pilgern hatte das gleiche Ziel wie wir, viele beteten halblaut vor sich hin. Eine Aufsichtsperson regelte den Aufenthalt vor der Grotte, nur ein kurzes Verweilen war erlaubt. Die sakrale Atmosphäre ging dadurch verloren.

    In der nach Osten ausgerichteten Rückwand ist eine Nische mit dem Geburtsaltar in den Felsen gehauen. Ein silberner Stern ist in den Marmorboden eingearbeitet. Hier, so sagt es die Tradition, soll Jesus Christus geboren worden sein. Die lateinische Inschrift lautet: „Hic de Virgine Maria Jesus Christus natus est.“ („Hier wurde von der Jungfrau Maria Jesus Christus geboren“). Die 14 Zacken des Sterns symbolisieren die 14 Geschlechter des Stammbaumes Jesu.

    Über den Jahreswechsel 1998/1999 war ich nochmals im Heiligen Land. Seitdem hatte ich keine Gelegenheit mehr für einen Besuch. Aber ich weiß, dass die Benediktiner-Mönche aus der Dormitio-Abtei in Jerusalem am Heiligen Abend meinen Namen zur Geburtsgrotte tragen. Mit einer dicken Schriftrolle, bedruckt mit zehntausenden Namen, ziehen die Mönche stellvertretend zum Geburtsort und legen die Rolle auf den silbernen Stern der Geburtsgrotte.

    "Ich trage Deinen Namen in der Heiligen Nacht nach Bethlehem" heißt eine tolle Aktion, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Mit mehr als 112.000 Namen war die Rolle im vergangenen Jahr bedruckt und wog mehrere Kilos.  Die begleitende Spendenaktion brachte viel Geld ein. Falls ich Sie neugierig gemacht habe, wie das geht, dann schauen Sie hier: http://dormitio.net/engagement/weihnachtsaktion/index.html

    Am 19. Dezember ist übrigens der letzte Tag, um an dieser Weihnachtsaktion teilzunehmen. Ich wünsche Ihnen einen schönen und gesegneten Adventstag.

    Ihr Gemeindereferent

    Rüdiger Glaub-Engelskirchen

  • 18. Dezember 2020

    Du bist an allen Dingen,

    an allen Seiten, zu allen Zeiten.

    Du bist über allen Dingen,

    du bist unter allen Dingen,

    alle Dinge sind auf Dich gegründet.

    Du bist zuinnerst aller Dinge,

    denn du bist aller Dinge innerster Keim

    und verborgene Kraft

    und gibst ihnen ihr Wesen.

    Du bist außerhalb der Dinge,

    denn dich kann kein Ding begreifen

    noch irgendeiner Kreatur beschließen;

    in dir sind alle Dinge beschlossen,

    denn du bist aller Dinge Urbild

    und lebendiger Bildhauer,

    in dem je alles lebte,

    was ist oder war oder wird.

                            David von Augsburg

     

    Dieses Gebet befindet sich in dem Stundenbuch, Zeit mit Gott und ist für den Freitag der 3. Adventswoche einleitend für die Gebetszeit. Hier wird alles in Gottes Hand gesehen und beschrieben, doch wenn ich es so bete frage ich mich: Wo bin ich?

    Wenn ich doch mit Gaben und Charismen ausgestattet bin, ausgehend von Gottes Liebe

    mir seiner Begleitung durch mein Leben bewusst sein darf. Habe ich dann nicht auch Verantwortung für die Dinge, die ich mache und da mir die Freiheit geschenkt ist, auch die Pflicht zur Entscheidung?

    Wir gehen auf den 4. Advent zu und lesen heute folgende O-Antiphon:

     

    O Adonai, Herr und Führer des Hauses Israel –
    im flammenden Dornbusch bist du dem Mose erschienen
    und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben:
    o komm und befreie uns mit deinem starken Arm!

     

    So kann ich bitten und hoffen, auf die Befreiung aus meiner Enge, meinen Ängsten und auch

    meiner Bedrängnis wohl wissend, dass ich das Meine dazutun muss. Ich bin, also darf ich auch einstehen und aufstehen. Es ist nicht immer leicht, doch eines ist jetzt, da Weihnachten nicht mehr weit ist schon klar. Ich möchte einstehen für die Gemeinschaft, also auch sensibel sein für mein Gegenüber. Ich möchte für mich sorgen, ohne den anderen dabei zu gefährden und natürlich möchte ich auch da sein für... . Für so allerlei Dinge, die mein Alltag bringt, aber auch meine Sehnsucht mir zeigt. So erwarte ich die kommenden Tage und hoffe auf ein gutes und ruhiges Fest.

     

    Sr. Dorothea-Maria

  • 19. Dezember 2020

    Die Begnadete

    Stockender Atem.
    Furcht ohnegleichen.
    Erstarren. Erbleichen.

    Fremde Rede wie Rauschen.
    Hören ohne zu vernehmen.

    Ruhig werden,
    lauschen.

    Umhüllt vom Wunder
    sich wundern.

    Aufnehmen,
    noch nicht annehmen.

    Vorsichtig atmen,
    noch nicht aufatmen.

    Zaghaft, zögerlich,
    dann stark und klar:
    die Kraft zu fragen,
    das Nein zu denken,
    das Ja zu erwägen,
    das Ja zu wagen,
    das Ja zu schenken-
    es frei zu sagen!

    Glaubend,
    liebend,
    hoffend,
    vertrauend
    auf deinen Plan.

                                                                           Dorothee Sandherr-Klemp

     

    Dieser Text von Dorothee Sandherr-Klemp steht nach dem Abendlob für den Samstag als Einführung für die 4. Adventwoche. Ein Text zum Überleiten. Und wenn ich ihn mir so anschaue passt er sehr gut in unsere Zeit, in unser Jahr, in unsere Gemütsneigung.

    Für mich hat der Dezember mit stockendem Atem begonnen, Furcht und Erstarren ja Erbleichen. Dieser Text ist als wenn er mir zurechtgelegt wurde.

    Auch wenn es diese Unbeschreiblichen Zeiten gibt, in denen man einfach nur dasteht und erstarrt , so sind wir doch aufgehoben, manchmal unmerklich und kaum spürbar in Gottes Hand.

    Ihm lauschen, seine Hinweise vernehmen, um die Sehnsucht meines Herzens wieder entflammen zu lassen und auch dieser Zeit ihren Glanz zu geben. Da doch kommt was uns verheißen ist, ja was schon da ist und immer wieder, jedes Jahr sich erneuert. Auf ihn hin schauen wir warten und erwarten wir die Heilige Nacht. Bleibt in seinem Segen Sr. Dorothea-Maria

     

    In der O-Antiphon, für den heutigen Tag lesen wir passend dazu:

     

    O Spross aus Isais Wurzel,
    gesetzt zum Zeichen für die Völker –
    vor dir verstummen die Herrscher der Erde,
    dich flehen an die Völker:
    o komm und errette uns,
    erhebe dich, säume nicht länger!

     

    Wie ein aufbäumen, ein erflehen scheint mir diese Antiphon, da wir doch uns nach ihm sehnen.

    Glaubend, liebend, hoffend schaue ich ihm entgegen, und doch weiss ich, es ist anders , wird anders, er begegnet mir nicht wie jedes Jahr. Dieses Jahr hat so seine Prägung hinterlassen und wird es auch im Weihnachten noch mitführen. Spannend ist, wie begegne ich ihm? Wie nehme ich die  Botschaft auf, und was wird daraus, dass auch er Mensch wird, ganz Mensch?

    Ich kann jetzt nur beten: steh an unserer Seit und begleite uns oh Herr, wie schwer ist doch manchmal das Warten, wie hart das Erwarten deines Kommens, wissend dass Du schon bei uns bist.

    Segne alles was da Lebt, Deine Schöpfung und steh uns zur Seite.

     

    Sr. Dorothea-Maria

  • 20. Dezember 2020

    Diesen eingerahmten Spruch habe ich in dem Haus entdeckt, dass wir gerade am Renovieren sind. Das Baujahr liegt um das Jahr 1949 und wahrscheinlich hängt dieses Bild schon sehr lange in diesem alten Gebäude. Als ich den Rahmen in den Händen hielt habe ich gemerkt, wie aktuell diese Aussage doch ist. In der momentanen Situation sind wir für jedes Licht dankbar, dass uns Kraft und Mut für unseren Alltag schenkt. Viele unserer Mitmenschen freuen sich über jedes kleine Licht der Hoffnung.

    Besonders habe ich mich über die Aktion gefreut, die vom MGH, der Stadtbücherei und vielen fleißigen Helfern ins Leben gerufen wurde. Sie gestalteten Windlichter, die an die Menschen in unserer Region verteilt wurden.

    Vielleicht gibt es bei Ihnen in der Nachbarschaft auch die ein oder andere Person, die sich über ein solches Licht freuen würde. Scheuen Sie sich nicht, eine kleine Laterne oder ein Windlicht zu gestalten und diese bei dem älteren Herrn oder der alleinstehenden Dame von nebenan vorbeizubringen. Bestimmt freut sich die junge Familie, deren Alltag vielleicht etwas anders läuft als sonst, auch über eine solche Geste.

    Ich bin mir sicher Sie werden damit ein Strahlen in die Gesichter zaubern. Probieren Sie es einfach mal aus…

     

    Karen Alt, Koordinatorin des Hochwälder Familiennetzwerks HAFEN

  • 21. Dezember 2020

    Die ganze Welt ist voller Wunder

    (Martin Luther)

     

    Nimm heute einfache und kleine Dinge wahr,

    indem du genau hinschaust.

    Ob die Pflanzen im Büro,

    die Blaumeise auf dem Ast,

    eine Wolke, die über dir zieht,

    deine schlafende Katze.

    Oder, oder, oder…

     

    (Entdeckt und für gut empfunden im Kalender von Mégane Vallet

    „Gesundheit leicht gemacht“, mit Bewegung & Achtsamkeit durch den Advent

    in Zusammenarbeit mit dem Turnverein Hermeskeil)

     

     

    Karen Alt (Koordinatorin HAFEN)

  • 22. Dezember 2020

    Dein Licht kommt!

    Mit dem Licht ist es etwas ganz Besonderes.
    Es ist Ursymbol für uns Menschen.

    Und seine Symbolkraft liegt begründet im Gegensatz von Hell und Dunkel. Vor dem Hintergrund des Dunkels erst wird das Licht erst zum Symbol. Dunkelheit macht orientierungslos, hilflos und sie ängstigt. In völliger Dunkelheit zu gehen macht unsicher, macht sogar schwindelig. Dunkelheit ist ein Bild für den Tod.

    Wie befreiend ist es, wenn jemand für uns in völliger Dunkelheit auch nur ein kleines Lichtlein anzündet. Unser Blick kann sich daran festmachen und Halt finden. Licht vertreibt die Dunkelheit. Selbst das kleinste Kerzenflämmchen vermag das. Licht, das ist Geborgenheit, Wärme und Friede.

    Um ein Licht herum versammeln sich Menschen zu einer Gemeinschaft.

    Licht, besonders das zaghafte Kerzenlicht ist das Symbol der Advents- und Weihnachtszeit.

    Das Licht des Adventskranzes, fängt klein an und wird immer mehr.

    Und es scheint auch kein Zufall, dass das Weihnachtsfest um die Zeit der tiefsten Dunkelheit gefeiert wird, in der wir uns ganz intensiv nach dem Licht, nach Wärme sehnen.

    In Rom feierte man in der Antike das Fest des „Sol invictus“, des unbesiegbaren Sonnengottes – ein Hoffnungsfest, ein Fest des Vertrauens in die Kräfte des Lebens. Als Christen feiern wir in dieser dunklen Jahreszeit das Fest des unbesiegbaren Lichtes, das Jesus ist. Des Lichtes, das in die Dunkelheit der Welt hineingeboren wird, in dem Gott die Finsternisse der Welt erleuchtet, in dem Gott selbst gegenwärtig wird.

    Jesaja drückt es aus in den Worten: „Dein Licht kommt und über dir geht auf die Herrlichkeit des Herrn.“
    Christus ist das Licht, das uns Orientierung gibt in den Finsternissen der Welt. Er ist es, dessen Schein mir die Ängste erleichtern oder sogar nehmen kann, deren Dunkel mich umgibt. Er ist es, der mir zusagt, dass er sogar das Dunkel des Todes hell machen kann mit dem Licht ewigen Lebens. Er ist das Licht, das Gott selbst ist, der zu mir kommen will, um mein Leben hell zu machen.

    Jesaja 60, 1 – 2

    1 Steh auf, werde licht, denn es kommt dein Licht und die Herrlichkeit des HERRN geht strahlend auf über dir. 2 Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht strahlend der HERR auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir.

     

    Diakon Andreas Webel

  • 23. Dezember 2020

    „Mache dich auf und werde Licht!“

     

    So singen wir in einem adventlichen Kanon.

    Wir sollen in unserem Denken und Handeln wie ein Spiegel sein. Ein Spiegel, der das Licht Jesu zurückwirft und widerspiegelt.

    Eine kleine Erzählung spricht davon:

    Der kleine Peter geht mit seiner Mutter über den Adventsmarkt. Es ist ein kalter Abend und weil es schon dunkel ist, wirken die Lichter der Buden und Stände festlich und anheimelnd.

    Am Rande des Weihnachtsmarktes steht die große Kirche. Die Fenster der Kirche sind ganz dunkel. Peter sagt: „Schau mal Mama, die Fenster sind ganz schmutzig und dunkel.“ Die Mutter gibt keine Antwort. Sie nimmt Peter bei der Hand und geht mit ihm in die Kirche hinein. Im Inneren deutet sie auf die Fenster. „Schau mal hin!“ sagt sie.

    Peter macht große Augen und staunt. Die Fenster der Kirche sind nicht mehr dunkel und schmutzig. Die Lichter des Weihnachtsmarktes werfen ihren Schein durch die Fenster und lassen die Heiligenbilder aus buntem Glas prachtvoll und hell leuchten.

    So könnte es auch mit uns sein: das Licht der Weihnacht kann uns hell machen. Wir können wie ein Spiegel sein, der das Weihnachtslicht weitergibt an die Menschen um uns herum.

     

    Diakon Andreas Webel

     

  • 24. Dezember 2020

    Mach‘s wie Gott – werde Mensch!


    Im Philipperbrief heißt es: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich.“ (Phil, 2, 6-7)
    Das ist in einem Satz die Weihnachtsbotschaft des Apostels Paulus. Und sie trifft das Wesen des Weihnachtsfestes auf den Punkt. Der ferne Gott macht sich ganz klein, wird Mensch. Er will seinen Geschöpfen ganz nahe sein und ihr Leben mit ihnen teilen. Wir Christen glauben, dass Gott das in Jesus Christus getan hat. In ihm, der in der Krippe zur Welt gekommen ist, in einem Stall, hat sich Gott so klein gemacht, dass er Platz finden kann in jedem Herzen das sich ihm öffnet.
    Ich finde, das ist eine tolle Botschaft – gerade in Zeiten des Abstandhaltens und Maskentragens.
    In dem Kind in der Krippe kommt uns Gott nah, ist einfach da für uns. Gottes Name in der Bibel heißt: „Ich bin da.“ Er ist der Immanuel, der Gott mit uns.
    Vielleicht kann uns diese Botschaft gerade in den heutigen Umständen Mut machen und Zuversicht geben. Vielleicht kann diese Botschaft gerade heute für uns ein Licht sein für unsere Welt.
    Vielleicht kann dieses Licht auch uns dazu bewegen die Masken unserer Seele fallen zu lassen und mehr Mensch zu werden.

    Ihnen allen wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest!

     

    Diakon Andreas Webel
     

  • 25. Dezember 2020

    In den Kirchen und sicher auch in vielen Häusern sind heute die Krippen aufgebaut. Stall, Landschaft, Figuren, alles (außer dem Kind in der Krippe) werden liebevoll arrangiert; auch Ochs und Esel:

    Was haben eigentlich Ochs und Esel in der Krippe zu suchen. Nirgendwo in den Weihnachtsevangelien wird von ihrer Anwesenheit berichtet, erst später sind sie in einer Vielzahl bildhafter Darstellungen zu sehen, ursprünglich sind sie nicht teil der Weihnachtsgeschichte, obgleich sie für uns selbstverständlich in unsere Krippen gehören.

    Mehrere Interpretationen hat die Forschung hervorgebracht.

    Eine davon bezieht sich auf das Buch des Propheten Jesaja, wo es heißt, "Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt's nicht, und mein Volk versteht's nicht. (Jes 1,3)." Somit stellen Ochs und Esel all diejenigen dar, die in dem Kind in der Krippe den Messias, den Sohn Gottes, den König der Welt erkannten und heute noch erkennen.

    Obgleich dies sicherlich nicht falsch ist, möchte ich noch eine andere Interpretation vorschlagen.

    Ochs und Esel sind dienende Tiere, sie sind Lasttiere, sie wurden beladen und haben getragen, Lasten und auch Menschen selbst.

    So werden sie zum Sinnbild für den, der in der Krippe liegt. Denn er ist gekommen, er der König der Welt, um zu dienen, um unsere Lasten zu tragen, unsere Schmerzen auf sich zu nehmen, letztlich um die Sünden dieser Welt in dienender freiwilliger Liebe ans Kreuz zu tragen. Ochs und Esel sind kein hübsches Assescoir an der Krippe, sie helfen uns die gesamte Heilsgeschichte Gottes in den Blick zu nehmen, sie helfen uns, im Kind in der Krippe den zu sehen, der gekommen ist, um den Menschen den größten Liebesdienst zu erweisen, nämlich ihre Lasten bis ans Kreuz zu tragen und so die Erlösung zu schenken.

     

    Text: K. Quirin

    Bild: gemeinfrei